Ein umfassendes

Pop- Rock- & Jazz-Lexikon

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von Jan M. Schultze, Marcus A. Woelfle & Peter Wulff

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So wünschen es Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, die Autoren, die auf kleinstmöglichem Raum Größtmöglichstes versucht haben und für Fehler natürlich selbst verantwortlich sind und um Abhilfe bitten. Denn: Wir machen weiter - dies ist nicht das letzte Wort!

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S ST T U V W X Y Z 1 2 3...> Bibliografie Copyright & Impressum

Abkürzungen
as   Altsaxophon
arr   Arrangeur
bs   Baritonsaxophon
b   Baß
c   Cello
cl   clarinet (Klarinette)
comp   Komponist
d   Drums, Schlagzeug
f   Flöte
g   Gitarre
h   Harmonica (Mundharmonika)
k   Keyboards (alle elektronischen oder akustischen Tasteninstrumente)
l   Lyrics (Texte)
ld   (Band-)Leader
org   Orgel
p   Piano (Klavier oder Flügel)
perc   Perkussion (Schlaginstrumente)
s   Saxophon
ss   Sopransaxophon
t   Trompete
tb   Trombone (Posaune)
ts   Tenorsaxophon
v   Vocals (Gesang)
vib   Vibraphon
vln   Violin (Geige)
 


A

AACM (Association for the Advancement of Creative Musicians) ist eine, am 9. Mai 1965 in Chicago gegründete Musikervereinigung im Bereich des Free Jazz, die auch sozial tätig ist. Mitglieder sind oder waren u.a. der Initiator Muhal Richard Abrams, Lester Bowie, Anthony Braxton, Amina Claudine Myers, Henry Threadgill, um nur wenige zu nennen.

A cappella Musik, die nur aus Gesangsstimmen besteht (manchmal mit sparsamer Instrumentalbegleitung), welche auch Instrumente nachahmen können; z.B. bei den Mills Brothers 1928-82 in den USA und den Comedian Harmonists aus Deutschland in den 30ern.

A Fine Frenzy Bürgerlicher Name: Alison Sudol. Die selbst komponierte Klavierballade „Almost Lover“ mit leichter Zerbrechlichkeit à la Eva Cassidy ließ 2008 die Musikwelt aufhorchen, weitere Hits gelangen der gelernten Pianistin danach nicht mehr.

A Flock of Seagulls Melodiöser New Wave/Pop in instrumental und gesanglich typisch hoher Tonlage von 1979 bis heute („I Ran“ 1982); gegründet von Michael Mike Score (v, k, g) (*1957, London) und Ali Score (d) (*1956, Liverpool).

A*Teens Schwedisches Teeniequartett, das von 1998 an mit äußerst unoriginellen, gnadenlos auf Disco gebügelten ABBA-Coversongs dankbare Abnehmer fand. Spätere Eigenkompositionen im gleichen Soundgewand wurden mit Ausnahmen („Upside Down“ 2000) von der Öffentlichkeit ignoriert.

A Tribe called Quest 1985-98 und 2006-17 durch lyrische, nachdenkliche Texte einflußreicher Hip-Hop, knackig & funky und auch schon mal vom Jazz inspiriert („Beats, Rhymes and Life“ 1996).

A-ha Norwegisches Trio Mitte der 80er mit anfangs anspruchsvollem, leicht melancholischem und einfallsreichem Pop zu klarer, teils sehr hoher Gesangsstimme (Morten Harket, *1959, Kongsberg) in seiner Heimat extrem prominent; („Take On Me“ 1985 mit aufsehenerregendem Video). Ende der 90er bis 2010 und wieder ab 2015 mit großem Erfolg reformiert.

Aaliyah Das US-amerikanische Multitalent mit dem zarten Soulstimmchen wurde ab Mitte der 90er Jahre für ihre relaxten und dezent instrumentierten R&B-Hymnen wie „Try again“, „We need a Resolution“ und „More Than a Woman“ gefeiert. Ihre Musik- und Schauspielkarriere („Romeo must die“) endete plötzlich 2001 infolge eines tödlichen Flugzeugabsturzes.

Aaron, Lee (*1962, Ontario) (v) Die Hardrocklady, die in den 80ern in Heavy-Metal-Nähe begann, erfolgreich war und in den 90ern bedeutungslos im Mainstream dümpelte, tingelt immerhin heute noch.

AB/CD Cover-Band vo AC/DC aus Deutschland ab 1990 für Tribute-Events.

ABBA (Nach Agnetha, Björn, Benny, Anni-Frid) Schwedisches Quartett 1972 bis 1982. Megaerfolgreich mit treffsicher arrangiertem Pop ohne jeden Anteil von Rock oder Blues, sehr einfach-eingängigen Melodien (zwei Komponisten: Björn Kristian Ulvaeus, *1945, Göteborg und Göran Bror Benny Andersson, *1946, Stockholm) und Mitsing-Gesangsharmonien (zwei Sängerinnen: Anni-Frid Synni Frida Lyngstad. *1945, Bjørkåsen, Norwegen und Agnetha Fältskog, *1950, Jönköping). Der Sieg im Eurovision Song Contest 1974 mit „Waterloo“ startete eine, nur anfänglich etwas zähe, Weltkarriere u.a. mit „Dancing Queen“ 1976, „Money, Money, Money“ 1977, „The Winner takes it all“ 1980 und etlichen weiteren, sodaß z.B. in Großbritannien fünf Alben hintereinander Platz 1 erreichten und sogar von Abbamania gesprochen wurde. Nach Auflösung versuchten sich Einzelmusiker in Solokarrieren (Frida) oder als Musicalkomponisten („Chess“). 2021 neues Album und Tour mit Avataren!

ABC Englisches Pop-Trio in den 80ern, wurde zum Soul- und Synthesizer-orientierten Duo in den 90ern („When Smokey sings“), 1991 aufgelöst. Seit 1997 ist ABC das Soloprojekt von Sänger und Gründer Martin Fry, so süßlich, als ob die Zeit stehen geblieben wäre.

Abdul, Paula Mit schmissigem und perfekt produziertem Synthetik-Pop inklusive unüberhörbarem R&B-Einschlag startete die US-Amerikanerin Ende der 80er durch. „Straight up“ 1988 und „Opposites Attract“ 1989 gehörten zu den verdientermaßen ausgezeichneten Pophighlights jener Zeit. Später konzentrierte sie sich auf ihre Arbeit als Choreografin.

Abercrombie, John (*16.12.1944, NY, † 22.8.2017, NY) (g) verdiente sich seine ersten Sporen im Trio des Organisten Johnny Hammond Smith. Da war fetzige, erdige, bodenständige Musik angesagt. Doch dann gehörte er zu jenen, auch vom Rock geprägten und dennoch zartbesaiteten Jazz-Sensibilisten der 70er Jahre. Er klingt luftig und fein, selbst wenn er laut spielt und die Gitarre verzerrt. Herausgegriffen seien die Trios. Unter ihnen bildete die Gruppe mit dem Organisten Dan Wall und dem Schlagzeuger Adam Nussbaum ein erdigeres Gegenstück zu Abercrombies anderem, eher abstrakten Trio mit Marc Johnson (b) und Peter Erskine (d). Ein ECM-Klassiker von 1975 ist das Album „Timeless“ mit Jan Hammer und Jack De Johnette.

Abou-Khalil, Rabih (*17.8.1957, Libanon), ein Könner auf der Oud, verbindet überzeugend arabische Musik und Jazz („Sultan's Picnic“ 1994). Jazzsolisten wie Kenny Wheeler oder Charlie Mariano und orientalische Rhythmiker wie Ramesh Shotham, exotische Modi und Bluesfeeling erscheinen in seiner unverwechselbar persönlichen und dem Kommerz abholden Musik wie füreinander geschaffen. Bemerkenswert auch seine außerordentlich humorvollen Ansagen auf Deutsch (lebte ab 1978 in München, derzeit in Frankreich).

Abrahams, Mick (*1943, England) Nach seinem Ausstieg bei Jethro Tull blieb der Gitarrist und Sänger dem jazzig/ bluesig verzwirbelten Hardrock treu; 1969/70 mit der Bläser-verstärkten Band Blodwyn Pig.

Abrams, Muhal Richard (*19.9.1930 Chicago, † 29.10.2017), Pianist der Jazzavantgarde, war Mitbegründer der Association for the Advancement of Creative Musicians (AACM).

Abstürzende Brieftauben Deutsches Fun-Punk-Duo in den 80ern, in den 90ern als Trio etwas ernsthafter. 1997 Pause - ab 2013 schrammelt's wieder.

Abwärts Deutsche aggressiv-depressive, teilweise sozialkritische Punk-Band der 80er („Beim ersten Mal tuts immer weh“ etwas Neue Deutsche Welle-orientiert), die erst Heavy-Metal-angehaucht mit längeren Unterbrechungen heute eher konventionell rockt.

AC/DC Australische Band, gegründet 1973. Geprägt durch den charismatischen Gesang Bon Scotts und die exzessive Bühnenshow des Gitarristen Angus Young (und Bruder Malcolm Young, g, † 2014), brachten AC/DC den Hardrock schnörkellos und mit bis dato ungekannter Härte genau auf den Punkt. Die trotz der aufgekommenen Punk-Bewegung als ehrlich und ungekünstelt bewunderte Band war ab Ende der 70er/Anfang der 80er immens erfolgreich und Vorbild für unzählige Bands des Genres („Highway to Hell“ 1979). Nach dem Tod Scotts 1980 mit Sänger Brian Johnson erfolgreiche Weiterführung der Karriere leicht Heavy-Metal-angelehnt („Back in Black“). Nicht immer mit hohem Neuigkeitswert weiterhin beliebt (2014 „Rock or Bust“) mit bisher über 150 Millionen verkauften Tonträgern!

Accept Heavy-Metal-Band Ende der 70er, vergleichbar mit Judas Priest (Musik) und AC/DC (Gesang); in den 80ern die wichtigste deutsche Band des Genres - trotz längerer Pausen international immer noch beliebt.

Accuser Deutsche Thrash-Metal Formation der 80er Jahre. In den 90ern langsamer und mit Grunzgesang ähnlich Pantera. 1996 aufgelöst, erneuert 2002 und seit 2008 bis heute auf Comeback-Tour.

Ace of Base aus Schweden hatten mit leichtem Pop zu tanzbaren Reggae-Rhythmen 1992 zuerst in Europa und später auch in Amerika großen Erfolg und versuchten, nach einer längeren Krise um die Jahrtausendwende 2010 einen Neuanfang auf dem Dancefloor.

Acid House House mit verzerrten Baßläufen, eigenartigen Synthesizerklängen und mit elektronischen 4/4-Discobeats als Vorläufer des Techno.

Acid Jazz Sehr schwammiger Begriff, der ab Ende der 80er in der House-Bewegung aufkam und rein elektronische Tanzmusik ebenso meinen kann wie die Verwendung von altem Schmalz-Bigband-Sound und manchmal auch von Jazz-Riffs, jedoch meist unkenntlich. Zusammenfassend: tanzbar, viele Samples, wenig Originalinstrumente.

Acid King Zähflüssiger Heavy-Metal aus San Francisco ab 1993; auch im Gesang Black Sabbath nahe.

Acid Rock siehe Psychedelic Rock.

Adam & Eve Ein heute weitestgehend vergessenes deutsches Schlagerduo, welches mit der weinerlichen Schmalz-Ballade „Du gehst fort“ 1975 ein einziges Mal die deutschen Top 10 kaperte.

Adam and the Ants New Wave-beeinflußter, hölzerner Pop um den Sänger Adam Ant (*1954, London) mit schrillem Image 1977-82 („Stand and Deliver“).

Adamo Belgischer Sänger mit italienischen Wurzeln, der vor allem ab 1969 mit dem Schlagerhit „Es geht eine Träne auf Reisen“ einem breiten deutschen Publikum bekannt wurde. Als sympathisch bescheiden auftretender Chansonnier im französischen Raum etabliert, hatte seine weitere Schlagerlaufbahn hierzulande nur noch einen geringen Stellenwert.

Adams, Bryan (*1959, Ontario) (v, g) Seit den 80ern sehr gefragter Kanadier mit einfachem, griffigem Rock und Balladen („Summer of '69“ 1983, „Everything I do (I do it for You)“ 1993). Archetypischer Vertreter des Genres und wohl deshalb bis heute mit steil und stetig aufsteigender Erfolgskurve, wobei sich inzwischen eher die Alben und nicht die Singles verkaufen.

Adams, Oleta (*1953, Seattle) Langsamer Pop/Soul, spielt Piano (Keyboards), Debüt 1990, Hitalbum: „Circle of One“.

Adams, Pepper (*8.10.1930, Highland Park, Michigan, † 10.9.1986, New York, „The Knife“ war die „sägende“ Bariton-Stimme unter den Hardbop-Saxophonisten. Adams wies mit formidabler Technik nach, daß sich mächtiges Klangvolumen und rasantes Spiel auf dem Bariton nicht ausschlossen. Doch die Verbindung aus der Geschwindigkeit eines Sprinters und der Ausdauer eines Marathonläufers wäre nichts, hätte seine Musik nicht von so viel Phantasie gezeugt. O-Ton: „Kein Baritonsaxophonist sollte Angst haben vor dem Lärm, den das Instrument macht.“ (Album „10 To 4 at the Five Spot“).

Adamski (*1967, England) Der 1990er Hit „Killer“, ein basslastiger Acid House-Track mit unverwechselbarem Beat, bedeutete für Sänger Seal den Startschuss für seine Solokarriere. Produzent Adamski verschwand hingegen weitestgehend in der Versenkung.

Adderley, Cannonball (*15.9.1928, Tampa, Florida, † 8.8.1975 Gary, Indiana) (as) perfektionierte erst einmal als Armeemusiklehrer seine Technik, bevor er 1955 nach einem spektakulären Auftritt kometenhaft zum „New Bird“ aufstieg. Sein Personalstil war einer der vergnüglichsten der Jazzgeschichte, ein unwiderstehlich mitreißendes Gebräu aus komplexen und einfachen Ingredienzien. Die quirlige, geistvolle Bebop-Linearität Charlie Parkers prägte ihn am meisten. Benny Carters Eleganz, menschliche und klangliche Wärme fanden bei Cannonball einen Nachhall, vor allem in den Balladen. Einen Schuß der Errungenschaften seines Freundes John Coltrane eignete er sich in ihrer gemeinsamen Zeit in der Talentschmiede Miles Davis' an. Zu alledem kommt, und dies ist Cannonballs eigentlicher Beitrag zur Entwicklung des Altsaxophons im Jazz, eine mächtige Dosis Soul. Die unglaubliche Virtuosität und der zupackende Drive seines humorvollen Spiels machten den beliebten und beleibten Künstler zum führenden Altisten, wenn nicht gar zur herausragenden Persönlichkeit des Soul Jazz, jenes besonders von Gospel und Blues geleiteten Quintetten bzw. Sextetten, denen sein Bruder Nat angehörte, musizierten Persönlichkeiten wie Yusef Lateef (ts) Bobby Timmons (p), Joe Zawinul (p), Thad Jones (b), Louis Hayes (dr). (Alben: „Somethin' Else“, „The Cannonball Adderley Quintet In San Francisco;“, „Mercy, Mercy, Mercy!“, Compilation: „75th Birthday Celebration“).

Adderley, Nat (*25.11.1931, Tampa, † 2.1.2000, Florida) stand immer im Schatten seines älteren Bruders. Dabei hatte er als führender moderner Kornettist und Komponist populärer Soul Jazz-Titel wie „Work Song“, „Sermonette“ und „Jive Samba“ Bedeutung erlangt.

Adesso Schweizer Trio (seit 1999) mit italienisch gesungenen Songs, klaren, simplen Grooves, tanzbar und zum Mitsingen.

Ade, King Sunny (& his African Beats) (*1946, Osogbo) Anfang der 80er (nach dem Ende des Reggae-Booms) versuchte sich eine Plattenfirma mit dem seit den 60er-Jahren musizierenden Nigerianer. Seine vertrackten Gitarrenlinien auf dichtem und abwechslungsreichem Perkussionsteppich eigneten sich jedoch ebenso wenig wie sein nicht englischer Gesang (Yoruba) für glatten Pop-Erfolg und so hört man seit Mitte der 80er weniger von ihm.

Adele (*1988, London) Die Pop- und R&B-Sängerin kassierte 2011 für ihr Album „21“ und Hits wie „Rolling in the Deep“ alles, was es an Auszeichnungen (inklusive Grammy) weltweit zu holen gab. Dank kraftvoller und ausdrucksstarker Soulstimme sowie der auffallend orchestralen Arrangements gilt sie als eines der größten britischen Talente überhaupt und verkauft seither entsprechend (2015 mit „25“ und auch 2021 mit „30“ wieder Rekordverkäufe).

Adiemus Ein Reklamespot von Delta Air Line sorgte 1994 für den bis heute einzigen Chartserfolg des Ethno-Titels „Adiemus“ vom gleichnamigen Projekt. Später folgten vom verantwortlichen Waliser Karl Jenkins ähnlich keltisch anmutende Soundteppiche mit Kunstsprache und Choreinsätzen.

Admiral Bailey Jamaikanischer Interpret des Ragga-Muffin vor allem in den späten 80ern.

Aerosmith Amerikanische Gruppe (ab 1970) um den ausdrucksstarken Sänger Steven Tyler (mit der großen Klappe und kreischenden, kräftigen Stimme, spielt auch Mundharmonika) und den Gitarristen Joe Perry; kompakt und einprägsam. Eine der erfolgreichsten Hardrock Bands ihrer Zeit („Walk this Way“ 1975), die auch Balladen kann („Dream on“ 1973). Abstieg durch Drogenprobleme (The Toxic Twins). Erfolgreiches, langsames Comeback („Love in an Elevator“ 1989) ab den 80er Jahren mit dem Höhepunkt 1993 „Get a Grip“, immer noch erdig, eingängig, rhythmisch vielseitig und nicht zu hart.

Ärzte, Die Lustige, aber oft auch scharfe deutsche Punk-Schlager, die in den 80ern mit drastischen Texten („Schlaflied“, „Claudia“) auffielen und 1987 mit „Geschwisterliebe“ sogar indiziert wurden. Da es für Bela B. (Gruppe Depp Jones) und Farin Urlaub (King Köng) nicht so gut lief, reformierten sich die Ärzte 1993 erfolgreich. Sie wurden immer kultiger (1998 „Männer sind Schweine“, erster Nr. 1-Erfolg in Deutschland). Nach der Jahrtausendwende wechselte die Band zwischen Geheimtour und Großkonzerten. Obwohl sie immer wieder pausieren, sind sie auch heute noch in der Lage, mühelos Hallen zu füllen. Ihre erfrischend schräge Weltsicht (auch politisch links unterfüttert), ihr rockiger Gitarrensound und ihre stetigen Experimente gegen den Mainstream ließen sie paradoxerweise genau dort ankommen.

African Bambaataa (*1957) Illustre Figur aus der New Yorker Funk- und Hip-Hop-Szene (durch Rap und Verwendung von Plattenspielern einer ihrer Mitbegründer). Mit seiner Hausband Soulsonics veröffentlichte er seit Mitte der 80er bis 2013 mehrere LPs.

Afroman Mit der eingängigen Kiffer-Nummer „Because I got high“ wurde der US-Amerikaner Afroman 2001 schlagartig berühmt. Dem äußerst entspannten, wenn auch anspruchslosen Rapstil blieb er in den folgenden Jahren treu.

Afro-Reggae Verbindung von Reggae mit seinen Wurzeln in der schwarzafrikanischen Musikkultur; Alpha Blondy, Susi Bilibi.

Agnes Schwedische Castingshow-Gewinnerin von 2005, die seitdem melodische Dancepop-Nümmerchen à la Cascada produziert. Hierzulande kennt man vor allem „Release me“ 2009.

Aggrovators, The Die Dubband von King Tubby bis Mitte der 70er.

Aguilera, Christina Die hochtalentierte US-Amerikanerin mit gewaltigem Stimmvolumen und -umfang bewies seit ihrem poppigen Lolita-Debüt „Genie in a Bottle“ 1999 eine atemberaubende Wandlungsfähigkeit: Sexvamp („Dirrty“ 2002), Retro-Chansonette („Ain´t no other Man“ 2006), Burlesque-Tänzerin (Film „Burlesque“ 2010). Im Zuge der permanenten Imagewechsel ließ sie zuletzt allerdings die musikalische Originalität vermissen.

Air Französisches Elektronik-Pop-Duo, das seit 1998 sparsam und steril vor sich hin bastelte und 2001 („10 000 Hz Legend“) mit elegischer Instrumentierung und sogar Gesang im krassen Wechsel große sphärische Gefühle zeigt.

Air Liquide Zweiköpfiges deutsches Techno-Team, das seit 1991 vermehrt live versuchte, das Genre durch neue Klänge zu erweitern.

Air Supply In den späten 70ern in Australien gegründet, hatten bis in die frühen 80er mit bombastisch produziertem Balladen-Rock (schmalzige Melodien und Texte über Liebe und ihre Krisen) weltweit Erfolg z.B. mit „Making Love (Out of Nothin' at All)“, bei dem deutlich Jim Steinman seine Finger im Spiel hatte. Bis heute immer noch raumklangtechnisch unterwegs.

Airforce Ginger Bakers (d) Band 1970.

Akinmusire, Ambrose (*1.5.1982 in Oakland), der nigerianische Eltern hat und bei Steve Coleman bekannt wurde, zählt derzeit zu den angesagten Jazztrompetern. (Album „On the Tender Spot of Every Calloused Moment“).

Akiyoshi, Toshiko (*12.12.1929, Mandschurei) (p, comp, arr), die den überwiegenden Teil ihrer Laufbahn in den USA verbrachte, machte anfänglich als Pianistin der Bud Powell-Nachfolge auf sich aufmerksam und leitete zunächst ein Quartett mit ihrem Ehemann Charlie Mariano. Das mit ihrem späteren Ehemann Lew Tabackin geleitete, von 1973 bis 2003 bestehende, preisgekrönte Orchester war ganz auf ihr kompositorisches Schaffen ausgerichtet.

Akkerman, Jan (*1946) Fetziger holländischer Gitarrist bei Focus; solo auch Einspielungen in gepflegtem bis langweiligem Pop und Jazz.

Akkord Das gleichzeitige Erklingen mehrerer Töne als harmonisches Gefüge.

Akon Der US-Amerikaner war zunächst solo („Lonely“ 2005), später vor allem als Gastmusiker (Eminem, 50 Cent, David Guetta, Pitbull) im Radio omnipräsent. Besonderes Kennzeichen: Quäkiger Gesang, der auf Dauer anstrengt.

Akustische Musik wird auf unverstärkten Instrumenten erzeugt und erst auf dem Weg der elektronischen Aufzeichnung eventuell mehr oder weniger bearbeitet (z.B. mit Hall). Akustische Passagen werden zu Kontrastzwecken gerne in ansonsten elektronisch erzeugter oder verfremdeter Musik eingesetzt; siehe auch unplugged.

Alberto Y Los Trios Paranoias aus England fielen 1973 bis 1982 parodistisch, manchmal Latin-angehaucht oder mit Fun-Punk, nur wenig auf.

Album Ein, im Gegensatz zur Single mit mehreren oder längeren Werken bestückter Tonträger.

Alcatrazz siehe Graham Bonnet.

Alex Oriental Experience Bis 2009 wenig orientalisches Rocktrio (d, b und Saz/Langhalslaute), seit den 70ern vor allem in Deutschland bekannt.

Alexander (Aexander Klaws) Sieger der ersten „Deutschland-sucht-den-Superstar“-Staffel 2003. Er hielt sich mit fünf Top 10-Hits (u.a. „Take Me Tonight“, „Behind The Sun“) und typisch Bohlenschem Schmalzpop aus der Keyboard-Fabrik bemerkenswert lange in der Erfolgsspur. Wechselte jüngst ins Musicalfach.

Alexander, Monty (*1944, Jamaika), ein von Oscar Peterson geprägter Pianist, der auch Einflüsse seiner karibischen Heimat verarbeitet, zeichnet sich durch virtuosen Spielwitz und ansteckende Lebensfreude aus. (Album „Uplift“ 2011)

Alexander, Peter Österreichischer Sänger, Schauspieler und Entertainer, der wie kein zweiter die Unterhaltungsbranche im deutschsprachigen Raum geprägt hat. Rund 50 Filme, 40 TV-Shows, über 200 Auftritte in TV-Sendungen, mehr als 50 Millionen verkaufte Tonträger, 27 Top 10-Singles und 10 Bambi-Auszeichnungen sind nur die nüchternen Zahlen einer einzigartigen Karriere, die den galanten Wiener in die höchsten Sphären der öffentlichen Anerkennung katapultiert hat. Weniger seine Schlager wie „Ich zähle täglich meine Sorgen“ 1959, „Der letzte Walzer“ 1967, „Liebesleid“ 1969 oder „Die kleine Kneipe“ 1976, weniger seine Nonsensfilme wie „Die süßesten Früchte“ 1953, „Charleys Tante“ 1963 oder Die „Lümmel“-Reihe 1968/69 als vielmehr sein unwiderstehlicher Charme, der Großmütter wie Enkelsöhne zu schmeicheln vermochte, machte den Berufskavalier zum Fixpunkt der Familienunterhaltung bis in die 90er Jahre hinein. Er starb 2011 in Wien.

Alice in Chains Erfolgreiche Band aus Seattle zwischen Grunge und Heavy-Metal in den 90ern; z.T. sehr langsam und depressiv, 1993 auch akustisch. Melodisch-zweistimmige Gesangspassagen (teils nasal, teils rauh) und einige Hits: „Them Bones“, „Would“. 2002 Auflösung nach Tod von Sänger Layne Staley, ab 2006 wieder mit neuem Sänger.

Alien Sex Fiend Dem Underground der 80er zuzurechnende Band zwischen schräg/düster und tanzbar/elektronisch um den Sänger Nick Fiend.

All-4-One Vocal-orientierte Pop-Gruppe der 90er Jahre, die mit der Ballade „I Swear“ 1994 weltweit die Charts stürmte. Trotz Grammyauszeichnung und ansprechender Arrangements eine Sternschnuppe im amerikanischen R&B-Business.

Allen, Geri (*12.6.1957, Pontiac, Michigan, † 27.6.2017, Philadelphia) (p), eine wichtige, vielseitige Künstlerin stammt aus der Pianistenhochburg Detroit; in ihrer Spielweise flossen unterschiedlichste Einflüsse zu einem packenden Stil zusammen.

Allen, Harry (*12.10.1966, Washington D.C.), beeindruckender Tenorist des modernen Traditionalismus, der von Webster, Gonsalves, vor allem aber Getz geprägt wurde.

Allen, Henry Red (*07.1.1908, New Orleans, † 17.4.1967, NY) Trompeter, der auch sang, bildete die vielleicht wichtigste Etappe in der Entwicklung von Louis Armstrong zu Roy Eldridge.

Allison, Luther Der Vertreter des modernen Chicago-Blues hatte sich bis zu seinem Tod 1997 mit dynamischem Gesang und Gitarrenspiel vom Mitläufer zum Star der 90er entwickelt.

Allen, Marshall (* 25.5. 1924, Louisville), Free-Altist, der von 1958-93 im Sun Ra Arkestra spielte und es dann nach Ras Tod die Leitung übernahm, dürfte derzeit der älteste lebende unter den bekannteren Jazzmusikern sein.

Alizée Französische Sängerin, deren bis heute respektable Laufbahn einst im Jahr 2001 als 17jährige korsische Männerphantasie und Pop-Entdeckung mit dem kokett-schlüpfrigen „Hit Moi... Lolita“ startete. Wenngleich die anfangs von Mylène Farmer produzierten, später mit eher weniger Originalität versehenen Pop-Electro-Nummern durch Alizées fragil-polierte Stimme getragen werden, behauptete sich die Künstlerin vor allem abseits ihrer vorwiegend in Frankreich verorteten Gesangskarriere mit einer (auch von der Öffentlichkeit aufmerksam verfolgten) passablen Tanzlaufbahn.

Allman Brothers Band 1969 bis 2014 Southern-Rock- und Blues-Band mit sattem, vielschichtigem Sound (Orgel, Slide) um den 1971 verunglückten Duane Allman (g, v); erfolgreich vor allem in den 70ern („At Fillmore East“ 1971 - ein legendäres Live-Album auf der Höhe ihrer Schaffenskraft), danach eine lange Durststrecke und erst mit den Gitarristen Derek Trucks (inzwischen vermehrt mit seiner Frau, Susan Tedeschi, unterwegs) und Warren Haynes (auch Gesang, Gov't Mule) besonders auf der Bühne bis 2014 sehr gefragt. Gregg Allman (v, k) † 2017.

Almeida, Laurindo (*2.9.1917, Sao Paolo, † 26.7.1995, LA) wirkte lange vor der Bossa-Welle mit Bud Shank als brasilianischer Konzertgitarrist im Jazz.

Almond, Marc Englischer Pop-Sänger der 80er/90er mit melancholisch-weicher Stimme; erster Hit: „Tainted Love“ mit Soft Cell, größter Solohit: „Something's gotten hold of My Heart“. In Großbritannien immerhin heute noch geschätzt.

Alpert, Herb (*1935, L.A.) Ab den 60ern Unterhaltungsmusik-Trompeter mit mexikanisch angehauchten Hits („Spanish Fleas“). Bis 1969 mit der Tijuana Brass Band unterwegs und immens erfolgreich, in den 80ern mit Tanznummern zu Jazz-Trompete.

Alpha Blondy (*1953, Elfenbeinküste) Sänger mit französischen Texten, dessen Werke, trotz starker Reggae-Einflüsse, die afrikanische Herkunft nicht verleugnen. Verteidigt seit Anfang der 80er Jahre kontinuierlich seinen Platz in der Afro-Reggae-Szene.

Alphaville In den 80er Jahren gegründetes, deutsches Elektronik-Pop-Trio mit griffigen, fast hymnenhaften Songs („Big in Japan“, „Forever Young“); in den 90ern plötzlich dunkel und überraschend hart; tingeln noch nostalgisch elektronisch.

Altamont Das Festival mit mehr als 300.000 Besuchern dämpfte 1969 vorerst die Euphorie für derartige Großveranstaltungen nach Woodstock durch organisatorisches Chaos, unzählige Verletzte und drei Tote, von denen ein Schwarzer während des Auftrittes vor den Augen der Rolling Stones erstochen wurde.

Altan Die irische Folkband der 90er schlechthin, die trotz traditioneller Musizierweise sehr frisch klingt („Island Angel“ 1993). Die Sängerin singt vorwiegend gälisch.

Alternative Kleinere, alternative Plattenfirmen oder auch kleine Unterabteilungen großer Labels unterstützen experimentelle Bands, die im Gegensatz zum Mainstream fast immer etwas schräg klingen und oft verschiedenste Musikstile uminterpretieren. Von Punk und New Wave bis Grunge und EBM umspannt der Begriff jede eher ungewöhnliche Musik, solange ihre Verbreitung alternativ klein bleibt. Das soll natürlich nicht heißen, daß auch alternative Bands unter diesem Etikett nicht gerne mehr verkaufen würden. Obiger Begriff wird vor allem auf amerikanische Künstler angewandt und kann zu reinem Hype aufgeblasen werden - was nicht immer (Nirvana) falsch sein muß. Siehe auch Underground oder Independent.

Amazing Blondel Ab Anfang der 70er Musik auf der Basis altenglischer Lieder und ihrer Instrumente. Heute nicht mehr so raffiniert, dafür immer noch unterwegs!

Ambient (House/Techno) Begriff der 90er für synthetische Tanzmusik der DJs, die meist langsam, mit sphärischen Keyboardklängen und tiefen Frequenzen eine tranceartige Umgebung schaffen will.

Ambros, Wolfgang (*19.3.1952, Wien) (v, g), stets von versierten Musikern begleiteter Österreicher (Mitbegründer des Austropop) mit melancholisch-satirischen Texten (z.B in „Es lebe der Zentralfriedhof“ oder der parodistische Rock-Oper „Der Watzmann“, Tauchen/Prokopetz). Während er in den 70ern noch Dylan-Songs auf Deutsch interpretierte, tendiert er inzwischen eher zum Schlager.

Ambrosetti, Franco (*10.12.1941, Lugano), stilsicherer Schweizer Flügelhornist und Trompeter des modernen Jazz, der zugleich Industrieller ist (daher der Titel der Autobiographie „Zwei Karrieren - ein Klang“).

Ambrosia aus Kalifornien machten, produziert von Alan Parsons, von 1975 bis Anfang der 80er aufgeblasenen Synthesizer-Pop-Rock.

Amen Corner Oberflächliche englische Beat-Gruppe 1967-70. Sänger Andy Fairweather Low ist ab 1971 solistisch unterwegs.

America Amerikanische sanfte Folk/Pop Formation in den 70ern (Hit „A Horse with no Name“); in den 80ern Filmmusik zu „The Last Unicorn“.

Ammons, Albert (*23.9.1907, Chicago, † 2.12.1949, ebendort) war ein bedeutender Boogie-Pianist mit wuchtigem Rhythmus und einfacher Melodik.

Ammons, Gene (*4.4.1925, Chicago, † 6.8.1974, ebendort) Sohn von Albert, genannt „Jug“, erbte das Bluesfeeling und war ein wichtiger Tenorist des Bebop mit gelegentlicher Tendenz zu R&B, der Einflüsse Youngs mit einem erstaunlich massivem Sound verband.

Amon Düül Chaotische, psychedelische Hippies aus München, die sich ab 1967 mit englischen und amerikanischen Vorbildern technisch in jeder Hinsicht schwer taten (Krautrock). Erst Amon Düül II konnten als tapfere Vorreiter im Rock-Entwicklungsland BRD langsam (ab 1969) ihre Underground-Musik mit exotischen Klängen, mystischen Texten, Hardrock und Elementen à la Pink Floyd, Jefferson Airplane überzeugend aufwerten, bis sie Mitte der 70er einem immer belangloserem Ende entgegentrieben. U.a. mit Chris Karrer (g, vln, v), Renate Krötenschwanz Knaup (v). Nach ansteigendem Interesse am Krautrock 1995 Reunion.

Amorphis Finnische Band der 90er, vom Black-Metal kommend, mit Keyboards und nordischer Folklore zunehmend langsamer und gemäßigter. Heute sanft in den Mainstream geraunzt, gesäuselt und gehymnet.

Amos, Tori (*1963, North Carolina) Amerikanische Pop-Künstlerin, die in den 90er Jahren bekannt wurde. Oft Songs zu karger Begleitung (sie spielt Piano), stimmlich weich und modulationsfähig; covert 2001 sogar Slayers „Raining Blood!“

Amott, Michael (*1970, London) Schwedischer Death-Metal-Gitarrist: Arch Enemy (ab 1996), Spiritual Beggars (ab 1994), ex-Carcass (Anfang der 90er).

Anajo 1999-2014 aus Augsburg im Stile der Hamburger Schule mit einem Sänger.

Anastacia Amerikanische Sängerin, die in ihrer Heimat konsequent ignoriert, mit Brillengestell, einprägsamem Soulpop und dröhnender Stimmgewalt zwischen 2000 und 2006 bemerkenswert viele Hits aneinanderreihte vor allem in Deutschland, ein bißchen in England und in den USA eben gar nicht. „I'm Outta Love“ 2000, „Paid My Dues“ 2001, „Left Outside Alone“ und „Sick and Tired“ 2004 waren respektable Chartserfolge. Jenseits des Atlantiks versprühten Künstlerinnen wie Rihanna, Shakira und Shania Twain zu jener Zeit aber offenbar mehr körperlichen, sowie dem Massengeschmack zugewandteren Esprit als die Powerfrau aus Chicago, die mit ihren gesundheitlichen Problemen (u. a. Brustkrebs) dafür äußerst transparent umzugehen wusste.

And One Elektronik, Deutschland ab den 90ern, düster, EBM-nah.

Anders, Thomas Deutscher, englisch wie deutsch singender Schlagersänger u.a. bei Modern Talking seit den 80ern.

Anderson, Angry (*1947) Aggressiver Hardrocksänger der Rose Tattoo mit Soloplatten seit den späten 80ern.

Anderson, Cat (*12.9.1916, Greenville, † 29.4.1981, L.A.) Berühmt wurde der Mann mit dem stärksten Ansatz der Welt (so Charles Mingus) bei Duke Ellington, der ihn zwischen 1944 und 1971 hauptsächlich in zweifacher Rolle einsetzte: als effektvollen Bläser in höchsten Stratosphärenlagen und als Solisten in lateinamerikanisch oder sonstig südländisch angehauchten, melodramatischen Stücken, wie etwa „Coloratura“ aus der „Perfume Suite“ und „El Gato“. Eher selten hört man ihn mit Dämpfer und auf eigenen Platten im Stile Louis Armstrongs.

Anderson, Ernestine (*11.11.1928, Houston, † 10.3.2016, Shoreline) Quincy Jones meinte einmal, Ernestine Andersons Stimme klinge wie Honig in der Dämmerung; auf jeden Fall klang sie warm und verführerisch weich. Ihre Karriere kannte alle Höhen und Tiefen. Bisweilen war sie ganz vergessen, zeitweise war sie ein Star und wurde mit den Größten ihres Faches Ella, Sarah, Billie in einem Atemzug genannt.

Anderson, Ian (*1947, Dunfermline) siehe Jethro Tull.

Anderson, Jon (*1944, Accrington, Lancashire) Sänger mit extrem hoher Stimme u.a. bei Yes oder Vangelis.

Andersen, Lale Deutsche Sängerin und Schauspielerin, die mit dem Titel „Lili Marleen“ 1939 weltberühmt wurde. Den dunklen Kriegsjahren nur mit viel Glück entkommen, erarbeitete sie sich mit kernigem Timbre und bourgeoisem Look eine gute Reputation als Schauspielerin, Sängerin und Kabarettistin. Mit „Ein Schiff wird kommen“ gelangte sie 1960 an die Spitze der deutschen Charts.

Anderson, Laurie (*47, Illinois) (v, vln) Avantgardistische Lyrikerin, die sich nach Pop-Happenings und komplexen Klein-Kunstwerken (1980 „Big Science“) inzwischen auch in der kürzeren Form einzelner sanft-skurriler Songs wiederfindet.

Anderson, Lynn Amerikanische Sängerin, die vor allem in den 70er Jahren neben Dolly Parton und Tammy Wynette zu den bekanntesten Country-Cowgirls (so mehrere ihrer Albumtitel) gehörte. Mit dem elegisch-relaxten Countrypoptitel „Rose Garden“ 1971 schuf die zart-stimmliche Grammy-Preisträgerin einen Welthit, der ihre weitere, überaus ansprechende Diskographie bis zu ihrem Tod 2015 überstrahlte.

Anderson, Ray (*16.10.1952, Chicago) gilt als einer der wichtigsten Jazzposaunisten seiner Generation.

Andre, Peter Mehr als mit dem sommerhittauglichen Reggae-Verschnitt „Mysterious Girl“ 1995 wurde der Brite vor allem durch seinen perfekt trainierten Waschbrettbauch sowie seine vierjährige Ehe mit Katie Price (wer auch immer das ist) berühmt.

Andrew Sisters, The 1932-66 Schlager-Sing-Sang aus Amerika („Bei Mir Bist Du Schoen“ 1937). Die Töchter eines Griechen und einer Norwegerin waren die erste wirklich erfolgreiche Frauenband mit Hunderten von Songs und über 80 Millionen Plattenverkäufen - immer nahe am Swing, in Filmen und in Radioshows.

Andrews, Chris Britisch-deutscher Popsänger, dem in den 60er Jahren schunkelfreudige wie schlagereske Fetenhits den dankbaren Weg über den Ärmelkanal Richtung Deutschland ebneten. „Yesterday Man“ 1965, „To Whom It Concerns“ 1966 und „Pretty Belinda“ 1969 boten mitklatschwuchtige Schlichtheit, die in England eher verschämt ignoriert, hierzulande jedoch überaus gefeiert wurde. In den frühen Jahren seiner Laufbahn noch auf rockigem Swingkurs unterwegs, verkaufte der gebürtige Londoner spätestens ab 2009 mit Après-Ski-Martyrien seines einstigen Hits „Pretty Belinda“ jeglichen Anstand eines in Würde alternden Pop-Oldies.

Andy, Horace (*1951, Kingston) International bisher kaum bekannter Reggae-Sänger in den Sparten Roots und Dancehall, obwohl er regelmäßig seit Anfang der 70er Jahre erstklassige Alben lieferte und Mitte der 90er mit Produktionen der Band Massive Attack aufhorchen ließ.

Aneka Schottische Sängerin, die anfangs unter ihrem bürgerlichen Namen Mary Sandeman mit traditionellen Gesängen (in gälischer wie englischer Sprache) ihre Bühnenkarriere startete, bevor sie 1981 als Aneka und mit Kimono bekleidet schwurbeligen Synthi-Pop mit simpler Geisha-Folklore aufs Tanzparkett warf. Nach „Japanese Boy“ und „Little Lady“ (beide 1981) endete Sandemans Popkarriere und sie kehrte berechtigterweise zu ihrer musikalischen Bestimmung zurück.

Animals In der harten britischen Blues-Rock-Band fand 1962 -68 der kraftvolle Sänger Eric Burdon ein adäquates Zuhause („House of the Rising Sun“, „When I was Young“).

Anka, Paul (*1941, Ontario) wandelte sich ab 1958 vom Teenie-Star zum Crooner.

Anna Katt Sehr entspannte Band um die sanfte Sängerin Kristina Lindberg zwischen Österreich und Schweden ab 2014, die leise und schön klingt, obwohl - oder weil- leicht verstörende und kraftvolle Nuancen den Ton im Abendhimmel („Skymning“ 2019) wirklich spannend machen. Neues, etwas jazzigeres Album 2021.

Annihilator Kanadischer Thrash-Metal ab Mitte der 80er („Alice in Hell“). Bis heute gültig.

Anthrax Amerikanische melodische Thrash-Metal Band, gegründet Anfang der 80er. Experimentierten bis in unsere Tage auch mit Rap-Elementen.

Antolini, Charly (*24.5.1937, Zürich) ist nicht nur ein vitales Kraftpaket mit extremer Ausdauer und viel Swing, sondern obendrein ein unglaublich präziser Denker am Schlagzeug, der über eine erstaunliche Koordinationsfähigkeit unabhängiger Gliedmaßen verfügt, die ihn zu komplexesten Rhythmen befähigt und dies in jedem Tempo. Legendär die sogenannte Boxenkillerscheibe „Knock Out“.

Anvil Nordamerikanische Band ab den frühen 80ern mit heftigem und schnellem Heavy-Metal; damit teilweise Vorreiter des Speed-Metal (Thrash-Metal). Heute deutlich angepasster, also eher von gestern.

Anyone's Daughter konstruierten in Deutschland seit Ende der 70er bis in die 80er langatmige Rockstücke.

AOR, Adult Orientated Rock (Erwachsenen-orientierte-Rockmusik) ist im Gegensatz zum eher herben, kantigen, lauten oder anarchischen Rock der Jugendlichen eine durch Keyboards verwässerte und mit süßlichen, oft mehrstimmigen Chorussen mitsingtaugliche Variante des Schlagers im reißbrettgezimmerten Rocker-Gewand - eigentlich ein weichgespülter Rock-Widerspruch in sich selbst („Final Countdown“ 1986 von Europe, die Gruppen REO Speedwagon, Rick Springfield uvm.).

Apache 207 Deutscher Rapper aus Ludwigshafen, der sich inmitten eines seit Mitte der 2010er Jahre, von Straßenbande, KMN Gang und Ersguterjunge dominierten Deutschrap-Regiments, als langmähnige Skurrilität jeglicher eindeutigen Gattungszuordnung verweigert. Irgendwo zwischen der Buntscheckigkeit von Alexander Marcus und dem Gestus eines steroidensüchtigen Sektenführers verortet, mischt der Musiker selbstreferentiellen Pathosrap mit 80er-Synthie-Melodien, zuweilen genretypisch derb und keineswegs unumstritten, aber (vor allem hinsichtlich seiner Musikvideos) nicht ohne selbstironische Färbung. Mit „Roller“ 2019 gelang Apache 207 der Durchbruch, weitere Nr. 1-Hits wie „Fame“, „Boot“, „Bläulich“ und „Unterwegs“ (alle 2020) folgten. Trotz der unvermeidlichen Kritik an homophoben wie sexistischen Schwingungen in seinen Lyrics sind die Produktionen des sich jedem privaten Einblick verweigernden Rappers durchaus von bemerkenswerter Originalität und Konsequenz.

Apache-Indian (*1967, Birmingham) Shooting-Star in der englischen Bhangra-Ragga-Muffin-Szene: harte Ragga-Sounds und indische Folklore, erfolgreich vor allem in den 90ern.

Aphex Twin Der britische Elektronik-Bastler Richard D. James gehört mit Sphärenklängen („Ambient Works“), Klangcollagen mit Dancebeats (“I Care Because“) und äußerst bizarren Videoclips zu den führenden Technopersönlichkeiten der 90er. Frickelt aber heutzutage immer noch nicht unerfolgreich.

Aphrodites Child (1968-72) Griechische Gruppe in Paris um Vangelis Papathanassiou (k), und Demis Roussos (v in wirklich extrem hoher Stimmlage mit ebenso unglaublichem Vibrato, b, g) gegründet, die sich herzzerreißenden Balladen und einem ausgefallenen Konzeptalbum („666“, über die Apokalypse des Johannes) hingaben.

Appleby, Kim Eine Hälfte des Geschwisterduos Mel & Kim, welche nach dem frühen Tod Melanies als Solistin weitermachte. Mäßiges wie tanzbares Popallerlei wie „Don´t Worry“ 1990 blieb ihr Markenzeichen, später rettungslos in der Versenkung verschwunden.

April Wine Kanadischer Hardrock ab 1969, rockt an der Grenze zum Mainstream.

Arcadia siehe Duran Duran.

Arcade Fire 2002 in Montreal um das Ehepaar Win Butler und Régine Chassagne gegründete Indie-Pop-Band, die aufgrund ihrer Konzeptalben („The Suburbs“ 2010) entfernt auch dem Art Rock zugeordnet werden kann und sehr erfolgreich wurde („Reflektor“ 2013, Everything Now 2017).

Arch Enemy Melodischer schwedischer Death Metal, seit 1996 bis heute erfolgreich um den ex-Carcass und jetzigen Spiritual Beggars-Gitarristen Michael Amott, zu weiblichem Gegrunze.

Archies, The Trickfilm-Musikgruppe aus den USA, die auf der Zeichentrick-Show „The Archie Show“ basierte. Die eigentlichen Sessionmusiker wurden von der Öffentlichkeit ferngehalten. Hits wie „Sugar, Sugar“ und „Jingle Jangle“ galten als typischer Bubblegum-Pop aus der Retorte.

Arctic Monkeys Englische Band ab 2002. Sehr erfolgreich mit breit gefächertem Sound von Garage Rock bis Trip Hop.

Argent Amerikanische Hardrock/ Mainstream Gruppe der 70er Jahre um die Songwriter Rod Argent (k, v, von den Zombies) und Russ Ballard.

Armatrading, Joan (*1950 in Basseterre, Saint Kitts, aufgewachsen in Birmingham, England) konnte ab Mitte der 70er Jahre mit kehligem, intelligentem Gesang und musikalisch potent eine Zeit lang ein erstaunliches Gleichgewicht halten (1980 „Me Myself I“) - das machten ihr Tracy Chapman und Suzanne Vega später nach. Musikalisch noch immer intelligent, jetzt mit u.a. Blues („Into the Blues“ erreichte bei insgesamt abnehmendem Erfolg Platz 1 der US-amerikanischen Billboard Blues Charts) stets eine ernstzunehmende Ikone ihrer selbst.

Armstrong, Louis (*4.8.1901, New Orleans, † 6.7.1971, New York. Das symbolische Jahrhundert-Geburtsdatum am amerikanischen Unabhängigkeitstag 4. Juli 1900 ist falsch.) Der Trompeter mit der heiseren Stimme und dem weißen Taschentuch war die vielleicht einflußreichste Persönlichkeit der afroamerikanischen Musik und bleibt wohl für alle Zeiten die beliebteste Symbolfigur des Jazz. Allein schon die vielen mit Ehrfurcht oder Zärtlichkeit ausgesprochenen Beinamen - Pops, Satchmo, Satchelmouth - belegen den Rang von Mr. Jazz. Der Sohn eines Tagelöhners lernte in einem Erziehungsheim für Jugendliche Kornett und spielte mit führenden Musikern des New Orleans Jazz wie Kid Ory und auf den Flußdampfern bei Fate Marable. Joe King Oliver holte ihn 1922 in seine Band nach Chicago. In den kraftvollen Duetten der Kornettisten zeichnete sich schon die zunehmende Emanzipation des einzelnen Solisten von der im frühen New Orleans Jazz üblichen Kollektivimprovisation ab. Diese Entwicklung findet, nach einem Zwischenspiel bei Fletcher Henderson (1924/25), in den Aufnahmen seiner Hot Five und Hot Seven einen Höhepunkt (1925-28): Die beeindruckende Architektonik seiner melodischen Einfälle, der strahlende Klang sowie die makellose Technik seines Kornett- und Trompetenspiels in Meisterwerken wie „Heebie Jeebies“ (das die Satchmo zugeschriebene(!) Erfindung des Scat-Gesanges dokumentiert) und „West End Blues“ wiesen ihn als erstes solistisches Genie des Jazz aus. Satchmo setzte nun die Maßstäbe für Improvisation, Scatgesang, Swing Feeling und Instrumentalbeherrschung, aber auch für Bühnenpräsenz und Entertainment - ein Vorbild, das sich auf nahezu alle Bereiche und Instrumente erstreckte. Schließlich löste sich Satchmo vom New Orleans-Stil, um sich 1931-47 als gefeierter Solist von Swing-Orchestern begleiten zu lassen. Mit seinen, nach dem 2. Weltkrieg formierten All Stars, denen Größen wie Earl Hines, Jack Teagarden, Trummy Young, Barney Bigard und Edmond Hall angehörten, wurde er vorbildlich für eine modernisierte Variante des New Orleans Jazz und fungierte in aller Welt als Botschafter des Jazz. Andererseits beschränkte er sich nicht auf Jazz („What A Wonderful World“) und errang durch seine rege Zusammenarbeit mit weißen Größen von Showbiz und Hollywood wie kein zweiter Respekt für Afroamerikaner. Zur Zeit der Bürgerrechtsbewegung wurde kritisiert, er produziere sich vor dem weißen Publikum als clowneskes Klischee und Zerrbild eines Schwarzen und warf ihm (zu Unrecht) politisches Desinteresse vor. Auch als Persönlichkeit strömte er die Warmherzigkeit und Lebensfreude seiner Musik aus.

Army of Lovers Schwedische Popgruppe, bekannt für höchsten Travestiefaktor und leidenschaftlichen Garderobenfetisch, die inmitten der gesamten LGBT-feiernden Extravaganz ihrer Auftritte und glattgebügelten Dance-Pop-Veröffentlichungen („Crucified“, „Obsession“, beide 1992) mit dem eher ordinären Narzissmus ihrer Bandmitglieder zu kämpfen hatte. Folge: Rausschmiß hier (La Camilla), Ausstieg dort (de la Cour), Auflösung 2001, Reunion 2005. Der einst in den 90ern so reizvoll konfettibunten Schrillheit dieses ganzen Bandkonstrukts taten jene Streitigkeiten weder musikalisch noch kommerziell besonders gut.

Arrangements etablierten sich schon früh im Jazz von der simplen Unterstützung des improvisierenden Solisten zu einer der Improvisation gleichberechtigten Kunst, die insbesondere für Bigband-Musik unentbehrlich ist. Kollektivimprovisation New Orleanser Prägung war schon in den 20ern bei Besetzungen von über zehn Mann ein Unding. Man brauchte Absprachen, die zu einer zumindest mündlichen Fixierung des Verlaufs führten (was man durchaus als Arrangement bezeichnen kann) oder übernahm aus der Tanzmusik die Gewohnheit, für die einzelnen Musiker eigene Stimmen aufzuschreiben. Diese dienten als Stütze und Ergänzung zur Improvisation oder ersetzten sie als auskomponierte Gegenstimmen und Begleitung vollständig. Allerdings nahmen die Arrangements im Swing überhand, beschnitten oft den improvisatorischen Freiraum und Musiker mussten auf Platten erfolgreiche, einst improvisierte Soli vor dem Publikum genau reproduzieren, wodurch sie Teil des Arrangements wurden. Im Idealfall sitzt das Arrangement, wenn es von einem guten Komponisten stammt, der die besonderen Fähigkeiten des Solisten kennt - Paradebeispiel Duke Ellington - wie ein Maßanzug. Gegen Tendenzen das Arrangement zu einer Zwangsjacke verkommen zu lassen reagierte der Bebop mit ausgedehnter Improvisation. Der Erfolg des New Orleans Revival hat die gleichen Ursache. Im West Coast Jazz wurden ausgefeilte Arrangements und ihre Urheber groß herausgestellt, während radikale Formen des Free Jazz mündliche oder gar keine Absprachen bevorzugen. Der Übergang zwischen Improvisation, Arrangement und Kompositon ist oft fließend. Wird für die geschriebenen Arrangements meist ein Arrangeur beauftragt, so werden daneben auch ungeschriebene aus der Improvisation der Bandmitglieder heraus geboren, etwa die head arrangements (da im Kopf behaltenen) bei Basie. Ein zu so komplexen Partituren fähiger Komponist wie Charles Mingus schrieb seine Stücke oft auf gedachtes Papier und schlug seinen Musikern singend verschiedene Töne vor, ließ ihnen aber die Wahl, diejenigen auszuwählen, die ihnen am besten gefielen. Wenige Musiker werden in erster Linie als Arrangeure bekannt (Gil Evans, Manny Albam, Johnny Richards, Pete Rugolo, Billy May). Die meisten Arrangeure werden berühmt, wenn sie auch herausragende Fähigkeiten als Instrumentalist (Benny Carter), Themenkomponist (Billy Strayhorn), Produzent (Quincy Jones) oder Bandleader (Shorty Rogers) besitzen.

Arriale, Lynne (*29.5.1957, Wisconsin) zeichnet sich als Pianistin des modernen Jazz, die meist im Trio auftritt, mit feinsinniger Lyrik und melodischem Reichtum aus.

Ars Nova Amerikanisches, klassisch gebildetes, kunstvoll vielschichtiges Rock-Sextett 1967 bis 1969, das trotz Kritiker-Lobes nie erfolgreich war.

Art Ensemble of Chicago , in seiner bekanntesten Besetzung bestehend aus Roscoe Mitchell (s), Joseph Jarman (s), Lester Bowie (t) und Malachi Favors (b), war ein Ableger der 1965 gegründeten Association for the Advancement of Creative Music (AACM). Unter diesem Namen musizierte die Gruppe seit 1969, von den Gründungsmitgliedern ist heute nur noch Mitchell dabei, der 1966 schon die Vorgänger-Band ins Leben rief. Mit ihren eklektizistischen Klangphantasien, die von den abenteuerlich kostümierten Musikern mit Wort, Tanz und Pantomime in Gesamtkunstwerke eingebettet wurden, erreichte die Band eine für Free Jazz erstaunliche Langlebigkeit und Popularität. Bowie war überzeugt, die Musik des Ensembles könne das Leben des Hörers zum Guten wenden.

Art of Noise, The Englischer Avantgarde-Pop der 80er Jahre mit schrägen Synthesizern und Geräusch-Samples. Cover-Version des Prince-Titels „Kiss“ (mit Tom Jones als Gastsänger).

Art Rock (Kunst Rock) Von den Beatles ausgehend („Sgt.Pepper“ 1967) wurde die simple Aneinanderreihung von Hits Ende der 60er verdrängt von kompletten, zusammenhängenden Alben (Konzept-Alben) oder von endlos langen Improvisationen (Cream). Galten anfangs einigermaßen gleichklingender Sound oder die Verwendung nur eines Rock-untypischen Instrumentes (z.B. Geige) als höchst kunstvoll, so stellten Mitte der 70er viele Bands eine oder gar mehrere LPs unter ein Thema. 30-minütige komplexe Kompositionen, um die sich weitere Songs nur als Zugabe gruppierten, wurden, auch kommerziell die Single verdrängend, zur Regel. Mit immer anspruchsvolleren Verschachtelungen versuchten die Bands ihre Hörer auf immer längere musikalische Reisen zu schicken - Stücke mit musikalischem Jazz-Tiefgang (Yes, Gentle Giant), historischen Anleihen (Emerson, Lake & Palmer), gründlicher Einheitlichkeit (Pink Floyd) oder Opern-aufwendigem Umfang (Genesis, Jethro Tull) in Großbritannien - und in Amerika eher aufwendige Soundkonzepte wie bei Grateful Dead oder Kansas. Als sich diese anfangs hochproduktive Bewegung Ende der 70er belanglos wiederholte, war der Punk vor allem in Europa die drastische Antwort auf derart aufgeblasene Selbstgefälligkeit. Gesamtkunstwerke wie in den 70ern wurden jedenfalls äußerst selten. Eine heutige Entwicklung ist der Progressive Metal.

Ash Nordirische beschwingte Indie-Gitarren-Popband, ab Mitte der 90er erfolgreich („The Girl From Mars“).

Ash Ra (Tempel) Deutsches Synthesizer- und Gitarren-Gewaber in den 70ern.

Ashby, Dorothy (*6.8.1932, Detroit, † 13.4.1986, Santa Monica) ist wohl mehr als jede oder jeder andere für die Etablierung der Harfe im Jazz verantwortlich. Zwar haben vor ihr Künstler wie Casper Reardon Harfe gespielt, doch sie gerieten bald in Vergessenheit. Vor allem ihre, in den späten 50er- und 60er-Jahren eingespielten Alben - darunter „The Jazz Harpist“, „In A Minor Groove“, „Hip Harp“ - waren etwas völlig Neues: Da war sie oft in einem Gespann mit dem Flötisten Frank Wess zu hören - auch er ein Jazz-Pionier auf seinem Instrument - von Bass und Schlagzeug begleitet. Wer denkt bei Flöte und Harfe nicht an klassische Kammermusik? So stellt man es sich vor, wenn Engel jazzen.

Asher D. & Daddy Freddy Der Titel der 87er LP Raggamuffin Hip-Hop ist Programm: auch solo sind die beiden Top-Acts der Hardcore-Raggamuffin-Szene.

Ashford & Simpson Das farbige amerikanische Songwriter-Ehepaar startete in den 60ern als Lieferant für Ray Charles, Diana Ross oder Stevie Wonder, bevor 1984 mit dem souligen Disco-Song „Solid“ ein selbstinterpretierter Erfolg gelang und in den 90ern die Karriere sanft ausklang.

Ashton, Gardner & Dyke Von Ex-Remo Four-Mitgliedern 1968 in London gegründet, verbanden bis 1972 harten Blues-Rock mit jazzigen Einflüssen und der charakteristisch rostigen Stimme Ashtons.

Asia Musiker um Geoff Downes (k), Carl Palmer (d) , anfangs auch Steve Howe (g) fanden hier eine bombastische Plattform, ihr Können studiotechnisch so aufzublasen, daß sie bis in die späten 80er noch sehr gut verdienen konnten („The Heat of the Moment“); 1986 wurde die völlig umbesetzte Band finanziell nicht mehr so einträglich und aufgelöst. Warum uns die Herren Downes, Palmer, Sherwood (arr) und Thal (g) ab 1989 wieder belanglosen Schmalz auftischen, bleibt ihr Geheimnis.

Asleep at the Wheel sind ab 1969 eine wechselnd erfolgreiche Band um den Sänger und Gitarristen Ray Benson (*16.5.1951). Über 80 Mitglieder spielten in etlichen Besetzungen und in ihrer, besonders live erfolgreichsten Zeit Mitte der 70er standen schon mal elf Musiker auf der Bühne (1975 „Texas Gold“). Grundsätzlich mit sonorer Country-Stimme, konventionellem Material und klischeehaften Texten auf dem Markt, fällt andererseits die üppige Besetzung auf, die in „One O'Clock Jump“ 1987 ohne Gesang swingen konnte, 1987 in „House of the Blue Light“ Boogie-Woogie-Anleihen enthält und 1988 mit „Sugar Foot Rag“ wieder flotten Country ablieferte, was jeweils mit einem Grammy belohnt wurde.

Asmussen, Svend (*28.2.1916, Kopenhagen, † 07.02.2017), der in Dänemark auch als einer der beliebtesten Entertainer, Schauspieler, Komödianten ein Star war, besaß als Violinist, der auch hervorragend Viola spielte, einen an Grappelli heranreichenden Ruf und wurde von Größen wie Ellington oder John Lewis als Partner gern akzeptiert. Sein dunklerer, bisweilen trüber Sound kontrastiert merkwürdig mit seinem spielfreudig-ausgelassenen Musikantentum.

Asphyx Niederländische Formation zwischen Death- und Doom-Metal (90er); extremer Grunzgesang. Prügeln immer noch heftig.

Astley, Rick Englischer Tanz-Mainstream der 80er; produziert von Stock/Aitken/Waterman - fulminantes Comeback in Großbritannien 2016!

Astra Kid Ab 1996 heftige Band aus Datteln im Stile der Hamburger Schule.

Aswad Hochpotente englische Reggae-Band um den Sänger und Rhythmus-Gitarristen Brinsley Forde, die Mitte der 70er in kleinen Clubs mit erdigem Roots-Reggae, gewürzt mit britischem Rock und sozialkritischen Texten begann und sich allmählich zu einem Top-Act mauserte, der zwar glatter, aber nicht künstlerisch unattraktiver wurde (siehe „Shine“ von 1995).

Atkins, Chet (*1924, Tennessee; † 2001, Nashville) Anerkannter Country-Gitarrist mit gelegentlichen Ausflügen in die Unterhaltungs-Musik (z.B. mit Mark Knopfler).

Atlanta Rhythm Section Ab 1970 bis heute Blues- und Country-Rock aus Atlanta, am erfolgreichsten bis in die 80er.

Atlantean Kodex Analog geschrubbter Doom-Metal aus Niederbayern: Konnte mit kryptischen Texten und etwas Mainstream-weichgespültem Gesang auf dem mehrfach ausgezeichneten „The Golden Bough“ 2010 international durchstarten.

Atlantis 1973/74 Rock mit Inga Rumpf.

Atlas, Natasha leiht ihre Stimme dem Dancefloor in London und war mit einer eigenen LP 1995 wenig erfolgreich.

Atomic Rooster Ab 1969 (bis 1984) unkomplizierte Hardrock-Band um Vincent Crane (mit heftiger Orgel, 1989 gestorben), die ihren Schlagzeuger an Emerson, Lake & Palmer verlor und u.a. den Ex-Colosseum-Sänger Chris Farlowe auf Solo-Pfade entließen, bäumten sich 1980 (mit Gitarrist und Sänger John Du Cann) ein letztes Mal, dafür überragend, auf.

Atrocity Deutscher Death-Metal; 1995 zusammen mit Das Ich in Richtung Dark Wave.

Attila siehe Billy Joel.

Atzmon, Gilad (*1963, Jerusalem), erregte als von Folklore, namentlich palästinensischer und jüdischer Musik berührter, wie von Charlie Parker und Cannonball Adderley beeinflußter Saxophonist ebenso Aufsehen wie mit seinen radikalen antizionistischen Thesen (Album „Exile“).

Aubry, René (*1956) Französischer Instrumental-Komponist der Pop- und Rock-inspirierten Moderne; vor allem für Ballett- und Film-Musik.

Audioslave Rage aganist the Machine-Musiker mit Soundgarden-Sänger Chris Cornell († 2017) ab Ende 2002. Und genauso klingt's auch. Auflösung im Todesjahr des Sängers.

Auer, Vera (*20.4.1919, Wien; † 2.8.1996, Newsane) war eine Akkordeonistin und Vibraphonistin des modernen Jazz (Zusammenarbeit mit Attila Zoller, Joe Zawinul).

Auger, Brian (*1939, London) (k, v) schwankte zwischen Jazz und Pop, ohne seinen immensen Vorschuß-Lorbeeren aus den späten 60ern gerecht zu werden. Größere Erfolge hatte er zusammen mit Julie Driscoll in der Band Trinity (1966-70). In den 90ern ist er mit Eric Burdon unterwegs. Er spielt vorwiegend Hammond-Orgel und Fender Rhodes e-Piano.

Auld, Georgie (*19.5.1919, Toronto, † 8.1.1990, Palm Springs) (sax) war als fähiger Hawkins-Schüler bei Swing-Größen (Berigan, Goodman, Shaw) und 1945 Leader einer fortschrittlichen, kurzlebigen Bigband.

Austin, Lovie (18.9.1887, Chattanooga, † 10.7.1972) war als frühe Pianistin des Jazz und Blues, die zugleich Arrangeurin und Bandleaderin war, ein wichtiges Rollenmodell für spätere Jazzfrauen, z.B. für Mary Lou Williams.

Austropop Während in den 70ern deutschlandweit in der Medienöffentlichkeit noch der Schlager dominierte, entwickelte sich in Österreich neben diesem (Peter Alexander, Udo Jürgens) eine erstaunliche, im Dialekt verwurzelte, textlich ambitionierte und musikalisch bemerkenswerte Klasse: Der Austropop. Vorbereitet von der Wiener Worried Men Skiffle Group (1960-2014), die 1970 mit „Glaubst i bin bleed“ Ihren größten, stark dialektgefärbten Hit hatten, kreierten Anfang der 70er zuerst Künstler wie Wolfgang Ambros, Georg Danzer, Arik Brauer im meist flotten Akustik-Gewand oft sozialkritische Werke, deutlich unverkrampfter als bei ihren Schweizer oder deutschen Kollegen, die sich als Liedermacher oder Krautrocker musikalisch noch schwer taten. Diese Frische trugen Reinhard Fendrich oder Stefanie Werger in die 80er, in denen Falco Rap weltweit erfolgreich in seinen Elektropop einbaute. Hubert von Goisern erweiterte das Genre in den 90ern mit seinem Alpenrock. Überhaupt zeigt die Entwicklung von André Heller, EAV, Ludwig Hirsch, der doch wieder schlagerlastigen Waterloo & Robinson, DÖF, Ostbahn Kurti über Minisex (NDW), die englischsprachigen Papermoon, die bierzelttauglichen S.T.S., die Funk-Truppe Supermax zu den Alpenrockern Attwenger sowie Edelweiss und heute der hochdeutschen Band Bilderbuch die enorme Bandbreite dieser lebendigen Szene.

Autograph Kalifornische Mainstream-Hardrocker der 80er („Turn up the Radio“), mit Unterbrechungen immerhin bis heute aktiv.

Auvray, Lydie (*1956, Langrune-sur-Mer) Die in Berlin lebende französische Akkordeonistin (und selten auch Sängerin, 1. Album „Premiere“ 1981) hat mit ihrer schwungvollen Tango-affinen und virtuosen Spielweise sehr geholfen, das Akkordeon in Deutschland wieder populär zu machen; u.a. auch für Peter Maffay oder Hannes Wader.

Avalon, Frankie Süße amerikanische Liedchen in den späten 50ern - danach verstärkt als Schauspieler aktiv.

Avantgarde bezeichnet Vorreiter, die ungewohnte Neuerungen einführen. Angesichts der gesamten Musikgeschichte und ihrer Vielfalt (z.B. allein in der World Music) ist der Begriff in Rock und Pop nicht zu hoch zu bewerten. Eine Flöte im Heavy-Metal ist also durchaus keine besondere Leistung, da stilübergreifendes Aufnehmen von Einflüssen ohnehin zum Geschäft gehört. Im Jazz sieht's schon anders aus; als Beispiel bekommt man bei Eric Dolphy ganz schön was um die Ohren.

Avenged Sevenfold Amerikanische Band ab 1999. Zwischen Alternative, Heavy Metal und Metalcore.

Aventura Amerikanische Band mit Wurzeln in der Dominikanischen Republik, die zu den Pionieren modernerer und poppigerer Bachata (im 4/4-Takt mit betörend erotischen) Tanz-Interpretationen gehört. Zumeist in den Latin-Hitparaden platziert, landete das Quartett mit dem hinreißend betörenden „Obsesión“ 2004 einen Nr. 1-Hit in Deutschland. 2011 löste sich die Gruppe auf.

Average White Band 1973 von schottischen Musikern gegründetes Soul-Sextett mit, vor allem anfangs, eigenständigem Profil. Ende 1982 aufgelöst, aber 1989 bis heute doch wieder funky unterwegs!

Avicii Schwedischer DJ und Musikproduzent, dessen Electro-/Progressive-House in den 2010ern melodischen Pop mit clubtauglichem Dance versöhnte. Ibiza-Party-konforme Tracks wie „Levels“ 2011 waren genauso Bestandteil von Tim Berglings Portfolio, wie zahlreiche, von prominenten Gastsängern (Aloe Blacc, Robbie Williams, Adam Lambert) aufgepimpten Tanzhymnen wie „Wake Me Up!“, „Hey Brother“ (beide 2013), „Addicted To You“ 2014 und „Waiting For Love“ 2015. Als Musiker einer der größten (und durchaus von Kritikern wohlgesonnen betrachteten) Repräsentanten seines Genres, offenbarten sich beim Schweden alsbald unauflösbare Widersprüche zwischen dem Tournee-getriebenen Star-DJ im medialen Schlaglicht und dem gesundheitlich angeschlagenen Sinnsuchenden abseits nächtlicher Mischpultarbeiten. Bergling beging im April 2018 Suizid.

Avidan, Asav Israelischer Sänger mit gemütsvollem, vom falsettartigem bis heiser-kreischend reichendem Gesang und großem Künstlerpathos, dessen einziger Hit ausgerechnet die geremixte Danceversion einer Gitarrenballade, zusammen mit seiner Band The Mojos, werden sollte: „One Day/Reckoning Song,“ produziert vom Berliner DJ Wankelmut, ein Hit 2013, von Avidan selbst nur widerwillig geduldet. Bis heute ist er mit seiner eigenartigen Mischung aus melancholischem Folkpop und akustischem Indierock unterwegs.

Axe Amerikanischer Mainstream-Hardrock der 80er - aber erst 2012 aufgelöst.

Axton, Hoyt 1964 Country, zunehmend Rock und ganz wenig Blues bis Ende der 70er („The Pusher“ wurde ein Hit für Steppenwolf); † 1999.

Axxis Deutsche Mainstream-Hardrocker ab den 80ern (nur eine längere Pause Ende der 90er) mit hohem Knödel- & Chorusgesang.

Ayers, Kevin (v, g, b) Nach seinem Ausstieg bei Soft Machine 1969 experimentierte der Gitarrist in verschiedenen, vorwiegend psychedelischen Stilen und arbeitete mit unzähligen, vor allem britischen Musikern; † 2013.

Ayers, Roy (* 10.9.1940 L.A.), Vibraphonist des Soul Jazz der 60er Jahre, der Jahrzehnte später im Nu Jazz wiederentdeckt wurde.

Ayler, Albert (*13.9.1936, Cleveland, † 1970, NY), der oft simple marsch-, volkslied-, und zirkusartige Melodien in eine ekstatische Free Jazz-Atmosphäre versetzte, war einer der ausdrucksstärksten Tenoristen der 60er, der mit seelenvollem, mächtig vibrierendem Ton und zum Himmel erhobenem Saxophon spielte. Seine Kompositionen wie „Angels“ oder „Light in Darkness“ spiegeln die spirituellen Wurzeln seiner Musik. Sein Motto lautete: „We Play Peace“.

Azet Deutscher Rapper kosovo-albanischer Herkunft, der zur Dresdner Rap-Crew KMN gehört. Alles Weitere liest sich wie aus der Bibel der Deutschrap-Stereotype: 2015 Inhaftierung wegen Drogenbesitz und Körperverletzung, 2018 Freilassung, bereits zuvor und danach (zumeist mit Rap-Kollege Zuna orchestriertes) Autotune-Posing zwischen „Schlag Dealern Schädel ein, bis Lila in die Kasse kommt“ („Gjynah“ 2017), „Digga, macht es bop-bop und die Fotze liegt“ („Lelele“ 2018) und „Bunker Packs unterm Bett, sitz im Mercedes Benz“ („Lass los“ 2020). Trotz unzähliger Streaming-Erfolge nicht ansatzweise als Pionier seiner Zunft zu bewerten.

B

B3 Amerikanische Boygroup, die nach ihrer Gründung im Jahr 2001 zahlreiche Bee Gees-Songs in ein abgestandenes Boygroup-Pop-Korsett zwängte. Die Konsequenz: Bee Gees-Cover „You Win Again“ 2001, Bee Gees-Cover „Nightfever“, Bee Gees-Cover „I.O.I.O“ (beide 2002). Mit eigenen Produktionen wie „Tonight And Forever“ 2002 oder „All The Girls“ 2003 ihrem Bee Gees-Cover-Markenkern beraubt, endete bereits im Jahr 2004 die Karriere. Wären Sutherland, Cruz und Late ihren Idolen, den Bee Gees, doch treu geblieben.

B-52s Amerikanische Gruppe, Ende 70 gegründet; durchaus stilbildend zwischen New Wave, Funk und Pop; männlicher (Sprech-)Gesang und singendes Mädel („Love Shack“ 1989).

Babasin, Harry (*19.3.1921, Dallas, † 21.5.1988, L.A.), Bassist, führte 1947 bei Aufnahmen mit Marmarosa das gezupfte Cello in den Jazz ein.

Babe Ruth 1972 bis 1977 schrie zeitweilig eine Sängerin gegen britischen Hardrock an.

Babyshambles Punkige Zweitband von Libertines-Sänger Pete Doherty ab 2003.

Baccara Spanisches Duo, das Ende der 70er zu den weiblichen Heroinnen der europäischen Tanzflächen gehörte. Vom koketten Akzent bis zum charakteristischen Dress (beide jeweils in Weiß und Schwarz gekleidet) präsentierten sie sich als am Reißbrett entworfenes Vermarktungsprodukt (produziert und betextet von Rolf Soja und Frank Dostal). Nach den Welthits und Disco-Klassikern „Yes Sir, I Can Boogie “und „Sorry, I'm a Lady“ 1977 schleuderten sie diverse weitere identische Tanzmunitionen in die Plattenläden. Interne Streitigkeiten führten dazu, daß heute zwei Baccara-Duos durch Fernsehgärten und Antenne Brandenburg-Oldieparties hüpfen.

Bach, Johann Sebastian (1685-1750) Der Musiker des Barock schuf u.a. Orgelwerke, Kammermusik und Orchesterwerke und „Das Wohltemperierte Klavier“ (ein grundlegendes Werk abendländischen Harmonieverständnisses), wurde jedoch erst seit der Deutschen Hochromantik (Mendelssohn-Bartholdy) wirklich populär. In der Zeit der Wiener Klassik war sein Sohn Carl Philipp Emanuel wegen seiner prestigeträchtigen Anstellung am preußischen Hof weit berühmter. Soweit zum Thema Pop. Er ist der im Jazz wohl am meisten verehrte Komponist der sogenannten ernsten Musik und dient dort als geistesverwandt empfundene Inspirationsquelle (Modern Jazz Quartet, Dave Brubeck). Vor allem in den 60er Jahren war es populär, die Nähe Bachs zum Jazz mit swingenden Interpretationen zu unterstreichen (Jacques Loussiers „Play Bach“ Alben, Swingle Singers), wobei die Grenze zur Unterhaltungs- und Filmmusik oft überschritten wurde. Bach war der Eisbrecher: Verjazzungen praktisch aller klassischen Komponisten wurden gängig. Die Liebe des Jazz zu Bach ist eine der Wurzeln des Jazz-Klassik-Crossover (Claude Bolling).

Bachata 1960 in der Dominikanischen Republik als romantisch leiernde Gitarrenmusik entstanden und inzwischen mit 115 bis 160 bpm im 4/4-Takt eine sehr beliebte Tanzmusik (Juan Luis Guerra, Album „Bachata Rosa“).

Bachman-Turner Overdrive Kanadische Hardrock-Band Anfang der 70er bis Anfang der 90er um den Ex-Guess Who-Gitarristen/Sänger Randy Bachman, der inzwischen ausgestiegen ist („You Ain't Seen Nothing Yet“).

Backyard Babies siehe TNWOSAR.

Backstreet Boys Amerikanische Jungs, die 1995 musikalisch, tanztechnisch und mit Teenie-Image die Linie der New Kids on the Block, Take That etc. fortführen und in Europa höchst erfolgreich durchstarteten („We've Got it Going on“, „Get Down“).

Backus, Gus Amerikanischer Musiker, dessen Versetzung nach Wiesbaden anno 1957 über sein weiteres Schicksal als deutschsprachiger Schlagersänger mit Ami-Akzent und anspruchslosen Frohsinnsnümmerchen wie „Der Mann im Mond“, „Ich steh an der Bar und habe kein Geld“ sowie „Da sprach der alte Häuptling der Indianer“ (Anfang/Mitte 60er) entschied. Ein paar Filmauftritte später, und Backus' Karriere verschwand in den Untiefen der plötzlich eintretenden Beatmusik-Welle Mitte der 60er Jahre.

Bad Boys Blue Eingängig brav in Deutschland produzierte Gruppe für Diskotheken-Tanzmusik der 80er.

Bad Company 1974 gegründetes Quartett mit dem kraftvollen, modulationsreichen Sänger Paul Rodgers (*1949, London, auch g und k) und Simon Kirke (d, oft nuancenreich verschliffen) von Free, Mick Ralphs (*1944, Hereford, g, ordentlich Riffarbeit, sehr wenige Soli) von Mott the Hoople und Boz Burrell (*1946, Holbeach, † 2006, Marbella) (b) von King Crimson. Bis in die späten 70er ein Musterbeispiel für ausdrucksstarken und einfallsreichen Hardrock. Von Beginn an megaerfolgreich (1974 „Bad Co“) und auch später erfrischend solide (1975 „Feels Like Making Love“ mit nur zwei! Akkorden), auch mal experimentell („Master of Ceremony“ 1977) oder sehr ausgefeilt und abwechslungsreich auf „Run with the Pack“ 1976. 1986-95 nach Verlust des Frontmannes US-Mainstream (vom Hochdruckreiniger zum Weichspüler), danach mit Rodgers-Imitat wieder erdiger und ab 2002 vereinzelt in Originalbesetzung.

Bad English US-Mainstream der 90er um den Sänger John Waite und den Ex-Journey-Gitarristen Neil Schon.

Bad Religion Die Amerikaner verbinden seit Anfang der 80er oft schnellen Punk-Rock mit sehr melodiösem und eingängigem Gesang und wurden so zu einer der Einflußgrößen des neueren amerikanischen Punk (Green Day, Offspring, NOFX etc.).

Badfinger Englische 70er-Band, die ein wenig wie die frühen Beatles klingen.

Badger 1971 vom Ex-Yes-Keyboarder Tony Kaye und dem Ex-Asthon, Gardner & Dyke-Schlagzeuger Roy Dyke in London gegründet; virtuos gespielter, keyboardlastiger Bombast-Rock der 70er mit schwachem Songmaterial.

Baez, Joan (*9.1.1941, Staten Island) Wurde 1959 als Folk-Sängerin, Anfang der 60er auch durch ihren politischen Protest berühmt. Sie singt mit glasklarem Sopran oft nur zu Gitarrenbegleitung und ist (neben Bob Dylan, dessen Songs sie bekannt machte und mit dem sie eine problematische Freundschaft verband) eine der wichtigsten Folk-Persönlichkeiten Amerikas. Schon ihre ersten LPs „Joan Baez“, „Joan Baez Vol.2“ (beide 1961) und „Joan Baez in Concert“ 1962 waren außerordentlich erfolgreich, Mitte der 60er elektrifizierte sie, ähnlich Dylan, ihre Band, in den 70ern „The Night they drove old Dixie down“ (von The Band) verlegte sie sich in Richtung Mainstream. Erwähnenswert neben ihrem stetigen politischen Engagement für Gewaltlosigkeit und Frieden, ihren ausgiebigen Tourneen auch in Südamerika und Europa, ist ihre musikalische Entwicklung von simplen Protestsongs zu seit den 80ern immer raffinierterem Ausdruck. Durchaus eine Folk-Ikone!

Bahamadia Eine Rapperin, die Mitte der 90er mit druckvoll modernisierter Old School überrascht.

Bailey, Benny (*13.8.1925, Cleveland, † 14.04.2005, Amsterdam) Eine phantastische Atemkontrolle, einen bemerkenswerten Tonumfang und „die perfekteste Technik, die ich auf der Trompete kenne“. Das bescheinigte Quincy Jones neben überragenden stilistischen Fähigkeiten dem Trompeter Benny Bailey, dem er mit dem Song „Meet Benny Bailey“ ein Denkmal setzte. Er verbrachte den Großteil seiner Karriere in Europa.

Bailey, Mildred (*27.2.1907, im Reservat Tekoa, Washington, † 12.12.1951, Poughkeepsie, N.Y.) D) Die Mestizin mit der feinen, wehmütigen Balladen-Stimme war in den 30ern die bedeutendste nicht-schwarze Sängerin. Die mit Norvo verheiratete „Mrs. Swing“ (nach einem ihrer Hits auch „Rockin' Chair Lady“ genannt) wurde in ihrem Genre nur von B. Holiday überboten.

Bailey, Philip Amerikanischer Sänger, der mit seiner bemerkenswert variablen Stimme zur prägenden Figur von Earth Wind & Fire wurde. In den 2000ern die Arbeit mit seiner Band wieder aufnehmend, gestaltete er zwischendurch aktiv seine Soloaktivitäten in Zusammenarbeit mit Gesangskollegen Phil Collins („Easy Lover“ 1984), mit Grammy-prämierter Gospelmusik sowie eher spannungsarmem R&B-Pop.

Baird, Don siehe Georgia Sattelites.

Baker, Anita (*1958, Toledo) Amerikanerin mit beachtlichem Stimmumfang in Gospel und Soul sowie großer Beliebtheit nicht nur bei Kritikern, die sich auch dem Jazz zuwandte („Giving You the Best That I Got“ 1988). Ihr letztes Album erschien 2004 nach zehnjähriger Pause.

Baker, Arthur Einflußreicher Dance-DJ und Musikproduzent, der in den 80ern u.a. für New Order und Diana Ross arbeitete. Das eher soulig-poppige „The Message Is Love“ (gesungen von Al Green) wurde 1989 zu seinem größten Hit.

Baker, Chet (*23.12.1929, Yale, Oklahoma, † 13.5.1988, Amsterdam), dessen lyrische Trompeten-Spielweise deutlich zu seinem dramenreichen Junkieleben kontrastiert, wurde zu einer Kultfigur des Jazz, der seit seinem tragischen Tod - legendenumwobener Sturz aus dem Hotelfenster - noch mehr gehuldigt wird (Platten, Filme, Bildbände...). Nach einem kurzen Engagement bei Charlie Parker wurde er durch seinen verhaltenen und poetischen Stil im Mulligan Quartet 1952/53 berühmt („My Funny Valentine“). Mit vibratolosem Sound und lyrischer Melodik setzte er sich an die Spitze der Cool Jazz-Trompeter. Als Sänger phrasierte er ähnlich geschmeidig. Nach diversen Rückschlägen - vor allem dem Verlust seiner Zähne bei einer Schlägerei 1968 - schaffte er 1974 das Comeback. Die letzten Jahre tourte er überwiegend in Europa. Das Spiel des reifen Musikers stand nun, an guten Tagen, in Tiefe und Intensität über seinem Frühwerk.

Baker, George (George Baker Selection) Hans Bouwens (= George Baker) aus Holland mit Schmalz-Disco zum Mitsingen in den 70ern („Paloma Blanca“).

Baker, Ginger In Jazz und afrikanischen Rhythmen versierter Schlagzeuger von Alexis Korner, Graham Bond und schließlich, seinen meisterlichen Ruf begründend, bei Cream. Später bei Blind Faith, Airforce (u.a. mit Steve Winwood) und in weiteren, bis heute immer weniger beachteten Projekten trommelnd (z.B. bei BBM - Baker, Bruce & Moore); verstarb 2019.

Bakersfield Sound Siehe Merle Haggard.

Baldry, Long John (*1941, Vancouver, † 2005, East Haddon) Blues-gefärbter Sänger aus England in wechselnden Stilformen (ab 1958 mit Alexis Korner, Steampacket, Julie Driscoll, Brian Auger, Elton John, Rod Stewart u.v.a.).

Balk, Justin Ab 2003 Songwriter der Hamburger Schule.

Ballard, Hank Schwarzer Sänger; 1958 „The Twist“, der Chubby Checker megaerfolgreich machte, wie auch „The Wallflower (Roll with Me Henry)“ 1954 Etta James den Durchbruch brachte und als „Dance with Me Henry (Wallflower)“ für Georgia Gibbs und nicht für ihn ein Riesenerfolg wurde.

Ballard, Russ Amerikanischer Sänger/Songwriter und Multiinstrumentalist in den 70er bis 90er Jahren, Ex-Mitglied von Argent. Auch solo und als Songwriter für andere Künstler (z.B. Rainbow) im Hardrock/Mainstream-Bereich engagiert; eigene Hits in den 80ern waren „Voices“, „Fire Still Burns“.

Ballistic Brothers Mitte der 90er minimalistisch funkiger Trip Hop aus London.

Baltimora Italienisches Pop-Projekt, das sich Mitte der 80er Jahre in die mannigfaltige Reihe der Italo-Disco-Produktionen einreihte. Im Wesentlichen durch den Sänger und Tänzer Jimmy McShane verkörpert, blieb von Baltimora hauptsächlich die eher mäßig temperierte Midtempo-Nummer „Tarzan Boy“ (1985) im Bewusstsein der Konsumenten. Klarer Fall von One-Hit-Wonder.

Baltimore Kanadische Hardrock/Mainstream-Gruppe Mitte der 80er mit einfachen Melodien und weiblich klingendem Sänger.

Bananarama Ab 1981 hatte das britische Mädchen-Trio mit reich arrangiertem, aber stets eingängigem Dancefloor-Sound vor allem in Europa zahlreiche große Hits (z.B. „Robert de Niro's Waiting“, „Cruel Summer“). Siobhan Fahley gründete Ende der 80er Shakespeares Sister.

Banco Differenziert-komplexe italienische Rockband der Siebziger.

Band (Musikgruppe). Mit tausend Ausnahmen: Jazz-Band üblicherweise aus Rhythmusgruppe (d, b, k oder g), Solisten (t, s, g etc.) und eventuell Harmonieorchester (Bläsern); Rock-Band aus Rhythmusgruppe (d, b, g, k), die neben den Vocals oft gleichzeitig die Solisten stellt (g, k); Pop-Band aus Producer, moderner Technik und Marketing.

Band, The Ehrliche amerikanische Country-Folk-Rock-Mischung. Zunächst Begleitgruppe von Ronnie Hawkins und später Bob Dylan. Genreprägende Alben („Music from Big Pink“, „The Band“); 1974 nach dem von Martin Scorsese verfilmten „Last Waltz“ aufgelöst. Ab 1986 Reunion, allerdings ohne den Gitarristen und Songschreiber Robbie Robertson.

Band ohne Namen Deutsches Musikduo, das sich Mitte der 90er Jahre als „Die Allianz“ gründete, nach einer Klage der gleichnamigen Versicherungsgesellschaft jedoch namenlos und auf Anregung des Musiksenders VIVA schließlich offiziell zur Band ohne Namen wurde. Die Musik: Drolliger Pubertätspop für Oberschülerinnen. Nach Hits wie „Boys“ 1999 oder „Take My Heart“ 2000 und dem Bandende setzten Claus und Guy ihre Karrieren als Rechtsanwalt bzw. Produzent und Rapper fort.

bandcamp 2008 in Kalifornien gegründete Plattform, die auf hohem technischen Niveau Musik anbietet. Bands und Musiker können sich hier zu fairen Konditionen vermarkten. Das Unternehmen versteht sich als Gegensatz zu den ausbeuterischen Großen wie iTunes, Spotify oder Youtube.

Bangles Amerikanisches Mädchen-Quartett mit leicht an die 60er Jahre erinnerndem Gitarren-Pop. Erster Hit: „Manic Monday“ 1985 (von Prince geschrieben), 1986 „Walk Like an Egyptian“, 1988 „Eternal Flame“. 1989 aufgelöst, Sängerin Susanna Hoffs daraufhin solo, 2003 Reunion.

Banjo Im Gegensatz zu den meisten traditionellen Jazzinstrumenten hat das Banjo westafrikanische Wurzeln und geht auf die Banja zurück. Dennoch spielt das heute vorwiegend von Dixiekapellen verwendete Saiteninstrument meist nur die untergeordnete Rolle eines nostalgischen Requisits, da es schon in den Roaring Twenties von der Gitarre verdrängt wurde oder wie Eddie Condon, der diesen Schritt mitvollzog, meinte, mit den Dinosauriern ausstarb. Stars des Banjos waren Johnny St. Cyr, Fred Guy, Lawrence Marrero, Harry Reser, Bud Scott und Elmer Snowden.

Bano, Al Italienischer Sänger, der gemeinsam mit Romina Power das Sauberimage-pflegende Vorzeige-Traumpaar des Italo-Pop-Schlagers der späten 70er und frühen 80er Jahre bildete. Die von elegischer Melodramatik triefenden Hymnen „Sharazan“ 1981, „Felicità“ 1982 und „Sempre, Sempre“ 1986 wurden zu den wesentlichen Meilensteinen ihrer vor allem in Deutschland besonders erfolgreich verlaufenen Karriere. Nach dem spurlosen Verschwinden ihrer gemeinsamen Tochter 1994 ging die Ehe in die Brüche. Zwischenzeitlich jeweils solo aktiv, treten sie seit einigen Jahren wieder gemeinsam auf.

Banton, Buju Vertreter des Ragga-Muffin in den 90ern.

Banton, Pato (*1961, Birmingham) Einst ernstzunehmender Youngster aus der britischen Reggae-Szene der 90er Jahre. Machte im Duett mit dem UB 40-Sänger Ali Campbell auf sich aufmerksam.

BAP 1976 gegründet um den Sänger Wolfgang Niedecken. Singt kräftig in Kölsch, rocken altbekannt - aber solide und erfolgreich. Auf den vereinzelten Niedecken Soloplatten geht es ebenfalls kölsch und etwas ruhiger zu.

Barber, Chris (*17.4.1930, Welvyn Garden, † 2.3.2021) (tb), hat weit mehr als den Ohrwurm „Ice Cream“ zu bieten. Er ist ein flexibler Popularisator, weitsichtiger Impulsgeber und geschickter Amalgamator, der seine große Leidenschaft, den traditionellen Jazz, im Laufe der Jahrzehnte in immer neuer Beleuchtung unter die Menschen brachte. Seine Band popularisierte den Skiffle - plötzlich musizierte halb Europa auf Waschbrettern und selbstgebastelten Instrumenten. Von seiner Band aus starteten Bluesrocker wie Alexis Korner. Er hielt sie stilistisch so offen, daß sie sich auf Dixie-Territorium ebenso bewegen konnte wie im Ellington-Stil.

Barbieri, Gato (*28.11.1934, Rosario, † 2016, N.Y.) (s) Sei es mit Anden-Indios, brasilianischen Trommlern oder argentinischen Tango-Musikern, seine Saxophoneruptionen verliehen in den 70ern lateinamerikanischen Kontexten eine Note, die zugleich bizarr, authentisch und aufmüpfig erschien: Mit einem Sound voll heiserer Intensität war er ein frisch dem Free Jazz entwachsener Paradiesvogel, der mit zwischen Aufschrei und eingängiger Melodik wechselndem, rauhem, aber herzlichem Powerplay packte und zum Symbol einer Region wurde. Der Mann aus den Pampas verfügte über einen Tenorsound mit Gänsehaut-Garantie. Daß John Coltrane und Pharoah Sanders seiner High-Energy-Spielweise Pate standen, ist unverkennbar, doch waren die beiden großen Vorläufer hymnisch und mystisch, so Barbieri unverhohlen melodramatisch. Es ist großes Kino für Jazzsaxophon. Nicht zufällig wurde Gato Barbieri vor allem für seine Filmmusik bekannt, allen voran, Bertoluccis „Der letzte Tango von Paris“ bescherte ihm 1972 den Durchbruch. Wenige Musiker haben so emotional und auch für Nicht-Jazzfreunde nachvollziehbar Saxophon gespielt. Und doch ist es nicht leicht, Gato Barbieri gerecht zu werden, denn im Laufe seiner Karriere beschritt er den eher ungewöhnlichen Weg von der Avantgarde zum Kommerz.

Barclay James Harvest Englisches Pop- und Hymnen-Rock-Trio ab Anfang der 70er, religiöse Grundaussage in den Texten („Hymn“, „Live is for Living“).

Barker, Sally ist in den 90ern mit kräftiger Stimme und Musik zwischen Folk und Rock unterwegs.

Barnes, Jimmy Sänger der Cold Chisel und ab 1983 solo.

Barnet, Charlie (*26.10.1913, N.Y., † 5.9.1991, Palm Springs) (s) leitete, bisweilen an Duke Ellington orientiert, eines der geschmackvollsten weißen Swing-Orchester und hatte ein gutes Gespür für Nachwuchsmusiker (Terry, Marmarosa, DeFranco, Kessel). Hits wie „Skyliner“ und „Cherokee“.

Baron Rojo Spanische Hardrockband mit anfangs spanischen und später englischen Texten in den 80ern.

Barrett, Syd Mastermind der frühen experimentellen Pink Floyd. Nach Drogenproblemen in den 70ern wenig erfolgreiche experimentell-seltsame Soloplatten; † 2006.

Barron, Kenny (*9.6.1943, Philadelphia), Bruder von Bill (s), für viele Inbegriff modernen Jazzpianos, wurde bei Gillespie bekannt und war letzter, einfühlsamer Begleiter von Getz. Seit einigen Jahren belegt Kenny Barron Spitzenpositionen bei Meinungsumfragen. Es dauerte aber Jahrzehnte, bis er diese Stellung einnehmen konnte, nachdem er vor allem als sensibler, solider Begleiter wahrgenommen wurde, der sich bescheiden in den Dienst anderer stellte und diese zu Höchstleistungen inspirierte. Er wechselt (nach Bedarf) zwischen einem eher traditionellen Bebop-Piano und Spielweisen, die etwa McCoyTyner, Herbie Hancock oder Oscar Peterson nahestehen. Daß er auf Bop-Grundlage Elemente aller stilbildenden Pianisten der 50er bis 70er Jahre schlüssig in seinem Stil integrieren konnte, machte ihn als Sideman interessant.

Basie, William Count (*21.8.1904, Red Bank, † 26.4.1984, Hollywood), der neben Ellington und Henderson einflußreichste unter den Piano-spielenden Leadern der Swing-Ära, sammelte erste Erfahrungen bei herumziehenden Varieté-Gruppen, als Begleiter von Sängerinnen, Pianist in einem Stummfilmkino und Hungerleider. Frühzeitig erlernte er von Waller das Orgelspiel. Der entscheidende Wendepunkt seiner Karriere kam, als er 1928 zu den Blue Devils stieß. Hier lernte er viele seiner langjährigen Weggefährten wie Walter Page (b, ld) und J. Rushing (v) kennen und trat mit ihnen in die Bennie Moten Band, die wohl beste Band des K.C.-Stils, ein. Nach Motens Tod gründete Basie 1935 mit zahlreichen Musikern der aufgelösten Band sein erstes Orchester. Talentscout John Hammond holte sie nach New York, wo mit unzähligen Hits („One O'clock Jump“, „Jumpin' at the Woodside“) der Durchbruch kam. Den Kern des Orchesters bildete lange Zeit die All American Rhythm Section mit Basie, Page, Jo Jones (d) und Freddie Green (g), die für den unverkennbaren relaxten Swing sorgten. Dazu kamen Aushängeschilder wie B. Clayton (tp), D. Wells (tb) und B. Holiday. Die gegensätzlichen Spielweisen der Tenoristen Hershel Evans, eines frühverstorbenen Hawkins-Schülers und Lester Young, mit seiner bahnbrechend coolen Auffassung, verliehen dem Spiel der Band, die anfangs noch viel nach head-Arrangements spielte, eine besondere Spannung. Basie ersetzte seine Formation 1949 durch ein Septett (Terry, W. Gray), doch 1952 wurde eine neue Big Band ins Leben gerufen. Die stets hochkarätigen Solisten (E.L. Davis, Wess...) wechselten nun häufiger, immer aber zeichnete sich die Band durch unfehlbares rhythmisches Gefühl, präzises Zusammenspiel und starke Vitalität aus. Der größte Unterschied zum frühen Basie lag in der Bedeutung der immer ausgefeilteren Arrangements, mit denen Größen wie Neal Hefti („The Atomic Mr. Basie“) und Quincy Jones betraut wurden und nun auch Größen des Showbiz von Sinatra bis Sammy Davis auf den Leib geschrieben wurden. Nie aber klang das Orchester überladen, denn Basie war ein Meister der Einfachheit, der auch die Kunst des sparsamen Pianospiels beherrschte, mit einem Minimum von Tönen, Linien von größter rhythmischer und melodischer Intensität zu schaffen. Seit Basies Tod führen ehemalige Mitglieder (Thad Jones, F. Foster) das Orchester weiter.

Baß Tiefste Männerstimme/tiefste Stimme eines Musikstückes als rhythmische oder melodische Stütze - ausgedrückt durch Elektro-Baßgitarre, Kontrabaß, Baßposaune, Synthesizer, Baßpedal der Orgel etc.. Slap-Baß ist eine Spielweise, bei der die meist viersaitige Baßgitarre mit dem Daumen so hart angeschlagen wird, daß ein percussiver, knallender Klang entsteht (Larry Graham von Graham Central Station, Stanley Clarke). Im Jazz heute meist in Form eines akustischen, bisweilen verstärkten Kontrabasses oder eines e-Basses, im Oldtime auch als Brassbaß (Tuba, Sousaphon) bildet traditionell eine rhythmisch-harmonische Basis in Jazzbands (meist in Form durchgehender Viertel, Walking Bass), kann aber auch solistisch hervortreten: Blanton, Pettiford, Mingus, LaFaro, Pastorius, in Deutschland z.B. Weber, Ali Haurand, Dieter Ilg, Thomas Stabenow.

Bassey, Shirley Die 1937 in Cardiff geborene Sängerin startete mit gepreßter, aber enorm voluminöser Stimme schon Mitte der 50er erfolgreich, hatte 1964 mit dem James-Bond-Titelsong „Goldfinger“ ihren größten Erfolg, den sie mit zwei weiteren Bond-Titeln in Erinnerung hielt und der sie auch bei abnehmender Tätigkeit zu einer Ikone werden ließ („The Rhythm Divine“ 1987 für Yello).

Bates, The Deutsche Punkband, die Mitte der 90er mit Coverversionen bekannter Hits erfolgreich wurden (z.B. „Hello“ von Shakespears Sister oder „Billie Jean“ von Michael Jackson).

Bathory galten ab Mitte der 80er als schlichte Venom-Kopie (schnell, brachial, punkig mit okkulten Texten). Mit „Under the Sign of the Black Mark“ gab sich die schwedische Band, die lange Zeit nur aus einem Mitglied, Quorthon, bestand, deutlich brutaler und kann neben Possessed oder Celtic Frost als einer der krassen Vorreiter des Death- und Black-Metal gelten (mit rauh-krächzendem Sänger). Zum Trio angewachsen, flossen 1990 keltische Musik und mystische Texte ein; 1995 brachte die Band wieder zwei Black-Metal-Platten heraus, die allerdings der Kritik nicht gefielen. 2004 starben Quorthon und Band.

Bators, Stiv Sänger der Dead Boys und the Lords of the New Curch; † 1990.

Batt, Mike (v, k) Zwischen üppig instrumentiertem Musical und Pop ab Ende der 70er (1971 „Ride to Agadir“ 1986 das Musical „The Hunting of the Snark“).

Batten, Jennifer Virtuose (Tapping) US-Gitarristin 1987 bis 1997 bei Michael Jackson beschäftigt und 1998 geadelt durch Aufnahme in die Band von Jeff Beck.

Bauchklang Wiener a capella-Sextett zwischen Dub und Hip-Hop (2001 „Jamzero“). Mit inzwischen komplett ausgetauschtem Personal etwas Richtung Techno und Elektronik gewandelt - trotzdem - nur vokal! Keine Instrumente!, ab 2013 pausierend.

Bauhaus Die 1978 in England gegründete Band erweiterte die Strukturen des Punk musikalisch offen um depressiven Gesang und mystisch-bizarre Texte und ist somit neben Joy Division Mitbegründer des Gothic-Wave (Dark Wave). Nach Trennung von Sänger Peter Murphy machte die Band unter dem Namen Tones on Tail und später Love and Rockets (Ende der 80er in Amerika mit dem poppigen Hit „So Alive“) unter Führung von Gitarrist Daniel Ash weiter, der jetzt auch (melodiös und weniger depressiv) singt. 1998 reformiert und 2005 - 08 nochmal.

Bay City Rollers Teenie-Band, die 1974 („Rollin'“) bis 1976 („Dedication“) megaerfolgreich gegen The Sweet oder von der Zeitschrift BRAVO gar gegen die Beatles aufgestellt wurden. Ein, vor allem auf junges weibliches Publikum zielender Hype ohnegleichen, an den die zerstrittenen Musiker bis heute erfolglos anknüpfen.

B.B.E. Französisches Musikprojekt, dessen eintönig-instrumentale Trance-Schöpfungen („Seven Days and One Week“ 1996, „Flash“ 1997) dem Produzententrio einige Erwähnungen auf diversen Spät-90er-Jahre-Dance-Compilations bescherte.

Beach Boys, The hatten in den frühen 60ern mit unbeschwertem Pop Erfolg in Sachen Sommer, Sonne, Surfen. Ihr hoher komplexer Chorgesang war mit den Beatles und dem aufkommenden Westcoast-Sound trotz ausgefeilter Arbeiten („Pet Sounds“ war 1966 der letzte große Erfolg) nicht mehr gefragt, so daß sich die Band nach langer Krise (vor allem nach dem drogenbedingten Ausscheiden des musikalischen Kopfes Brian Wilson) bis heute mit kleineren Comebacks bescheiden mußte.

Beastie Boys Weißes amerikanisches Hip-Hop-Trio (Ursprung in der Punk-Szene), das Mitte der 80er mit Metal-Rap und frechem Image groß raus kam. Mitte der 90er nach 70er-Funk-orientiertem Hip-Hop plötzlich wieder derber Punk und instrumentaler Easy Listening-Jazz; 2012 nach dem Tod von Adam Yauch (Pseudonym MCA) aufgelöst, aber bis heute Kultband.

Beat (Taktschlag) bezeichnet die in jeder Musikform grundlegende Zählzeit, im Jazz, Rock, Pop auch die Schlagfigur des Drummers. Der Begriff wurde als Stilbezeichnung in den 60ern als britische Weiterentwicklung (Beatles) des Rock'n'Roll gefeiert. Seit den 80ern ist der Beat oft charakteristisches und einziges Unterscheidungsmerkmal im Dancefloor mit z.B. Disco-, Break- oder Techno-Beats; (bpm = beats per minute /Schläge pro Minute).

Beat Farmers Amerikanischer Gitarren-Rock; mit dem hervorragenden, ungewöhnlich abwechslungsreichen 87er-Album „The Persuit of Happiness“ kurzzeitig erfolgreich; 1998 endgültig aufgelöst.

Beat, The Hervorragende britische Band mit starken Ska-Einflüssen und zahlreichen Toasting-Einlagen um die hochkarätigen Musiker Ranking Roger und Saxa. Entwickelte sich Anfang der 90er in kommerziellerem Gewand unter dem Namen General Public zu einer weiterhin qualitativ wertvollen Musiker-Formation.

Beatlemania bezeichnet die unglaubliche Hysterie um die Beatles und deren immensen Einfluß auf die Jugend und Musikindustrie (vor allem in Amerika als nicht nur kommerziell gigantische British Invasion - in der Folge auch für weitere Bands Großbritanniens: McCartney/Lennon schrieben die ersten Hits sogar für die Rolling Stones). Bis dato nicht vorstellbare Stadionkonzerte in Baseball-Arenen, ein immenser Anstieg an Gitarrenverkäufen und kreischende weibliche Teenager (die, bevor sie womöglich ohnmächtig umfielen, jedes Konzert mühelos übertönen konnten) waren jahrelang ebenso an der Tagesordnung wie die andauernde Belegung der ersten Chart-Plätze durch die Beatles, die laut John Lennon nun populärer als Jesus seien.

Beatles, The (1960 bis 1970) John Lennon (v, g, k), Paul McCartney (v, b, g, k), George Harrison (g, v), Ringo Starr (d, v) aus Liverpool. Auf einem scheinbar einfachen Fundament von Rock'n'Roll, Mersey-Beat und englischer Folklore verstanden es die Beatles, eine derartige Fülle von althergebrachten und experimentell-neuen Strömungen in Musik, Industrie und Jugend-/Gesellschafts-Kultur zu vereinen, daß bis heute ein derartig ununterbrochenes, musikalisches Niveau zusammen mit unglaublichem gesellschaftlichem Einfluß (die Erfindung der Pop-Kultur) nie wieder erreicht wurde. Seien es ihre langen Haare (Pilzköpfe) oder ihre immensen Auswirkungen auf die amerikanische Musikindustrie (Beatlemania), ihre schier unerschöpflichen melodischen Fähigkeiten, musikalischen Ausdrucksweisen (oft genial neuartig produziert von George Martin und Geoff Emerick) oder textlichen Raffinements, die letztendlich dazu führten, daß ihre Werke live nicht mehr aufführbar wurden: In dieser Summe ist die Pop- & Rockmusik ohne die Beatles undenkbar. Auffallend hierbei: Die Cover-Versionen, oft im Jazz sortiert, kommen nur höchst selten an die Komplexität der Originale heran: „Blackbird“, „Here Comes the Sun“, „Martha My Dear“ (über den Hund von Paul), das fiese „Norwegian Wood“ sind offensichtlich so wenig nachzuvollziehen, wie Rocker á la „Why Don't We Do it in the Road?“, „Helter Skelter“, „I Want You (She's So Heavy)“ (früher Heavy Metal?). Von den Hits ganz zu schweigen: „With a Little Help from My Friends“ (ausnahmsweise gelungen: Joe Cocker) oder „Help!“ (von Deep Purple gecovert) - aber „Michelle“, „Love Me Do“, „Paperback Writer“, „Ob-La-Di, Ob-La-Da“, „Oh! Darling“, „I Want to Hold Your Hand“, „She's Leaving Home“, - ebenso unnachahmbar wie das tiefgründige „A Day in the Life“, das schwüle „Happiness Is a Warm Gun“ oder die Musterballade „While My Guitar Gently Weeps“, die selbst der auf der Aufnahme spielende Clapton nie wieder so hingekriegt hat. „Dear Prudence“, „I Saw Her Standing There“ hat immerhin Jerry Garcia drauf, Westbrook mit dem kompletten „Abbey Road“-Album sei noch erwähnt, aber „Yesterday“ (ohne Lennon, nur von McCartney komponiert - eine große Ausnahme), „I'm so Tired“, „You've Got to Hide Your Love Away“, „Lucy in the Sky with Diamonds (über eine Kindergärtnerin und nicht über die Droge), „Hey Jude“, „I Me Mine“ (Harrison), „Let It Be“ (eine Lebensweisheit von Pauls Mutter) bleiben genuin Beatles. Decca-Geschäftsführer Mike Smith und Dick Rowe lehnten im Januar 1962, da Gitarrengruppen aus der Mode kommen würden, die Band noch ab - ein milliardenschwerer Fehler ohnegleichen, der sie in verspäteter Erkenntnis etliche Gitarrenbands verpflichten ließ - gottseidank auch die Rolling Stones - kurioserweise ausgerechnet auf Vermittlung von George Harrison. Alan W. Pollack von der Times aus Großbritannien schrieb: „Die Übergänge von Tonika auf Submediante, von C-Dur nach A-Moll, und in geringem Ausmaß der Mediantensprung... sind ein Charakteristikum der Lieder von Lennon/McCartney“, was einer der ersten ernstzunehmenden wissenschaftlichen Beiträge zur Populärmusik sein dürfte und seiner Zeit mehr als voraus war - allerdings wohl nicht ausschlaggebend für den Erfolg der Band. Vom 19. August bis 20. September 1964 absolvierten die Beatles ihre erste große US-Tournee, die als Club-Tour geplant war. Die amerikanischen Postmitarbeiter (und noch mehr der Tourmanager) waren allerdings überrascht, daß statt weniger Vorbestellungen gleich containerweise Ticketbestellungen eintrafen, die die Umbuchung aus Kellerlokalen in Baseballstadien(!) erforderte, wobei die dafür aufgerüsteten 300-Watt-Verstärker die Band unter dem Geschrei der Fans völlig untergehen ließ. Die Beatles weigerten sich übrigens in Stadien aufzutreten, in denen Rassentrennung praktiziert wurde, sodaß diese für ihre Konzerte aufgehoben wurde. Dieser insgesamt an Absurdität gleichende Triumph nie dagewesenen Ausmaßes erschöpfte die Band derart, daß sie ab 1966 nur noch im Studio wirkte und schleichend hochkreativ auseinanderfiel.

Beats International Dancefloor-Projekt mit deutlichem Reggae-Einschlag aus Brighton um Mastermind Norman Cook. Die innovative Band arbeitete zunehmend mit den Ragga-Haudegen Daddy Freddy zusammen und hatte nur einen Hit („Dub Be Good to Me“ 1990).

Beau Brummels Amerikanische Spät-60er im Stil der psychedelischen West-Coast-Bands.

Beautiful South Englischer eingängiger und heiterer Gitarren-Pop der 90er von Ex-Mitgliedern der Housemartins gegründet.

Bebop, der erste moderne Jazzstil, schockierte einst durch rasendes Spieltempo, ungewöhnliche Melodik, Harmonik und Rhythmik. Jazzpäpste verkündeten den Tod des Jazz, aber der unkommerzielle Bebop wurde zur Basis neuerer Spielformen wie Cool Jazz, Hardbop und des Mainstreams von heute. Bebop (anfangs auch Rebop, später allgemein Bop) entstand Anfang der 40er bei Jam Sessions in Minton's Playhouse und anderen Kneipen der Jazzmetropole New York. Unter den jungen Experimentatoren befanden sich Thelonious Monk (p), Dizzy Gillespie (t), Kenny Clarke (d) und Charlie Parker (as). Die neue Tonsprache entwickelte sich organisch aus dem Swing. Doch das fertige Resultat wirkte revolutionär, teils wegen eines Plattenaufnahmestreiks, der eine angemessene Dokumentation in den Übergangsjahren 1942-44 verhinderte, teils weil die selbstbewußten Künstler sich nicht mehr mit der Rolle des Entertainers begnügen wollten. Das große Publikum, das bisher im Jazz Tanzvergnügen suchte, stand den Boppern ratlos gegenüber. Typische Bebop-Merkmale sind etwa die Unisono-Vorstellung des Themas, das oft auf dem bisweilen kühn erweiterten harmonischen Gerüst bekannter Standards aufbaut, der Gebrauch bislang seltenerer Intervalle (z.B. verminderte Quinte) und eine neuartige rhythmische Auffassung. Beliebt sind schnelle melodische Phrasen aus Achtel-und Sechzehntelketten und Triolen mit überraschenden Betonungen und Akzenten. Zum Bebop-Spiel braucht es virtuose Könner. Zu ihnen zähl(t)en auch B. Powell, Dodo Marmarosa, Duke Jordan, Al Haig, Sadik Hakim (p), Howard McGhee, Navarro, (tp), J.J. Johnson, Gordon (ts) und Roach (d).

Bechet, Sidney (*14.5.1897, New Orleans, † 14.5.1959 Paris) ist der bedeutsamste Solist des frühen Jazz neben Louis Armstrong, der wichtigste N.O.-Klarinettist und als Sopranist neben dem Tenoristen Coleman Hawkins der bestimmende Saxophon-Pionier. Er ging 1916 nach Chicago und spielte u.a. mit Oliver und F. Keppard (Kornett), der ihn als Sechsjährigen entdeckt hatte. Die erste ernstzunehmende Jazzkritik, verfaßt 1919 vom berühmten Dirigenten Ernest Ansermet, beschäftigte sich mit Bechet, der gerade durch Europa tourte. Ab 1923 spielte er bei Clarence Williams, unter anderem mit Armstrong, seine ersten Platten ein, die ihn als erstes solistisches Genie des Jazz ausweisen. Er wirkte 1925-31 viel in Frankreich und Deutschland (zu sehen 1930 im Film „Einbrecher“ mit Heinz Rühmann), bereiste die alte Welt, einschließlich Russland und Ägypten. 1932 machte er mit seinen Feetwarmers zentrale Aufnahmen („Maple Leaf Rag“), an denen der Trompeter Tommy Landier mitwirkte. Beide arbeiteten zeitweilig als Schneider, da N.O. Jazz in den 30er Jahren vorerst nicht mehr angesagt war. Ab 1938 war er eine der Hauptgestalten des Revivals. Der geniale Improvisator mit dem außergewöhnlich expressiven Vibrato und großer melodischer Erfindungsgabe spielte um 1940 mit Größen wie Hines oder Spanier seine besten Platten ein („Summertime“, ein großer Erfolg für die junge Firma Blue Note, „Blues in Thirds“, „Indian Summer“, „Strange Fruit“) und übersiedelte bald nach einem triumphalen Auftritt in Paris 1949 nach Frankreich. Dort wurde er zwar oft von Musikern begleitet, die er weit überragte, landete aber manchen Hit („Petite fleur“) und wurde, als „le dieu“ verehrt, zu einer großen Kultfigur. Er veröffentlichte auch lesenswerte Memoiren, auf Deutsch veröffentlicht unter dem Titel „Petite fleur“. Duke Ellington: „Ich betrachte Sidney Bechet als das Fundament. Alles was er spielte kam vom Innersten der Seele.“

Beck Der amerikanische Musiker gehört mit seiner abenteuerlichen Mischung aus Grunge, Hip-Hop, Country usw. zu den gefragtesten Vertretern der Alternative-Bewegung; „Loser“ 1994.

Beck, Jeff (*1944, Wallington) 1965 verließ der exzentrische Brite die Yardbirds und nahm mit Sänger Rod Stewart zwei der ganz frühen englischen bluesbetonten Hardrock-Alben auf. Nach der Jeff Beck Group (mit Soul-Touch) und einem Versuch mit Beck, Bogert & Appice (Vanilla Fudge) war er Mitte der 70er mit Fusion-Alben (Jan Hammer) erfolgreich und zu Recht als großer Gitarren-Virtuose gehandelt. Danach übte er sich in weiterhin technisch meisterhaften, aber wenig erfolgreichen Projekten (Rock'n´Roll) und ständig als Gastmusiker bei Kollegen (von Stanley Clarke bis Tina Turner). Seit der Jahrtausendwende modern, heftig runderneuert, plötzlich extrem anerkannt und ein begnadeter Talentförderer für u.a. Jennifer Batten oder Tal Wilkenfeld. Irgendwie ein Zauberer.

Beck, Robin Amerikanische Sängerin, die dank eines Werbespots eines Getränkeunternehmens mit Sitz in Atlanta, Georgia sowie knapp 35 Milliarden Dollar Umsatz im Jahr, 1988 den internationalen Durchbruch in den Charts feierte: Die Engtanz-Ballade „First Time“ erreichte in zahlreichen Ländern Platz 1. Die vergebliche Suche nach Anschlußerfolgen beschäftigt die eher dünnstimmliche Rock-Interpretin noch bis heute.

Becker, Markus Ballermann-Schlagerist mit rotem Cowboyhut und gruseligen Song-Produktionen für torkelnde Promillejäger in mallorquinischen Partyzelten. Kracher wie „Das rote Pferd“, „Wenn im Dorf die Bratkartoffeln blühn“ oder „Bratwurst, Pommes und ein Bier“ beweisen Beckers lyrisches Talent.

Becker, Tobias (*6.11.1984, Böblingen) Pianist, Arrangeur und Bandleader, der mit dem Album „Life Stream“ 2013 als neuer Stern am deutschen Bigband-Himmel in Erscheinung trat.

Becker, Walter (b, v, g) siehe Steely Dan; † 2017.

Bed and Breakfast Erst vier, dann drei Jungs aus Deutschland, für alle Mädels ab Mitte der 90er mit Dance-Pop und Take That-Image.

Bedingfield, Natasha Mit dem knackigen „These Words“ gelang der britischen Popsängerin 2004 der internationale Durchbruch. Die routiniert-ausgefeilten Produktionen mit sentimentaler Färbung unterscheiden die Songwriterin von vielen ihrer Kolleginnen.

Bee Gees Australisches Trio, in den 60er Jahren als eher brave Beat-Band gegründet; in den 70ern Aufsprung auf die Disco-Welle (Soundtrack „Saturday Night Fever“); in den 80er/90ern weiter mit bravem Pop erfolgreich; 2012 nach dem Tod zweier Mitglieder aufgelöst.

Before Four Kanadische Boygroup, die vornehmlich 2002 bis 2003 in Erscheinung trat und leicht R&B-vermixten Pop mit dem verwechselbaren Charme des frühen Backstreet Boys-Standards zum Besten gab. Größter und einziger Hit: „Feel Free (to Say No)“ 2003. Längst aufgelöst.

Bega, Lou Deutscher Popsänger, der mit „Mambo No. 5“ im Jahr 1999 einen Welthit landete. Die frei interpretierte Coverversion von Perez Prados Original aus dem Jahr 1952 wurde in zahlreichen Ländern der Song des Jahres. Wenngleich der freundliche Wahlmünchener mit Zylinder und gewinnendem Lächeln sämtliche heiter-sonnenbetankte Karibiknummern („Gentleman“ 2001, „Bachata“ 2006) vor den nächsten Sommern zu platzieren versuchte, das One-Hit-Wonder-Dress vermochte Bega nicht mehr abzulegen.

Begemann, Bernd (*1962, Braunschweig) (v, g), mal großer Entertainer mit Band (1987 „Die Antwort“, ab 2004 „Bernd Begeman und die Befreiungn“), mal solo auf Kleinstkunstbühnen, aber immer mit großem Repertoire auf Deutsch und Englisch, überzeugt seine ausdauernden Fans (Konzerte auch mal länger als drei Stunden) und seine Kollegen (maßgeblicher Einfluß auf die Hamburger Schule) textlich und musikalisch, ohne selbst richtig populär zu werden.

Beggar's Opera Schottische keyboardlastige Rockband; in den frühen 70ern vor allem auf Festivals beliebt.

Beiderbecke, Bix (10.3.1903, Davenport, † 6.8.1931 New York) war als Idol des Chicago Jazz der erste wegweisende Weiße im Jazz: Avancierte Harmonik, lyrische Melodik und sein verhaltener Kornettklang, der geradezu im Gegensatz zur vorangegangenen hot-Tradition stand, machten ihn (noch vor Young) zum ersten bedeutenden Exponenten einer coolen Jazzästhetik. Der befreundete Komponist Hoagy Carmichael meinte: „Jeder Ton für sich war schon schön, aber diese Folge von Tönen war einfach unbegreiflich. Jede Note ganz klar, ganz rein, nicht verschmiert, nicht gemästet. Er spielte so mühelos wie andere atmen.“ Doch auch als Pianist und Komponist impressionistisch eingefärbter Stücke („In a Mist“) machte er sich einen Namen. Der tragisch frühe Tod machte ihn zur oft verklärten Legende (Buch: „Verklungene Trompete“ von Dorothy Baker). Bix stammte aus einer wohlhabenden und musikalischen Familie. Der Großvater des jungen Piano- und Kornett-Autodidakten leitete einen deutschen Gesangsverein. Wegen schlechter Führung (nächtliche Streifzüge u.ä.) wird Leon Bismark B. aus der Militärakademie entlassen. Als Mitglied der Wolverines erspielte er sich 1924 seinen Ruhm. In den renommierten weißen Tanzorchestern von Jean Goldkette und Whiteman, dem Vater des Symphonischen Jazz, fand er feste Anstellungen. Da er nicht Noten lesen konnte, legte er sich gern einen Krimi aufs Notenpult. Die Großzügigkeit des scheuen und zerstreuten Bix war sprichwörtlich, sei es, daß er Jimmy McPartland, seinem Nachfolger bei den Wolverines ein ausgezeichnetes Kornett schenkte, sei es, daß er Bessie Smith seinen ganzen Wochenlohn gab, nur damit sie weitersinge. Beim Börsenkrach verlor er alles. Die tägliche Routine und die Kommerzialität der Formationen tragen Mitschuld an seinem Verfall: Alkoholismus, Depressionen, Krankheiten. Soli wie auf „Singin' the Blues“ oder „I'm Coming Virgina“ wurden oft nachgespielt und zum Muster kommender Generationen.

Belafonte, Harry Ab 1956 gab der New Yorker seinen karibisch eingefärbten Pop mit einschmeichelndem Schmelzgesang zum Besten (Calypsomusik: Klingt wie stark verdünnter Reggae).

Belew, Adrian Seit den 70ern gefragter Studiomusiker (Gitarre für u.a. Laurie Anderson, Zappa) und auf Soloplatten Multitalent zwischen Pop und totalem Experiment.

Bell Book & Candle Deutsche Band, die 1998 als mittlere Popsensation gehandelt wurde. Vier Jahre zuvor gegründet, besetzte das Trio mit Frontfrau Jana Groß sowie deren charakteristischen Stimme das Feld des grundsoliden Powerpops aus eigenem Anbau. Daß später, nach dem Hit „Rescue Me“ sowie annehmbaren Nachfolgern wie „Read My Sign“ 1998 und „Catch You“ 2001, die Karriere der Berliner in die kommerzielle Sackgasse führte, lag auch an den zuweilen allzu stromlinienförmig produzierten Platten, die heute in fast bösartigen, deutschsprachigen Wohlfühlschlager gipfeln. Der Sängerin hätte man frühzeitig eine Abbiegung in Richtung Sololaufbahn gewünscht.

Bell, Carey (*14.11.1936, Macon, † 6.5.2007, Chicago) 1969-2007 Begleitmusiker aus Chicago auf der Blues-Mundharmonika (auch Baß), höchst talentiert in der Tradition von Big Walter Horton.

Bellamy Brothers Amerikanisches Country-Duo der 70er/80er Jahre („Let Your Love Flow“).

Ben Deutscher Sänger, der Anfang der 2000er mit über-geschmeidigem Teeniepopquark die Lieblichkeitshitlisten der weiblichen Fans stürmte. Dank seines Überraschungserfolgs „Engel“ 2002 sowie den Herzschmerz-durchgeschnörkelten Duett-Preziosen mit Kate Hall (Ben & Kate) für den Walt Disney-Film High School Musical 2 gelang dem Berliner der Einstieg in die TV-Öffentlichkeit, u. a. als KIKA-Moderator.

Benatar, Pat Mit angerauhter Stimme war die Sängerin aus Amerika Mitte der 80er mit radiotauglichem Mainstream-Pop/Rock erfolgreich („Love is a Battlefield“).

Bendzko, Tim Deutscher Sänger, der 2011 eine verblüffende Anzahl von Preisen einsammeln konnte: Bundesvision Song Contest, Bambi, ECHO, MTV Europe Music Awards, Goldene Kamera. Die Mischung aus juvenil-struwwelköpfiger Possierlichkeit, herzig-harmloser Selbstreflektionslyrik („Nur noch kurz die Welt retten“, „Wenn Worte meine Sprache wären“, beide 2011, „Keine Maschine“ 2016), trivialem Erbauungspop („Hoch“ 2019) sowie kantenlosem Schwiegersohnimage führte den gesanglich zweifellos begabten Berliner in diverse Jurys und Fernsehshows, sorgte jedoch angesichts der klebrig-braven Konsistenz seiner Lieder zunehmend auch für erhebliches Stirnrunzeln seitens der Musikkritik.

Bennett, Tony (*3.8.1926 Queens) gehört neben Sinatra zu den großen Croonern.

Benson, George (*1943, Pittsburgh) Zuerst hervorragender Gitarrist des Jazz, der sich in den Mitt-70ern als erfolgreicher Schmuse-Soul-Sänger profilierte. Seine Produktionen sind seither durchweg kommerzieller Natur; nur gelegentlich schimmert noch sein Jazzkönnen durch, etwa in den unisono zu den Gitarrensoli gescatteten Passagen.

Benton, Barbara Jacqueline Boyer in den USA.

Benton, Buster Der Bluesgitarrist und Sänger verschmilzt den alten Blues mit dem neuen aggressiven und harten City-Blues („Spider in My Stew“, „Blue Bird“).

Berigan, Bunny (*2.11.1908, Hilberts, † 2.6.1942, N.Y.) ist als frühverstorbener Alkoholiker eine mit Beiderbecke vergleichbare Legende, dessen Erbe der melodische Trompeter gewissermaßen antrat. Bei Goodman und T. Dorsey („Marie“) wurde er berühmt, bevor er sich 1937 mit eigenem Orchester selbständig machte („I Can't Get Started“).

Berlin Amerikanische Band, deren zunächst avantgardistische New Wave-Gehversuche im Jahr 1984 fünf Jahre nach ihrer Gründung schließlich (und endlich erfolgreich) im frisierten Pathospop des Synthiglamour-Produzenten Giorgio Moroder endeten: Die Powerballade „Take My Breath Away“ aus dem Film „Top Gun“ bekam einen Oscar sowie den Golden Globe. Würdige Nachfolgehits für die Gruppe rund um die stimmgewaltige Terri Nunn sollte es jedoch nicht geben, die Trennung erfolgte 1988.

Berne, Tim (*16.10.1954, Syracuse) (s), ist ein wichtiger Altist der jungen Jazz-Avantgarde.

Berry, Chu (*13.9.1910, Wheeling, † 31.10.1941 Conneaut), der in den Bands von Henderson und Calloway zu Ehren kam, war der bedeutendste Hawkins-Schüler seiner Zeitt, wie die Aufnahmen mit seinem „Little Jazz Ensemble“ 1938 und „A Ghost of a Chance“ 1940 mit Calloway belegen. Nur sein früher Verkehrstod und das damit verbundene Vergessen, ist schuld daran, dass sie sich nur versehentlich in Chuck-Berry-Fächern der wenigen noch verbliebenen CD-Abteilungen verirren.

Berry, Chuck (*1926, St.Louis, † 2017, Wentzville, Missouri) Der schwarze Sänger und Gitarrist beeinflußte durch seine geradlinigen Melodien und einfachen Texte zu Problemen Jugendlicher spätestens ab 1955 sämtliche (vor allem weiße) Nachfolger im Rock'n'Roll (Elvis Presley), Pop und Rock (Beatles, Rolling Stones). Plattenfirmen, Rassismus oder persönliche Probleme verhinderten die uneingeschränkte Anerkennung. Seine Hits „Maybelline“, „Roll over Beethoven“, „Rock and Roll Music“, „Johnny B. Goode“, „Little Sixteen“ (=„Surfin' USA“ der Beach Boys) u.v.m. wurden jedenfalls Klassiker.

Beyoncé (Knowles) startete 1997 schon nicht unerfolgreich mit der US-Girls-Band Destiny´s Child (bis 2005). Mit kraftvoller Stimme und perfekter Technik konnte sie ab 2003 auch in ihrer Solokarriere in allen populären Stilen von Soul bis Hip-Hop reüssieren. Spätestens 2013 ist die Afro-amerikanische Entertainerin die populärste Gesangsstimme Amerikas im Stile einer Whitney Houston oder Mariah Carey geworden.

Biafra, Jello Sänger der Punkband Dead Kennedys. Nach deren Auflösung 1987 zahlreiche Soloprojekte (z.B. Lard mit Ministry) mit vielen Stars des US-Undergounds.

Bianco, Bonnie Europäische Popsängerin der 80er, mit sentimentalen Balladen erfolgreich.

Bieber, Justin Kanadischer Sänger, dessen Karriere einst 2008 mit YouTube-Videos begann. Anfangs schnöseliger Teenieschönling mit typischem Herzschmerz-Pop für idolversessene Vorstadtmädchen, gelang Bieber trotz gelegentlicher Eskapaden (Marihuana-Konsum) und Yellow-Press-Einträgen (On-Off-Beziehung mit Selena Gomez) der Aufstieg ins höhere Pop-Feuilleton.

Biedermann, Jeanette Siehe Jeanette.

Big Audio Dynamite Die Londoner Band um den Ex-Clash-Gitarristen Mick Jones lieferte seit Ende der 80er vier hervorragend produzierte Alben mit hartem Rock, Reggaeanleihen und avantgardistischen Elementen ab, bevor sie sich 1994 auflöste.

Big Balls Bon Scott-AC/DC-Coverband ab Mitte der 90er aus Deutschland.

Big Bands, die ihre Hochblüte im Swing fanden, gibt es seit den 20er Jahren. Abgesehen von weißen Tanzorchestern (Whiteman, Goldkette) und ihren Arrangeuren (Ferde Grofe), verdanken sie Ellington und Henderson ihr Entstehen. Typisch für den Sound der Henderson-Band und fast allen folgenden Swing-Orchestern war das spannungsreiche Wechselspiel von Brass und Reed Section, d.h. der Blechblas- und der Saxophon-Gruppe. Die typische Besetzung des Hendersonschen Orchesters wurde zur Standardbesetzung der Big Band: Sie bestand in den 20er Jahren aus einer Brass Section mit 2-3 Trompeten und 1-2 Posaunen, einer Reed Section aus 3 Saxophonen/Klarinetten und einer vierköpfigen Rhythm Section (p, b, d, g). In den 30ern waren es eine Posaune und ein Saxophon mehr. Dies wurde in den folgenden Jahrzehnten oft erweitert, manchmal experimentell (Streichergruppen, Sitar). Bestimmend waren unter anderem die Big Bands von Goodman, Basie, Herman, Kenton, die auch nach dem Big Band-Sterben (in den späten 40ern) aktiv waren. Da die Kosten für Big Bands enorm sind, wurden kurzfristig zusammengestellte Studiobands immer wichtiger. Das Überleben von Big Band-Traditionen ist trotzdem (wenn auch einseitig) durch kommerzielle Machart oder öffentliche Institutionen (Rundfunktanzorchester) gesichert. Dennoch entstanden immer noch wichtige, teils innovative Orchester seit den 60ern (als diese Musik in der Publikumsgunst durch Rock und Beat verdrängt wurde): Th. Jones/M. Lewis, Kenny Clarke-Boland, D. Ellis, Akiyoshi-Tabackin, Sun Ra, Globe Unity Orchestra, Vienna Art Orchestra und The Monday Night Orchestra.

Big Black Mit extrem verzerrten Gitarren, monotonen Schlagzeug-Computerbeats, düsteren Textaussagen und verzerrtem Gesang ist die Mitte der 80er gegründete amerikanische Band eine wichtige Einflußgröße auf die spätere Industrial-Szene der 90er. Sänger und Mastermind Steve Albini wurde nach dem Scheitern seines Soloprojekts Rapeman gefragter Produzent u.a. für Helmet, die Pixies oder Nirvana. Nicht zu verwechseln mit dem Jazz-Perkussionisten Big Black.

Big Brother & the Holding Company Amerikanischer Rock (1967-71) anfangs mit Janis Joplin.

Big Country Schottische Formation der 80er mit dichtem Gitarren-Teppich gradlinig-stampfend, leidlich melodiös und folkloristisch angehaucht.

Big Mountain Amerikanische Reggae-Band, der ihr arg verpoppter Reggae-Bombast lediglich einen einzigen (zudem Cover-)Hit bescherte: „Baby I Love Your Way“ 1994. Dennoch bis heute aktiv und unterwegs.

Big Youth Bis heute beachtlicher Repräsentant des Toasting (mit gravierten Goldzähnen!), der sich nicht nur mit den üblichen Themen (Frauen oder Motorräder) befaßt, sondern die Nöte und Sorgen der Ghettobewohner zum Thema macht und daher bei Bob Marley beliebt war und bei Jamaikanern noch heute ist.

Bigard, Barney (*3.3.1906, New Orleans, † 27.6.1980, Culver City) trat als bluesiger, nuancenreicher Klarinettist bei Ellington (1928-42) und Louis Armstrong (1947-55) hervor („Mood Indigo“).

Bilgeri Rockiger österreichischer Barde seit den 80ern, Hit „Desperado“ (von den Eagles).

Biohazard Erfolgreichste Vertreter der Mitte der 90er angesagten New York-Hardcore-Punk-Welle; durch brachiale Heavy-Metal-Gitarren und sozialkritische Texte - teilweise in Sprechgesang (Rap) vorgetragen.

Bionda, La Italienisches Musikerduo, dessen akustischer Nonsens-Evergreen mit minimalistischen Lyrics und dem Titel „One For You, One For Me“ 1978 für klappernde Plateauschuhe unter glitzernden Discokugeln sorgte. Zwei Jahre später waren La Bionda nicht mehr hitparadentauglich.

Birth Control Deutsche Band mit Orgel, dünn angelehnt an den Hardrock der 70er-Jahre (Hit „Gamma Ray“).

Birthday Party Australische Undergroundband Anfang der 80er um Nick Cave.

Bishop, Elvin Ab 1969 spielt der Gitarrist zurückhaltende Blues-Phrasierungen (u.a. bei der Butterfield Blues Band) und zeigt sich auch in Rock und Country zuhause.

Bizz Nizz Belgisches Projekt, das mit einer überaus blutarmen Dancenummer „Dont Miss The Partyline“ (1990) kurzzeitig die europäischen Charts kaperte, bevor sich die Erfinder Jean-Paul de Coster und Phil Wilde mit 2 Unlimited einem weitaus erfolgversprechenderen Vorhaben widmeten.

Björk (*21.11.1965, Reykjavík) Die ehemalige Sängerin der isländischen Sugarcubes begann ihre Solokarriere in den 90ern mit einer Mischung aus unterschiedlichsten Dancefloor-Elementen und kindlichem Gesang; später wurde es ernster und konzeptioneller, aber mit über 20 Millionen verkauften Tonträgern irgendwie auch relevanter.

Blacc, Aloe Amerikanischer Sänger, dessen soulig-weiche Stimmfärbung sowohl auf eingängigen Pop-Country-Hits wie „I Need A Dollar“ 2011 wie auch den Electro-Dance-Fabrikaten des verstorbenen schwedischen DJs Avicii („Wake me up“ 2013) funktionierte. Die ausperfektionierte Rolle des schmückenden Beiwerks auf diversen, genrebreiten Produktionen lässt die Bühnenqualitäten des Kaliforniers etwas untergehen.

Black (*26.5.1962, Liverpool, † 26.1.2016, Cork) Britischer Soft-Pop-Künstler mit einem melancholischen Hit Ende der 80er: „Wonderful Life“.

Blackberry Smoke Hochmusikalisches Country-Quartett ab 2000 aus Alabama, satt instrumentalisiert um Charlie Starr (v, g).

Black Crowes Amerikanische Hardrock-Band, seit Anfang der 90er mit erdigem Gesang und abwechslungsreichem Material, sehr 70er-bezogen (AC/DC), immer erfolgreicher, 1996 mal mit Neil Young unterwegs, inzwischen zur Jam-Band mutiert; 2015 aufgelöst.

Black Eyed Peas, The Die kalifornische Gruppe um Clanchef Will.i.am und Sängerin Fergie überwindet furchtlos sämtliche Genres von gemäßigtem Hip-Hop („Where Is The Love“ 2003) über Contemporary R&B („My Humps“ 2005) bis zu dürftigem Elektropop-Trash („The Time (Dirty Bit)“ 2010).

Black Flag Charakteristisch industrieunabhängige Hardcore-Punk-Pioniere (neben den Dead Kennedys), später auch Doom, aus Kalifornien 1976 bis 1986 (2013 neuer Versuch) mit vielen Besetzungswechseln um den Gitarristen Greg Ginn. Sänger Henry Rollins machte solo weiter.

Black, Frank Ex-Sänger der Pixies aus Amerika; in den 90ern teilweise hitparadentauglich und ab 2004 wieder bei den Pixies.

Blackfoot Die teils indianische Band verband seit 1971 amerikanische Country- und Blues-Einflüsse mit brachialen Hardrock-Gitarren zu eingängig-hymnenhaften Songs und war Ende der 70er, Anfang der 80er einer der erfolgreichsten Vertreter der damaligen Hard'n'Heavy-Szene (heute Hardrock); „Highway Song“. Zuletzt spielte der Ex-Uriah Heep-Keyboarder Ken Hensley mit.

Black, Mary Irische Folksängerin (Ex-De Dannan) die sparsam aber kompetent begleitet; Mitte der 90er nach zehn Jahren Soloarbeit etwas erfolgreicher wird.

Black Label Society Amerikanische Band ab 1998 um den Ozzy Osbourne-Gitarristen Zakk Wylde (hier auch als Sänger).

Black Metal Oftmals sehr schnell gespielt wie Death-Metal (Blastbeats) mit meist okkulten Texten, keifendem Gesang. Keine oder wenig (Thrash)-Metal-mäßige Riffs, eher werden schnelle Einzeltonfolgen gespielt oder nur einfache Akkorde um einen flächigen Klang zu erzielen. Wichtig ist auch der Gitarrensound, der hier mehr klirrend ist, oftmals werden auch Keyboards eingesetzt. Der Begriff ist auf die Band Venom zurückzuführen, der Sound auf Bathory. (Nicht nur) bei den Fans: Gerne eine ungesund fahle Färbung im Gesicht (corpse paint). Pagan Metal und Viking Metal verbinden Black Metal mit nordischer Folklore, Instrumenten und Thematik.

Black, Roy Deutscher Schlagersänger und Schauspieler, dessen sanfte Eros-Stimme mit den auf ihn zugenähten Liebesschwulst-Kantaten („Ganz in weiß“, „Frag nur dein Herz“, „Ich denk an dich“) perfekt verschmolz. Sein Erfolg ab 1965 war zugleich sein Unglück: Als Schlageridol (und später auch Darsteller substanzloser Heimatkomödchen und -serien (siehe „Ein Schloss am Wörthersee“) fühlte er sein herausragendes Talent als Entertainer stets verkannt. 1991 mit 48 Jahren gestorben.

Blackmore, Ritchie (*1945, Weston-super-Mare) Hardrock-Gitarrist u.a. der Deep Purple, Rainbow. Seit Ende der 90er auch mit eigentümlich sphärischen, halb akustischen Soloprojekten unterwegs.

Black Oak Arkansas Amerikanische Band (erste LP 1969), die Anfang der 70er Country-Einflüsse mit harten Rock-Gitarren und klischeehaften Texten verband und vor allem in Amerika größeren Erfolg hatte. Stilistische Änderungen und Umbesetzungen führten zum Einbruch; Comebackversuche in den späten 80ern.

Black Rebel Motorcycle Club Amerikanische Alternative-Rockband ab 1998.

Black Sabbath 1969 in Birmingham gegründet, die Heavy-Metal-Band schlechthin. Mit einzigartiger, kräftiger, schneidender Stimme (auch Mundharmonika) von Ozzy Osbourne (*1948, Birmingham) (doppelt oder mehr aufgenommen) und charakteristisch schweren und unverwechselbaren Gitarren-Riffs („Iron Man“ 1971) des Gitarristen Tony Iommi (*1948, Birmingham, einzig ständiges Mitglied), der in seinen Soli apokalyptisch atonal klingen kann und damit den bis heute eher harmonisch-bluesoriertierten Kollegen entgegensteht, enorm verzerrter Baß-Melodieführung von Terry Geezer Butler (*1949, Aston) (ab 1983 mit Pausen) und gerne überhörter, erstaunlicher Schlagzeug-Vielfalt von Bill Ward (*1948, Birmingham) (ab 1980 langsam verschwindend). Nach der Abkehr vom zeittypischen Bluesrock ihres ersten Albums („Black Sabbath“ 1970) haben sie sich, nie Lieblinge ihrer Plattenfirmen (denen sie mit ihrem Album 1975 „Sabotage“ vorwarfen), der Kritiker und der Plattenhändler, von den Fans und nachfolgenden Musikern (u.a. Alice in Chains, Anthrax, Bathory, Blessed Death, Candlemass, Celtic Frost, Death, Disturbed, Down, Fear Factory, Foo Fighters, Godsmack, Guns'n'Roses, Iron Maiden, Judas Priest, Korn, Manowar, Megadeth, Metallica, Opeth, Pantera, The Smashing Pumpkins, Slayer, Slipknot, Venom) als absolut maßgebliche Vorläufer fast aller Bands des Genres gegen alle Widerstände durchgesetzt. Was heute teils auch als Doom-Metal firmiert und ausgerechnet auf ihrem einfachen und fetzigen größten Hit „Paranoid“ (1970 in einem Take als Schnellschuß aufs gleichnamige Album katapultiert) nicht zum Tragen kommt, ist ihre musikalische Vielfalt. Stilistisch starke Breaks innerhalb einzelner Songs („Electric Funeral“ schon 1970, „Killing Yourself to Live“ 1973), akustische Einlagen (von „Embryo“ und „Orchid“ auf ihrem Meisterwerk „Master of Reality“ 1971, „Fluff“ 1973 oder „Air Dance“ 1978), vereinzelt überraschender Keyboard-Bombast („Sabbath Bloody Sabbath“, 1973 mit Rick Wakeman, „Who Are You“), Chorgesang („Supertzar“ 1975), Bläsereinsatz (rein instrumental „Breakout“ 1978): Der Abwechslungsreichtum fußte stets auf ihrem, (lange nach den Beatles) im Hamburger Star Club live eingeübten, riffharten Selbstverständnis. Auch 1979-82 konnte die Band mit Ronnie James Dio daran anknüpfen. 1983 gab es noch einen hybriden Versuch mit Ian Gillan von Deep Purple, der sich dabei die Stimme ruinierte. Danach versank die Band mit unpassenden Sängern (Toni Martin) virtuos aber bedeutungslos im Heavy-Mainstream. 1992 wuchtete Black Sabbath, wieder mit Dio, ein brachiales Album „Dehumanizer“, bevor nach unbedeutenden Arbeiten, ab 1977 Reunions und Comebacks, fast im Stile alter Zeiten, das Altenteil einleiteten - Ozzy eine Oktave tiefer, 2013 mit neuem Album „13“ von Rick Rubin produziert kommerziell erfolgreich wie nie und bis 2017 auf Tour.

Black Uhuru Roots-Reggae-Band par excellence. Erfreut sich seit den 80ern erstaunlicher Beliebtheit vor allem beim europäischen Publikum. Mit den Rhythm-Twins Sly & Robbie, der leider verstorbenen Sängerin Puma Jones, den wechselnden Lead-Vokalisten Michael Rose, Don Carlos und dem Background-Sänger Duckie Simpson entstanden handwerklich ausgezeichnete Roots- und Dub-Alben. 2017 aufgelöst.

Blackwell, Ed (*10.10.1929, New Orleans, † 7.10.1992, Hartford) wurde als klanglich sensibler, melodischer Drummer beim Free Jazz-Pionier Ornette Coleman bekannt.

Blade, Brian (*25.7.1970, Shreveport), spielte an der Seite von Wayne Shorter und Joshua Redman und sich mit seiner eigenen Band Fellowship nach vorne und gehört mit seinem hellhörigen, dynamischen und technisch vollendeten Spiel zu den meistbewunderten Drummern der Gegenwart.

Blades, Ruben (v, k) ist mit sozialkritischen, gekonnt auf die Unterprivilegierten Amerikas zugeschnittenen Texten und modernem ambitioniertem Salsa ohne Scheu vor zeitgemäßem Pop-Sound seit Anfang der 80er konsequent erfolgreich.

Blake, Blind Amerikanischer Ragtime- und Blues-Gitarrist der 20er-Jahre mit herausragender Fingerpicking-Technik; nur noch vergleichbar mit Lonnie Johnson.

Blake, Eubie (*7.2.1883, Baltimore, † 12.2.1983, New York), der Komponist des Hits „Memories of You“ war bis zu seinem Tod im Alter von vorgeblich 100 Jahren (in Wirklichkeit hat er sich etwas älter gemacht) ein lebendes Ragtime-Museum. Mit sechs versetzte er schon Kirchenlieder mit Ragtime-Rhythmen und seiner frommen Mutter einen Schrecken, der durch seinen ersten Job (mit 14 in einem Bordell) nicht gemindert wurde. Blake arbeitete ab 1915 oft mit Noble Sissle (ld, v) zusammen. Ihren Revuen wie „Shuffle Along“ 1921, „Chocolate Dandies“ 1924, „Blackbirds of 1930“ ist die Emanzipation des schwarzen Musiktheaters zu verdanken, das erstmals von der Straße auf die Bühnen des Broadways gelangte. „Shuffle Along“ war eine Mischung aus Ragtime und Operette, die den Jazztanz im Broadway einführte, übrigens mit der jungen Josephine Baker.

Blakey, Art (*11.10.1919, Pittsburgh, † 16.10.1990, New York) war nicht nur ein außergewöhnlicher und einflußreicher Drummer, einer der kraftvollsten Solisten und swingendsten Begleiter, er war einer der weitblickendsten Leader der Jazzgeschichte, dessen Formationen für den Hardbop maßgeblich waren. Man kann auch die Geburt des Hardbop an den legendären Konzertalben des Art Blakey Quintet mit C. Brown, Donaldson (as), Silver (p), Curley Russel (b) 1954 im Birdland dingfest machen. Auch viele andere Alben („Moanin“) wurden mustergültig. Er nahm junge Talente in seine stets wandelnden Jazz Messengers-Formationen auf, die sich dann in 90% der Fälle zu Giganten entwickelten: Trompeter wie C. Brown, Dorham, Bill Hardman, Morgan, Hubbard und W. Marsalis. Tenorsaxophonisten wie Mobley, Griffin, Golson, Posaunisten wie Fuller, Pianisten wie Bobby Timmons, Cedar Walton.

Bland, Bobby Blue (*27.1.1930, Rosemark, Tennessee, † 23.6.2013, Memphis) kommt aus der Schule der Gospelsänger, mit gekonnt eingesetztem großen Stimmvolumen. In den 60ern mit den Rhythm & Blues-Klassikern „I Smell Trouble“ und „Little Boy Blue“.

Blanton, Jimmy (*10.1918, St.Louis, † 30.7.1942, Monrovia) In den Jahren 1939-41 spielte der virtuoseste Bassist jener Zeit bei Duke Ellington: Jimmy Blanton. Er revolutionierte das Spiel seines Instrumentes und damit das Spiel der Rhythmusgruppe. Er befreite die bisherigen Begleittechniken von ihrer schlichten Schematik und spielte ausgedehnte Soli von melodischer Schönheit und verwendete den scheinbar behäbigen Baß wie ein Blasinstrument. Außerdem hatte er einen prachtvollen Sound und nutzte einen großen Tonumfang, spielte blitzsauber und zeigte dabei die Schulung an klassischen Techniken. Vor allem swingte er immens. Als er schon 1942 nur 23-jährig starb, hatte er alle die nächste Generation wegweisender Bassisten - Pettiford, Ray Brown, Charles Mingus - geprägt.

Blasinstrumente sind in der Rock- und Pop-Musik eher selten. Als massive Unterstützung wurden Blechbläser vor allem in den Funk- und Fusion-orientierten 70ern (Trompeten, Posaunen) zusammen mit Saxophonen gerne verwendet. Solistische Holzblasinstrumente wie das Saxophon (verwendet für jazzigen Klang) oder die Querflöte (Jethro Tull) sind reine Exoten. Die einzelnen Einträge zu den Instrumenten behandeln daher fast nur den Jazz.

Blastbeats Auf Baßtrommeln, kleinen Trommeln und Becken gespielte, anstrengende Schlagzeugtechnik über 180 bpm zur Erzeugung von Maschinengewehrsound - aus allen härteren Metal-Varianten nicht mehr wegzudenken.

Blechreiz Deutsche Ska-Band seit Ende der 80er.

Bley, Carla (*11.5.1938, Oakland) gehört in mehrfacher Hinsicht (p, comp, ld) zu den bedeutenden Musikerinnen der Gegenwart.

Bley, Paul (*10.11.1932, Montreal, † 3.1.2016, Stuart), ein feinsinniger Pianist, galt in den 60ern als leiser Genius des Free Jazz, um sich später verstärkt Standards zuzuwenden.

Blind Faith Supergroup mit Eric Clapton und Ginger Baker von Cream, Steve Winwood von Traffic und Rick Grech (b, vln) von Family. Verschachtelter Rock auf einer LP von 1969.

Blind Guardian Deutscher Heavy-Metal der 80er/90er, vergleichbar mit Helloween.

Blind Illusion San Francisco-Band um Sänger/Songschreiber Marc Biedermann mit einer melodiösen Thrash-Metal-Platte (1988). Larry LaLonde (Ex-Possessed) und Les Claypol später bei Primus.

Blink-182 Amerikanische Band ab 1992. Sehr erfolgreich mit poppigem Punk (ähnlich Green Day).

Bliss Mit dünner Stimme (Rachel Morrison) meldet sich die 1986 gegründete englische Band sehr sauber produziert, aber wenig überraschend instrumentiert 2007 zurück.

Bloc Party Englische Band 1999 gegründet, von Alternative bis Tanz-Rock.

Block, Rory Folk/ Blues-Gitarristin und -Sängerin, die ihre meist eigenen Songs seit 1976 gekonnt interpretiert.

Blodwyn Pig 1969/70 Hardrock um Mick Abrahams; 1996 bis 1998 wieder.

Blonde on Blonde Englisches Disco-Duo ehemaliger Models; in den 70ern erfolglos (außer in Japan), da besser aussehend als singend.

Blondel siehe Amazing Blondel.

Blondie Amerikanische Popgruppe um die Sängerin Deborah Harry und ihrer scharfen Stimme. 1974 aus der New Yorker New Wave-Szene („Call Me“) hervorgegangen und später in Disco-Nähe („Sunday Girl“). Nach Trennung 1982 ab 1999 wieder unterwegs.

Blonker New-Age-Gitarrenspiel seit den 80ern.

Bloodhound Gang Amerikanische Band (1988-2013) zwischen Hip-Hop und Punk. Textlich meist Obzönes. 1999 Riesenhit mit dem poppigen „The Bad Touch“. Auf der Bühne erbrach man sich gerne und urinierte.

Blood Sweat & Tears Ab 1968 schafften es die virtuosen Amerikaner, ihrem druckvollen Rock Anklänge an Blues, Soul und Jazz zu geben, bis sie Mitte der 70er immer glatter und uninspirierter wurden.

Bloom, Jane Ira (*12.1.1955, Boston) ist eine stilistisch eigenständige Wohltönerin auf dem Sopransaxophon, dessen Klang sie gelegentlich durch elektronische Effekte erweitert. Ihrer Musik wird etwas Sphärisches nachgesagt. In der Tat erhielte sie einen Kompostionsauftrag von der NASA und ein Asteroid wurde nach ihr benannt.

Bloomfield, Mike Der gefeierte amerikanische Blues-Rock-Gitarrist verließ 1967 die Butterfield Blues-Band, um (u.a. bei Electric Flag) immer seltener sein Können aufblitzen zu lassen, bis er 1981 den Herointod starb.

Blow, Kurtis Der schwarze ehemalige DJ verlegte sich 1979 ausschließlich auf's Rappen und hatte mit „Christmas Rap“ und „The Break“ 1980 die ersten großen Hits des Genres (Old School). Mitte der 80er wurde er zunehmend sozialkritisch (New School), war aber eher als Produzent (Run DMC) gefragt.

Blue Britische Boygroup, die sich bei Titeln wie „U Make Me Wanna“ 2003, „Breathe Easy“ und „Curtain Falls“ (beide 2004) auf Popballaden mit R&B-Einschlag konzentrierte. Nach ihrer Auflösung 2005 kehrte sie vier Jahre später überraschend erfolgreich ins Musikgeschäft zurück.

Blue Aeroplanes Britischer Gitarren-Pop in interessanten und gepflegten Arrangements mit kurzzeitig erhöhter Popularität Ende der 80er, 1991 mit Beatsongs immerhin noch in den Album-Charts und heute weiter aktiv.

Blue Cheer Das amerikanische Blues-Rock-Trio wurde Ende der 60er Jahre gegründet und mit lauter und heftiger Spielweise zu Wegbereitern des Hardrock.

Blue Diamonds Niederländisches Duo, das in den 60er Jahren mit leichtfüßigem Doo Wop-Schlager in weiten Teilen Europas populär wurde. Mit dem 32 Jahre früher geschriebenem Walzer-Liedchen „Ramona“ gelang dem aus Indonesien eingewanderten Brüderpaar im Jahr 1960 ein Nr. 1-Hit in Deutschland. Weitere Erfolge waren „Wie damals in Paris“, „Ahoi-Ohé“ (beide 1961) und „Sukiyaki“ 1963.

Blue Flames siehe Georgie Fame.

Blue Lagoon Das schwäbische Dance-Projekt landete mit dem Reggaepop-Klassiker von Matthew Wilder „Break My Stride“ einen saisonalen Spätsommerhit 2004. Die Vielzahl weiterer, ermüdend einfallsloser Coverversuche blieben unbeachtet.

Blue Nature Der „Titanic“-Film-Boom machte es möglich, daß selbst eine fürchterliche Trance-Verkasperlung von „My Heart Will Go On“ (Celine Dion) noch 1999 in die deutschen Top 10 gelangte. Hinter dem One Hit Wonder-Projekt steht der DJ Eric Rijkaard alias Ovidiu Sorin Stan.

Blue Notes erscheinen als Trübungen der normalen Tonhöhen. Meist weichen die Töne von den großen Terzen und Septimen bzw. der Quinte ab. Sie können einen kleinen Mikroton bis zu einem ganzen Halbton erniedrigt sein. Bei Instrumenten, die diese Intonationsänderungen nicht erzeugen können, kann man blue notes durch Glissando andeuten oder etwa am Klavier durch gleichzeitiges Spielen von kleiner und großer Terz. Blue Notes sind neben dem 12-taktigen Bluesschema wichtigstes Kennzeichen des Blues, erzeugen aber außerhalb des Blues die bluesigere Stimmung in Jazz, Rock, Folk usw. Blue Note ist auch der Name eines bedeutenden Jazzlabels.

Blue Notes Gruppe um Teddy Pendergrass.

Blue Oyster Cult New Yorker Heavy-Metal-Formation ab den frühen 70ern. Anfangs sehr Black Sabbath-orientiert; in den 80ern eher in Richtung Mainstream tendierend („Don't Fear the Reaper“) und immer weniger erfolgreich und stetig umbesetzt; ab 1987 aber massiv auf Tour.

Blue System siehe Dieter Bohlen.

Bluegrass Sehr traditionsverbundene Spielart des Country.

Blues entwickelte sich im ausgehenden 19. Jahrhunderts als weltliche, afroamerikanische Musikrichtung parallel und in ständiger Wechselwirkung zum Jazz. Seine geographisch und zeitlich unterschiedlichsten Ausprägungen (Delta Blues, Chicago Blues usw.) charakterisieren ihn je nachdem als Volksmusik der Landbevölkerung, Musik des schwarzen Großstadtproletariats, Protestsong usw. Der Großteil der Blueskompositionen hat folgende Struktur, das auf afrikanische Wurzeln zurückgehende Ruf und Antwort-Schema (zwei Strophen in AAB-Form) Beispiel: „Did you ever fall in love with a man that was no good? Did you ever fall in love with a man that was no good? No matter what you did for him he never understood!“ Dies wird eingebettet in ein meist 12-taktikes Harmonie-Schema, das in seiner einfachsten Form lautet: 4 Takte Tonika, 2 Takte Subdominante, 2 Takte Tonika, 2 Takte Dominante, 2 Takte Tonika. Die beliebte, unendliche Variationsmöglichkeiten bietende Form macht den Blues so zur häufigsten Improvisationsgrundlage des Jazz. Der erste gedruckte Blues ist der „Memphis Blues“ von W.C. Handy, dem sogenannten Vater des Blues. Mamie Smith, 1920 erste schwarze Blues-Interpretin auf Platte, leitete die Ära der großen schwarzen Bluessängerinnen ein, zu denen Ma Rainey und Bessie Smith gehören. Ebenso wie der Blues eine eigenständige Musikgattung ist, gehört er als Form mit einem spezifischen Stimmungsgehalt (durch Blue Notes und Dirty Tones erzeugtes Bluesfeeling) zugleich anderen Musikrichtungen an. Seine Interpreten finden sich daher nicht nur bei ausgesprochenen Bluesmusikern (B.B. Broonzy, Muddy Waters, B.B. King, John Lee Hooker), sondern im Jazz (Rushing), im Rock'n'Roll, im Hardrock, in Country, Soul, Musical... Blues ist ein Fundament der gesamten Popularmusik dieses Jahrhunderts, wenn auch z.B. im heutigen Pop, Punk, spätem Heavy-Metal und New Wave nicht mehr so dominant.

Blues Brothers Die Schauspieler Dan Akroyd und John Belushi stellten 1977 eine Rhythm & Blues- und Soul-Band zusammen, traten immer mit Anzug, Hut und Sonnenbrille auf, sangen in kraftvoller Manier ausschließlich Fremdkompositionen und lösten die Band 1980 wieder auf (in diesem Jahr entstand auch ihr berühmter Film); Belushi starb 1982.

Blues Image 1966 bis 70 aus Amerika heftig und abwechslungsreich groovender Rock.

Blues Magoos Aus New York Mitte der 60er bis Anfang 70er; mit Psychedelik und Blues gestartet, später auch etwas Folk und Jazz.

Blues Project 1964 in New York entstandene Band um die späteren Blood, Sweat & Tears-Musiker Al Kooper und Steve Katz mit Rock und etwas Jazz und Blues.

Blues-Rock Vor allem in seiner stampfenden und erzählenden, sich steigernden Spielweise (meist der Solo-Gitarre) stark an den Blues angelehnte, elektrisch verstärkte Musik hauptsächlich weißer Musiker (Ten Years After, Roy Buchanan).

Bluesband, The Bedeutungslose britische Imitation der verschiedenen amerikanischen Blues-Stile ab Mitte der 70er.

Bluesgangsters Landshuter Bluesformation mit authentischem Material, seit 1983 und reger Auftrittstätigkeit in den 90ern, kamen bis nach Chicago.

Blümchen Die konsequente Schändung von NDW-Klassikern („Herz an Herz“, „Nur geträumt“) in restlos seelenlosen wie teilweise gruseligen Rave- und Happy-Hardcore-Techno-Erzeugnissen seitens der damals 15jährigen Hamburgerin Jasmin Wagner sorgte für erhöhte „Herzfrequenz“ (erster Albumtitel 1996) bei zahlreichen BRAVO-Lesern. Später vornehmlich Theaterauftritte fernab des 90er-Chartstrashs.

Blumfeld 1990-2007 leichtgewichtiger Pop der Hamburger Schule um Jochen Distelmeyer (v, g) („Jenseits von Jedem“ 2003).

Blunt, James Mit charakteristisch gepresster hoher Stimme (auch Kopfstimme) und traumhaften Melodien startete der Brite 2004 auf „Back to Bedlam“ (Hit 2005 „You're Beautiful“). Immer weniger inspiriert und immer mehr überproduziert, sinken die Verkaufszahlen stetig, aber immer noch auf hohem Niveau.

Blur Ende der 80er noch schräger Underground, wurde die englische Gitarren-Pop-Band um den Sänger und Songschreiber Damon Albarn ab Mitte der 90er eingängiger und abwechslungsreich sehr erfolgreich (geniale Grunge-Parodie „Song 2“ 1997 - LP „13“ 1999).

Boa, Phillip Deutscher Sänger/Songwriter, bedient sich seit den 80ern ungeniert aus dem Musik-Baukasten - für jeden ist im schrägen Stilmix was dabei: Harte Gitarren oder Disco-Gesäusel. Neben seinem Haupt-Projekt Voodooclub startete er trendgerecht The Voodoocult, der zwischen Thrash-Metal und Industrial zahlreiche namhafte Gastmusiker beschäftigt (z.B. den Ex-Slayer-Schlagzeuger Dave Lombardo oder den Ex-Faith No More-Gitarristen Jim Martin).

Bob and Marcia In den 60er und Anfang der 70er Jahre jamaikanisches Vokal-Duo, das selbst in den UK-Charts Hits wie „To Be Young“, „Gifted and Black“ landen konnte. Marcia setzte ihre Karriere später bei Bob Marley's Background-Vocal-Formation I Three fort.

Bobby and the Midnites Rockband um Grateful Deads Bob Weir in den 80ern.

Bodenseh, Isabelle verwendet im swingenden Mainstream auf der Flöte auch Avantgarde-Techniken: Sie singt hinein, überbläst, flattert, flirrt, sirrt, schnarrt, brummt und summt, verwandelt ihre Flöte schon mal mit Blas- und Klappengeräuschen in eine Trommel oder einen Bass; Lorenzo Petrocca.

Body Count Heavy-Metal/ Rap mit Ice-T bis Ende der 90er.

Boel, Hanne Die dänische Sängerin liefert in den 90ern soliden Pop-Rock ohne übermäßigen Erfolg, obwohl sie inzwischen restlos wie Tina Turner klingt.

Böhse Onkelz Ab Anfang der 80er bis 2005 machte die deutschsprachige Band Musik zwischen Punk und Hardrock (erinnert zuweilen an AC/DC). Zuerst mit deutlich rechter politischer Botschaft, die ihnen immer wieder Ärger bei Konzertveranstaltungen und Plattenfirmen einbrachte - später geläutert und mit sozialkritischen Texten eine stetig wachsende Fan-Schar anziehend. Danach einige Soloalben, Kevin Russell (v) macht 2012 auch alleine weiter; 2014 reformiert.

Bohlen, Dieter Der Mann mit der Fistelstimme, dem man sogar seine blöden Sprüche bei Deutschland sucht den Superstar texten muße, startete 1970 als Komponist, Produzent und Sänger. Wirklich berühmt wurde er erstmals mit Modern Talking ab 1984 und ab 1987 im ähnlichen Eigenprojekt Blue System. Parallel produzierte er (unter stets wechselnden Pseudonymen) Schlager für Peter Alexander, Roy Black, Nino de Angelo, Andrea Berg, Chris Norman, die Wildecker Herzbuben etc. pp bis heute sehr erfolgreich.

Boine, Mari (Boine Persen) Ausdrucksstarke Interpretin unverfälschter norwegischer Folklore, deren Gesang (zwischen Schweben und ausgeprägter Kopfstimme) ab 1990 auch international bekannt wurde.

Bolan, Marc siehe T.Rex.

Bolden, Buddy (*1877, New Orleans, † 1931, New York) leitete angeblich die erste wirkliche Jazzband. Um die Gestalt des Barbiers, Skandalblattherausgebers und Trompeters Bolden kreisen zahlreiche Legenden: So wird berichtet, daß seine strahlende Trompete von einem Ende der Stadt bis zum anderen zu vernehmen war. Da er 1907 ins Irrenhaus eingeliefert wurde, wo er völlig vergessen starb, gibt es von diesem Pionier keine Tondokumente.

Bolin, Tommy Ersetzte 1975 Ritchie Blackmore an der Gitarre bei Deep Purple. Verstarb kurz nach einer Auflösung der Band an einer Drogenüberdosis 1976. In den Gruppen Energy, Zephyr und bei der James Gang funkiger Hardrock, auf Soloplatten ruhiger.

Bolling, Claude (*1930, † 2020) Der französische Pianist, Komponist, Arrangeur und Bandleader gilt als prägende Persönlichkeit des Jazz-Klassik-Crossover. Das ist aber nur eine Facette in seinem Schaffen. Er begann als virtuoser Vertreter des traditionellen Jazz, der eine ursprünglich von Earl Hines geprägte Spielwiese mit einer am Vorbild Duke Ellingtons orientierten Band-Ästhetik kombinierte und wurde über den Umweg des Chanson-Begleiters ein vielbeschäftigter Filmkomponist.

Bollock Brothers In den 70ern entstandene Londoner Formation, die Synthesizer-Pop, Punk und Rock in loser Folge mischte („Faith Healer“, „Harley David Son of a Bitch“).

Bolton, Michael (*1953, New Haven) Von Walter Afanasieff aufwendig produzierter Schmacht-Barde, der singt, als säße er auf einer heißen Ofenplatte und dem seit Mitte der 90er die Ideen-Puste etwas ausgeht.

Boltthrower Erst heftiger, Mitte der 90er gemäßigter Death-Metal aus England (mit Kriegs- und Helden-Grunzgesang).

Bomb the Bass Lose britische Formation seit der zweiten Hälfte der 80er, die Hip-Hop mit Samples anreicherten und so zeittypischen Dancefloor im House-Stil schuf.

Bomfunk MCs Finnische Hip-Hop-Band, die mit dem Electro-Drum'n'Bass-Feger „Freestyler“ im Jahr 2000 einen Superhit landete. Jede Dynamik und Coolness jenes Songs ging leider in den darauffolgenden Jahren zulasten eher mauer 90er-Music-Instructor-Klone („Super Electric“ 2001) sowie Frida-Cover („Crack It! Something Going On“ 2002) verloren. 2018 ein eher weniger beachtetes Revival.

Bon Jovi 1982 in New Jersey von Sänger/Komponist John Bongiovi gegründet; stilprägende und erfolgreichste Mainstream/Hardrockband der 80er. Üppiger Keyboard-Einsatz, bombastische Produktionen und hymnische Arrangements mit eingängigen Melodien und der kraftvollen Stimme Bongiovis. In den 90ern etwas gitarrenlastiger und bis in die 2000er immer ausschließlicher auf den immer pathetischeren Gesangsstil gemünzt und erfolgreich.

Bonamassa, Joe (*1977, New Hartford) Ein Tausendsassa, der Gitarren und Bluesstile sammelt und diese, in seiner Solokarriere seit 2000 immer erfolgreicher werdend, in Rock verpackt und dazu auch einigermaßen geerdet singt. Der Mann kann vom Riff über Slide bis zum ekstatischen Solo eigentlich alles spielen und tut das auch - wobei der Blues stets dominant bleibt. Er gilt inzwischen als einer der versiertesten und populärsten Gitarristen weltweit.

Bond, Graham (Organisation) Bond bereitete den Weg für einflußreiche Musiker, wie z.B. Jack Bruce, Jon Hiseman (d) und John McLaughlin in Fusion-Bereiche, war aber ebendort bis zu seinem Selbstmord 1974 weder erfolgreich noch (an Sax und Orgel) besonders angesehen.

Boney M. Typisches, in den 70ern sehr erfolgreiches Disco-Projekt des deutschen Produzenten Frank Farian mit üppigen Arrangements und eingängigen Songs („Daddy Cool“, „Rivers of Babylon“).

Bonez MC Deutscher Rapper, der als Mitglied der umstrittenen Hip-Hop-Crew 187 Strassenbande mit allzu häufig gewaltverherrlichenden wie homophoben Texten seinen Platz im krawalligen Deutschrap-Zirkus behauptet. Neben der zuletzt intensiveren Solo-Aktivitäten („Shotz Fired“, „Roadrunner“, „Big Body Benz“, alle 2020) und einem Duett mit dem Tattoo- und Großmaul-Veteran Gzuz („High & Hungrig“ 2014) sticht vor allem seine Kollaboration mit dem Österreicher RAF Camora hervor: Das beachtlich forsche Dancehall-Album „Palmen aus Plastik“ 2016 sprengte D/A/CH-weit Rekorde und bewies eindrücklich, daß besonnene Innovation und Mainstreamtauglichkeit auch im heimischen Hip-Hop noch nicht gestorben sind.

Bonfire Ingolstädter Mainstream-Hardrock vergleichbar mit den Scorpions (80er).

Bonnet, Graham Der Sänger mit kraftvoll-rauher Stimme hatte 1968 mit The Marbles den Soul-Erfolg „Only One Woman“, tauchte 1979 kurz bei Rainbow auf und gründete anschließend das kurzlebige Hardrock-Projekt Alcatrazz mit dem damals noch unbekannten Gitarren-Zwirbler Yngwie Malmsteen.

Bonney, Graham Britischer Schlagersänger, der nach seinem Auftakterfolg „Super Girl“ 1966 vor allem den deutschen Markt mit topfschnitt-kecken The Hollies-artigen Liedchen wie „Das Girl mit dem La-La-La“ und „Siebenmeilenstiefel“ verwöhnte. In Oldieshows ist Bonney heute noch Stammgast.

Bonzo Dog Dooh Dah Band Britisches Rockkabarett 1967-72, mindestens als Quintett zahlreiche musikalische Stile zitierend („I'm the Urban Spaceman“).

Boogie Woogie Meist auf dem Piano vorgetragene Spielweise mit typischen Achtelnotenbässen. Der harmonische Verlauf der meisten Boogie-Stücke entsprach zunächst dem Blues-Schema, so daß man frühen Boogie als eine spezielle Form des Blues ansprechen kann, jedoch unterscheidet sich Boogie Woogie vom Blues durch das schnelle Tempo, eine im Prinzip freudige Stimmung und die typischen Begleitformeln. Diese wurden allerdings bald auf alle erdenkliche Arten von Songs angewandt. In der Swing-Ära wurden Boogie Woogies auch gern von Bigbands gespielt. Wichtige Vertreter sind Pinetop Smith (Namensgeber) A. Ammons, P. Johnson, M.L. Lewis und Jimmy Yancey.

Booker T & the MGs Gemischtrassige Soul-Gruppe 1962-71; als charakteristische, gradlinige Begleitband (u.a. für Otis Redding) sehr gefragt.

Boomtown Rats, The Irische Rock- und New Wave-Band, die vor allem durch ihren Leadsänger und Charity-Anthroposophen Bob Geldof geprägt wurde. Der schrammeligen Punk-Phase nach der Gründung Mitte der 70er Jahre folgte der weitaus pop-affirmativere Aufstieg in den Mainstream, unter anderem mit „I Dont Like Mondays“ 1979, einer betörend-operettenhaften Rock-Nummer über die 16-jährige Brenda Ann Spencer, die aus ihrem Elternhaus heraus mehrere Menschen der gegenüberliegenden Schule erschoss. 27 Jahre nach ihrer Auflösung ließ Geldof die Band für eine Reunion wieder zusammenkommen.

Boone, Pat Fetziger amerikanischer Rock'n'Roller; ab 1957 mit Hits wie „Speedy Gonzales“ oder der „Ballade Moon River“. 1997 „In a Metal Mood“ mit Coverversionen von Metal-Klassikern im Bigband-Sound unter teilweiser Mitwirkung der Originalinterpreten (z.B. Ronnie James Dio, Ritchie Blackmore) Ende der 90er vielbeachtetes Projekt mit Heavy-Metal-Originalinterpreten.

Boothe, Ken Seit den frühen 60ern herausragender Rock Steady- und Schmuse-Reggae-Sänger, im Stil John Holt ähnlich. Hatte 1974 mit „Everything I Own“ eine Nr. 1-Position in den UK-Charts, was Boy George 13 Jahre später mit seiner Cover-Version wiederholte.

Bootleg Raubpressung. Während simple Nachpressungen erfolgreicher LPs den Künstler und die Plattenfirma schädigen, sind seltene Konzertaufnahmen oft nur für Sammler interessant und wenden sich (in Verpackung, Vertrieb und oft hundsmiserabler Qualität) auch nur an solche. Im digitalen Zeitalter sind die Aufnahmen und Verpackungen häufig von so hoher Qualität, daß durchaus wieder von Diebstahl gesprochen werden kann.

Bop Bebop, Hardbop, Modern Jazz.

Borelly, Jean-Claude „Dolannes Melodie“ aus dem Film „Ein Leichentuch kennt keine Tasche“ verhalf dem französischen Trompeter 1975 zum kommerziellen Durchbruch. Noch heute weltweit mit seiner virtuos verträumten Ohrwurmballade und weniger bekannten Nachfolgekompositionen unterwegs.

Borg, Andy Österreichischer Schlagersänger, der inmitten des progressiven NDW-Tornados Anfang der 80er Jahre die deutsche Musiklandschaft mit melodischem Bombastschlager irritierte. Sein „Adios Amor“ 1982 hielt sich monatelang in den Charts, auch „Arriverderci Claire“ nach gleicher Rezeptur mäanderte durch die deutschsprachigen Hitparaden. Als mecki-hafter Tätschelonkel aus Wien wurde Borg zum gern gebuchten Moderator von Fernsehshows wie die „Schlagerparade der Volksmusik“ sowie dem „Musikantenstadl“ als Nachfolger von Karl Moik. Bis heute mit regelmäßigen Albumveröffentlichungen und bräsigen Schunkelsendungen erfolgreich vor Mikros und Kameras tätig.

Bossa Nova In Brasilien in den 50ern unter Einbeziehung von Jazz-Harmonik entwickelter Stil, der vor allem durch Stan Getz den Jazz rückbefruchtete.

Bostic, Earl (*25.4.1913, Tulsa, † 28.10.1965, Rochester) (s) war in den 50ern als „Röhre“ der exponierteste R&B-Altist neben L. Jordan („Flamingo“).

Boston 1974 gegründete Mainstream-Hardrock-Band aus Boston (aufwendig produziert und anfangs kommerziell („More than a Feeling“) sehr erfolgreich) um den Multiinstrumentalisten Tom Scholz.

Bots Sanfter Poprock aus Holland mit deutschen, friedensbewegten Texten, „Aufstehn“ 1980 und zwei weiteren, immer weniger beachteten LPs.

Bottleneck siehe Slide-Gitarre.

Bourani, Andreas Deutscher Sänger, dessen wohltönender Behaglichkeitspop in der ersten Hälfte der 2010er Jahre die Compilations mit treuherzigen Spartenkollegen wie Tim Bendzko und Mark Forster teilte. Bourani orchestrierte 2014 („Auf uns“) den WM-Titel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in Brasilien, dazu charteten „Nur in meinem Kopf“ 2011 und „Hey“ 2015.

Bovell, Dennis Musikalischer Mastermind in der Reggae-Band von Linton Kwesi Johnson. Dem schwergewichtigen Mann am Baß (Künstlername Blackbeard) gelangen auch unter eigenem Namen ausgereifte LPs, die leider nur in Insiderkreisen Beachtung finden.

Bow Wow Japanischer Heavy-Metal der 80er, eher verhalten und mit Keyboards.

Bow Wow Wow Ein weiteres Projekt von Malcom McLaren mit Musik zwischen tanzbarer Afro-Rhythmik und New Wave-Pop; geprägt von eingängigen Melodien und dem kindlichen Charme der Sängerin („I want Candy“); 1982 aufgelöst.

Bowie, David (*08.01.1947 als David Robert Jones, London, † 10.01.2016, New York) vertrat ab 1967 die jeweiligen Musikstile seiner Zeit. Er startete in England mit einfachem Rock („Space Oddity“ 1969), produzierte sich in den 70ern mit sehr bizarrem Image und exzentrischen Shows (Glitter-Rock mit seiner Gruppe The Spiders from Mars um Mick Ronson). Nach einem Zwischenspiel in Berlin (mit Brian Eno, „Heroes“ 1977) konnte er Anfang der 80er, im deutlich vom ihm selbst mitgeprägten New Wave, noch einmal mit kaltem Auftreten und kantig modernisierter Musik („Let's Dance“ 1983) große Erfolge verbuchen. Anfang der 90er sang er bei der heftigen Hardrock-Gruppe Tin Machine und versucht sich Mitte der 90er zwischen bläßlicher Barmusik und Industrial, Ende der 90er an Jungle, ab der Jahrtausendwende schließlich wieder sanfter und melodiöser. 2013 nach fast zehn Jahren Pause mit neuem Album. Nebenbei war der charismatische Bowie kein schlechter Schauspieler, er starb kurz nach Erscheinen seines 25. Albums.

Bowie, Lester (*1941, Frederick, Maryland, † 1999, Brooklyn) (t) erwarb sich mit dem Free Jazz seinen guten Ruf. Der expressive Trompeter im Arztkittel, der aus dem Art Ensemble of Chicago hervorging hat viel für ein humorvolles Image der Avantgarde getan. Daß er nie Museumsjazz zelebrierte, wenn er auf der Trompete wieherte, kiekste und jaulte oder die Töne zu expressiven Arabesken verschliff, haben ihm jene gedankt, die in ihm einen Gegenpapst zum Tradtionshüter Wynton Marsalis sahen. Mag Bowie auch als Free Jazzer in die Musikgeschichte eingehen, die roten harmonischen, melodischen und rhythmischen Fäden gingen nur selten im Eifer musikalischer Ekstasen unter und der Titel seines Albums „Avant Pop“ seiner Brass Fantasy weist darauf hin, wie leicht sich Avantgarde und Pop vereinen lassen.

Box of Frogs Neuauflage der Yardbirds Mitte der 80er.

Box Tops, The US-amerikanische Popband, die sich mit dem Blue-Eyed-Soul-Hit „The Letter“ 1967 in die Riege der Grammy-Nominierten einreihen konnte. Leider konnte sich die Gruppe trotz späterer Glamrock-Avancen nie wieder von jenem Überhit emanzipieren. Leadsänger Alex Chilton (solo wenig erfolgreich, aber oft gecovert) verstarb 2010.

Boy George (*1961, Bexleyheath) Der Engländer schmalzte sich mit weicher Stimme mäßig kreativ (nach der Auflösung von Culture Club 1986) durch mehrere Pop-Alben (u.a. unter dem Bandnamen Jesus Loves You) und wandelte sein schrilles Image ununterbrochen; 1995 auf heftigem Rock-Fundament schier nicht wiederzuerkennen, aber merklich zufriedener mit seiner ursprünglichen Vorreiterrolle für die Schwulen-Szene in der New Romantic-Bewegung, heute ein ernstzunehmder Gesellschaftskritiker.

Boyer, Jacqueline Französische Schlager- und Chansonsängerin, die ihren Durchbruch mit dem Sieg beim Eurovision Song Contest („Tom Phillibi“ 1960) feierte. Zunächst zwischen der Chanson-Szene Frankreichs und dem Schlagerdurst der Deutschen („Mitsou“ 1963, „Mucho Amore“ 1969) pendelnd, trat die zierliche Dunkelhaarige später als Barbara Benton in US-amerikanischen Shows auf.

Boyz, The Deutsche Boygroup, die sich musikalisch als Gegenentwurf zu ´N Sync und den Backstreet Boys vorstellte. Das schwermütige „One Minute“ blieb der einzige Top 10-Erfolg - Bandmitglied Adel Tawil (LP „Lieder“ 2013) ließ dagegen später solo weitere folgen.

Boyzone 10 Millionen Tonträger von 1993 bis 2000 - die irische Band war vor allem in Großbritannien und Irland mit simplem, hymnenhaftem Pop sehr erfolgreich, dem man wenigstens die fünf abwechselnden Sänger anrechnen kann („No Matter What“ 1998); Ronan Keating.

BPM Beats per Minute - Taktschläge pro Minute; im Techno stilprägend.

Braff, Ruby (*1927 Boston, † 2003) wirkte zunächst als Swing-Kornettist der Generation der Modernisten anachronistisch, zeigte aber im ausgehenden 20. Jahrhundert, als wieder viele junge Traditionalisten im Jazz nachwuchsen, die sich an Größen wie ihm orientierten, daß konservative Grundhaltung und stilistische Originalität keine Widersprüche sind.

Bragg, Billy Vom Punk beeinflußter englischer Gitarren-Barde, der ab 1983 seine sozialkritischen Texte und schroffen Gefühlsdarstellungen auf Platte zwang.

Brainbox siehe Focus.

Brainticket Holländische Orgel- und Collagen-Psychedelik in der zweiten Hälfte der 70er.

Branch, Billy (*1951, Great Lakes) Schon jung ein sehr moderner Blues-Mundharmonika-Spieler im Stile Little Walters und Junior Wells. Der druckvolle, auch percussive Spieler wurde 1975 von Wille Dixon gefördert und in seine Band aufgenommen. Schon 1970 gründete er seine eigene Band, die Sons of Blues mit Lurrie Bell (g, Sohn von Carey Bell) und Freddie Dixon (b, Sohn von Willie Dixon), die bis heute öfters umbesetzt wurde. Der Virtuose ist auf über 250 Einspielungen von teils berühmten Blues-Kollegen zu hören und tourt selbst fleißig.

Brand, Dollar siehe Abdullah Ibrahim.

Brand New Heavies Funk in mittlerem Tempo, eine Sängerin und manchmal Streicher oder entfernt an Jazz erinnernde Bläserlinien machen die Band aus London zu einem typischen, tanzbaren Acid Jazz-Vertreter seit Anfang der 90er.

Brand X 1976 hauptsächlich durch Phil Collins bekannt gewordene Band instrumentaler Könner ohne besondere Inspiration und heute wieder ohne Collins.

Brandenburg, Inge (*1929, Leipzig, † 1999, München) war nicht nur Deutschlands Grand Dame des Jazz, sondern wurde 1960 auf dem Jazzfestival Antibes zur besten europäischen Jazzsängerin gekürt. Mit ihrer unnachahmlich instrumentalen Phrasierung und der Fähigkeit, persönliches Erleben ergreifend in Musik zu wandeln („Lover Man“), hatte sie in den 90ern ein kleines Comeback. Emil Mangelsdorff: „Sie hat viele Menschen beglückt, sie hat die Menschen nachdenklich gemacht und sie hat auch den Schmerz getroffen, den viele Leute mit sich herumschleppen. Sie war bedeutend.“ Leider wurde sie erst einige Jahre nach dem Tod in ihrer Größe gewürdigt.

Branduardi, Angelo Italienischer Poet und Multiinstrumentalist (v, vln, f, g), der seit den 70ern zwischen italienischer Folklore und verspieltem Rock in eingängigen Balladen oder bombastischen Produktionen zu hören ist.

Branigan, Laura Amerikanischer Dance-Pop der 80er mit leicht rauher Stimme („Gloria“, „Self Control“); † 2004.

Brass Bands Blechbläser-dominierte Jazz- und ab den 80ern auch wieder neuentdeckte Folk-Bands; siehe auch Jazzentstehung.

Brauer, Arik (*1929, Wien, † 2021) Der bildende Künstler sang seit den 60er Jahren, war aber vor allem in den 70ern mit sozialkritischen Dialektsongs besonders erfolgreich (1971 „Arik Brauer“, 1978 „7 auf einen Streich“) und einer der Väter des Austropops.

Braxton, Anthony (*1945 Chicago), Multiinstrumentalist (s, cl, fl) ist der bedeutsamste Avantgardist seiner Generation. In mancherlei Hinsicht ist er Pionier, so in der Verwendung von Instrumenten wie Kontrabaßsaxophon und Sopranino. Zum Teil verwendet er für seine Werke eine graphische Notation.

Braxton, Toni Mitte der 90er stieg die Soulsängerin zum Shootingstar der R&B-Branche auf: Ihr sinnlich-variantenreicher Gesang (der zuweilen stark an Whitney Houston erinnert) auf glatt arrangierten Soulpop-Balladen wie „Un-Break My Heart“ 1997 brachte der US-Amerikanerin zahlreiche Grammys und mehr als 40 Millionen verkaufte Tonträger.

Bread 1969-73 und 1976 versammelten sich gewiefte Songschreiber und Studio-Könner zu Pop-Rock mit netten Gesangs-Partien, dem man nicht sofort seine kommerziellen Absichten anmerken sollte.

Break (Bruch) Auffallende plötzliche Unterbrechung eines Musikstücks; entweder durch eine schlichte Pause oder durch einen kontrastierenden Stil (z.B. sind Rhythmusänderungen wichtig im Heavy-Metal). Im Jazz dient der Break einer von der Band unbegleiteten Solo-Passage, die gelegentlich ein längeres, begleitetes Solo einleitet.

Breakbeat Zu einer instrumental spärlichen aber dafür stark rhythmischen Passage (einem Break) aus einem Musikstück läßt sich bestens tanzen und rappen und dieser oft schleppende Sound ist die Grundlage für den Hip-Hop und nachfolgende Stile wie z.B. Jungle.

Breck, Freddy Deutscher Schlagersänger, der vor allem 1973 und 1974 als adretter Casanova-Verschnitt mit blitzendweißem Colgate-Lächeln die Hitparaden eroberte. „Rote Rosen“ und „Bianca“ wurden zu großen Erfolgen, ab den 80ern war der thüringische Frohsinnsspezialist deutlich weniger gefragt. 2008 an Lungenkrebs verstorben.

Brecker Brothers Die Amerikaner Randy (*1945, Philadelphia) (t) und Mike (s) (*1949, † 2007) waren seit 1975 zusammen Garanten für zeitgemäßen Fusion-Sound und auch einzeln sehr gefragt. Michael, ein überragender Techniker mit großer musikalischer Gestaltungskraft, stieg dann zu einem der meistbewunderten und imitierten Saxophonisten der Generation nach Coltrane.

Breeders Anfang der 90er US-Alternative-Band um die Ex-Pixies-Bassistin (jetzt g, v) Kim Deal; auffallend harte Gitarren zu melodiös-sanftem Gesang.

Breuer, Carolyn (*4.7.1969, München), Tochter des Münchner Jazz-Posaunisten und Pianisten Hermann Breuer, und ihres Zeichens Komponistin, Alt- und Sopransaxophonistin erster Güte hat wenige, doch umso stärkere Alben vorgelegt, darunter 2003 „Serenade“ mit dem Royal Concertgebow Orchester, mit dem sie als erste Jazzerin den Heidelberger Künstlerinnenpreis einheimste. Zehn Jahre später folgte das vor Klangfarbenreichtum und Besetzungsvielfalt strotzende „Four Seasons Of Life“.

Bridge (Brücke) Überleitung von einem musikalischen Thema zum anderen oder auch zwischen gleichen (z.B. Refrain-Überleitung-Refrain).

Bridgewater, Dee Dee (*1950 Memphis, Tennessee) singt seit den 60er Jahren Jazz, fand aber großen Erfolg als sie 1986 zeitweilig nach Europa übersiedelte. Sie heimste mehrere Preise ein, z.B. für ihre Tribut-Alben, mit denen sie Kolleginnen wie Ella Fitzgerald und Billie Holiday bedachte. Ihre gelassene, wenig herausfordernde Art läßt sie in den 90ern keine Berührungsängste gegen jedweden Pop kennen. Sie arbeitet auch als Schauspielerin.

Brightman, Sarah Britische Sängerin, die als Sopranistin mit hohem gesanglichem Spektrum einmal den musikalischen Genregarten entlang von Klassik und Pop zielsicher durchmäht. Musicalauftritte („Cats“, „Das Phantom der Oper“), Gregorianik-Pop („Gregorians“), Dance-Pop (Kollaboration mit Sash!), Oper (Auftritte mit Luciano Pavarotti) - die ausgebildete Ballettänzerin überwindet spielerisch sämtliche E- und U-Musik-Konventionen, um letztlich ihren nachhaltigsten diskographischen Eintrag anlässlich eines Boxkampfes (Maske vs. Hill) aufgestempelt zu bekommen: Ihr Duett mit Andrea Bocelli, „Time To Say Goodbye“ im Jahr 1996, sprengte alle Rekorde und machte sie zur undankbaren Protagonistin weltweiter Abschiedsevents und Bestattungszeremonien.

Brinsley Schwarz Englische Gruppe an der Oberfläche des Country-Rock in den 70ern.

Britpop Anfang der Neuziger entstandene Gegenbewegung zum Grunge: Rückbesinnung auf britische Größen der 60er/70er (Beatles, Stones, Who, Kinks), bekannteste Vertreter sind Oasis oder Blur und wichtig als düstere/experimentelle Version: Radiohead - bis heute lebendig durch Bands wie Franz Ferdinand.

Brönner, Till (*6.5.1971, Viersen), ein Trompetenvirtuose mit einem im deutschen Jazz heute seltenem mass appeal, zeigte stets den richtigen Riecher, wie nicht nur er selbst, sondern auch der Jazz in den Medien präsent bleibt. So arbeitete er ebenso mit Hildgard Knef wie mit Thomas Quasthof zusammen, war Juror in der Castingshow X Factor und moderiert eine Show auf Klassikradio. Daneben ist er auch Fotograf und Professor an der Musikhochschule Dresden. Kurz: Ein nach vielen Seiten offener Popularisator in Sachen Jazz.

Bros Britische Boygroup, die im Wesentlichen aus dem tänzelnden Starschnittposter-Duo Matt und Luke Goss bestand. Die wasserstoffblonden Zwillinge, die stets in zerrissenen Jeans auftraten, wurden zu den markantesten Teeniestars der späten 80er Jahre, Hits wie „When Will I Be Famous?“ 1987 und „I Owe You Nothing“ 1988 boten antiseptischen Synthipop auf ziemlich dürrem Gesang, doch Homestories und Interviews in diversen Jugendmagazinen, aber auch ausgebuchte Konzerthallen weltweit sicherten der Band über knapp drei Jahre hinweg jede Menge Aufmerksamkeit. Der Auflösung 1992 und diversen Solotätigkeiten folgte ein überraschend erfolgreiches Comeback 2017.

Bröselmaschine Ende der 60er politischer, Anfang der 70er konventioneller Rock um den Gitarrenlehrer Peter Bursch aus Duisburg.

Brötzmann Massaker, Caspar Seit den späten 80ern Band des Gitarristen Brötzmann; endlose meditative Wiederholungen schräger Gitarrenphrasen, spärlicher (deutscher) Gesang und Feedbacks steigern sich in ausgedehnten Nummern bis zur totalen Krachorgie.

Brötzmann, Peter (*1941, Remscheid) ist als vitaler Avantgarde-Saxophonist das Aushängeschild des deutschen Free Jazz.

Broken Bread, eine 5-köpfige Crossover/Rap-Band aus der Schweiz, seit 1996 von Bandgründung zu Musikvideo im Fernsehen aufgestiegen.

Bromberg, David Gefragter New Yorker Studiomusiker und Multiinstrumentalist (u.a. für die Eagles); ab 1972 auch Soloplatten zwischen Folk und Fusion.

Bronco Anfang der 70er Folk und sanfter Rock aus England.

Bronski Beat Flotter Elektronik-Pop bis 1985 mit Jimmy Sommerville; danach mit neuem Sänger noch ein Hit („Hit that Perfect Beat“).

Brood, Herman (& his Wild Romance) Holländischer Punk-beeinflußter Rocker (v, k) ab Mitte der 70er; † 2001.

Brooklyn Bounce Deutsches Dance-Projekt, das mit harten, baßlastigen Tanznummern, körperbetonten Auftritten in ihren Musikvideos und professionellen Tänzern auf Konzertbühnen ihr Progressive House/Trance/Techno etc. durchexerzierte. Größte Hits: „The Theme of Progressive Attack“, „Get Ready to Bounce“ (beide 1997), „Bass, Beats & Melody“ 2000. Inzwischen nur noch sporadisch zu besichtigen.

Brookmeyer, Bob (*19.12.1929 Kansas City, † 15.12.2011, New London), der überwiegend im Cool (Getz, Giuffre, Mulligan) bekannt wurde, war der führende Ventilposaunist des Jazz.

Brooks, Elkie Stimmkräftige Engländerin, die ab 1960 vom Schlager zum Rock und zurück ging.

Brooks, Garth In den 90ern der amerikanische Country-Mega-Star mit höchstem kommerziellem Schliff und vorsichtiger Modernität in Text und Musik.

Brooks, Lonnie (*1933, Dubuisson, Louisiana, † 2017, Chicago) Gefragter zeitgenössischer Chicago-Blues-Gitarrist und Sänger sowie genialer Songschreiber mit einer Louisiana-Mischung aus Pop, Funk und Soul; Durchbruch mit der LP „Bayou Lightning“ 1979.

Broonzy, Big Bill (*1903, Jefferson County, † 1958, Chicago) Ein Gitarrist und Sänger mit Ragtime, Tanzstücken und vor allem Blues und Bluesballaden. Typisch sind seine rockenden, swingenden Beats, seine Art auf die Saiten zu hämmern und seine heulende Stimme.

Bro'Sis Deutsche Popband, die 2001 aus der zweiten Staffel der RTL II-Castingshow „Popstars“ hervorgangen ist. Musikalisch wie charismatisch kam das Sextett mit den später als C-Promis im deutschen Boulevardfernsehen agierenden Mitgliedern wie Ross Antony und Giovanni Zarrella an die Vorjahressieger No Angels nicht heran. Der an den amerikanischen Hip-Hop angelehnte roughe Streetstyle, den man sich mit BroSis erhoffte, verlor sich in biederen Black-Vehikeln wie „I Believe“ 2001, „Do You“ und „Hot Temptation“ (beide 2002): Seicht-marinierter Kommerz-R&B auf BRAVO-eskem Pop-Standard, melodisch wie arg gewöhnlich. Entsprechend folgte 2006 das Ende.

Brothers Keepers Zusammenschluß zahlreicher Hip-Hop- und Reggaemusiker, die sich gegen Rassismus und Fremdenhass engagierten. Der gewaltsame Tod des Mosambikers Alberto Adriano durch drei Neonazis im Dessauer Stadtpark wurde im Song „Adriano (Letzte Warnung)“, einer düsteren Anklagehymne gegen den um 2000 aufflammenden Rechtsruck in Deutschland, verarbeitet.

Broughton, Edgar (Band) Einfallsloser Pseudo-Polit-Hardrocker Anfang der 70er.

Brown, Arthur (& The Crazy World of) Aufgedrehter Wirrkopf des Rock mit Schock-Attitüde („I'm the God of Hellfire“), der seine Musiker zur Verzweiflung trieb und 1968 noch Neuigkeitswert hatte, der schnell z.B. durch Alice Cooper überboten wurde.

Brown, Bobby Der farbige Ex-Sänger der Kinderband New Edition hatte Mitte der 80er mit „My Prerogative“ einen großen Hit und konnte an seine hochgehandelten, tanzbar-eingängigen Pop-Anfänge nicht mehr anknüpfen und ist 1996 wieder bei der reformierten New Edition.

Brown, Charles Trotz seines Alters (*1922, Texas City, † 1999, Oakland) der Durchstarter im Blues der 90er mit Stimme und Piano. Lange im Schatten Nat King Coles und Mitstreiter von Ray Charles; (seinen „Drifting Blues“ gibt es in unzähligen Coverversionen).

Brown, Clarence Gatemouth (*1924, Vinton, Louisiana, † 2005, Orange) Der bemerkenswerte Multiinstrumentalist und Sänger vereinigte gekonnt Blues und Cajun auf über 40 Platten und bis zu 300 Konzerten pro Jahr.

Brown, Clifford (*30.10.1930, Wilmington, † 26.06.1956, Bedford) schaffte es, in seiner leider nur vierjährigen Karriere, zum Trompetenidol seiner Generation zu werden. Von Navarro hatte er gelernt, wie man hohe technische Brillanz in jeder Geschwindigkeit und Lage mit melodischem Erfindungsreichtum und einem ansprechenden Ton verbindet. Seine Chorusse werden für alle Zeiten Muster genial strukturierter Improvisationen sein. Mit Roach leitete er ein Quintett, das vorbildlich für die mehr am eigentlichen Bebop orientierten Hardbop-Gruppen wurde, deren Gospel- und Blues-Einschlag weniger plakativ war. Die Zusammenarbeit endete jäh, als Brownie bei einem Autounfall mit 25 Jahren gemeinsam mit dem Pianisten des Quintetts Richie Powell (Buds Bruder) ums Leben kam. Sein Spiel lebt aber in dem seiner unzähligen Schüler (D. Byrd, L. Morgan...) fort.

Brown, Dennis (*1957, Kingston, † 1999) galt mit über 75 Alben als einer der Kronprinzen des Reggae, der Anfang der 70er Jahre bereits als Teenie Hits produzierte („No Man Is an Island“, „If I Follow My Heart“, „Money in My Pocket“), und ist seitdem eine richtungsweisende Persönlichkeit der Reggaeszene. In Kooperation mit Gregory Isaacs sind zwei Roots-Reggae-Alben („Judge Not“, „No Contest“) auf hohem Niveau entstanden.

Brown, James (*1933, in der Nähe von Barnwell, † 2006, Atlanta) Machte ab Mitte der 60er durch seine unglaublich explosiven Konzerte den Soul („It's a Man's World“) auf durchschlagender Funk-Basis („Sex Machine“) populär, als dessen heißester Hauptvertreter er bis zu seinem Tod gelten konnte (Godfather of Soul).

Brown, Pete Einfallsreicher Texter, der in den frühen 70ern auch mit durchdachtem Rock (als Sänger in eigenen Bands) vor allem zeitgenössische Musiker beeindruckte.

Brown, Ray (*1926, Pittsburgh, † 2002), der 1945-47 bei Gillespie Bedeutung erlangte, gilt neben Pettiford als einer der ersten großen Bassisten des modernen Jazz. Er war zeitweise mit Ella Fitzgerald verheiratet und spielte viele Jahre im Oscar Peterson Trio.

Brown, Sam Englische Rock-/Pop-Sängerin mit einer Stimme zwischen heiser und heftig und beeindruckendem Debut 1988 („Stop!“).

Browne, Jackson Der Komponist (z.B. 1967 für Nico), Sänger und Gitarrist (u.a. bei der Nitty Gritty Dirt Band), machte sich 1972 selbstständig und hatte mit teilweise sozialkritischen Texten und hervorragenden Gastmusikern in Folk- bis Mainstream-Rock gleichmäßigen Erfolg mit einem Höhepunkt: „Running on Empty“ 1977.

Brubeck, Dave (*6.12.1920, Concord, † 5.12.2012), ein Schüler des französischen Komponisten Darius Milhaud, versuchte sich schon in den 40ern an einer Liaison von Jazz und Klassik: Mit seinem Quartett hatte der Pianist, der den großen Gestus, die effektvolle Gebärde liebt, etwa wenn er über scharfe Akkorde auf vertrackten Rhythmen in Ekstase gerät, einen seit 1951 fast ungebrochenen Erfolg. Seine Experimente mit Polyrhythmen, Polytonalität, Polyphonie, Modalität und klassischen Formen sowie vor allem sein Einsatz für unübliche Metren gehören zu den wichtigen Pionierleistungen des modernen Jazz. So hat der Jazz ihm manches gelungene Experiment zu verdanken („Blue Rondo a la Turk“). Er hat ihn um machen Standard bereichert („In Your Own Sweet Way“). Sein größter Erfolg, der wegen des 5/4-Taktes den Titel „Take Five“ trägt, stammt von seinem langjährigen Altsaxophonisten Desmond, der mit mildem Sound und lyrischen Soli einen wichtigen Kontrast zu Brubeck lieferte. Brubeck: „Der Jazz ist so ziemlich die einzige heute existierende Kunstform, in der es die Freiheit des Individuums gibt, ohne daß dabei das Gemeinschaftsgefühl verlorengeht.“

Bruce & Bongo Britisches Popduo, das neben Challenger-Absturz, Tschernobyl, Golfkrieg und Deutschlands Niederlage im WM-Finale zum Jahr 1986 noch eine weitere Katastrophe beisteuerte: „Geil“. Das wahrlich grenzdoofe wie plumpe Machwerk mit „Rock Me Amadeus“-Refrain der beiden in Deutschland stationierten Soldaten schaffte es, aus dem Trendbegriff jener Zeit Kapital zu schlagen und sich an die Chartsspitze zu setzen.

Bruce, Jack (*1943, Bishopbriggs, Schottland, † 2014, Suffolk) (b, v, auch c, p, h) wilderte nach seiner Zeit bei Cream, die er mit weicher Bariton-Stimme prägte, solo und als Gastmusiker in Pop- bis Jazz-Gefilden (Kip Hanrahan) mit durchaus unterschiedlichem Geschmack und Erfolg („Somethin Els“ 1993).

Bruford, Bill (*1949, Sevenoaks) Virtuoser auch polymetrischer Schlagzeuger bei allen, ab den 70ern wirklich innovativen Art Rock-Bands wie Yes, Genesis, King Crimson und verstärkt mit eigenen Fusion-Bands oder als Sideman im Jazz seit den 80ern.

Brühl, Heidi Ihr Durchbruch gelang als Teenagerin mit der „Immenhof“-Fernseh-Reihe (Rolle als Dalli) in den späten 50er Jahren. Größter Erfolg als Sängerin: „Wir wollen niemals auseinandergehn“ 1960. Anspruchslose Filmrollen folgten auf Naive-Püppchen-Nummern, die der gesanglich ausgebildeten Schlagerprinzessin kaum gerecht wurden. Ihre nur noch mäßig erfolgreiche Karriere endete mit ihrem Tod 1991.

Bryant, Ray (*1931, Philadelphia, † 2011) war ein Bop-Pianist mit untrüglichem Bluesgefühl.

Bubblegum (Kaugummi) Allereinfachste Musik für 10- bis 14-jährige; Ende der 60er als Etikettierung gedacht (z.B. Ohio Express mit „Yummy Yummy“).

Buchanan, Roy (*1936, Ozark, Arkansas, † 14.07.1988, Fairfax,) Seit 1969 als wirklich herausragender Blues-Rock-Gitarrist bekannt und von Kollegen hochgeschätzt (z.B. den Rolling Stones, die ihn einstellen wollten), der nie den verdienten Erfolg hatte - trotz „Loading Zone“ 1977 mit Steve Cropper in sensationellem Gitarren-Duell auf „Ramon's Blues“ oder auch gesanglich und akkordisch neuinterpretierend mit Hendrix' „Hey Joe“ im gleichen Jahr - und sich 1988 erhängte.

Buckley, Jeff probte, stets perfekt produziert, seit den 90ern anspruchsvoll arrangierten Gitarren-Pop/Rock, der aber unbedingt nicht so seltsam wie die Musik seines Vaters Tim klingen sollte und deshalb unentschlossen blieb, trotz Jeffs einigermaßen packenden, unverkrampften Stimme. Mitte der 90er ertrunken.

Buckley, Tim (*1947, Washington D.C., † 1975) Gefühlsbetonter, oft sehr introvertierter Sänger zu teilweise arg abgedrehter Musik. Auch 20 Jahre nach seinem Drogentod begünstigt durch spät veröffentlichtes Archivmaterial als Kult gehandelt.

Bucks Fizz Die Band wurde eigens für den Eurovision Song Contest 1981 und deren Beitrag „Making Your Mind Up“ gegründet, danach folgte „The Land of Make Believe“. Gefälliger Frohsinns-Pop ohne jeden Anspruch.

Budd, Harold (*1936, Los Angeles, † 2020, Arcadia, Kalifornien) New Age-Musik (u.a. mit Brian Eno und den Cocteau Twins) seit den 80ern, die entspannter Stille sehr nahe kommt und Ambient vorwegnahm.

Buddy Der Berliner chartete 2003 mit der penetranten Gute Laune-Nummer „Ab in den Süden“ (feat. DJ The Wave) bis auf Platz 2 der Charts. Weitere Frohsinnsattacken folgten mit „Ab auf die Piste“ 2003 und „Wir sind Papst“ 2005.

Budgie Englisches 70er-Hardrock-Trio an der Grenze zum Heavy-Metal, also teilweise heftig, teilweise mit starkem Blues-Einschlag und manchmal überraschend melodiös und eingängig.

Buffalo Springfield Folk-Country-Rock-Band Ende der 60er aus Amerika. Neil Young und Stephen Stills trafen sich später bei Crosby, Stills, Nash & Young wieder, Jim Messina und Richie Furay gründeten Poco.

Buggles waren ein kurzlebiges elektronisches Duo-Projekt der ausgefallen-abgefahrenen Pop-Art von Trevor Horn und Geoff Downes (Asia); „Video Killed the Radio Star“ 1979.

Bullet La Volta Typischer amerikanischer Hardcore-Punk ab Ende der 80er.

Bullfrog Deutsches melodisches Hardrockquintett mit kraftvollem Gesang in den 70ern.

Bunka, Roman (*1951, Frankfurt) Experimenteller deutscher Gitarrist und Oud-Spieler; u.a. bei Embryo und den Dissidenten.

Burdon, Eric Vom Blues kommend (Alexis Korner) hatte Burdon mit Rhythm & Blues und mächtiger Stimme ab 1962 bei den Animals Erfolg („House of the Rising Sun“), dann mit den New Animals („When I was Young“); Anfang der 70er wurde er mit verstärktem Soul-Feeling und der schwarzen Gruppe War gefeiert. U.a. mit Brian Auger tingelt er bis in die 2000er.

Burgh, Chris de Irischer Pop-Sänger, 1975 erste LP-Veröffentlichung. Bis Mitte der 80er mit pathetischen Balladen vor allem in Deutschland erfolgreich („A Spaceman Came Travelling“ 1975), später europaweit mit einfachem Pop („Lady in Red“ 1986).

Burke, Solomon Schwarzer Soul-Sänger mit Gospel-Erfahrung und kräftiger Stimme ab Mitte der 50er. Er hatte seine größten Erfolge Anfang der 60er mit Rhythm & Blues.

Burnette, T-Bone (*14.1.1948, St. Louis) (g, v) begann Mitte der 70er bei Bob Dylan, war ab 1976 mit der Alpha Band und charakteristisch unverkrampfter Country- Rock- und Pop-Mischung unterwegs und spielt ab 1980 oft humorvoll und stets intelligent unter eigenem Namen. Seine ausgefuchsten Kompositionen führten ihn selbst zwar nicht in die Charts, aber als Produzent für, um nur wenige zu nennen, Emmylou Harris, Leo Kottke, Kris Kristofferson, k.d. lang, Diana Krall, John Mellencamp, in eine eigene Liga ernstzunehmender Produktivität.

Burning Spear Charismatischer Haudegen in der Roots-Reggae- und Rasta-Bewegung. Hat seit Anfang der 70er mit seinen zahlreichen Plattenproduktionen und vor allen Dingen Live-Acts bis heute nichts an seiner mystischen Ausstrahlung verloren („Burning Spear Live in Paris“ 1989).

Burrell, Kenny (*1931, Detroit) Sein lyrisches subtiles und klares Spiel, seine ausgesprochene Bluesigkeit und sein weicher Sound, der mit zum Wärmsten, Intimsten in der Geschichte der modernen Jazzgitarre gehört, machen Kenny Burrell zu Recht zu einem der meistaufgenommen Gitarristen des Jazz („Bluesy Burrell“, „Guitar Forms“).

Burton, Gary (*1943 Anderson) begann in Nashville mit Country, wurde Mitte der 60er bei Shearing und Getz bekannt und avancierte mit seinem originellen Vier-Schlegel-Stil zum führenden Vibraphonisten seiner Generation („Dreams so Real“).

Bush Britische Grungeband, Mitte der 90er vor allem in Amerika sehr erfolgreich („Glycerine“).

Bush, Kate (*1958, Bexleyheath) Die Britin war anfangs („The Kick Inside“ 1978) mit umfangreicher Stimme (im extrem hohen Bereich charakteristisch schrill), stimmiger Pop-/Rock-Begleitung und dramatischen Texten („Wuthering Heights“) erfolgreich und veröffentlicht bei nachlassender Resonanz weiterhin.

Bushido Deutscher Rapper, der sowohl zu den beständigsten als auch umstrittensten Vertretern des in den vergangenen Jahren überhitzten Deutschrap-Genres zu zählen ist. Entlang des durchinszeniert Rüpelhaften seiner Auftritte (nur vage in seinem Biopic-Film „Zeiten ändern dich“ demonstriert) und Songtexte, sich dabei stets genüßlich wie ironiefrei der sprachlichen Grenzüberschreitung (Homophobie, Sexismus, Antisemitismus) hingebend, verweisen die unzähligen Chartserfolge seiner Singles (die größten: „Alles verloren“ 2007, „Für euch alle“, „Mephisto“ (beide 2018), „Ronin“ 2019) und Alben (acht Nr. 1-Platzierungen!) auf eine konstant treue Fanbasis. Einst fragwürdige Verbindungen zur Clan-Unterwelt (Abou Chaker), Körperverletzungen, öffentlich ausgetragene Beleidigungen und Drohungen (Beef mit seinem einstigen Partner Fler) sowie Unmengen von drastisch-verstörenden bis ordinär-verrohten Lyrics (Nutten, Schlampen, ficken) täuschen dennoch nicht darüber hinweg, daß der Berliner - Jugendgefährdung hin oder her - den deutschen Rap aus seiner bieder-bohemehaften Weichgetöntheit in den grauen Realismus deutscher Trabantensiedlungen überführt und damit zur Relevanz verholfen hat.

Busta Rhymes Sozialkritischer Hip-Hop aus Amerika (New School) mit religiöser Botschaft.

Busters, The Deutsche Ska-Band seit den späten 80ern.

Butler, Jonathan Geschmackvoller südafrikanischer Gitarrist und Sänger ab den Mitt-80ern mit gepflegten Arrangements, der nur gelegentlich in die Belanglosigkeit George Bensons verfällt.

Butterfield, Paul & the Butterfield Blues Band Als einer der wenigen weißen Amerikaner verstand es der Sänger und Mundharmonikaspieler ab Mitte der 60er kompetent Blues abzuliefern. Anschließend konnte er noch verschiedene Formationen entscheidend prägen, ohne allerdings an seine großen Anfangserfolge heranzureichen. Er starb 1987.

Butthole Surfers Wichtige Alternative-Band der 80er und 90er aus Amerika. Gitarrenbetont erdig rockend oder abgedreht, von der nasal/knarzigen Stimme des Sängers bestimmt (G. Haynes, mit einem der größten Hits der 90er als Gastsänger bei Ministry „Jesus Built My Hotrod“).

Buzzcocks Melodischer englischer Punk, ab 1976 Vorgruppe der Sex Pistols oder Clash. Änderten in den 80ern ihren Sound in Richtung Pop (u.a. mit Streichern) und tauchten nach vorübergehender Auflösung als Vorband von Nirvana in den 90ern wieder auf.

B.V.S.M.P. Amerikanische Popband, die 1988 mit dem Titel „I Need You“ Erfolge feierte. Der simple, teenieeske Midtempo-Sound, eindeutig gefärbt durch den Entdecker und Produzenten Stevie B, war jedoch schnell wieder aus den Äthern verschwunden.

Byard, Jaki (*1922, Worcester, † 1999) vereinigt in sich die ganze Geschichte des Jazzpianos aus avantgardistischer Sicht („Solo Piano“ 1969).

Byas, Don (*21.10.1912, Muskogee, † 24.08.1972, Amsterdam) (ts) Mit seinem ornamentalen, geschmeidigen und in seiner harmonischen Modernität den Bebop vorwegnehmendem Stil, mit seinem in Balladen betörenden Sound und seinen in schnellen Stücken mitreißend flüssigen und zugleich weitgeschwungenen, logischen Linien gehörte Byas zu den eindrucksvollsten Tenoristen der ausgehenden Swing-Ära und der frühen Moderne. Sein Ziel war es, Saxophon so zu spielen wie Tatum Klavier. Da Don Byas seit 1946 in Europa lebte, wurde er in seiner Heimat fast vergessen, was leider auch die europäische Rezeption beeinflusst hat. Dabei war Don Byas ein Schule machender Tenorsaxophonist, der es schaffte innerhalb der Coleman Hawkins-Schule eine Unterschule zu errichten mit musikalischen Erben wie Lucky Thompson und Benny Golson.

Byrd, Charlie (*16.9.1925, Suffolk, † 2.12.1999, Annapolis, Maryland) gilt zu Recht als Innovator der Jazzgitarre und das verdankt er einem scheinbaren Anachronismus. Seit Charlie Christian galt die Gitarre einzig und allein in elektrischer Verstärkung als Jazz-tauglich bis Charlie Byrd 1957 mit seinem Album „Jazz Recital“ staunende Hörer eines Besseren belehrte. Da spielte Byrd nicht einfach unplugged in jazzüblicher Technik auf irgendeiner akustischen Gitarre, sondern er zelebrierte seinen kammermusikalisch raffinierten Jazz mit einer spanischen Konzertgitarre und übertrug die klassischen Techniken virtuos und einfallsreich in die Sprache des modernen Jazz und dies ohne einen Verlust an Swing-Feeling. Sein Durchbruch erfolgte an der Seite von Getz. Ihr Album „Jazz Samba“ belegte ab 1962 (70 Wochen lang) die höchsten Plätze der Charts und entfachte mit „Desafinado“ ein weltweites Bossa Nova-Fieber.

Byrd, Donald (*9.12.1932, Detroit, † 4.2.2013, Dover, Delaware) begann in den 50ern als herausragender Trompeter der C. Brown-Nachfolge. Wichtige Positionen als Jazzpädagoge und Erfolge im Funk- und Popbereich machen ihn zum Tausendsassa.

Byrds, The hätten mit elektrifizierten Instrumenten, guten Texten („Mr. Tambourine Man“ von Bob Dylan) und experimentellen Einflüssen (eine Sitar in „Eight Miles High“) ab 1964 den ganz großen Durchbruch schaffen können; aber wegen ständigen musikalischen Querelen (David Crosby ging zu Crosby, Stills..., weitere Musiker gründeten die Flying Burrito Brothers) bleibt ihnen nur der Titel der ersten Folk-Rock-Band Amerikas.

Byrne, David (*1952, Dumbarton, Schottland - in den USA aufgewachsen) Nachdem der Sänger und Gitarrist die Talking Heads 1991 eigenmächtig hinschmiß, widmete er sich wieder seinen oft exzentrischen Werken zwischen Pop und Ethno mal kammermusikalisch, mal orchestral. Schon 1981 wurde mit Brian Eno analog gesampletd („My Life in the Bush of Ghosts“), 1988 gab's den Oscar für die Filmmusik zu „Der letzte Kaiser“, 1990 gründete er ein Weltmusik-Label, 1991 erschuf er eine gespenstische Oper mit Robert Wilson („The Forest“) und 2010 eine Pop-Oper mit Fatboy Slim.

Byron, Lee & The Dragoneries Anfang der 60er einer der Protagonisten der Ska-Musik. Mit seiner Band versuchte er sogar diesen brodelnden Sound und den dazugehörenden wilden Tanz nach Amerika zu exportieren, was allerdings fehlschlug.

C

C-Block In deutschen Studios produzierte Hip-Hop-Formation, die ihre Ghettogangster-Attitüden mit Eurorap-Sound in Titeln wie „So Strung Out“ 1996 und „Time Is Tickin´ Away“ 1997 verbreitete.

C & C Music Factory Amerikanisches Produzentenduo, das mit dem Nr. 1-Erfolg „Gonna Make You Sweat“ 1990 einen Archetyp für die Clubmusik der 90er Jahre auf den Markt brachte. Der von Freedom Williams souligem Gesang geprägte Welthit ließ auf weitere brachiale Dance-/ Hip-Hop-Produktionen hoffen, Nachfolger wie „Here We Go“ und „Things That Make You Go Hmmm“ erfüllten jene Erwartungen jedoch nur noch in Ansätzen. Mitte der 90er Jahre endete das Projekt C & C Music Factory.

Cabaret Voltaire 1974 in England gegründetes Trio, das intensiv und schockierend neu mit Synthesizern arbeitete und damit als Mitbegründer des elektronischen Underground, mit all seinen Strömungen wie EBM, Industrial und Techno, gilt; 1994 aufgelöst.

Cactus Bogert (b) & Appice (d) nach Vanilla Fudge Anfang der 70er mit düsteren Hardrock-Versuchen.

Cage, John (*1912, L.A., † 1992 N.Y.) Avantgarde-Komponist der Freiheit des Instruments und der Notation („4'33''“ ist ein Stück für ein beliebiges Instrument, bei dem stets ein- und dieselbe Note nicht musiziert wird).

Cajun An der südlichen Ostküste der USA beheimatete Folk-Spielweise französischer Abstammung, vor allem mit Akkordeon und Geige; s.a. Zydeco.

Cale, J. J. (*1938, Oklahoma City, † 2013, La Jolla) Seine gekonnte und entspannte Spielweise auf der Gitarre und sein ebenso gekonnt zurückhaltend-rauchiger Gesang (ab 1972 auf Schallplatten) ließen Ausflüge in andere Stilbereiche als sanften Rock selten zu, was die große Klasse seines Tulsa-Sounds jedoch ausmacht; („Cocaine“ und „After Midnight“ wurden Hits für Eric Clapton).

Cale, John Sehr vielseitiger klassisch-geschulter Piano-Avantgardist, der nach seiner Zeit bei Velvet Underground (1965-68) heftig weiter experimentierte. Ob als Produzent, Mit- oder Zusammenarbeiter (Patti Smith, Brian Eno, The Stooges, Happy Mondays, Element of Crime u.a.), ist er für etliche Künstler abwechslungsreiches Vorbild und mit seiner gefühlvollen Stimme („Hallelujah“) solistisch massenkompatibel sehr erfolgreich sowie als Filmmusiker gefragt.

Calexico Ursprünglich Ende der 90er als Nebenprojekt zu Giant Sand gegründet (John Convertino, Joey Burns), ist die Band leicht mexikanisch und amerikanisch Folk-angehaucht mit der Betonung auf Rock, spätestens ab 2002 (drittes Album) ein eigenständiger Act.

California, Randy (g) war ab den frühen 70ern für eher leichte Rock-Kost bei allerdings gekonnter stilistischer Sicherheit in jeder Lebenslage bekannt, u.a. bei Spirit; 1997 ertrunken.

Caligola Schwedisches Künstlernetzwerk mit unzähligen Beteiligten (u.a. Mando Diao, Paul van Dyk), aus dem die gleichnamige Band und das Album „Back To Earth“ 2012 hervorging. Das Genrekonglomerat aus Pop, Soul, Rock und Jazz sowie die mitreißenden Konzerte lassen Großes erhoffen.

Call and Response Das Ruf-Antwort-Schema findet sich schon in der schwarzen Kirchenmusik (darüber hinaus allenthalben auf der Welt) im Wechsel zwischen Vorsänger und Chor und natürlich im bei der Arbeit gesungenen Work Song. In der schwarzen Musik beginnt die Antwort oft schon bevor der Ruf abgeschlossen ist. Im Blues wird das Schema mehrfach wirksam. Zum einen ist seine AAB-Form der B-Teil die Response zum A-Teil. Aber auch die beiden A- und der B-Teil können zum Ende hin eine improvisierte instrumentale Fortspinnung oder Antwort auf den Gesang finden. Das Schema findet sich im Jazz sowohl bisweilen in der Themen-Gestaltung (z.b. Ellington „Creole Love Call“, Adderley „Work Song“) aus als auch in Wechsel-Improvisationen. Häufig imitiert, variiert oder parodiert ein Musiker ein Motiv, das ein anderer zuvor gespielt hat. (Im „Blues“ der JATP All Stars im Hin und Her von Les Paul und Nat King Cole geradezu idealtypisch.) In Bigband-Arrangements der Swing-Ära tritt das Schema in den kurzen „Schlagabtäuschen“ der Blech- und Saxophongruppe häufig hervor, z.B. in Fletcher Henderson „Down South Cam Meeting“.

Calloway, Cab (*1907 Rochester, † 1994), der nach seinem typischen Gesang (aus „Minnie The Moocher“) Hi-de-Ho-Man genannt wurde, war im ausgehenden 20. Jahrhundert einer der letzten lebenden Legenden der frühen Swing-Ära. Bis ins hohe Alter trug er Charme, Eleganz und Entertainment zur Schau. Wie Ellington feierte er seine ersten Erfolge im Cotton Club. Sein Orchester, das ganz auf Entertainment ausgerichtet war und den Harlem Jump prägte, beherbergte auch Bahnbrecher wie Chu Berry oder Gillespie.

Calypso Nicht allzu schneller karibischer Tanz- und Gesangs-Stil; typisch für z.B. Harry Belafonte.

Camarón de la Isla (*1950, San Fernando, † 1992, Badalona) Legendärer spanischer Sänger, der mit rauher, enorm kräftiger Stimme, rhythmischem Gesang und größter Leidenschaft den Flamenco-Gesang (anfangs zusammen mit Paco de Lucía) erneuerte.

Camel Verzwirbelter Rock, der in seiner Blüte (späte 70er) sparsam Jazz-Einflüsse verarbeitete.

Cameo 1975 gegründete, amerikanische Funkband um den schrillen Sänger Larry Blackmon, die für heftige Rock-Einlagen, aber auch für Balladen gut und 1986 als Trio bei der fetzigen R&B-lastigen Nummer „Word Up“ gelandet war.

Campbell, Glen (g, v) Ab 1958 bedeutender amerikanischer Studiomusiker auf unzähligen Aufnahmen für Phil Spector, Elvis, Sinatra u.v.a. - inoffizielles Mitglied der Beach Boys. Solo musikalisch unauffällig und ohne Erfolg, 1968 bis 72 TV-Show, 1975 Schlager-kompatibler Hit „Rhinestone Cowboy“ und danach als Mainstreamer ohne besondere Qualität Abstieg unter Drogen. 2008 kommt seine souveräne stimmliche Mittellage auf ausgesuchten Coverversionen zum Tragen („Meet Glen Campbell“).

Campell, Little Milton Blues-Gitarrist instrumental ähnlich T-Bone Walker, gesanglich Bobby Bland. Mit Blues-Funk und Soul 1983 auf „Playing for Keeps“ der Durchbruch.

Can , von u.a. Irmin Schmidt (k, v), Jaki Liebezeit (d) und Holger Czukay (b) 1968 in Köln gegründet, konnten mit monoton-pulsierenden und kompromißlos-experimentellen Klängen ein manchmal erstaunlich intensives Klangbild erzeugen, das für Filmmusik, kleinere Hits und Kritikerlob lange Zeit gut war und heute weltweit Kultstatus hat.

Cándido Camero (*22.4.1921, Havanna, † 7.11.2020, N.Y.) Vor Candido war die Conga in einer Jazz- Band ein Exotikum - durch ihn wurde sie fast zur Mode. Daß er auf zwei und mehr gestimmten Congas statt auf einer bislang nicht stimmbaren spielte, war eine seiner revolutionären Beiträge in der Verschmelzung von Bebop mit kubanischer Perkussionsmusik. Daneben spielte er Bongo. Nachzuhören in Aufnahmen mit Gillespie, Billy Taylor, Kenton.

Candoli, Gebrüder wurden als Trompeten-Meister bekannt: 1) Conte (*1927, Mishawaka, † 2001) als vorzüglicher Bebopper im Westcoast-Umfeld und 2) Pete (*1923 Mishawaka, † 2008) als Highnote-Spezialist vieler Bigbands.

Canned Heat (1965-74 + diverse Reunions) Weiße Blueswissenschaftler aus Amerika, spielten traditionellen Blues und Eigenkompositionen auf teilweise höchstem Niveau („Boogie with Canned Heat“ 1968). Charakteristisch sind oft die helle, sehr hohe Stimme und das gekonnte Mundharmonika-Spiel Al Wilsons.

Cannibal Corpse Extrem schneller Death-Metal aus Amerika mit bis zur Lächerlichkeit überzogenem Brutal-Image in Texten und Verpackung („Butchered at Birth“); 90er.

Capaldi, Jim (*1944, Evesham, † 2005, London) (v, d) Begann 1972, noch während seiner Arbeit bei Traffic, seine eigenen Ideen in glatt produzierten Pop-Rock zu überführen.

Capital Bra Ukrainisch-russischer Deutschrapper, der sich innerhalb kürzester Zeit basierend auf den Daten der zuletzt keineswegs unumstrittenen Single-Verkaufscharts zum Rekordhalter für die meisten Nummer-1-Platzierungen aufgeschwungen hat. Von den meisten Radiosendern konsequent verschmäht, vom Musikfeuilleton milde belächelt und von Eltern kopfschüttelnd zur Kenntnis genommen, trifft der einst kleinkriminelle, heute umso geschäftstüchtigere Instagram-Profi und Spotify-König mit ungeschliffenem, akzentgebrochenem Sprechgesang, geautotuntem Proleten-Straßenrap („5 Songs in einer Nacht“, „Berlin lebt“, „Roli Roli Glitzer“, alle 2018, „Wir ticken“, „Huracan“, beide 2019), Drake-affinerem, melodischerem Easy-Listening-Trap („Allein“, „One Night Stand“, beide 2018, „Prinzessa“ 2019) sowie fast schlagereskem Allerwelts-Hip-Hop („110“ 2019) häufig mit dem Rapkollegen Samra in Kollaboration exakt den Zeitgeist seiner besonders jungen Zielgruppe. Die akkordartig kurzen Zeiträume zwischen den Veröffentlichungen seiner weitestgehend trivial-monoton anmutenden Produktionen sowie der Widerspruch zwischen der affektierten Großmäuligkeit in seinen Social-Media-Videos (siehe Beefs mit Bushido und Dieter Bohlen) und einer durchaus einvernehmenden Konzilianz in seinen öffentlichen Auftritten offenbaren nur einige der vielen Merkwürdigkeiten des Deutschrap-Phänomens Capital Bra.

Capristo, Mandy siehe Monrose.

Captain Beefheart (*1941, Glendale, † 2010, Arcata) (and his Magic Band), 1964 um Captain Don van Vliet (v, h) gegründet, versuchten weniger textlich als musikalisch Free Jazz und Blues zu einem avantgardistischen Kontext alternativ zum Hardrock zu fügen. Die Folge war wild-skurril und eine kurze Zusammenarbeit mit Frank Zappa.

Captain Hollywood Project Deutsche Eurodance-Formation, die besonders durch die bass-stimmlichen Füllwort-Raps des US-Army-Captains Tony Dawson-Harrison geprägt war. Mit den DIN-normierten Mann-Rap-Frau-Gesang-Standards wie schon bei der Band Twenty 4 Seven zuvor bewährt, warf der ehemalige Breakdance-Spezialist zwei Dancefloor-Bretter „More And Mor“ und „Only With You“ (beide 1992) auf die Spitzenpositionen. Es folgten: wechselnde Sängerinnen, nachlassender Erfolg, überflüssige Remixes, gelegentliche Revival-Tourneen. Alles wie gehabt für Relikte aus den seltsamen 90ern.

Captain Jack Deutsches Eurodance-Projekt, das in den 90er Jahren den soldatischen Leistungsmarsch zum Grundkonzept für trashige 4/4-Takt-Tanzsalven erhoben hat. Songs wie „Captain Jack“ 1995, „Drill Instructor“ und „Soldier Soldier“ (beide 1996) allesamt nach dem gleichen Muster gestrickt wurden Charthits für die Rapper Sharky und Franky Gee sowie viele periodisch wechselnde Sängerinnen. Gee verstarb 2005, die Band Captain Jack blieb jedoch trotz der kontinuierlichen Irrelevanz ihres Schaffens bis heute erhalten.

Cara, Irene Amerikanische Sängerin und Schauspielerin, die Mitte der 80er Jahre mit Soundtrack-Erfolgen ihren Durchbruch feierte. In der Rolle der Schauspielschülerin Coco Hernandez reüssierte Cara im Film „Fame - Der Weg zum Ruhm“ 1980, mit dem Song „Flashdance“ lieferte die New Yorkerin den Hit zum gleichnamigen Tanzfilm und kassierte zudem einen Grammy. Dank DJ Bobo kehrte sie 2001 in die Charts zurück. Später widmete sie sich vor allem ihrer Band Hot Caramel.

Caravan, 1967 in England gegründet, liefern Weichspül-Rock, der auch vor bombastischen (Orchester-) Arrangements nicht zurückschreckt.

Carcass entwickelte sich Ende der 80er bis zur Auflösung 1996 von billigem Grindcore-Geknüppel zur anspruchsvollen Death-Metal-Band. Textlich stets Derbes aus der Pathologie; 2007 wiedervereint.

Carey, Mariah ist wohl die erfolgreichste Pop-Soul-Sängerin seit den 90ern. Das verdankt sie ihrem variationsreichen, klaren und völlig charakteristischen Gesang, ihrer jugendlich-positiven Erscheinung und dem stets eingängigen, einwandfreien Songmaterial, zwischen Dance und Schmacht-Ballade - immer zeitgemäß produziert („Without You“).

Carey, Tony Begann seine Karriere Mitte der 70er als Keyboarder bei Rainbow. In den 80ern Sänger und Hauptakteur der Mainstream-Gruppe Planet P Projekt; Gastmusiker u.a. bei Peter Maffay. Bietet heute seichten Pop.

Carlisle, Belinda Ex-Sängerin der amerikanischen Mädchen-Band Go Go's; ab 1986 mit eingängigem Songmaterial und melodiösem Gesang Solokarriere zwischen Pop und Mainstream-Rock mit einigen Hits (z.B. „Heaven is a Place on Earth“).

Carmel Englische Sängerin, seit 1981 mit aggressiv-kraftvoller, nuancenreicher und oft kalter Soul-Stimme häufig zu reiner Baß- und Schlagzeugbegleitung vor allem in Europa erfolgreich. Auch später in leichteren Pop-Gefilden noch mit Gefühl für zarte Melodien.

Carmen, Eric aus Ohio begann in den frühen 60ern als Rock-Musiker, orientierte sich ab 1972 bei den Rasperries an 60er Pop-Rock und schmalzte ab 1976 mit hoher weinerlicher Stimme solo ziemlich bombastisch („All by Myself“).

Carmichael, Hoagy (*22.11.1899, Bloomington, † 27.12 1981, Rancho Mirage), Sänger und Pianist, wurde als Komponist zahlreicher Standards wie „Stardust“, „Rockin' Chair“, „Georgia on My Mind“) unsterblich.

Carnes, Kim Amerikanische Sängerin, die inmitten ihrer eifrigen Produzententätigkeiten (u.a. für Frank Sinatra) 1981 einen internationalen Chartserfolg ablieferte: „Bette Davis Eyes“. Der einst noch im Rohmix veröffentlichte Popsong bedeutete für Carnes und ihrer charakteristischen Rauchergesangsstimme den Durchbruch und für die besungene Hollywood-Diva eine Ode, die ihr Dankesworte für diese ungewöhnliche Ehre abnötigte.

Carney, Harry (*1.4.1910, Boston, † 8.10.1974, Boston) nimmt als eine Art Stammvater unter den Baritonsaxophonisten die gleiche Stellung ein wie Sidney Bechet unter den Sopransaxophonisten oder Coleman Hawkins unter den Tenorsaxophonisten. Der Meister der Zirkularatmung verbrachte fast sein ganzes Leben (1926-74) bei Duke Ellington („Sophisticated Lady“), übrigens auch als Chauffeur und Klarinettist.

Carnivore US-Thrash-Metal der 80er mit oft als rechtsradikal mißverstandenem Krieger-Image; Vorgängerband von Type O Negative.

Carpendale, Howard Südafrikanischer Schlagersänger, dessen fulminante Diskographie inzwischen mehr als 50 erfolgreiche Hitparaden-Jahre umfasst. Wenngleich Carpendales musikalisches eher eindimensionales Spektrum (von „Das schöne Mädchen von Seite 1“ über „Ti Amo“ bis „Hello again“) dessen Image des gefühlsduseligen, sonnyboyhaften Minnesang-Wohltäters mit Schmalzdialekt unterstrich, gilt er bis heute zurecht als angenehm skandalfreier Charmeur und Anti-Wendler seiner Zunft.

Carpenters Amerikanisches Pop-Gesangsduo der 70er mit glatten Soft-Songs und einigen Hits.

Carr, James Schwarzer Soul-Brother, der Mitte der 60er bis Anfang der 70er ganz große Klasse bot, dessen zunehmend depressive Persönlichkeit aber den wirklichen Durchbruch à la Otis Redding (an den er allerdings locker heranreicht) verhinderte („You got my Mind messed up“ 1966).

Carr, Leroy & Scrapper Blackwell Sicher die einflußreichste und bekannteste amerikanische Piano/Gitarre-Formation des Blues. Ihre erste Aufnahme 1928 wurde zu einem der meistgespielten Klassiker: der „How Long, How Long-Blues“.

Carrington, Terri Lyne (*4.8.1965, Medford), begann als trommelndes Wunderkind, arbeitete mit allen erdenklichen Größen zusammen (Cassandra Wilson, Wayne Shorter, Herbie Hancock) und gilt gegenwärtig als profiliertestes Schlagzeugerin des Jazz und leitet ihr eigenes Label (Sonic Potraits).

Cars Bostoner Quintett (erste LP 1978) in den 1980ern mit Musik zwischen Mainstream-Rock und Pop-Balladen erfolgreich. Charakteristisch ist vor allem Ric Ocaseks unterkühlter Gesang. Ausgerechnet auf ihrem größten Hit „Drive“ ist dieser nicht zu hören.

Cartel Mitte der 90er aus verschiedenen, in Deutschland beheimateten, türkischen Hip-Hop-Gruppen entstanden. Mit orientalischem Einschlag und türkischen Texten in der Türkei Superstars.

Carter, Aaron Im Windschatten seines großen Backstreet Boys-Bruders Nick gelang dem 10-Jährigen 1997 mit dem quietschig-poppigen „Crush On You“ und dank zahlreicher BRAVO-Berichte ein Überraschungshit. Trotz späterer Musical-Engagements verlor sich der US-Amerikaner immer mehr in Drogenabstürzen und Privatinsolvenz.

Carter, Benny (*8.8.1907 N.Y., † 12.7.2003, L.A.) war vielleicht das beachtlichste Multitalent des Jazz: der neben Hodges bedeutendste Altsaxophonist des traditionellen Jazz mit einem flüssigen, melodisch eleganten Stil, einer der superlativen frühen Swing-Arrangeure, dessen glänzende Sax-Sätze unübertroffen sind, Komponist eingängiger Standards („When Lights are Low“), Leader eines der besten, wenn auch nicht populären Orchester (vor allem in den 40ern). Ganz nebenbei war er ein vorzüglicher Trompeter, stilistisch mit Shavers vergleichbar und machte auch auf Klarinette, Tenorsaxophon, Posaune und als Sänger keine schlechte Figur. Zu Recht gaben seine Kollegen dem bescheidenen Künstler den Ehrentitel „The King“ ( Alben: „Jazz Giant“, „Further Definitions“ 1961.).

Carter, Betty (*24.9.1929, Flint, † 1998) hatte erst in den letzten Jahren Anerkennung als eine der bedeutendsten Jazzsängerinnen gefunden. Ihre eigentümliche Stimme und ihr seltsam-verquerer Gesang verwandeln altbekannte Melodien bis zur Unkenntlichkeit in ganz persönliche, unorthodoxe Statements. Sie überrascht uns mit unglaublichsten metrischen Verschiebungen. Da kam es z.B. schon vor, daß „Betty Bebop“ im halben Tempo der Begleitband sang.

Carter, James (*3.1.1969, Detroit), Cousin von Regina, beerbt mit seinem mächtigen, stark vibrierenden Sound nicht nur die avantgardistischen High-Energy-Player, sondern er verweist damit auf den Mann, der das Saxofon im Jazz als erster für den Jazz definiert hat, als hottes, zupackendes, sinnliches Instrument: Coleman Hawkins. Carters wandlungsfähiger, stets hochexpressiver Sound erlaubt ihm, in seinem unverwechselbaren Personalstil die ganze Saxophonentwicklung von den 20-er Jahren bis heute zu integrieren und dies auf allen Instrumenten der Saxophon-Familie, selbst dem fast ausgestorbene Bass-Saxophon und dem seltenen F Mezzo Saxophon.

Carter, John (*1929 Fort Worth, † 1991 L.A.), der auch Altsaxophon, Flöte und Oboe spielte, bereitete als wichtiger zeitgenössischer Klarinettist die Jazzgeschichte auf.

Carter, Regina (*6.8.1966), die Königin der Jazzgeige im 21. Jahrhundert, vermag es in jedem Kontext zu begeistern, ob sie nun Jazzstandards, Afrokubanisches oder Blues spielt, von Klassik oder afrikanischer Folklore angeregt wird. Die mühelos zwischen Swing, Bop und Free pendelnde Vollblutmusikantin ist z.B. auf „Freefall“ mit Kenny Barron in spontaner Zwiesprache zu erleben.

Carter, Ron (*1937, Ferndale, Michigan), hatte 1963 1968 bei Miles Davis seinen Durchbruch, wo er mit Herbie Hancock und Tony Williams eine der berühmtesten Rhythmusgruppen der Jazzgeschichte bildete. Von Bedeutung ist sein Duo mit Hall. Beliebt wurde Ron Carter zunächst einmal durch eine große stilistische und instrumentale Vielseitigkeit. Hervorgetreten ist er mit Baß, Cello und Baby-Baß (all das nicht nur pizzicato, sondern auch con arco) sowie seltener E-Baß. Trotz dieser Vielseitigkeit besitzt er ein hohes Maß an Individualität. Sein Sound ist aus dem von Hunderten von Bassisten sofort herauszuhören. Allein schon sein flüssiges, einfallsreiches Walking-Baß-Spiel ist von einer seltenen Eleganz und hohem Einfallsreichtum. Ron Carter ist, was bei Bassisten ja nicht immer der Fall ist, zugleich ein begnadeter Begleiter und Solist und hat beides als Sideman und als Leader unter Beweis gestellt. Er hat sowohl die ältere Funktion des Basses als Stütze als auch die jüngere Konzeption des Basses als Frontline-Instrument vorangetrieben.

Cascada Wuchtiger Dance-Pop mit der blonden Frontsängerin Natalie Horler, welche sich sexy zwischen biederen Coverversionen („Everytime We Touch“ 2006), clubtauglichen Elektroformaten („Evacuate The Dancefloor“ 2009) und blamablen Song Contest-Teilnahmen (Malmö 2013, 21. Platz) bewegt.

Cash, Johnny (*1932, Kingsland, † 2003, Nashville) (v, g) Bedeutender amerikanischer Country-Star mit tiefer, kräftiger Stimme („Ring of Fire“ 1963); vertrat ab Mitte der 50er sowohl Sozialkritisches als auch Traditionelles in meist sparsam bluesigem Stil. Dank seines enormen Erfolges jedoch stets jenseits des Nashville-Einheitsstils („At San Quentin“ 1969). Der „Man in Black“ hatte 1994 mit Produzent Rick Rubin ein sensationelles, düsteres Comeback.

Cassandra Complex Mit einer Mischung aus düsterem Gesang, kreischenden Gitarren und Saxophon auf einer Basis monotoner Synthesizer-Rhythmen (EBM) wurden die Belgier um den Sänger/Songschreiber Rodney Orpheus ab Mitte der 80er eine der wichtigsten Bands des Underground. Weil Anfang der 90er Versuche in Richtung Pop erfolglos blieben, versuchten sie sich Mitte der 90er (ebenso erfolglos) an aktuellen harten Trends.

Cassidy, David Der amerikanische Fernsehstar („The Partridge Family“) hatte in den 70ern mit harmlosen Rock'n'Roll bei Teenies Erfolg.

Cassidy, Eva (*1963, Washington, † 1996, Bowie) wurde erst ab 2001 posthum mit ihrer zerbrechlichen, aber intonationssicheren Stimme berühmt, als sie vor allem in Großbritannien von Radiostationen und Werbespots, längst dem Krebstod erlegen, entdeckt, um nicht zu sagen: schamlos vermarktet wurde. Eigentlich war sie Gärtnerin (die halt auch singen konnte).

Cat Empire, The 1999 von sechs Jungs aus Melbourne gegründet, spielen einen gekonnten Mix aus Rock, Ska und Funk. Zwei Leadsänger, oft zusätzliche Bläser, Ideen aus Klezmer oder Hip-Hop fette, flotte und abwechslungsreiche Kost.

Catch, C.C. Eines der zahlreichen Tirilierküken des Popzaren Dieter Bohlen, das sich mit Jammerstimmchen und typisch synthibreiigem Polyesterpop recht beharrlich durch die Mitt-/End-80er tönte. 2012, 24 Jahre nach dem Bruch mit ihrem Mentor, beendete die gebürtige Niederländerin Caroline Müller ihre Karriere.

Cathedral Englische Doom-Metal-Band (schwer und langsam) um den Ex-Napalm-Death-Sänger Lee Dorrian (tiefer Gesang) ab 1991 bis 2013.

Catherine, Philip (*27.10.1942, London), den Charles Mingus als „Young Django“ bezeichnete (ein Etikett, das haften blieb) schlägt eine Brücke von Reinhardt zur Moderne (einschließlich Jazz-Rock ) und ließ seine Gitarre im unterschiedlichsten Umfeld, etwas bei Grappelli, Chet Baker oder im Duo mit Larry Coryell erklingen. Er ist keiner dieser aalglatten Pyrotechniker, von denen die heutige Musikszene so voll ist. Bei Catherine vernimmt man Seele, die sich nicht zuletzt in seinem sofort identifizierbaren Sound offenbart. Er ist warm und weich und durch ein klar herausschwingendes, glänzendes Vibrato gekennzeichnet. Wie Django singt Catherine auf der Gitarre - ein Eindruck, der auch dann bestehen bleibt, wenn ein Sturzbach von Tönen zu hören ist.

Catlett („Big Sid“) (*17.1.1910, Evansville, † 25.3.1951, Chicago) war als herausragender Drummer zwischen Oldtime und Bebop bei Louis Armstrong ebenso zu Hause wie bei Charlie Parker.

Cats, The Niederländische Popband, die der Drögheit folkloristischer Gitarrenschmusereien vor allem in den 70er Jahren erfolgreich frönte. Die Verspanntheit der musikalisch durchschnittlichen Flower-Power-Verschnitte wie „One Way Wind“ 1971 und „Lets Dance“ 1972 drückte sich auch in den klobigen Bühnenauftritten des Sextetts aus.

Caught In The Act Die niederländische Boygroup bot handzahmen Allerweltspop weit unter dem Songwriting-Niveau von Take That oder ´N Sync. Größter Erfolg 1994 mit „Love Is Everywhere“ und unzähligen BRAVO-Berichten. Auflösung 1998.

Cave, Nick Ex-Sänger der australischen Underground-Band Birthday Party. In den 80ern anfangs mit schrägem düsterem Sound, danach in kleinen Schritten in Richtung Pop unterwegs mit Nick Cave & the Bad Seeds (Blixa Bargeld von den Einstürzenden Neubauten an der Gitarre) und schließlich im Duett mit Popsternchen Kylie Minogue in den Hitparaden gelandet.

CD (Compact Disc) Tonträger mit über 70 Minuten Laufzeit, bei dem nicht mehr mechanisch, sondern digital abgetastet wird.

Celentano, Adriano (*1938, Mailand) Italienischer Schauspieler, Sänger, Frauenschwarm. Die unvergleichlich erotisierend-markante Baßstimme überragte bei all seinen vielen - mehr oder weniger durchschnittlichen - Rock- und Popveröffentlichungen seit 1962(!). „Una Festa Sui Prati“ 1967 und „Azzurro“ 1968 gehören zu den musikalischen Perlen des charismatischen Mailänders, der noch mit über 80 unverdrossen auftritt und Alben herausbringt.

Celtic Frost Schweizer Trio, das 1984 aus der Black-Metal-Band Hellhammer hervorging; sie gelten als einer der Wegbereiter des Death-Metal. 1987 Neuerungen durch Operettengesang, Drumcomputer, Samples und Streicher („Into the Pandemonium“); danach Anbiederung an seichten Hardrock ohne Publikumserfolg; deshalb Rückkehr zum alten Sound; 93 Schluß, 2006 - 08 noch ein Versuch; Triptykon.

Centurians, The siehe Surfrock.

Cetera, Peter veröffentlichte 1981 sein erstes Soloalbum und verließ 1986 Chicago, deren Sänger in hoher Stimmlage er war, um endgültig eine eigene poporientierte Karriere zu starten.

Cha-Cha-Cha Ursprünglich aus Kuba stammender unkomplizierter Tanz, im auch für internationale Hits geeigneten 4/4-Takt mit fröhlicher Flirt-Choreographie, der in europäischen und amerikanischen Tanzschulen mittelschnell getanzt wird; Rumba.

Chaka Demus & Pliers Ein Ragga-Muffin-Tandem der ersten Güte Anfang der 90er. Hatten mit dem Hit „Murder She Wrote“ einen weltweiten Mega-Seller.

Chaloff, Serge (*1923, Boston, † 1957, Boston) war der erste Baritonsaxophonist des Modernen Jazz. Vor seiner Zeit stand das Instrument (trotz H. Carney) im Ruf, ein schwerfälliges zu sein. Der als einer der Four Brothers bei Woody Herman (1947-49) bekannt gewordene Sproß einer jüdisch-russischen Musikerfamilie übertrug die Innovationen Charlie Parkers auf sein Instrument und lieferte quirlige Bebop-Linien. Zu seiner flüssigen Spielweise gesellten sich ein ausgeprägt melodischer Einfallsreichtum und ein emotional tief ansprechendes Timbre. Chaloff, dessen kurzes tragisches Leben von Drogensucht und schwerer Krankheit überschattet war, verfügte besonders in den letzten Jahren über alle Finessen der Tonbildung und der Dynamik: so konnte er (z.B. auf seinem Schwanengesang „Blue Serge“) etwa von einem zarten Wispern zu einem verhaltenen Aufschrei übergehen.

Chambers, Paul (*1935, Pittsburgh, 1969, N.Y.), der bei Miles Davis bekannt wurde, war, zumindest was das arco-Spiel anging, der vorzüglichste Hardbop-Bassist.

Chanson Französisches Lied mit Text im Vordergrund.

Chapin, Harry New Yorker Sänger und Songwriter mit weinerlicher Stimme in traurigen Folk-Balladen über Allerweltsgeschichten; 1974 „Cats in the Cradle“; 1981 gestorben.

Chapman, Roger (*1942, Leicester) Mit einzigartiger vibratoreicher Quengelstimme und großer Bühnenpräsenz rockte der Sänger nach der Auflösung von Family und den Streetwalkers (1974-77) in den 80ern auch erfolgreich solo (oder z.B. als Gast bei Mike Oldfield); durch ständig wechselnde Produzenten immer weniger stilsicher.

Chapman, Tracy (*1964, Cleveland) Schwarze Sängerin, die oft spärlich begleitet ab 1988 mit kehliger ausdrucksstarker Stimme sozialkritische Texte zum Besten gibt.

Charlatans (I) Einfacher Psychedelikrock in der zweiten Hälfte der 60er aus San Francisco.

Charlatans (II) Wichtige Band des Manchester Rave („Then“ 1990), die Mitte der 90er immer noch Gitarrenpop mit Houseelementen verbindet.

Charles & Eddie Amerikanisches Duo, das 1993 mit „Would I Lie to You?“ einen internationalen Chartserfolg feiern konnte. Der Soulpop-Hit überstrahlte alle weiteren, kommerziell eher mäßigeren Versuche der beiden New Yorker, dem zu jenem Zeitpunkt florierenden Genres Grunge und Eurodance etwas redlicheren Gute Laune-Pop entgegenzuhalten. Charles (Pettigrew) starb 2001 an Krebs.

Charles, Ray (*23.9.1930, Albany, † 2004, Beverly Hills) Der blinde amerikanische Pianist und extrem modulationsfähige Sänger (von rauh bis Kopfstimme) begann in den 50ern respektabel im Jazz, blieb dort immer mit einem Fuß („The Genius After Hours“) und beschäftigte stets hochkarätige Jazzer, z.B. David Fathead Newman (s , fl). Er wurde mit seiner Verbindung aus Blues und Gospel prägend einer der ganz Großen des Soul und sogar bombastische Ausflüge ins Country-Terrain machten ihn, stilsicher, wie er bis zu seinem Tod war, nur noch berühmter.

Charts Einst auf Händlerbefragung, später auf analog und digital übermittelte Verkaufszahlen basierende Auswertung der erfolgreichsten Musik-Singles und -Alben. In den 50er und 60er Jahren galten die Zahlen der Zeitschrift Musikmarkt als wesentlicher Gradmesser für die zunächst monatlich, dann wöchentlich festgelegten Platzierungen. Später übernahmen Marktanalysenfirmen wie Media Control sowie die GfK (Gesellschaft für Konsumforschung) die Veröffentlichungen der Top 50 (bis in die 70er Jahre), Top 75 (in den 80er Jahren) bzw. Top 100 (ab August 1989). Heute fließen durch den kontinuierlichen Popularitätsverlust physischer Medien in großem Maße MP3-Downloads und Streamings in die Charts ein. Die Frage der Repräsentativität nicht nur der heutigen Hitparaden (unter anderem aufgrund erhöhter Manipulationsmöglichkeiten und zuweilen willkürlich erscheinender Auswertungsmechanismen) lässt sich derzeit kaum befriedigend beantworten. Als Richtschnur für musikalische Trends und (pop-)kulturelle Besonderheiten wenngleich mit sinkender Bedeutung sind die Charts noch immer relevant.

Charles, Teddy (*1928, Chicopee Falls, † 2012, Riverhead), ein fortschrittlicher Vibraphonist mit Neigung zum Third Stream (Album: „Collaboration: West“).

Chase Um den amerikanischen Trompeter Bill Chase versuchte die Band 1971-74 perfektionistisch Rock mit Bigband-Swing-Bläsersätzen zu verbinden.

Cheap Trick 1974 in Chicago gegründete Band. In den 70er/80er-Jahren mit erdigem und melodiösem Rock erfolgreich.

Cheathan, Doc (*13.6.1905, Nashville, † 2.6.1997, Washington) war ein technisch versierter Swing-Trompeter, der schon in den 20er Jahren mit Sam Wooding durch Europa tourte und dann führenden Swing-Bigbands angehörte (Cab Calloway, Benny Carter), einen klaren, ausdruckskräftigen Sound besaß, allerdings erst in hohem Alter als noch lebendes Stück Jazzgeschichte entdeckt wurde.

Cheb Khaled In Frankreich lebender algerischer Rai-Sänger mit kraftvoller, vielseitiger Stimme. In den 90ern mit tanztauglichen Veröffentlichungen populär.

Check, Matthew ist auch mit jüdischer Musik oder Musik für Kinder seit 2013 unterwegs. Im Americana-/Country-/Folk-Genre 2021 endlich auch auf Platte veröffentlicht.

Checker, Chubby machte 1962 den Twist populär.

Checkpoint Charlie 1967 bis in die 80er Musikkabarett aus Berlin mit epischen Collagen, ruppigen Rock-Einlagen und drastischem Vokalvortrag von Uwe von Trotta.

Cheech & Chong Musik-Parodien aus Amerika (Drogen-Texte) ab 1971 auf Platte, ab 1978 in mehreren Filmen.

Chemical Brothers (vormals Dust Brothers) stehen seit 1996 für teils heftigen Dancefloor gemischt aus Techno, Industrial und Trip Hop.

Cher 1965 bis 73 im Duo (Sonny & Cher: „I Got You Babe“) und auch Solo („Gypsies“, „Tramps and Thieves“); 1974 startete die amerikanische Sängerin mit relativ tiefer Stimme endgültig eine Solokarriere; 1979 „Take me Home“ als leichter Pop-Rock, in den 80ern etwas härter durch zeitgemäßen Sound ebenfalls erfolgreich („I found Someone“); 2000 mit „Believe“ im Synthie-Dancefloor-Vocoder-Sound erfolgreicher denn je.

Cherry, Don (*18.11.1936, Oklahoma City, † 19.10.1995, Malaga), der neben seiner typischen Taschentrompete auch diverse andere Instrumente spielte, verband 1958-64 mit O. Coleman eine Partnerschaft, die für den Free Jazz wegweisend werden sollte. Die neue musikalische Freiheit ebnete auch den Weg für das Musikverständnis fremder Kulturen. Cherry war einer der ersten, für den sie mehr bedeuteten als nur exotisches Kolorit. Seine drei „Codona“-Alben mit Collin Walcott und Nana Vasconcelos gelten als Gipfelpunkte der Weltmusik.

Cherry, Neneh Die schwarze Sängerin legte mit „Raw Like Sushi“ 1989 ein beachtetes Dancefloor-Debüt vor und konnte nach einer Baby-Pause nicht recht daran anknüpfen, verhalf jedoch Youssou N'Dour zum Hit „7 Seconds“.

Chess Musical von den beiden ABBA-Komponisten 1984.

Chesterfield Kings, The orientierten sich 1997 bis 2009 musikalisch und optisch an 60er-Garage-Bands, was die Band wie abgedrehte Rolling Stones (die sie auch oft gecovert haben) aussehen und wie The Tubes auf psychedelischen Drogen klingen ließ, wenn sowas überhaupt möglich ist. Heftig, Kult, langlebig und doch nie wirklich erfolgreich.

Chic In den 70er Jahren erfolgreiche amerikanische Disco-/ Funk-Gruppe, von Nile Rodgers produziert („Le Freak“).

Chicago war nach New Orleans und vor New York die zweite Jazzmetropole. Hatte der Jazz zunächst durch die auf den Riverboats beschäftigten Musiker Verbreitung gefunden, so setzte nach der Schließung von Storyville ein richtiger Exodus in den industrialisierten Norden, vor allem nach Chicago ein, wo sie sich in dem Schwarzenviertel Southside ansiedelten, wohin bereits seit einigen Jahren die arbeitslos gewordene Landbevölkerung zog. Im Chicago der Prohibitionszeit gehörten alle Lokale den Gangsterbanden von Al Capone & Co. Es waren starke Nerven nötig, dort zu spielen, wo man auch mal vor den Schüssen der Gangster in Deckung gehen mußte, aber dafür boten sich den N.O.-Musikern neue Perspektiven: Genug Verdienstmöglichkeiten, eine gewisse Anerkennung, nicht zuletzt durch eine junge, weiße Musikerschar, die den Chicago Jazz der 20er kreierte. Von Bedeutung ist auch der spätere Chicago Blues.
Chicago Jazz wird manchmal etwas boshaft als Imitation einer Imitation charakterisiert, da weiße Dixieland-Musiker aus N.O. nun ihrerseits in den 20ern zum Vorbild weißer Musiker aus Chicago wurden. In der Tat lieferten Bands wie die New Orleans Rhythm Kings den Chicagoans wesentliche Anregungen. Aber auch die größten schwarzen Musiker wie Oliver und Armstrong lebten in Chicago und wurden bewundert. Zahlreiche Umstände - Großstadtleben in der Prohibitionszeit, musikalische Ausbildung, Beschäftigung der Musiker in großen Tanzorchestern - haben auf den Charakter der Musik so eingewirkt, daß an Stelle einer Kopie ein ganz neuer Stil entstand, der zum Vorläufer des Swing werden sollte, der viele Impulse ehemaligen Vertretern des Chicago Jazz verdankt (Goodman, Krupa). Während der reine N.O. Jazz noch die Kollektivimprovisation pflegte, traten nun sich abwechselnde Solisten in den Vordergrund, die von einer Kollektivimprovisation bzw. einem so klingenden Arrangement eingerahmt wurden. Auch für den Sound galten andere Ideale (Beiderbecke). Die Gitarre löst das Banjo ab, der Kontrabaß die Tuba. Wesentliche Keimzelle des Chicago Jazz war die Schülerband Austin High School Gang, der Größen wie B. Freeman, Jimmy McPartland (Kornett) und Frank Teschemacher (cl) angehörten. Zu den späteren Propagandisten des Chicago Jazz gehörte E. Condon, der allerdings die meiste Zeit seiner Laufbahn in New York wirkte.

Chicago 1969 debütierten sieben ausgebildete Musiker mit treibenden Rhythmen, fetten Bläsersätzen, jazzigen Soli und hohem soulvollen Gesang. Die bombastische Fusion war jedoch trotz hohen Könnens der Musiker etwas unflexibel und verlor nach anfangs besten Verkäufen schnell an Neuigkeitswert. So versuchte die Truppe ab Mitte der 70er verstärkt mit einschmeichelndem Pop wieder Terrain gutzumachen. Nach dem Megaerfolg „If You Leave Me Now “ 1977 berieseln sie bis in die 90er konsequent leichtgewichtig ihre teils wieder enorm große Zuhörerschaft.

Chicago-Blues Chicago ist die Hauptstadt des Blues und seit den 20ern ein wichtiges Zentrum amerikanischer Kultur mit 50% schwarzer Bevölkerung (meist in Ghettos beheimatet). Der Blues ist spannungsgeladen, sozialkritisch und aggressiv. Elmore James, Muddy Waters, Big Bill Broonzy, Sonnyboy Williamson I, Little Walter, Buddy Guy.

Chicken Shack Britische Bluesband um Stan Webb seit 1967.

Chicks on Speed mischen um die Jahrtausendwende von München aus als anglophile Künstlerinnen und nicht als dezidierte Musikerinnen die Pop-Welt (in Frankreich und England) auf.

Chieftains pflegen seit Anfang der 70er auf anspruchsvolle Weise die reiche irische Musiktradition und haben dabei keine Berührungsängste mit Vertretern anderer Stilrichtungen (u.a. Van Morrison, Rolling Stones).

Chill, Chillen, Chill Out (abkühlen, entspannen) Vor allem in Techno-Discotheken in Chill-Out-Zonen gespielter Trance, Ambient oder ruhiger Techno zum Runterkommen.

Chilliwack Verspielter kanadischer Rock Anfang der 70er.

Chilton, Alex siehe The Box Tops.

China Schweizer rhythmusbetonter Hardrock mit fetten Gitarren in den 80ern; nach längerer Pause wieder aktiv.

Ch!pz Die niederländische Popgruppe fabrizierte recyclebare Kinderlieder, die sich als Pop tarnten, wie beispielsweise die erschreckend erfolgreichen Beiträge „Ch!pz“, „In Black und Cowboy“ (beide 2003). Zum Glück seit 2010 als aufgelöst geltend.

Chorus bezeichnet im Jazz keinen Chor, sondern ursprünglich den Refrain eines Songs, der zur Improvisationsgrundlage wird. Ein Blueschorus z.B. besteht aus 12 Takten, ein typischer Standardchorus oft aus 32. Somit ist der Chorus die Maßeinheit für die Länge eines Solos, das aus x-beliebig vielen Chorussen bestehen kann.

Christian, Charlie (*19.7.1916, Dallas, 26.1.1942, N.Y.), erregte 1938 bei Goodman Aufsehen und war neben Reinhardt der bedeutendste Jazzgitarrist seiner Zeit („Solo Flight“). In seiner kaum 2-jährigen Laufbahn hat er Wesentliches geleistet: Er setzte die elektrisch verstärkte Gitarre durch und bereitete als Swing-etablierter Musiker dem Bebop den Weg. Als Experimentator, der bei den legendären Sessions im Minton's zur Entwicklung des Bebop beitrug, wurde der Frühverstorbene zum Vater der modernen Gitarre.

Christian Death 80er-Underground aus Amerika. Collagieren Gothic/Dark Wave, heftiges Punk-Geknüppel, avantgardistische Klangbilder, Ethno-Passagen und blasphemisch-okkulte Texte in atonaler Gesangsweise zu schockierenden Bühnenshows. Nach dem Ausstieg von Rozz Williams mit neuem Sänger Valor nur noch eine Selbstkopie.

Christians, The Englisches Quartett mit zahlreichen Hits ab 1987 in England („Forgotten Town“); New Wave mit Soul.

Christie Britische Popband, die mit dem ursprünglich für die Tremeloes bestimmten Titel „Yellow River“ 1970 einen Welthit landete. Zwischen Pop und leichtem Country-Einschlag pendelnd, hätte Jeff Christie seine Band durchaus erfolgreich durch die 70er navigieren können, doch nach „Iron Horse“ 1972 endete bereits die Erfolgsspur der Briten.

Christie, Tony (*1943, Conisbrough) Der englische Sänger mit kraftvoller Stimme wurde 1970/71 mit Las Vegas weltbekannt. Es folgten die bis heute erfolgreichen Schmachtfetzen „I Did What I Did For Maria“ und „Is this the Way to Amarillo“. Zu Beginn der 90er Comeback (produziert von Jack White) vor allem in Deutschland. 1998 Zusammenarbeit mit der britischen Popgruppe All Seeing I: „Walk like a Panther“.

Christy, June (*20.11.1925, Springfield, † 21.6.1990, Sherman Oaks, Kalifornien), die Nachfolgerin von O'Day bei Kenton, zählt zu den großen Sängerinnen der Cool-Jazz-Ära. Empfehlung: „‚Something Cool‘ ist meine einzige Aufnahme, mit der ich nicht unglücklich bin.“

Ciara Amerikanische Sängerin, die sich mit Crunk, einer sehr rhythmisch-reduzierten R&B-/ Hip-Hop-Kreuzung sowie im engen Dunstkreis der sakrosankten R&B-Dompteuse Missy Elliott ins Rampenlicht brachte. Die drei erfolgreichsten wie auch coolsten Singles „Goodies“, „1, 2 Step“ (beide 2004) und „Oh“ 2005 bereiteten ihr den Weg ins amerikanische Hip-Hop-Establishment, Grammy-Nominierungen bewiesen die schneidige Innovationskraft der Texanerin. Nach einem poppigeren Comeback 2013 (Album „Ciara“) fehlte Ciara die Bindung zu ihrem einst einzigartigen Stil, das Publikum fand neue weibliche Hip-Hop-Helden.

Cicero, Roger vermochte bis zu seinem frühen Tod 2016 (mit 45 Jahren) ungefähr den Swing der 40er und 50er in die Hitparaden zurückzubringen („Frauen regier'n die Welt“ 2007). Ob es über den Hut hinaus zu einem entspannten Frank Sinatra gereicht hätte, werden wir nicht erfahren.

Cilmi, Gabriella Australische Sängerin, die im Zuge der u. a. durch Amy Winehouse ausgelösten Retro-Soul-Welle 2008 sowie dank einer Rexona-Werbung mit „Sweet About Me“ den internationalen Durchbruch schaffte. In ihren stärkeren Momenten als lässigere Alternative zu Winehouse präsent, fehlte Cilmi jedoch auch aufgrund fehlender Genrefokussierung und trotz rauchig-markanter Stimmfärbung das Charisma der verstorbenen Souldiva.

Cinderella Amerikanische Band um den Sänger Tom Keifer, die Ende der 80er, im Zuge der Hardrockwelle um Bands wie Guns n'Roses, mit erdigem, bluesbetontem Sound und kreischend-hoher Stimme (erinnert an AC/DC) Aufmerksamkeit erregte.

Cinquetti Gigliola Italienische Sängerin, die 1964 mit der Ballade „Non ho letà (per amarti)“ den Eurovision Song Contest in Kopenhagen gewinnen konnte. Da war sie 15 Jahre alt. Folkloristisches Liedgut, eingängige Schmachtballaden („Si“ 1974) und eher unwürdige Frohmutsschlager („Gira LAmore“ 1972) offenbarten die nicht immer glückliche Produzentenauswahl der zweifachen Sanremo-Gewinnerin, deren elegischer Gesang im italienischen Radio nur noch sporadisch zu hören ist.

Circus Schweizer Band mit Jazz-Einflüssen in den 70er/80ern.

City Ab 1974 aus Ostberlin mit Alltags-Texten und biederem, einfachen Rock; 1978 „Am Fenster“ (mit Geige).

City Blues Der Blues aus der City (Großstadt-Blues), aggressiver als der Country-Blues.

City Preachers siehe Inga Rumpf.

Claassen, Fay (*2.12.1969, Nijmegen) singt, wie der Preis der deutschen Schallplattenkritik anlässlich ihres Albums „Live at the Amsterdam Concertgebouw“ erläuterte, „mit voller, runder Stimme, stabiler Intonation und spritziger Eleganz“.

Clannad Irische Folk-Band ab 1973, teils leicht in Richtung Pop (1990 LP „anam“ u.a. mit zartem gälischem Gesang), teils mit sphärischer Filmmusik.

Clapton, Eric (*1945, Ripley) Bei den Yardbirds, bei John Mayall, bei Cream und schließlich in seiner Band Derek and the Domino's („Layla“ 1970) und danach unter seinem eigenen Namen unterwegs; Hits mit „Cocaine“ (von J.J. Cale) 1977, der Reggae-Adaption „I shot the Sheriff“ 1974 oder der Ballade „Tears in Heaven“ 1992. Mit entspannten, handwerklich soliden Rock-Nummern hielt sich der hochgelobte Gitarrist Slowhand Clapton in der Publikumsgunst; Blues-orientierte Konzerte, ein Unplugged-Album (mit über 26 Millionen das meistverkaufte Live-Album aller Zeiten) und klassische Blues-LPs runden das Bild bis über die 2000er hinweg ab.

Clark, Anne Englische Sängerin, in den 80er-Jahren mit düsterem elektronischen New Wave/Pop und markantem Sprechgesang unterwegs.

Clark, Dave (Dave Clark Five) Die Band um den Londoner Sänger Dave Clark hatte ab 1964 bis Anfang der 70er mit eingängigen Beat-Nummern vor allem in Amerika zahlreiche Hits, z.B. „Glad All Over“.

Clark, Petula Englische Sängerin mit Pop-Liedchen, 1964 in Amerika Hiterfolg mit „Downtown“.

Clark, Sonny (*1931, † 1963) (p, comp) schuf sich zunächst an der Westküste unter anderem bei Buddy DeFranco und Howard Rumseys Lighthouse All Stars den Ruf eines perfekten Sideman und wurde dank vieler Aufnahmen auf dem Kultlabel Blue Note als Thronerbe Bud Powells gehandelt. Seine Alben „Cool Struttin“ und „Leapin And Lopin“ sind Klassiker der Hardbop-Ära.

Clark, Vince Englischer Songwriter, Keyboarder und Elektronik-Guru. Gründungsmitglied von Depeche Mode (1980), Yazoo (1981-83), Assembly (Undertones) und zuletzt Erasure (1984). Mit ausschließlich auf Synthesizer-Klängen basierende Pop-Musik bis heute ideenreich.

Clarke, Kenny (*9.1.1914, Pittsburgh, † 26.1.1985, Paris), hatte schon viele Instrumente (p, tb, dr, vib) und schon ein Jahrzehnt Karriere hinter sich (Eldridge, Claude Hopkins, Edgar Hayes, Teddy Hill), als er den Bebop mitschuf. Klook verlagerte die Grundrhythmen auf das große Becken und wurde so zum Vater des modernen Jazzschlagzeuges. Die große Trommel diente nur noch dem Setzen rhythmischer Akzente, was man damals „dropping bombs“ nannte. Zugleich wirkte er bei den Etablierten (Lieblingsschlagzeuger Bechets). Die wichtigsten Bebop-Beiträge lieferte er bei Gillespie, mit dem er 1948 Europa besuchte. Ausgedehnte Frankreichaufenthalte schlossen sich an. Obwohl er als Mitglied des Modern Jazz Quartet und Haustrommler der Plattenfirma Savoy Erfolg hatte, ließ er sich dann 1956 für 30 Jahre in Frankreich nieder. Seit dieser Zeit wurde sein Stil etwas sparsamer. Inzwischen setzten Roach, P.J. Jones und unzählige andere sein Werk fort. Von 1967-73 leitete er zusammen mit Francy Boland (p, arr, comp) die Clarke-Boland-Big Band.

Clarke, Stanley (*1951, Philadelphia) Virtuoser Fusion-Bassist, der bei Getz bekannt und mit Corea und George Duke (k) als E-Bassist populär wurde, beeindruckte in den 70ern auf hohem Niveau („School Days“ 1976) und heute auf eben diesem Niveau nicht mehr so recht.

Clarkson, Kelly Die Texanerin gewann 2002 die erste Staffel von American Idol. Trotz Castinghintergrundes überzeugte sie Publikum und Kritik mit dynamischem und leidenschaftlich vorgetragenem Poprock. Größte Hits: „Since U Been Gone“ 2004, „My Life Would Suck Without You“ 2009.

Clash, The, 1976 aus der Londoner Punk-Szene kommend und neben den Sex Pistols deren wichtigste Vertreter, verstanden es, sich Schritt für Schritt vom Punk in andere Musikrichtungen (z.B. Reggae) zu bewegen, bis sich die Band Mitte der 80er auflöste („London Calling“ 1979, „Sandinista“, 1980).

Claudio, Rik und Roger Italienisches Vokaltrio, das in Deutschland 1964 vor allem durch Coverversionen von Liedern wie „Memphis Tennessee“ die Jukeboxen besetzte.

Clawfinger Aus Schweden; in den 90ern mit Sprechgesang, elektronischen Beats, Samples und harten Heavy-Metal-Gitarren wichtige Crossover-Band („Truth“, „Nigger“).

Clayton, Buck (*12.11.1911, Parsons, † 8.12.1991, N.Y.) (tp). Mit seinem unverwechselbaren Vibrato, seinem starken Bluesfeeling und seiner gepflegten Spielweise war Buck Clayton 1936-43 einer der unentbehrlichen Hauptsolisten des frühen Basies-Orchesters, für das er auch arrangierte. In den 50er Jahren war der Initiator und Organisator von Jam Sessions Inbegriff des Mainstream.

Clayton, Lee (*1942, Russellville, Alabama) Country-beeinflußter Rocksänger (1972 „Ladies Love Outlaws“ für Waylon Jennings), der schon für sein Debut 1973 von Kritikern gelobt wurde, kommerziell jedoch nie wirklich durchbrach und mit „Naked Child“ 1979 unter Zuhilfenahme prominenter Mitmusiker (u.a. J.J. Cale) aber vor allem des irischen Gitarristen Philip Donnelly ein Blues-Rock-Meisterwerk ablieferte, verstummte 1981 abrupt, um Bücher zu schreiben.

Clegg, Jonny (& Savuka) spielen seit den 80ern Rock, der auch mit Folklore-Elementen, z.B. aus Afrika (für die südafrikanische Band typisch), auffallend schlicht daherkommt.

Cleo (Steinberger) Die Hamburgerin, die in ihrer Jugend zeitweise in New Orelans lebte, gehört zu den besten deutschen Nachwuchssängerinnen im traditionellen Fach. Ihr Duo mit dem Gitarristen David Grabowski lässt sich von Fitzgerald und Pass inspirieren.

Cliff, Jimmy (*1948, St. Catherine, Jamaika) Flaggschiff des Reggae, begnadeter Sänger ab Ende der 60er Jahre bis heute wichtig; „The Harder They Come“ (Titel des gleichnamigen Musik-Kultfilms), „You Can Get it if You Really Want“, „Vietnam“, „Sitting in Limbo“ oder „Many Rivers to Cross“ sind Fixsterne. Ungebändigt schaffend mit regelmäßigen Veröffentlichungen und Live-Auftritten bis in die 90er.

Clifford, Buzz Amerikanischer Sänger, der außer seines einst offenbar in der breiten Bevölkerung auch in der Version von Ralf Bendix mit Entzückung wahrgenommenen Windel-Jux-Liedchens „Baby Sittin Boogie“ weitestgehend in Vergessenheit geraten ist.

Climax Blues Band 1968 in England entstandene Blues-Rock-Band (mit ganz leichten Jazz- und Funk-Elementen); Anfang der 70er in Amerika als Live-Act sehr angesagt.

Cline, Patsy In Virginia geborene Country- und Pop-Sängerin mit Hits 1957-63 in Amerika.

Clinton, George Der farbige amerikanische Sänger machte ab den späten 60ern mit einer abgefahrenen Mischung aus Psychedelik-, Jazz-Elementen und vor allem hochkarätigen Funk (P-Funk) in verschiedenen Projekten (Parliament, Funkadelic) auf sich aufmerksam; ab den 80ern auch solo.

Club Nouveau Die US-amerikanische R&B-Band bleibt heute vor allem aufgrund des Bill Withers-Covers „Lean On Me“ sowie eines Samples aus „Why You Treat Me So Bad“ (beide 1987), das u.a. in „Luniz' I Got 5 on it“ und Puff Daddys „Satisfy You“ Wiederverwendung fand, in Erinnerung.

Clueso Deutscher Poppoet mit Hip-Hop-Wurzeln. Feingeistig komponierte, stets mit großem Pathos vorgetragene Stücke sind die Spezialität des Thüringers, dessen bodenständiges Auftreten den melancholisch-verträumten Texten („Keinen Zentimeter“ 2008; „Gewinner“ 2009) die notwendige Authentizität verleiht.

Clüver, Bernd Der in Hildesheim geborene „Junge mit der Mundharmonika“ schaffte mit jenem Titel den Einstieg in die heile deutsche Schlagerwelt der 70er Jahre. Die eher betulichen, Roy Black-gefärbten Nachfolger wie „Der kleine Prinz“, „Das Tor zum Garten der Träume“ und „Bevor du einschläfst“ schafften es ebenfalls in die ZDF-Hitparade. Nicht jedoch Clüvers honorigster Beitrag, „Mike und sein Freund“ 1976, der erste deutsche Schlagersong zum Thema Homosexualität. Sein späteres Leben und Werk, von großer Emsigkeit geprägt, endete 2011 tragisch durch einen Treppensturz.

Coasters Farbige amerikanische Rhythm & Blues-Gruppe mit Happy-Songs aus der Feder von Leiber/Stoller in den 50ern erfolgreich („Yakety Yak“ oder „Charlie Brown“).

Cobain, Kurt (* 20.2.1967, † 5.4.1994) Sänger und Gitarrist von Nirvana.

Cobb, Arnett (*10.8.1918, Houston, † 24.3.1989 ebenda) wurde bei L. Hampton als „wild man from Texas“ bekannt, brüllte und hupte mit seinem riesenhaften Tenorsound, der den Charme eines glühenden Reibeisens ausstrahlte, was seine Hörer in Rauschzustände versetzte. Und so wurde er zum Modell für die Tenorsaxophonisten des R&B und Urahn des Rock'n'Roll-Saxophons.

Cobb, Jimmy (*1929, † 2020) gehörte der Band von Miles Davis an, als dieser das Kultalbum „Kind of Blue“ einspielte; dreieinhalb Jahre bei Dinah Washington, acht bei Sarah Vaughan sorgte er für den richtigen Beat. Wer achtet bei Gesangsstars auf den Mann am Schlagzeug? Doch so zurückhaltend er auftrat konnte er schon mit schlichten Viertelnoten auf einem Ride-Becken die Solisten stärker pushen als andere Drummer mit wildem und vertracktem Spiel.

Cobham, Billy (*1944, Panama) Fusion-Schlagzeuger bei diversen Bands (u.a. John McLaughlin, Santana) und ab 1973 auch unter eigenem Namen.

Cochise (I) Britischer einfacher Rock; trotz diverser Einflüsse meist zwischen Country und Rhythm & Blues (1969-72).

Cochise (II) Sanftester Folk-Rock mit minimalen indianischen Einflüssen und deutschen, umweltbewegten und sozialengagierten Texten (LP „Rauchzeichen“ 1979). Abschiedstournee Anfang der 90er.

Cochran, Eddie Rock'n'Roll-Interpret ab 1956 bis 1960 (Autounfall) aus Minnesota.

Cock Robin Sanftes Pop-Gesangs-Duo, 1982 in Los Angeles gegründet; Mitte der 80er einige eingängige, meist getragene Hits.

Cockburn, Bruce Sozialkritischer Song-Poet aus Kanada auf schlichter Rock-, Blues- und Ethno-Basis mit politischen Texten und nicht sehr modulierter Stimme. Seit 1970 aktiv und Anfang der 80er kurzzeitig sehr gefragt.

Cocker, Joe (*1944, Sheffield; † 2014, Crawford) Der britische Rocksänger mit der markant rauchigen, manchmal etwas gepreßten, voluminösen Stimme und zuckender Motorik auf der Bühne, machte mit dem Beatles-Song „With a Litte Help from my Friends“ 1969 (Woodstock) auf sich aufmerksam, war lange Zeit dem Erfolg nicht gewachsen und konnte erst in den 80ern mit den Anforderungen des Geschäfts mithalten: nicht immer herausragend, aber bis zum Schluß auch nie unter Wert.

Coco Tea Ragga-Muffin auch in Schmuse-Version, 90er.

Cocteau Twins Schottische Band (1980-98). Neben Dead can dance wichtigste Band des Ethereal Wave, Sängerin Elizabeth Fraser war 1998 Stimme und Mitkomponistin beim absoluten Massive Attack-Meisterwerk „Teardrop“.

Cohen, Leonhard (*1934, Montreal, † 2016, L.A.) Der kanadische Dichter fand ab 1968, daß sich seine Lyrik mit Musik besser verkaufen ließe und vertonte sie fürderhin mit sparsamer Instrumentierung und tiefgelegtem Sprechgesang. Der hatte mit zunehmend feinfühligerer Instrumentierung durchaus Charme; „Suzanne“ wurde 1968 sofort ein Hit und er war kommerziell vor allem in den 70ern tatsächlich höchst erfolgreich und bis zum Ende in den Feuilletons dieser Welt gefeiert.

Cohn, Al (*1925, Brooklyn, † 1988, East Stroudsburg) (s), der auch als Arrangeur Bedeutung erlangte, gehört wie Z. Sims, mit dem er oft im Zweiergespann musizierte, als Tenorist zur modernen L. Young-Schule.

Cold Chisel Die 1976 in Australien entstandene Band lieferte Musik verschiedenster Stilarten auf erdigem, hartem Rock-Fundament. Nach der Auflösung 1983 machte der Sänger Jimmy Barnes, der mit seiner rauhen Stimme den Sound der Band entscheidend geprägt hatte, solo weiter.

Coldcut Zwei englische Sound-Tüftler; seit Ende der 80er für heftig gesampelte Dancefloor-Knaller gut wie „People Hold on“ mit Lisa Stansfield oder „Stop this Crazy Thing“ mit Junior Reid.

Coldplay Mit hypnotisch-verkopftem Indie-Rock gewann die britische Band um Sänger Chris Martin zu Beginn ihrer Laufbahn Kritiker und Fans (siehe v.a. das Grammy-prämierte Debütalbum „Parachutes“, 2000), bevor sie sich spätestens mit „X & Y“ 2005 in Richtung Stadionhymnen orientierte und ihren Nimbus als intellektuellere bzw. coolere Alternative zu Radiohead und U2 schrittweise aufgab.

Cole, Cozy (*1909, East Orange, 1981, Columbus), ein bedeutender Swing-Drummer, glänzte als flexibler Begleiter u.a. 1937-42 bei Calloway und 1949-53 bei Armstrong.

Cole, Nat King (*1919, Montgomery, † 1965, Santa Monica), der erstklassige Pianist fing als Sohn eines Pastors und einer Chorleiterin auf der Orgel an und bildete 1937 sein berühmtes Trio mit Oscar Moore (g). Sein moderner Swing-Stil bereitete den Bop vor und beeinflusste Pianisten wie Oscar Peterson. Zahlreiche zündende Hits („Sweet Lorraine“, „Route 66“) bei denen er seine weiche, warme, volltönende Stimme mit seinem Trio begleitete, führten zu einer kommerziell sehr erfolgreichen Gesangskarriere außerhalb des Jazz und allzuoft fern vom Klavier.

Cole, Natalie Die Tochter Nats versuchte sich in den 80ern zunächst mit hitparadentauglichem Pop (z.B. „Pink Cadillac“ geschrieben von Bruce Springsteen). Später entspannt produziertes Comeback in Annäherung an den Jazz, u.a. im Duett mit ihrem toten Vater! 2015 ebenfalls verstorben.

Coleman, George (*1935, Memphis) verbindet als von Insidern hochgeschätzter Ex-Davis-Tenorist Coltrane-Erbe mit einem Bekenntnis zu Bop und Tonalität.

Coleman, Ornette (*19.3.1930, Fort Worth, † 11.6.2015, N.Y.) (s), bedeutendster Neuerer des Jazz in den späten 50ern, ist wichtigster Altist und Vater-Figur des Free Jazz, dem 60 seine gleichnamige Scheibe den Namen gab. Vor allem sein Quartett mit D. Cherry, Haden und Higgins wurde wegweisend für den Free Jazz: Nicht Akkordgerüste, sondern die Themen und die von ihnen ausgelösten Stimmungen und Assoziationen lieferten nun die Grundlage für Improvisationen. Coleman nahm später Trompete und Gesang in sein Instrumentarium und mit der Gruppe Prime Time auch Rock-Elemente auf. Seine Musik bezeichnete er als Harmolodics.

Coleman, Steve (*20.9.56 Chicago) (as), der Gründer der M-Base und den Five Elements zählt mit seiner rhythmisch vertrackten, Bop und Hip-Hop umspannenden Avantgarde zu den heutigen Schlüsselfiguren.

Collective Soul durften nach dem Erfolg ihrer ersten Platte (Anfang der 90er in totalem Stilmix, Blues, Hardrock, Dancefloor und was noch) eine geradlinige Rock-Platte nach eigenen Vorstellungen aufnehmen.

Collette, Buddy (*1921, L.A., † 2010), der als Westcoast-Multiinstrumentalist (s, fl, cl) 1956-59 im C. Hamilton-Quintett gefeaturet wurde, aber auch mit Charles Mingus oder J. Newton zusammengearbeitet hat, gilt es zu entdecken.

Collins, Albert (*1932, Leona, Texas, † 1993, Las Vegas) Gefragter Bluesmusiker in den 80ern; beeinflußt von T-Bone Walker. The Razorblade (wegen seines harten, metallisch-spitzen Sounds) versteht es, seine Gitarre zum Sprechen zu bringen (z.B. auf „Don't Lose Your Cool“, „Cold Snap“, „Frosty“).

Collins, Bootsy (g, b, v) Neben George Clinton einer der wichtigsten Vertreter des schwarzen Funk seit den 70ern und zeitweilig das musikalische Rückgrat von James Brown. Danach hatte er in zahlreichen Funk-Produktionen seine Finger im Spiel, etwa bei African Bambaataa oder Material. Schrille Kleidung und dazu passende Baßgitarren sind Markenzeichen seiner Liveauftritte.

Collins, Dave and Ansel In Ehren ergraute Sanges-Brüder aus der Rock Steady-Sparte. Konnten Ende der 60er Anfang der 70er Jahre gutplazierte Charts-Erfolge nicht nur in Jamaika verbuchen.

Collins, Mel spielte (meistens) Saxophon für u.a. Bad Company, Camel, Brian Ferry, Alexis Korner, King Crimson, Rolling Stones, Uriah Heep und unendlich viele weitere britische Bands.

Collins, Phil (*1951, Chiswick) Bis Mitte der 90er der Schlagzeuger und dann vor allem Sänger der Band Genesis startete mit trockenen, anfangs sparsam fast nur schlagzeugakzentuierten Soloalben und markant kräftiger, gepreßter Stimme 1981 eine parallel erfolgreiche Solokarriere, die jene der Band schließlich zumindest kommerziell in den Schatten stellte (1981 „In the Air Tonight“, 1984 „Against All Odds“, 1985 „Sussudio“, 1989 „Another Day in Paradise“).

Colosseum Anfangs (1969) behäbige Jazz-, Rock- und Blues-Truppe um den Schlagzeuger mit dem riesigen Drumset Jon Hiseman († 2018), den Organisten Dave Greenslade und später auch den Gitarristen Clem Clempson (von Humble Pie), die 1972 (mit Sänger Chris Farlowe) zu ganz großer Form auflief (LP „Live“); 1994 - 2015 Reunion mit etlichen Unterbrechungen. Colosseum II mit Hiseman und Gary Moore war eine rockigere, erfolglosere, 1978 abgeschlossene Episode.

Coltrane, Chi startete in Amerika mit Keyboard-Künsten und hoher angerauhter Stimme mit dem Hit „Thunder and Lightning“ 1973 und konnte trotz großer Anstrengungen nie recht Erfolg verbuchen, ist aber, inzwischen wesentlich gelassener, immer noch unterwegs.

Coltrane, John (Trane) (*23.9.1926, Hamlet, † 17.7.1967, Huntington) war in den letzten 10 Jahren seiner Karriere der einflußreichste Tenor- und Sopran-Saxophonist. Sein wagemutiges Spiel zeugte von einer Getriebenheit und Besessenheit, die ihn zu einem der wichtigsten Neuerer des Jazz machten. Noch heute ist er Kult- und Leitfigur ganzer Scharen jüngerer auch stilistisch gegensätzlicher Musiker, die von den unterschiedlichsten Aspekten seiner Persönlichkeit beeindruckt sind: Seine Öffnung zum östlichen Kulturkreis („India“), seine Fähigkeit in schier endlos wirkenden Improvisationen über stets gleichbleibendes Material zu fesseln („My Favourite Things“), seine Innigkeit („Ballads“), Virtuosität etwa bei vertrackten Harmoniefolgen („Giant Steps“)... Obwohl Trane bereits in den frühen 50ern bei Hodges und Gillespie wichtige Engagements hatte, entwickelte sich erst mit 30 bei Miles Davis zu einem reifen Musiker. Als der Trompeter Trane 1955 in die Band nahm, riet man ihm, den unerfahrenen Spätstarter wieder nach Hause zu schicken. Bald darauf gehörte er neben Rollins zur Elite der Tenoristen des Hardbop. Seiner damaligen Tendenz entsprach es, möglichst viel in einen Akkord zu packen. Die sich daraus entwickelnde Technik nannte man später „sheets of sound“, da die Töne so schnell aufeinander folgten, daß man eine Klangfläche zu hören vermeinte. Der Pionier des modalen Jazz hat das Sopransaxophon wieder in den Jazz zurückgebracht, das nach Bechet eigentlich nur Coltranes Zeitgenossen Lacy interessierte. Die Musik der 60er spiegelt verstärkt in hymnischen („Dear Lord“) und ekstatischen („A Love Supreme“) Tönen starke Religiosität und spirituelles Streben wieder. Langsam, aber unaufhaltsam trieb es Trane, den ewigen Sucher ins Lager der Free Jazzer. Sein Quartett mit Tyner (p), Jimmy Garrison (b) und Elvin Jones (d), gehört zu den klassischen Formationen des Jazz. In seinen späteren Gruppen musizierten seine Frau Alice Coltrane (p) und Pharoah Sanders (ts).

Combo ist die übliche Bezeichnung für eine mit drei bis acht Solisten besetzte Jazzgruppe (Small Band). Meist handelt es sich (im Gegensatz etwa zu All Stars), um working Bands mit einem homogenen Klangbild, z.B. Modern Jazz Quartet.

Comedian Harmonists Deutsche a capella-Gruppe der 30er-Jahre.

Commander Cody (& the Lost Planet Airmen) brachten ihre erste LP 1971 auf den Markt und waren bis Mitte der 70er mit ihrer Mischung aus Country-Fernfahrersongs, Rock'n'Roll, Blues und Boogie Woogie sehr beliebt, höchst humor- und schwungvoll (1974 „Live from Deep in the Heart of Texas“), aber zu teuer im Unterhalt, so daß der Commander (George Frayne, k, v) eine Zeit alleine tingelte, bis die Gruppe ab 1987 wieder gemeinsam Spaß hatte.

Commodores Farbige amerikanische Gruppe ab 1968, die heftigen Funk (mit Bläsersätzen) und Rock zu einer außerordentlich Party-tauglichen Mischung machte. Nach dem Weggang des Sängers Lionel Richie 1982 kriselte es ständig (1984 noch ein Hit: „Nightshift“).

Communards siehe Jimmy Sommerville.

Condon, Eddie (*1904, Goodland, † 1973 N.Y.), der als Gitarrist stets im Hintergrund blieb, ist als unermüdlicher Organisator und Sprachrohr seiner Generation für den Oldtime-Jazz wie kaum ein zweiter eingetreten. Für seine vom Chicago Jazz kommende Spielart hat sich sogar der Begriff Condon Dixieland eingeprägt (Autobiographie: „We Called it Music“).

Coney Hatch Kanadischer gitarrenbetonter Mainstream-Hardrock der 80er mit hohem Gesang.

Congregation, The Mit Orchester, Chor und dramatisch aufgeblähter Endlosschleifenmelodie wurde „Softly Whispering I Love You “ 1971 zum Welterfolg für das britische Vokalprojekt. Zwei Jahre später war Schluß.

Connells sind schon etliche Jahre und LPs mit melodiösem Folk-Rock (etwas in Richtung R.E.M.) unterwegs und hatten doch erst 1995 mit der Singsang-Nummer „74/75“ einen nennenswerten Hit.

Connor, Chris, die bei Kenton bekannt wurde, war eine echte Jazzsängerin, die ihren Weg ohne kommerzielle Kompromisse ging. Sie gilt als Cool Jazz Sängerin par excellence, doch cool ist ein irreführendes Etikett. Auf keinen Fall darf man bei ihr cool mit kühl verwechseln. Ihre Stimme war breathy und warm, ihre intensiven Interpretationen waren oft bewegend und zeichneten sich durch große Spannungsbögen aus, die sie gelassen und mit unnachahmlichem Time-Feeling gestaltete.

Connor, Sarah Kaum eine deutsche Sängerin war im ersten 2000er-Jahrzehnt derart dauerpräsent in den Charts wie die selbstbewußte Hamburgerin, die mit bisweilen ziemlich profillosem Waschmittelpop, aber einer ordentlichen Soulstimme Nr. 1-Hits wie „From Sarah With Love“ 2001 oder „Living to Love You“ 2004 produzierte. Mit TV-Hochzeit und Jury-Auftritten profilierte sie sich als deutsche (allerdings auch sprödere) Variante von Mariah Carey.

Conte, Paolo Italienischer Pianist und Songschreiber, der ab den 80ern über seinen Hit „Azzurro“ (für Adriano Celentano) hinaus mit eigenwillig knorriger Stimme und gekonnt augenzwinkernd angejazzt vor allem live überzeugt.

Cooder, Ry (*1947, L.A.) Brillanter amerikanischer Gitarrist (Slide, offene Stimmungen) und Sänger (mit erdiger Stimme), der ab den 70ern Sinn für bluesgefärbten Rock, gute Arrangements und Mitmusiker beweist (schon in den 60er half er bei den Rolling Stones oder Litte Feat). Der auch für über 20 Filmmusiken verantwortliche Cooder (Wim Wenders' „Paris, Texas“ 1984) wandte sich in den den 90er zuerst afrikanischer Weltmusik zu, bevor er Ende der 90er der Kubanischen Variante entscheidend Vorschub leistete („Buena Vista Social Club“ 1999 wieder ein Film von Wim Wenders). Nicht nur für diese Ethno-Produktionen wurde er mehrfach ausgezeichnet.

Cooke, Sam 1935 in Chicago geboren, hatte der farbige Sänger in den späten 50ern bis zu seinem Tod 1964 mit warmer, dunkel gefärbter Soul-Stimme eine Reihe von großen Hits („Everybody Like to Cha Cha“, „Twisting the Night Away“). In den 80ern wurde durch eine Jeans-Werbung „Wonderful World“ ein Renner.

cool ist im amerikanischen (Jazz-)Slang vielseitig verwendbar. Cool sein bedeutet einerseits, seine Emotionen unter Kontrolle zu halten, hip und dennoch ruhig zu sein. Cool steht für geschmackvoll, für ein höheres intellektuelles Niveau, kann aber auch bloß soviel wie bei uns super oder echt spitze heißen. Im Bebop wurde die von Lester Young musikalisch definierte Bezeichnung sogar auf den Bop angewendet, bevor sich eine Trennung zum Cool-Jazz herauskristallisierte.

Cool J, LL Amerikanischer Rapper, der ohne Zweifel zu den Pionieren des schwarzen Hip-Hops in den USA zu zählen ist. Die Abgeklärtheit seines harten New Yorker Straßenköterraps aus der Frühphase bis in die 90er hinein („Go Cut Creator Go“ 1987, „Mama Said Knock You Out“ 1991, „How Im Comin“ 1993), die Virtuosität seiner Lyrics in den R&B-gefärbteren Werken („Hey Lover“ 1995, „Ain't Nobody“ 1996) bis zu den hymnisch-kultigen Chartstürmern inklusive gefühlsseliger („I Need Love“ 1987) oder rüde schlüpfriger („Doin It“ 1996) Inhalte offenbarten ein verblüffend breites Genre-Spektrum der Hip-Hop-Legende. Wenngleich heute mit der Rapszene nur noch lose verbunden, überzeugt James Todd Smith weiterhin als Schauspieler („Navy C.I.S.“), Moderator und Produzent.

Cool Jazz In den Jahren nach dem 2. Weltkrieg konkurrierten mindesten vier ausgesprochen hotte Stile (Swing, Bebop, Revival, Rhythm & Blues) um die Gunst des Publikums. Gegentendenzen konnten da nicht ausbleiben: Einzelpersönlichkeiten wie Beiderbecke oder Lester Young hatten schon früher gezeigt, wie man auf Sparflamme kocht. Um 1950 sollte aber eine ganze Schar (Miles Davis, Getz, Mulligan) wieder in sich gehen, zurückhaltender, raffinierter, introvertierter, eben cooler werden. Der Cool Jazz New Yorker Prägung (Tristano, Konitz) erscheint als experimentierfreudige, intellektuelle Richtung. Bald nach dem N.Y.er Cool Jazz rekrutierte sich aus der Bebopszene der Westküste und Vertretern des (selbst nicht coolen) Progressive Jazz der Westcoast-Jazz (Rogers), der meist eine unkompliziertere, frische, swingende, ja oft gut tanzbare Mischung aus Swing, Bop, Cool und Progressive bot. Der in der 1. Hälfte der 50er dominierende Cool Jazz nahm die Errungenschaften des Bebop auf und trieb sie weiter voran, verwirklichte aber in einigen Punkten andere ästhetische Vorstellungen: Die Hot-Intonation wird, und das ist der auffälligste Unterschied zwischen Cool und Bop, zugunsten eines verhalteneren Sounds aufgegeben; die Lautstärke nimmt ab und auf starkes Vibrato wird verzichtet. Die neue Rhythmik des Bebop hingegen wird bisweilen vereinfacht, zumeist bleibt sie jedoch, wenn auch nicht so ohrenscheinlich, im Hintergrund wirksam. Wie schon beim Progressive Jazz kommt es zu einer verstärkten Hinwendung zur europäischen Kunstmusik und zu einer Aufwertung von Komposition und Arrangement. Klassische Formen wie Fugen, Concerti oder Suiten tauchten vermehrt auf; Instrumente, die in Jazzbesetzungen früher nichts zu suchen hatten wie Horn (Graas) oder Oboe (Cooper), konnten etwas Fuß fassen.

Coolidge, Rita Amerikanische Sängerin melodiös und Gospel-geschult, mittlere Stimmlage, erste LP 1971, Country-beeinflußter Rock und Pop-Balladen; größter Hit: „All Time High“ 1983.

Coolio Dem US-amerikanische Rapper gelang 1995 dank des Dangerous Minds-Titelsongs „Gangsta´s Paradise“ die erfolgreiche Synthese von Hip-Hop und Pop, scheiterte aber letztlich an der allzu offensichtlichen Anbiederung an den europäischen Musikmarkt, der ihn nach 1997 („C U When U Get There“) weitestgehend ignorierte. Auch ein Comeback 2004 im Rahmen einer PRO 7-Show ging mit einem enttäuschenden 3. Platz daneben.

Cooper, Alice (*1948, Detroit) Hardrock-Sänger aus Detroit, der in den 70ern mit einer exzessiven Horror-Bühnenshow auf sich aufmerksam machte („Elected“). Harter Drogen- und Alkohol-Mißbrauch zwangen ihn Ende der 70er zu einer Pause. 1986 Comeback („Poison“ 1989).

Cooper, Bob (*1925, Pittsburgh, † 1992, L.A.), der mit June Christy (v) verheiratete Westcoast-Profi (ts, arr, comp, fl), etablierte die Oboe im Jazz.

Copeland, Johnny (*1937, Haynesville, † 1997, N.Y.) Ab den 70ern Texas-Blues im Stil von T-Bone Walker mit einem Schuß Soul. Der Sänger (und Gitarrist) war auch spät noch für seinen traditionellen Blues beliebt (1981 „Copeland Special“ oder 1985 „Showdown“ mit Albert Collins und Robert Cray).

Copperhead Quicksilver Messenger Service-Gitarrist John Cippolina 1973 mit eigener Band.

Corea, Chick (*12.6.1941, Chelsea, Massachusetts, † 9.2.2021, Tampa), populärer Pianist und Keyboarder, begann im Latin-Jazz, hatte seinen Durchbruch bei Stan Getz. 1969 war er bei Miles Davis Wegbereiter der Jazzrock-Ära, die er mit seiner Gruppe Return to Forever bereicherte. Später fuhr er zweigleisig mit einer akustischen und einer elektrischen Band. Der auch als (klassischer) Komponist Tätige, geriet wegen seiner Mitgliedschaft bei Scientology ins Kreuzfeuer.

Cornell, Chris: Sänger von Soundgarden und Audioslave mit hoher, gepreßter Stimme - 2006 solo erfolgreich mit dem Titelsong des James Bond Films Casino Royale („You Know My Name“); 2017 Selbstmord.

Cornershop Britpop ab 1991. 1997 großer Hit mit „Brimful of Asha“.

Corona Italienische und weitestgehend anonym agierende Danceformation, die mit „The Rhythm Of The Night“ 1994 einen One-Hit-Wonder sowie das Basisgerüst für zahlreiche Cover-Varianten (Hermes House Band, Cascada, Bastille etc.) lieferte.

Coroner Schweizer Thrash-Metal mit ausgefeilten Songstrukturen und spieltechnischer Brillanz Mitte der 80er bis Mitte der 90er.

Corren, Carmela Israelische Schlagersängerin, die 1962 „Eine Rose aus Santa Monica“ besang. In den 50er Jahren tourte sie mit Cliff Richard durch Südafrika und Großbritannien, nach ihrem einzigen nennenswerten Erfolg nahm sie mehrsprachige Platten auf und zeigte sich vorwiegend im Rahmen von Revival-Auftritten bei Silbereisen- und Carmen-Nebel-Shows.

Corrosion of Comformity Ab 1982 Sludge Metal aus North Carolina.

Coryell, Larry (*1943, Galveston, † 2017, N.Y.) Der texanische Gitarrist verband seit den 60ern Jazz mit Rock, oft in scheinbar einfachem Kleid (anfangs unter den Bandnamen Free Spirit, später Eleventh House).

Coscia, Gianni (*23.01.1931, Alessandria), führender Jazz-Akkordeonist Italiens, liefert mit dem Klarinettisten Gianluigi Trovesi in einem von überschäumenden Spielwitz sprühendem Duo, dessen Repertoire vom Swing und Bop über Kinderliedchen, Walzer und Tango bis zur intellektuellen Avantgarde reicht, den überzeugenden Beweis, daß die so oft berufenen Roots im Jazz nicht nur im Mississippi-Delta zu suchen sind, sondern überall, wo der Geist der Improvisation weht.

Cosmic Psychos Australisches Trio, das ab Ende der 80er mit Brachialrock (ähnlich Motörhead) und ausgedehnten Wah-Wah-Gitarrensoli in Undergroundkreisen auf sich aufmerksam machte.

Costello, Elvis (*1954, London) Der britische Sänger und Komponist wurde Ende der 70er im Rahmen der New Wave bekannt. Er schwankt zwischen eingängigem Pop und anspruchsvollen Kompositionen. Inzwischen etwas glücklos, versucht er sich in den 90ern auch an Country und Kammermusikalischem.

Cotton, James Brillanter Mundharmonika-Spieler aus Chicago und ehemaliges Mitglied der Muddy Waters Band. Moderner City Blues jazzig angehaucht, rhythmisch perkussiv. Mit „100% Cotton“ gelang 1974 der Durchbruch.

Coughlan, Mary (*1956) Irische Sängerin, die ab 1987 mit brüchiger Attitüde eindringlich traurigen Alltag besingt. Im Material nicht immer auf der Höhe, von Insidern offensichtlich geschätzt.

Counce, Curtis (*23.1.1926, Kansas City, † 31.7.1963, L.A.) war ein frühverstorbener Bassist, dessen hervorragendes Quintett ein Paradebeispiel für den Westküsten-Bop der 50er Jahre darstellt, der meist neben coolen West Coast Jazz übersehen wurde und wird; mit Land, Perkins.

Counting Crows Ein wenig Folk, ein wenig Rock und oft klischeehafte Schmerz-Texte aus Amerika seit den 90ern („Mr. Jones“).

Country (& Western) Vom Lagerfeuer-Lied bis zur hochvirtuosen Studioaufnahme ist die Alltagsmusik der weißen amerikanischen Arbeiter und ihrer Probleme im Gegensatz zum schwarzen Blues gemeint. Musikalisch und textlich eher konservativ, meist geprägt von nasalem Gesang, Stahlsaiten-Gitarren und Cowboy-Pferdegalopp-Rhythmus; eine Unterabteilung des amerikanischen Folk (Hank Williams, Johnny Cash, um nur wenige der extrem gewachsenen Szene (Garth Brooks) zu nennen).

Country Blues Der Blues vom Land: nicht so hart und aggressiv wie der City-Blues (Großstadt-Blues). Typische ältere Vertreter sind Charley Patton, Blind Lemon Jefferson und Mississippi John Hurt.

Country Joe & the Fish Die amerikanische Folk/Country-Gruppe (erste LP 1967) wurde vor allem durch ihren Anti-Vietnam-Auftritt in Woodstock bekannt („I-Feel-Like-I'm-Fixing-to-Die“). Seit 1971 macht Country Joe McDonald solo weiter.

Cousins, Dave (v, g, k ...) Kopf der Folk-Rock-Band Strawbs.

Cover (Plattenhülle) siehe Marketing.

Cover Version meint die Neu-Interpretation eines Musikstücks durch andere Musiker als den oder die Original-Interpreten. Oft wird so versucht einen Hit-Erfolg zu wiederholen, oft macht die Cover-Version ein Lied überhaupt erst bekannt; siehe auch Remix.

Covington, Julie Britische Sängerin und Schauspielerin, deren Kontakt zu Andrew Lloyd Webber und Tim Rice ausschlaggebend für den Welterfolg des Songs „Dont Cry For Me Argentina“ (gecovert von Madonna) aus dem Musical Evita wurde. Später musikalisch eher unauffällig, verlagerte sie ihren weiteren Werdegang auf britische Theaterbühnen und Filmsets.

Cowboy Junkies Anfangs sanftes, gitarrenbetontes Quartett, hauptsächlich aus den Geschwistern Timmins, mit getragenem weiblichem Gesang ab Mitte der 80er („The Trinity Session“ 1988). Trotz stetiger, melodiesicherer Klasse wohl zu wenig aufregend um, außer in ihrer Heimat Kanada, für ihre Coolness weithin gefeiert zu werden. „All That Reckoning“ von 2018 zeigt mit nach wie vor ausgezeichneten Kompositionen und nuancenreichem, immer kräftigerem Gesang und teils richtig schranzigen Gitarren zumindest energetisch nach oben.

Coxsone, Sir Einer der wichtigsten Produzenten der frühen jamaikanischen Reggae- und Ska-Szene. Nahm in den 70ern alles was Rang und Namen hatte aus und unter seine Fittiche, auch den jungen Bob Marley.

Coyne, Kevin (*1944, Derby, † 2004, Nürnberg) Mit depressiven, bluesbetonten Songs zwischen sanft-leise und aggressiv-laut galt der englische Sänger, Komponist und Gitarrist immer als Insider-Tip - und das, obwohl er über 45 Jahre Musik machte.

Cradle of Filth Englischer Black Metal ab 1991. Späteres Werk mit verstärkt Gothic- und Symphonic-Einflüssen.

Cramps Die New Yorker Rock'n'Roll/ Rockabilly-Band (1975 gegründet) war vor allem in der Underground-Szene der späten 70er/80er erfolgreich. Vereinzelt wurden auch extrem verzerrte Gitarren eingesetzt („Human Fly“).

Cranberries Melodiös-eingängiger Gitarren-Pop aus Irland mit kräftiger weiblicher Stimme (erinnert mit Umschlagen in die Kopfstimme an Sinead O'Connor) und unüblich heftigem Hit „Zombie“ 1995.

Crash Test Dummies Kanadische Band seit 1989 mit melodiös-eingängigem Folk-Pop-Rock und auffallend tiefer Knödelstimme (1994 „Mmm Mmm Mmm Mmm“); weiterhin manchmal gitarrenlastig, manchmal sehr elektronisch, von simpel bis aufwendig schwankend.

Crawford, Randy Seit Ende der 70er ist die schwarze Amerikanerin mit sauberer Stimme für jeweils zeitgemäß produzierten Soulpop gut.

Cray, Robert Der zeitgenössische Gitarrist und Sänger mit einer von Buddy Guy und Jimi Hendrix abgeleiteten Technik bewegt sich zwischen Blues, Funk und Soul.

Crazy Frog Weißer Motorradhelm, Lederjacke, Windschutzbrille: Die animierte 3D-Werbefigur des schwedischen Filmschaffenden Erik Wernquist, zugleich das ordinäre wie gruselige Aushängeschild der früheren deutschen Klingelton-Manufaktur Jamba!, offenbarte den Ausverkauf des frühen Handyzeitalters in ihrer trashigsten Form. Die Peinigung einst ehrbarer Popklassiker wie „Axel F“, „Popcorn“ (beide 2005) und „We Are The Champions“ (2006) durch jenen vielfach kontrovers diskutierten Frosch sind so konsequent wie zutiefst verachtenswert, leider dennoch erfolgreich.

Crazy Horse Zeitweilig Begleitband von Neil Young.

Creach, Papa John Der 1917 geborene († 1994), farbige amerikanische Geiger fand (nach Anfängen als Tanz- und Jazz-Musiker) in den 70ern bei den experimentellen Jefferson Airplane ein Betätigungsfeld, veröffentlichte ab 1971 Soloplatten zwischen Blues-Rock und Jazz und spielte gelegentlich bei Hot Tuna.

Cream Die Briten Ginger Baker (d, v), Jack Bruce (b und weiche, hohe Stimme, „White Room“) und Eric Clapton (g, v) schrieben 1966-68 Rockgeschichte. Ihr abwechslungsreicher Rock, der die erhebliche individuelle Virtuosität der Musiker in den Vordergrund stellte und den Begriff Supergroup aufkommen ließ, endlose Bluesbetonte Improvisationen (wie bei Hendrix) und enormer Erfolg führten zu Auftritten in großen Arenen (das war der Anfang vom Ende der kleinen Clubs, die sich die sprunghaft steigenden Gagen nicht mehr leisten konnten und Discotheken weichen mußten). Eine gewisse Eintönigkeit auch bei kunstvoller Spielweise ließ sich jedoch nicht leugnen und führte konsequenterweise zur Auflösung der Cream. Der Durchbruch des Rock zur ernstzunehmenden Kunst war allerdings, zumindest bei Jugendlichen, endgültig vollzogen (Art Rock); Single-Verkaufszahlen sanken drastisch und die Langspielplatte als adäquates Medium war bis zur Gegenströmung des Punk neuer Standard („Wheels of Fire“ 1968).

Creation 1963 entstandenes Beat-Quartett mit kommerziell eingängigen Schmachtfetzen („Tom Tom“ 1967).

Creed Seit Ende der 90er sehr erfolgreicher amerikanischer Post-Grunge: eingängig, melodisch, melancholisch - irgendwo zwischen Nirvana (Musik) und Pearl Jam (Gesang).

Creedence Clearwater Revival aus Kalifornien. Ende der 60er bis in die 70er lieferten John Fogerty, sein Bruder Tom († 1990), Doug Clifford und Stuard Cook bestes Material im Überfluß. Erdiger, einwandfrei-eingängiger Rock, gute, knappe Melodien und vor allem die charakteristisch nasale und kraftvolle Stimme John Fogertys ließen einen Klassiker nach dem anderen entstehen: „Proud Mary“, „Bad Moon Rising“, „Hey Tonite“, „Suzie Q.“, unverwechselbar. Der Sänger startete 1972 eine halbherzige Solokarriere. 1996, ist John unter diesmal höchstem Kritikerlob erneut solo unterwegs.

Cretu, Michael Erfolgreicher rumänisch-deutscher Musiker und Produzent; Andru Donalds, Enigma, Sandra etc.

Crispell, Marilyn (*30.3.1947, Philadelphia) ist eine beachtliche Pianistin der zeitgenössischen Jazzavantgarde.

Criss, Sonny (*23.10.1927, Memphis, † 19.11.1977, L.A.) (s), der nie die ihm gebührende Anerkennung als einer der glänzendsten, ausdrucksstärksten Bebop-Altisten erhielt, war eine tragische Persönlichkeit. Nach lebenslangem Kampf gegen sein Alkoholproblem - er betreute selbst als Sozialarbeiter Alkoholiker - ging er nach einem Rückfall freiwillig in den Tod. Mit Größen wie Hawes und Gordon vertrat zugleich der bluesige und elegante Parker-Schüler die schwarze Seite der Westküste am besten.

Cro Mags Eine der wichtigsten Vertreter der amerikanischen Hardcore-Punk-Szene der 80er, da sie als eine der ersten schnelle Spielweise und sozialkritische Texte verbanden.

Croce, Jim Der amerikanische Sänger und rhythmische Gitarrist interpretierte seine ungefähr 500 traurig-ehrlichen Lieder aus dem amerikanischen Alltag, bis er 1973 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam und sich seine Platten schlagartig millionenfach verkauften („Time in a Bottle“ 1971, „I Got a Name“ 1973).

Crooner (Amerikanischer) Schnulzensänger wie Bing Crosby, der späte Frank Sinatra und Konsorten.

Cropper, Steve (*1941, Dora, Missouri) Großartiger amerikanischer Studio-Gitarrist, der Booker T & the MGs, der schon seit den 60ern etliche Kollegen (von Otis Redding bis Rod Stewart) mit gekonnter Arbeit unterstützt; ab 1971 auch seltene Solo-Alben des dem Blues zugeneigten Musikers.

Crosby, Bing (*3.5.1903, Tacoma, † 14.10.1977, Madrid) war einer der erfolgreichsten Sänger aller Zeiten. Allein seine Version von „White Christmas“ verkaufte sich über 50 Millionen Mal. Als vom Jazz kommender Künstler trug der auch als Filmschauspieler erfolgreiche Bühnenkünstler dazu bei, daß Jazzelemente im damaligen Pop Eingang fanden.

Crosby, Stills, Nash (& Young) David Crosby, von den Byrds kommend, Stephen Stills von Buffallo Springfield und Graham Nash von den Hollies gründeten 1968 ein akustisches Folk-Trio, musikalisch sanft rockend und textlich auffallend engagiert. Zu den fein ausgedachten Gesangs- und Gitarren-Harmonien gesellte sich 1970-75 die Stimme und Gitarre Neil Youngs. Trotz recht glatter Studio-Produktionen war der Anfangserfolg enorm. Dennoch pausierte die Band regelmäßig, um für Solo-Projekte (auf denen die Musiker sich oft gegenseitig aushalfen) Raum zu schaffen, und fand sich sporadisch bis in die späten 80er immer wieder als Duo oder Trio zusammen. Einzig Neil Young war erst ab 1999 ab und zu wieder dabei.

Cross, Christopher Der in Texas geborene Sänger mit hoher melodiöser Stimme und Komponist von Weichspül-Rock veröffentlichte 1980 seine erste LP (mit seinem bekanntesten Song „Ride Like the Wind“).

Crossover (Überkreuzung) Obwohl sich Rockmusik eigentlich immer aus verschiedenen Stilen zusammensetzt, wird der Begriff Crossover so lange für eine Stilmischung verwendet, bis sich ein neues Schlagwort gefunden hat. Jazz- und Rock-Crossover ergaben in den 70ern Fusion. Dann klebt das Etikett z.B. auf Hardcore/ Punk/ Heavy-Metal/ Rap-Mischungen wie Rage against the Machine, Biohazard. Der Begriff wird aber auch für Produktionen zwischen Klassik und Jazz bzw. Weltmusik verwendet.

Crow, Sheryl (*11.2.1962, Kennett, Missouri) 1993 mit dem Album „Tuesday Night Music Club“ gestartet, das sich allein über 14 Millionen Mal verkaufte und ihren größten Hit „All I Wanna Do“ enthält, ist die Rocksängerin (auch g (Slide), b, p), die Country, elektronisch und funky kann, mit ihren Songs weiterhin erfolgreich. Dabei kooperiert sie gerne mit Kollegen wie Prince oder den Rolling Stones.

Crowbar äußerst düsterer, aggressiver und kraftvoller (Doom-)Metal aus Amerika (90er).

Crowded House In Amerika beheimatetes neuseeländisch/australisches Trio mit locker-sonnigem Minimal-Pop um Neil Finn, zeitweilig mit seinem Bruder Tim Finn als Gastsänger (beide Ex-Split Enz); erster Hit 1987 „Don't Dream it's Over“. Zugunsten eines Folk-Projekts der Finn-Brüder Mitte der 90er stillgelegt.

Crusaders Anfang der 50er als Modern Jazz Sextett gegründet, in den 60ern erst einmal in Jazz Crusaders umbenannt, war die amerikanische Gruppe stets um eine Verbindung von Jazz, Funk und Soul bemüht; kommerziell nicht ausnahmslos erfolgreich aber immerhin langlebig.

Cruz, Celia aus Kuba; arbeitete sich seit den 50ern zur Königin des Salsa empor.

Cruz, Taio Der britische Musiker landet seit 2009 („Break Your Heart“) mit hausbackener wie abwechslungsarmer Dancepop-Kleie inklusive nichtssagenden Lyrics einen Charthit nach dem nächsten.

Cult, The Anfang der 80er aus der Dark Wave-Combo Southern Death Cult hervorgegangene Band aus England. Mit zweiter LP „Love“ noch Mischung aus New Wave, Rock und Pop-Balladen mit leicht nasal-bluesigem Gesang („Here Comes the Rain“, „She Sells Sanctuary“). Später in geradliniger Hardrock-Gangart und Mitte der 90er nach erfolgloser Anbiederung an die Alternative-Bewegung aufgelöst. 2001 etwas härter (unter großem Kritikerzuspruch) wieder da.

Culture Beat Deutsches Dancefloor-Projekt der 90er mit Sängerin und Rapper („Mr. Vain“).

Culture Club Um Boy George in London gegründet. Seine weiche eingängige Stimme (neben schrill-schrägen Outfits), einfache Songs zwischen Pop und Reggae machten die englische Band in den 80ern sehr erfolgreich (1981 „Do You Really Want to Hurt Me?“). Drogenprobleme und ein kreatives Tief führten 1986 zur Auflösung.

Culture Seit den 70ern populäres Vokal-Trio in Sachen Roots-Reggae.

Cure 1978 in Sussex gegründete Band um den Sänger Robert Smith, dessen depressiv-weinerliche Stimme die Musik stets prägte. Anfangs noch dem Dark Wave verpflichtet, ging es mit der 83er-LP „Japanese Whispers“ deutlich in Richtung Pop. Zahlreiche Hits, z.B. „Love Cats“ oder „Lullaby“.

Curry, Tim Schauspieler und Sänger mit rauher, kräftiger Stimme (Rocky Horror Picture Show).

Curved Air Francis Monkman (g, k) und Sonja Kristina (v) waren 1970-77 die einzig festen Mitglieder der englischen Band, die Klassik- (Geige von Darryl Way, später Eddie Jobson) und Folk-beeinflußt an Westcoast-Sound denken ließ und später (ohne Geige) mehr nach herkömmlichem Rock klang.

Cussick, Ian Ex-Lake-Sänger mit hoher Stimme und Discotheken-Hits im Mainstream Rock der 80er/90er („Wonderlove“).

Cut'n'Move Dänische Dance/ Hip-Hop-Gruppe, die 1993 mit dem Cover „Give It Up“ der K. C. & the Sunshine Band vorübergehend im Eurodance-Jahrmarkt mitmischte, jedoch mit dem Ende jenes Trends 1996 das Tonstudio wieder schließen musste.

Cypress Hill Amerikanischer Hip-Hop-Act ab Anfang der 90er. Besondere Erkennungsmerkmale: nasaler Sprechgesang (Rap) und sehr spärliche Arrangements.

Cyrus, Billy Ray „Achy Breaky Heart“ hieß der ziemlich stampfend daherkommende, 1992 überraschende Country-Debuterfolg, den der US-Sänger und Gitarrist auch alkoholbedingt nicht annähernd wiederholen konnte. Bis heute schauspielert er lieber und managt seine Tochter Miley Cyrus, ehemals Hannah Montana.

Cyrus, Miley 2006 bis 2011 Kinderstar der Fernsehserie „Hannah Montana“ als vom Papa (gar nicht so weit hergeholt) behütetes Cowgirl, das gleichzeitig einen Teenie-Traum als Inkognito-Sänger-Superstar lebt. Gesanglich nicht überragend anfangs eine billige Blaupause des Whitney-Houston-/Mariah-Carey-Mainstreams. Spätestens mit dem Video zu „Wrecking Ball“ aus der LP „Bangerz“ 2013 gibt sie sich nackt, rebellisch und erwachsen-werden-wollend. Inzwischen hat sie sich, auch dank solider Produzententeams und größerem Genrereichtum, auf die höheren Plätze der Popliga gekämpft.

Czukay, Holger (*1938 als Holger Schüring in Danzig, † 2017, Weilerswist) Bassist u.a. bei Can und als Studiomusiker unter Pseudonymen für Größen wie u.a. die Eurythmics tätig.

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D12 Die Detroiter Rap-Kombo verlor zwei ihrer Gründungsmitglieder nach tödlichen Schüssen, genoß später dafür dank des prominenten Crew-Angehörigen Slim Shady alias Eminem mit minimalistisch produzierten Hip-Hop-Tracks wie „Shit On You“ 2001 und „My Band“ 2004 vorübergehenden Weltruhm. Zwar nicht aufgelöst, jedoch seit 2012 fast ohne Besetzung.

D'Abo, Michael (*1944, Betchworth, Surrey) Romantische tiefsinnige Balladen und britischer Rock ab 1966 bis in die späten 80er vom erfolgreichsten Manfred Mann-Sänger (1966 bis 1969).

D'Agostino, Gigi Der italienische DJ mit der Berufserfahrung als Installateur und Maurer produzierte kühl hämmernde Clubhits der synthetischsten Sorte: „Bla Bla Bla“ 2000 und der Nik Kershaw-Hit „The Riddle“ 2001 fallen unter die Kategorie Italo-Disco reloaded.

D'Arby, Terence Trent (heute Sananda Maitreya) überraschte 1987 mit einfallsreicher, durchschlagend produzierter LP und wandlungsfähiger Soul-Stimme; danach experimentell (zweite LP), wieder gemäßigt (3. LP) und 1995 mit 4. LP ohne adäquates Material. Heute in Deutschland und Italien beheimatet und ziemlich unterm Radar.

Daft Punk Bis heute zumindest optisch noch nicht identifiziertes französisches Produzentenduo aus dem Elektro-Bereich, das mit anspruchsvollen Soundtüfteleien der House-Musik neue Facetten abzugewinnen weiß. Hits wie „Around The World“ 1997 und „One More Time“ 2000 lassen Reminiszenzen an Kraftwerk nicht verleugnen, während „Get Lucky“ 2013 eher mit klassischen Disco-Stereotypen spielt.

Dalbello (*1958, Toronto) Sängerin mit eingängigen Songs und kraftvoller, aggressiver Stimme; hatte mit leichtem New Wave-Touch einige Rock-Hits in den späten 80ern („Black on Black“, „I'm Gonna Get Close to You“); 1996 letztes kurzes Comeback mit schrägem Gitarrenrock („Whore“).

Dale, Dick (*1937, Bostons, † 2019, Loma Linda) Kalifornischer Gitarrist, begründet Anfang der 60er den Surfrock (flinkes Stakkatospiel und deutlicher Hall auf der Gitarre wurde für reine Instrumentalmusik der 60er später allgemeingültig). Nach lokalem Erfolg mit weitreichendem Einfluß (Beach Boys, Hendrix) wurde es nach Krankheit Mitte der 60er still um Dale, bis er  mit „Miserlou“ als Titelmusik des Kultfilms „Pulp Fiction“ ein neues Publikum fand.

Daltrey, Roger (*1944, Hammersmith) Sänger der Who; solo poporientiert.

Dameron, Tadd (*21.2.1917, Cleveland, † 9.3.1965, N.Y.) arbeitete für Swing-Größen wie Basie und Lunceford und schuf als Multitalent (arr, comp, ld, p) im Bebop u.a. für Gillespie und eigene Formationen (mit Navarro) seine Meisterwerke: „Our Delight“, „Lady Byrd“, „Hot House“, „Fontainebleau“...

Damn Yankees Ted Nugent und der Ex-Styx-Gitarrist Tommy Shaw versuchten sich Anfang der 90er handwerklich solide in melodiösem Hardrock und hatten mit zeitgemäßem Sound auch kurz Hit-Erfolge („Coming of Age“).

Damned Mitbegründer der englischen Punk-Szene 1975/76 mit spärlichen Arrangements, schlampigem Zusammenspiel und einprägsamen Melodien. Nicht so aggresiv und sozialkritisch wie die Sex Pistols. Bassist Captain Sensible hatte 1982/'83 mit der Rap-Nummer „Wot“ einen Hit.

Dana Startnummer 12 beim Eurovision Song Contest 1970 in den Niederlanden. Die 19-jährige Irin gewann dank der zuckersüßen Darbietung ihrer Singsang-Ballade „All Kinds of Everything“ den Wettbewerb und konzentrierte sich danach vor allem auf den deutschen Schlagermarkt. Inzwischen vornehmlich politisch tätig.

Dance / Dancefloor Stark rhythmusbetonte Popmusik, bei der der (oft ohnehin verschwindend geringe) musikalische Inhalt gegenüber Tanzbarkeit zurücktritt. Das soll allerdings nicht heißen, daß nicht vereinzelt ausgefuchste Sound-Tüftler gehaltvolles oder zumindest überraschendes Material herausbringen, wobei mindestens ein Ziel erreicht werden muß: Den Tänzer zum Tanzen zu zwingen. Der Begriff fand und findet Verwendung vor allem in der DJ-Szene für Disco, Hip-Hop und House bis zu entschärftem Techno. Letzteres ist der Discotheken-Sound ab den 90ern hauptsächlich in Europa, wo zwar billig verwurstet wird, was nicht niet- und nagelfest ist (Dudelsack bei Perplexer, Country bei Rednex oder gar arges Gequieke bei Die Schlümpfe), sich aber auch findige Produzenten mit bewußt eingängig vereinfachten Techno-Beats, minimalen, teils dennoch raffinierten Synthie- oder Sample-Themen und Soul- oder Rap--Einlagen hervortun. Eine bis heute lebendige Spielwiese eher für Tänzer als für Hörer.

Dancehall Eine Entwicklung des Reggae Ende der 70er Jahre. Ursprünglich im typischen Ambiente der jamaikanischen Dance-Hall (Discothek) zu einer Dub-Plate (Toasting) dargebotener Vortrag des betreffenden Sängers (z.B. Michael Prophet, Leroy Sibbles). Die Stilrichtung mündete Ende der 80er Jahre in den Ragga-Muffin.

Dangerous Toys Anfang der 90er schwamm die Band um den Ex-Watchtower-Sänger Jason McMasters bezüglich Stil und Image im Fahrwasser von Guns'n'Roses.

Daniels, Charlie (Band) (*1936, Wilmington, † 2020, Nashville) Charlie Daniels begann schon in den 50ern seine Musikerkarriere. Er schrieb Songs u.a. für Elvis Presley oder Tammy Wynette, begleitete u.a. Bob Dylan und Leonhard Cohen. Ab 1970 veröffentlichte der Sänger, Gitarrist und Geiger Rock-angehauchte Country-Platten und hatte auch Hit-Erfolge (1979 „The Devil Went Down to Georgia“), bis es um ihn in den 90ern ruhiger wurde.

Daniels, Chris & the Kings (*1952, St. Paul, Minnesota) Im besten Sinne eigenartiger amerikanischer Southern Rock gewürzt mit Heavy-Metal-Gitarren und Bläsersätzen, ab den späten 80ern und bis heute vor allem live schmissig ohne Ende.

Danzer, Georg (*1946, Wien, † 2007, Asperhofen) Österreichischer Barde, der sich seit 1972 mit einigermaßen anspruchsvollen und kritischen Texten bis in sanften Rock steigern konnte und so zu den Urgesteinen des Austropops gehörte (1975 „Jö schau“).

Danzig Ende der 80er um den ehemaligen Sänger der amerikanischen Punk-Truppe The Misfits, Glen Danzig, entstandene Band. Ab Mitte der 90er mit einer Mischung aus düsterem Heavy-Metal, theatralisch-heftigem, an Jim Morrison (Doors) erinnernden Gesang und okkultem Image erfolgreich.

Darin, Bobby Der New Yorker hatte als Rock'n'Roll-Sänger ab 1958 Hits wie „Splish, Splash“ oder „Dream Lover“, er starb 1973.

Dark Angel Sehr schneller Thrash-Metal aus Amerika, Anfang der 80er noch Konkurrenz zu Slayer, aber durch Besetzungswechsel und haarsträubend schlecht produzierten Platten Anfang der 90er zerfallen.

Dark Fortress Deutsche, anfangs klassische Black-Metal-Band aus Landshut seit 1994 (ab 2001 mit V. Santura (g) von den späten Celtic Frost) inzwischen wohl erfolgreichste deutsche Vertreter des Genres. Später experimenteller mit u.a. deutlich mehr Groove.

Dark Funeral Sehr schneller Black Metal aus Schweden ab 1993.

Darkthrone Typische skandinavische Black-Metal-Band der 90er: Gekrächzter Gesang, okkultes Gesamtkonzept und bleich geschminkte Gesichter. Heute eine Mischung aus Punk, Heavy Metal und eben Black Metal.

Dark Wave, auch Gothic Wave oder Gothic, entstand Ende der 70er in England aus der Punk-Bewegung (daher der an New Wave angelehnte Name). Joy Division, Siouxie and the Banshees, The Cure und Bauhaus legten den Grundstein. Die Aggression des Punks verwandelte sich in Depression, textlich in Themen um Religion, Tod, Selbstmord, Okkultes, Magie etc. Im Verlaufe ihrer Karriere brachten die Sisters of Mercy mit düster-monotonen Songs, angelsächsischen und nahöstlichen Folklore-Anleihen in der Gitarren-Arbeit den Sound auf den Punkt und wurden zur erfolgreichsten Band des Genres. Weitere wichtige Vertreter sind: (die frühen) Jesus and the Mary Chain, Christian Death (Amerikas bedeutendster Beitrag), Fields of the Nephilim. Die Anhänger dieser Musik (Grufties) tragen vorwiegend Schwarz, diverse Kreuze und schminken sich bleich. In den letzten Jahren kam vor allem in Deutschland eine Elektronik-Variante auf (Das Ich). Eine weitere neue Spielart ist der Gothic-Death-Metal oder Gothic-Doom-Metal, der Dark Wave-Elemente mit Death- oder Doom-Metal verbindet (z.B. Paradise Lost).

Darude Finnischer DJ, der dank gewiefter Produzentenunterstützung und einer visuell eindrucksvollen Verfolgungsjagd durch Helsinki siehe Musikvideo mit dem hektisch-monotonen Trance-Techno-Hit „Sandstorm“ 2000 die Charts und viele Jahre später die Meme-Listen eroberte. Abwandlungen davon als Nachfolger sowie eine Bewerbung für den Eurovision Song Contest blieben nicht von Erfolg gekrönt.

DAS EFX Innovatives Hip-Hop-Projekt von der amerikanischen Ostküste mit vielbeachtetem Debüt Anfang der 90er („Dead Serious“), kurzem Durchhänger und lässigem Comeback 1996 („Hold it Down“).

Das Ich Deutscher Dark Wave, stark auf Synthesizern basierend; mit pseudo-philosophischen Texten. Anfang der 90er Szene-Hit „Gottes Tod“; live (und auf neuer LP zusammen mit Atrocity) mit Heavy-Metal-Einflüssen.

Dauner, Wolfgang (*30.12.1935, Stuttgart, † 10.1.2020 ebenda) begann bei Marika Rökk und wurde (u.a. mit Etcetera) zum führenden deutschen Keyboarder und gründete das United Jazz & Rock Ensemble.

Dave, Dee, Dozy, Beaky, Mick & Tich Englische Beatband mit fröhlichen Liedern und einigen internationalen Hits („Bend it“) 1961 bis 1972 mit Reunions in den 80ern und 90ern.

David, Shirin Deutsche Sängerin und Rapperin, die 2014 durch Auftritte in ihrem eigenen YouTube-Kanal zur blonden Webprinzessin erhoben wurde. Die quirlige Mischung aus Spartipps, WhatsApp Challenge, Lookbook und „Ich google meinen eigenen Namen“ wich bald offenkundigen Anbiederungen an den erweiterten Deutschrap-Kosmos, inklusive Features von Fler, Haftbefehl und Luciano. Songs wie „Gib ihm“, „On Off“ (beide 2019), „90-60-111“ und „Hoes Up Gs Down“ zeigen eindrucksvoll, wie die Opern- und Ballett-erfahrene Akademie-Absolventin (Gesang und Tanz) Kajalstift-artige Kessheit und Oberweiten-Jonglage für ihre Botschaften autonomer Weiblichkeit einsetzt und zugleich ihr durchaus vorhandenes künstlerisches Leistungsvermögen kaum abzurufen vermag.

Davis, Rev. Gary (*1896, Laurens, † 1972, Hammonton). Ein Urvater der akustischen Blues-Gitarre mit unglaublicher Gitarrentechnik und eindringlichem Gesang (religiöse Texte); Vorbild für unzählige Gitarristen.

Davis, Jesse Ed (*1944, Norman, † 1988, Venice) Indianischer Musiker, der Ende der 60er zwischen Rock und Blues u.a. mit Größen wie Bob Dylan zusammenspielte.

Davis, Eddie Lockjaw (*2.3.1921, N.Y., † 3.11.1986 Culver, City) (s) verband den (noch forcierten) voluminösen Ton der Hawkins-Schule mit einem unverwechselbar eigenen, barschen Stil. Er wirkte zeitweise bei Basie, arbeitete in den frühen 60er Jahren gerne im Tandem mit Griffin, mit dem er sich spannende tenor battles lieferte.

Davis, Miles (*25.5.1926, Alton, † 28.9.1991, Santa Monica) hat es wie kein Zweiter verstanden, den Lauf der Jazzgeschichte über Jahrzehnte hinweg entscheidend zu beeinflussen: Ab 1948 ebnete er dem Cool-Jazz den Weg („The Birth of the Cool“); ab 1954 verhalf er - trotz seines essentiell coolen Trompetensounds - dem Bop („Walkin'“) wieder zu mehr Gewicht; Ende der 50er trug er wegweisend zur Entwicklung des modalen Jazz („Kind of Blue“) bei; Ende der 60er gab er den entscheidenden Anstoß zum Jazz-Rock („Bitches Brew“); in seinen letzten Jahren war er vorbildlich für die Jazz/Pop-Verbindungen der 90er. Auch in den zwischen diesen bestimmenden Eckdaten liegenden Phasen war der Mann mit dem richtigen Riecher für Trends ein Orientierungspunkt für unzählige Musiker. Man hat oft versucht, seinen einsam-verhangenen Trompetenklang zu kopieren. Eine schöne Beschreibung stammt von einem kleinen Mädchen: „Er klingt wie ein kleiner Junge, den man ausgesperrt hat und der versucht wieder hineinzukommen.“ Zu diesem coolen, oft mit einem Dämpfer, später auch elektrisch verfremdeten Sound von Trompete bzw. Flügelhorn kam der prinzipiell melancholische Gestus seiner lyrischen Improvisationen, die sich stets auf das Essentielle beschränkten. Sein Spürsinn für ideale musikalische Partner war genial: Davis, der selbst dem weitsichtigen Bebopper Parker seinen Durchbruch verdankte, der den blutjungen Zahnarztsohn mit dem entgegengesetzten Stil 1945 in sein Quintett aufnahm, hat Ähnliches für eine ganze Schar geleistet. Die Musiker seiner „klassischen“ 55er Hardbop-Gruppe etwa (Coltrane, Garland, Chambers, P.J. Jones, später auch C. Adderley) verdanken Davis vielleicht nicht ihre Entdeckung, aber doch gewaltige Entwicklungsschübe. Ähnliches gilt für (beide) Bill Evans, Shorter, T. Williams, Hancock, McLaughlin, Jarrett u.v.a. Mit Gil Evans, dem geistigen Vater von Miles 48er „Capitol“-Nonett, entstanden einige der legendärsten großorchestralen Scheiben des Jazz („Sketches of Spain“, „Porgy and Bess“), an denen sich ein weiterer Impuls aufzeigen läßt, die damals noch neue Langspielplatte nicht als eine beliebige Ansammlung von Titeln, sondern als durchgestaltetes Werk zu konzipieren. Bei all diesen Gaben fällt es nicht sonderlich ins Gewicht, daß Davis eine sehr schwierige Persönlichkeit und alles andere als ein Virtuose war.

Davis, Spencer (Group) (*1939, Swansea, † 2020, L.A.) 1963 Soul- und Blues-beeinflußt in England gegründet und geprägt durch die helle Stimme Steve Winwoods („Keep on Running“); 1969 aufgelöst.

Davison, Wild Bill (*5.1.1906, Defiance, † 14.11.1989, Santa Barbara) „So singend wie Bix, so kraftvoll wie Louis“ hat Davison selbst einmal als seine trompeterische Devise bezeichnet. Trotz lebenslangen massiven Alkoholkonsums war er jahrzehntelang qualitativ konsistent ein besonders kreativer Kornettist des Condon Dixieland.

Dawkins, Jimmy (*1936, Tchula, † 2013, Chicago) gehörte zur ersten Garde der Chicago-Bluesszene. Als versierter Gitarrist und Sänger spielte er in vielen Bands und war gefragter Studiomusiker. Sein eigenes Album „Feel the Blues“ erregte Anfang der 80er einiges Aufsehen.

Dawn Ein US-amerikanisches Poptrio, das mit Tony Marshall-Frohsinn und bescheidener Kreativität ein paar Gassenhauer wie „Candida“ 1970 und „Knock Three Times“ 1971 in die Hitparaden brachte.

Day, Doris (*1922, Cincinatti, † 2019, Carmel Valley Village) feierte ihre ersten Erfolge als Swing-Sängerin bei Les Brown. Die als Sauberfrau verschriene Hollywood-Diva trat vor allem für diverse Familienkomödchen vor die Kamera, obwohl ihr schauspielerisches Talent stets unbestritten war („Der Mann, der zuviel wußte“). Das herzzerreißende „Que Sera Sera, Whatever Will Be Will Be“, von Day im Hitchcock-Klassiker performt und zahlreiche Alben, darunter auch jazzige wie „Duet“ mit André Previn, profilierte sie auch als Sängerin. 2011 mit 92(!) Jahren ein spektakuläres Comeback mit neuem Album.

Dayne, Taylor Die New Yorkerin fegte mit dynamisch-fröhlichem Dancepop wie „Tell it to My Heart“ 1987 und „Prove Your Love“ 1988 in den 80er Jahren die Tanzflächen ordentlich durch. 2011 mißlang ein Comeback-Versuch.

De Dannan Typische irische traditionell-moderne Folk-Musik ab 1975. Streitigkeiten und ständige Besetzungswechsel verhinderten zwar den großen Erfolg, halten die Band aber bis heute mehr als lebendig.

DeFranco, Buddy (*17.2.1923, Camden, † 24.12.2014, Panama City) war ein brillanter Techniker. Der wichtigste Bebop-Klarinettist hat als Krupa- und T. Dorsey-Mann sowie als Leader des Glenn Miller-Orchesters auch Swing-Bedeutung.

DeJohnette, Jack (*9.8.1942 Chicago), der auch Klavier spielt, beherrscht als Drummer feinste Klangschattierungen und komplizierteste Rhythmen mit Präzision („Special Edition“).

De La Soul Hip-Hop mehr psychedelisch als sozialkritisch; obwohl seit Ende der 80er mit nur vier Alben in Erscheinung getreten, stets lässige Ostküsten-Pioniere.

Dead Boys 1977-79 Punk-Band aus Cleveland um den Sänger Steve Bator (Lords of the New Church), die in N.Y. eine gewisse Berühmtheit erlangte.

Dead can Dance Aus Australien, ab Anfang der 80er bis Ende der 90er mit sphärischem Gothic (Ethereal Wave) unterwegs in Richtung einer meditativen Stilmischung (New Age) aus irischem Folk und archaischem Chorgesang unter teilweisem Einsatz mittelalterlicher Instrumente.

Dead Kennedys 1978 gegründete Punk-Band aus Kalifornien, mit oft sehr schnell gespielten, sozialkritischen Liedern Vorreiter des Hardcore-Punks („Nazi Punks - Fuck Off“). 1987 Auflösung; Sänger Jello Biafra ist seither mit verschiedenen Soloprojekten aufgetreten.

Death In den Anfängen des Death-Metal brachte es die Band aus Florida Mitte der 80er auf den Punkt: extreme Rhythmuswechsel (ultraschnell/ultralangsam), Grunzgesang, tief gestimmte Gitarren und brutale Texte (LP „Scream Bloody Gore“ 1987). Um das einzig feste Bandmitglied Evil Chuck Schuldiner (v, g, l; 2001 an Krebs gestorben) entwickelte sich die Band textlich in Richtung Sozialkritik und musikalisch (mit komplexeren Arrangements und Songstrukturen) in Richtung Progressive-Metal.

Death Angel Kalifornische Thrash-Metal-Band (ab Mitte der 80er) mit überdurchschnittlichem Songmaterial und melodiöser Stimme (Marc Osegueda). Ab 1988 Funk-orientiert ohne den Sänger unter dem Namen The Organisation; 2001 Reunion.

Death-Metal Einerseits noch schneller als Thrash-Metal (wie Grindcore), andererseits auch sehr langsam (wie Doom-Metal); Grunzgesang mit extremen Texten (z.B. Pathologisches bei Carcass). Gothic-Death-Metal ist seit Mitte der 90er eine Strömung um Bands wie Paradise Lost (s.a. Dark Wave). Mit Einzelton- statt Thrash-Riffs waren Slayer mit „Hell Awaits“ Vorläufer des Death Metal.

Dee, Joey and The Starliters Amerikanische Musikgruppe, die zeitweise (Anfang der 60er Jahre) mit Auftritten in der legendären New Yorker Musikbar Peppermint Lounge den aufkommenden Twist-Boom (mit-)befeuerte. Sowohl „Peppermint Twist“ 1961 als auch „Ya Ya“ 1962 lieferten die überaus frohsinnigen wie auch von konservativen Musikverächtern als anstößig empfundenen Grundlagen für die bald in diversen Tanzkursen durchexerzierten, hüft- und beinbetonten Paartänze. Für die Starliters (zwischendurch mit Jimi Hendrix als Bandmitglied) folgten einige Auftritte in Musikfilmen, dann endeten Twist und Bandkarriere.

Dee, Kiki (*1947, Keighley) Die britische Sängerin nahm zwar schon in den 60ern Platten auf, hatte aber Erfolg erst in einem Duett mit Elton John („Don't Go Breaking My Heart“ 1976).

Deep Dish House aus Amerika, der Mitte der 90er mit minimalistischem Stil zunehmend auffällt; gefragte Remix-Spezialisten.

Deep Purple 1968 in London gegründet von Ritchie Blackmore (*1945, Weston-super-Mare) (g), Jon Lord (*1941, Leicester, † 2012, London) (k), Ian Paice (d), Rod Evans (v) und Nick Simper (b) als Mark I mit klassischen Anleihen auf den ersten 3 LPs (Hit „Hush“ 1968). 1969 mit Ian Gillan (v) und Roger Glover (b) auf Deep Purple in Rock 1970 (mit „Child in Time“) und Machine Head 1972 (mit „Smoke on the Water“) mustergültige Zuwendung zum Hardrock als Mark II; legendäre Auftritte mit Solo-Improvisationsschlachten Blackmore kontra Lord (1972 „Made in Japan“). Dritte Besetzung Mark III mit David Coverdale (v, Whitesnake) und Glen Hughes (b) 1973-76 bis zur Auflösung der Band; Blackmore gründete Rainbow. 1984 gings weitestgehend als Mark II wieder los. Obwohl vor allem in den 80ern erfolgreich, konnte die Band auch nach dem Ausscheiden Blackmores 1994 mit Steve Morse (*1954, Hamilton, Ohio), der seine Gitarrenkunst etwas lässiger ausübte als sein Vorgänger, und ab 2002 mit Keyboarder Don Airey, beim Publikum bis heute auch als Rock-Urgestein weiterhin ordentlich punkten („Whoosh!“ 2020).

Dees, Rick And His Cast Of Idiots US-amerikanischer Radio-DJ, dessen absurd-nonsensiger One-Hit-Wonder-Unfall „Disco Duck“ überraschend weltweit die Charts stürmte. Bald darauf vom Niederländer Willem als „Tarzan ist wieder da“ nochmals zum Leben erweckt.

Def Leppard 1977 in Sheffield gegründete Hardrock-Band (vom AC/DC, Foreigner-Produzenten Mutt Lange unterstützt), die schon früh mehrstimmigen Gesang und akustische Gitarrenparts verwendete. Mit 1983er-LP „Pyromania“ im Mainstream internationaler Durchbruch und sensationeller Erfolg in Amerika („Rock of Ages“, „Too Late for Love“, „Animal“). Schlagzeuger Rick Allen verlor bei einem Autounfall einen Arm und ist wohl der einzige einarmige Schlagzeuger der Rockgeschichte. 1996 mit der LP „Slang“ Anbiederung an aktuelle Trends und ein leichter Karriereknick, der ab 2006 wieder überwunden ist.

DeFrancesco, Joey (*10.4.1971, Springfield) leistete im späten 20. Jahrhundert einen wichtigen Beitrag zur Renaissance der Hammondorgel und ist immer noch in den Staaten sehr populär. Er ist, wie eines seiner Alben heißt The „Baddest B3 Burner in the Business“. Die Musik des Organisten, der gelegentlich singt /wenn er nicht Van Morrison das Mikro übergibt) ist stark im Jazz der 60er Jahre verwurzelt, als sein Instrument Hochblüte hatte. Inspirierende diskographische Begegnungen mit Gitarristen wie McLaughlin, Coryell oder Scofield).

Defunkt Der aus der Free Jazz-Szene stammende Posaunist Joseph Bowie entwickelte im Laufe der 80er/90er eine beachtenswerte Funk-Formation mit wechselnden Besetzungen („Cum Funky“ 1994).

Degenhardt, Franz-Josef (*1931, Schwelm, † 2011, Quickborn) Liedermacher, der mit scharfer und eindringlicher Stimme zu Gitarrenbegleitung seit Anfang der 60er deutsches Spießertum anprangert („Spiel nicht mit den Schmuddelkindern“).

Deine Lakeien In den 90ern entstandener elektronischer Dark Wave aus Deutschland mit englischen Texten.

Dekker, Desmond (*1941, Kingston, † 2006, Thornton Heath) setzte 1969 mit dem Number One-Hit „Israelites“ den Höhepunkt in seiner Reggae-Karriere und ist damit auf jedem zweiten Reggae-Sampler vertreten.

Delegation Disco Soul 1975 bis 1999 aus Großbritannien („You and I“).

Delerium Kanadische Band, deren erstaunliches Repertoire im Bereich der elektronischen Musik seit Mitte der 80er von düsteren Ambientklängen über Ethno-Pop bis zu herkömmlichen Dancerhythmen reicht. Ursprünglich als Nebenprojekt von Front Line Assembly gegründet, entwickelte sich die Gruppe (auch dank der erfolgreichen Alben „Karma“ 1997, “Poem“ 2000 und „Chimera“ 2003) zur kommerziell erfolgreicheren Alternative.

DeMent, Iris (*5.1.1961) Typischer Countrygesang mit Gitarre - auch mit Folk und Gospel. Nur bei Insidern - dafür wirklich - geschätzt.

Demo Früher kurz für: Demonstrations-Cassette. Meist billig produzierte Aufnahme einer unbekannten Band als Schallplattenersatz in der Amateurszene (zu Dokumentations- und Verkaufszwecken - hat mit preiswerten CD-Aufnahmemöglichkeiten an Bedeutung verloren) oder zur Bewerbung bei Plattenfirmen und Konzertveranstaltern. Außerdem werden auch Rohfassungen von später geplanten Plattenaufnahmen als Demo bezeichnet. Heutzutage spielt sich das auf technisch und musikalisch deutlich höherem Niveau digital ab.

Dennerlein, Barbara (*25.9.1964, München) trug als Nachwuchs zur gegenwärtigen Renaissance der Hammondorgel in den 90er Jahren bei („That's Me“).

Denny, Sandy Bis zu ihrem frühen Tod 1978 ausdrucksstarke und eisige Stimme des britischen Folk-Rock der 70er, solo und u.a. bei Fairport Convention, Fotheringay und als Gast bei z.B. Led Zeppelin.

Denver, John (*31.12.1943, Roswell als Henry John Deutschendorf) Deutschstämmiger einfacher Country-Interpret mit größtem Erfolg in den frühen 70ern in Amerika („Country Roads“, „Rocky Mountain High“). 1997 tödlich verunglückt.

Deodato Brasilianischer Bandleader und Arrangeur, der Klassik- und Rock-Stücke in sanfte Fusion umsetzte („Also sprach Zarathustra“ 1969).

Depeche Mode Elektronik-Pop-Band aus England (erste LP 1981). Verbanden düstere New Wave-Einflüsse (mit meist tiefgehaltenem Gesang) und Hit-Melodien. Seit „Songs of Faith and Devotion“ werden nicht mehr so ausschließlich elektronische Instrumente eingesetzt. Vince Clark (k, v) gründete auch Yazoo und Erasure.

Derek & the Domino's siehe Eric Clapton.

Der rote Bereich ist ein Berliner Jazztrio um Frank Möbus (g) in bassfreier Besetzung, das eine humorvolle Mischung aus freier Improvisation und Rock-Elementen präsentiert. Zu den Mitgliedern zählten Rudi Mahall (bcl) und John Schröder (d), gegenwärtig Christian Weidner (as) und Oliver Bernd Steidle (d) (Album „Live at Montreux“).

Derringer, Rick (*1947, Fort Recovery) Der amerikanische Sänger und Gitarrist begann in der Beat-Combo McCoys (1965 Mitsing-Hit „Hang on Sloopy“). Nach kurzer Zusammenarbeit mit Edgar Winter startete er 1973 eine wechselhafte Solokarriere zwischen Blues und Hardrock und trat immer wieder als Studio-Gitarrist und Produzent auf.

Derulo, Jason US-amerikanischer Sänger, der 2009 mit „Whatcha Say“ seinen internationalen Durchbruch erzielte. Seine Musik ist konventioneller Aufreißer-Pop zwischen House und R&B ohne Anspruch auf Signifikanz.

Desireless Französische Sängerin, die 1987 mit der abgeklärten Popnummer „Voyage, Voyage“ einen fulminanten Welterfolg erzielte. Ihre abseits jenes Discoschlagers charmant-verschrobenen New Wave-Chanson-Melanges, die sie bis heute produziert, finden durchaus zu Unrecht jenseits des öffentlichen Wahrnehmungshorizonts statt.

Desmond, Paul (*25.11.1924 San Francisco, † 30.5.1977, New York), der überragende Altsaxophonist der Konitz-Schule, war nicht nur als Komponist („Take Five“), sondern als Schöpfer, zarter, schlauer hochmelodischer Linien 1952-67 ein Garant für improvisatorische Höhenflüge im Dave Brubeck Quartet.

Destruction Deutsches Thrash-Metal-Trio mit Kreischgesang (80er).

Detroit (Michigan) entwickelt zwar keinen Stil, doch ohne die Musiker aus Detroit, die früher oder später alle nach New York übersiedelten, kann man den Jazz in der Hardbop-Ära kaum vorstellen. Aus Detroit stammen oder wirkten in den 40er und 50er Jahren unter anderem die drei Brüder Thad, Elvin und Hank Jones, der Trompeter Donald Byrd, der Posaunist Curtis Fuller, die Saxophonisten Frank Foster, Yusef Lateef, Lucky Thompson, Joe Henderson und Pepper Adams, die Pianisten Tommy Flanagan und Roland Hanna, der Vibraphonist Milt Jackson, die Schlagzeuger Roy Brooks, Oliver Jackson und Louis Hayes, die Bassisten Paul Chambers und Doug Watkins sowie der Gitarrist Kenny Burrell. Detroit ist auch von besonderer Bedeutung für die Emanzipation der Jazzfrauen. So angesehene Musikerinnen wie die Harfenistin Dorothy Ashby, die Pianistinnen Alice Coltrane und Bess Bonnier, die Vibraphonistin und Pianistin Terry Pollard und die Sängerin Sheila Jordan stammen aus Detroit. Und noch in späteren Jahren stellten Größen wie Geri Allen, Regina und James Carter die fruchtbarkeit Detroits unter Beweis. Großen Einfluss auf das Wirken der meisten hier genannten Musiker hatte das Wirken des Pianisten und Pädagogen Barrry Harris.

Detroit, Marcella Gekonnte Pop-Singerei u.a. bei den Shakespears Sister; ab 1994 solo.

dEUS Belgische Alternative-Band mit sehr eigenem violinbetonten Sound in den 90ern.

Deuter (Georg Deuter) (*1945, Falkenhagen) Gehört ab 1971 mit indischen Einflüssen, Naturgeräuschen und abwechslungsreichen Synthesizer-Sphären- und Rhythmik-Klängen zu den vielschichtigeren New Age-Künstlern.

Deutsch Amerikanische Freundschaft (DAF) Deutsches Elektronik-New Wave-Duo Anfang der 80er, das zur Neuen Deutschen Welle gezählt wurde. Spärliche bizarre Arrangements („Der Räuber und der Prinz“) und Anspielungen auf die Nazi-Zeit in den Texten („Tanz den Mussolini“, „Die lustigen Stiefel marschieren über Polen“). 2002 reuniert und nach dem Tod von Sänger Gabi Delgado-López 2020 von Schlagzeuger Robert Görl alleine weitergeführt.

Deutsche Rockmusik Ihre Kinder (1968 noch ziemlich schlapp) und 1971 Udo Lindenberg waren die Pioniere des deutschsprachigen Pop/Rocks. Andere Bands wie Lake, Triumvirat, Lucifers Friend oder Birthcontrol orientierten sich recht und schlecht an internationalen Vorbildern. Nur wenige Gruppen (u.a. Amon Düül, Ton Steine Scherben, Can) konnten ein eigenständiges Profil aufweisen; Tangerine Dream und Kraftwerk sind Vertreter der relativ starken Elektronik-Fraktion, deren entfernter Verwandter der Techno ist. Die oft hölzerne Produktion im Rock-Entwicklungsland Deutschland ließ schnell den Begriff Krautrock entstehen (Missus Beastly oder frühe Embryo). Nach der Neuen Deutschen Welle konnten Bands wie BAP, Die Toten Hosen, Die Ärzte oder die Böhsen Onkelz produktionstechnisch enorm aufholen. Zu erwähnen auch die inzwischen bemerkenswerte Heavy-Metal-Szene (Grave Digger, Kreator, Mob Rules, Rage um nur wenige zu nennen).

Deutscher, Drafi Deutscher Sänger und Komponist, dem jenseits weiterer Klassiker wie „Shake Hands“ oder „Cinderella Baby“ (beide 1964) mit „Marmor, Stein und Eisen bricht“ 1965 einen der größten deutschen Schlager-Klassiker nach dem Krieg gelang. Anerkannt für sein bemerkenswertes Gespür für den musikalischen Zeitgeist (mit dem Duo Mixed Emotions schaffte er ein vielbeachtetes Comeback in den 80ern) war Deutschers wechselvolle Karriere besonders von selbst orchestrierten Eklats, wiederkehrenden finanziellen Notlagen und dem kontinuierlichen Einsatz von Genußmitteln gekennzeichnet. Vereinsamt starb der rauhbeinige Lebenskünstler 2006 im Alter von 60 Jahren an einem Herzinfarkt.

DeVille, Willy Seit den 80ern bediente sich der Amerikaner (zuerst unter dem Bandnamen Mink DeVille) zwar in allen möglichen Stilen - was herauskam, war aber immer kreolisch angehauchter Rock zu nasaler Stimme („Italian Shoes“ 1985); † 2009.

Devo Amerikanische Pioniere des Elektronik-Pop im New Wave. 1972 in Ohio gegründet (erste LP 1978, auf den Weg gebracht von Conny Plank), schufen sie hektischen, schrägen Gitarren-Sound und eine witzige und bizarre Bühnenshow; frech und verdreht (z.B. „Satisfaction“ der Rolling Stones), immer mal wieder aufgelöst, aber seit 1996 vor allem in den USA weiterhin auf Tour.

Dexys Midnight Runners (Zwischenzeitlich nur Dexys) Dem Punk und irischer Folklore verbunden, versuchten Kevin Rowland (hohe sprunghafte Stimme) und seine Mannen (manchmal auch Frauen), Soul rotzig und bläserverstärkt zu interpretieren; „Come on Eileen“ fiel 1982 neben den Eskapaden des Sängers auf.

Diamond Head Britischer Hardrock zwischen Led Zeppelin (Gesang) und schnellen Heavy-Metal-Passagen. Vorreiter des Speed-Metals (Thrash-Metal) in den 80ern.

Diamond, Neil (*1941, N.Y.) Der erfolgreiche Songwriter für andere Acts („I'm a Believer“ für die Monkees oder „Kentucky Woman“ für Deep Purple) bewies ab 1966 mit kräftiger, rauher und melodramatischer Stimme, daß noch so anachronistische Gassenhauer im leichten Rock-Gewand („Hot August Night“ 1973 oder sein Meisterwerk, erstklassig produziert von Robbie Robertson „Beautiful Noise“ 1976) bis heute überleben können. 2005, im Alter von Rick Rubin verwaltet („12 Songs“ und „Home Before Dark“ 2008) wieder mal ganz großes Kino. Über 100 Millionen verkaufte Tonträger z.B. „Sweet Caroline“ 1969, „Song Sung Blue“ 1972, „You Don't Bring Me Flowers“ 1978 mit Barbra Streisand und vielen, vielen mehr.

Dibango, Manu (*1933 Douala, Kamerun, † 2020, Paris) ist weniger für seine Saxophon- und Sangeskünste zu rühmen als für seine oft beeindruckende Kraft und Vorreiterrolle in afrikanischer Rhythmik und Stimmung ab den frühen 70ern (u.a. mit Herbie Hancock).

Dicke Lippe siehe Geier Sturzflug.

Dickenson, Vic (*6.8.1906, Xenia, † 16.11.1984, N.Y.) Sein Sound war expressiv, bisweilen recht rauh, sein Spiel flüssig, sehr melodiös und dazu so humorvoll, daß ihm jemand einmal einen passenden Ehrentitel verlieh: Fats Waller der Posaune.

Diddley, Bo (*1928, McComb, Mississippi, † 2008, Archer, Florida) verwendete zwar die musikalische Struktur des Blues, weicht aber textlich und im Auftreten beträchtlich ab und verkörpert somit eher das Image eines Rock'n'Roll-Sängers. Von ihm stammen „Who Do You Love“ sowie Hits mit den Muddy Waters-Titeln „Manish Boy“ und „I'm a Man“ 1955.

Die Braut haut ins Auge Fetzige, rein weibliche Gitarren-Indie-Rock-Band 1990 bis 2000 der Hamburger Schule um Bernadette La Hengst, die danach eine Solokarriere startete.

Difranco, Ani Schon länger Liebling der amerikanischen Alternative-Szene, versuchte die ausdrucksstarke Sängerin und versierte Gitarristin 1996 mit intensivem Songmaterial international durchzustarten und ist bis heute sie eine der erfolgreichsten Interpreten des Neo-Folk.

Digital Underground Abgedrehtes Hip-Hop-Projekt aus Oakland um Humpty Hump und den langnasigen Shock G („Pop Goes the Weasel“), nach längerer Pause 1996 neue LP.

Dillinger (*1953, Kingston) Ein DJ-Pionier, stürmte von Jamaika aus die europäischen Hitparaden, ohne in seinem Heimatland größere Anerkennung zu finden. Mit „CB200“ (ein Loblied auf ein Motorrad) und „Cocaine in My Brain“ hatte er Ende der 70er zwei internationale Hits.

Di Meola, Al (*22.7.1954, Jersey City) Akrobatischer 70er-Fusion- („Elegant Gipsy“), Latin- und Flamenco-Gitarrist auf extrem schwankendem Niveau (1981 virtuos, schwindelerregend & sehr erfolgreich: „Friday Night in San Francisco“ mit Paco de Lucía und John McLaughlin), der ab Ende der 80er verstärkt Ethno-Einflüsse verarbeitet.

Dimmu Borgir Black Metal aus Norwegen ab 1993. Teilweise sehr bombastisch mit viel Keyboard.

Dimple Minds Deutsch-Punk mit derben Sauf-Texten („Blau auf'm Bau“) ab Ende der 80er. Musikalisch mit den Toten Hosen vergleichbar.

Dinosaur jr. Amerikanische Band ab Mitte der 80er; gelten mit ihrem heftigen und schrägen Gitarren-Pop zusammen mit Sonic Youth als Urväter der Alternative/Grunge-Bewegung. Kennzeichnend ist der weinerlich-depressive, dennoch teilnahmslose und manchmal schräge Gesang von J. Mascis. Die letzten LPs ließen sowohl den Funken wie die rohe Kraft der Erstwerke vermissen.

Dio, Ronnie James (*10.7.1942, Portsmouth, † 16.5.2010, L.A.) hatte mit kraftvoller Stimme (seit 1974 noch bei der Gruppe Elf oder ab 1983 Dio) Erfolg als Heavy- und Hardrock-Sänger bei Rainbow 1975 bis 1978, Black Sabbath 1980/82 und nochmal 1992, was so gut paßte, daß die Band unter dem Namen Heaven & Hell ab 2007 bis zu seinem Magenkrebs 2009 unterwegs war.

Dion Der amerikanische Sänger Dion DiMucci hatte mit seiner Formation Dion and the Belmonts von 1960-66 einige Hits im Rock'n'Roll-Stil oder mit Balladen („Teenager in Love“).

Dion, Celine Franco-Kanadierin mit großen Erfolgen Anfang der 90er vor allem in den USA und Kanada („The Power of Love“, „Think Twice“). Der Pop-Sängerin mit kräftiger, etwas operettenhaft wirkender Stimme gelang Mitte der 90er auch der Durchbruch in Europa, nicht zuletzt durch den Megaseller „My Heart Will Go On“ aus dem Film „Titanic“ 1997. Nach einer zweijährigen Pause gehört sie, vielfach ausgezeichnet, auch ab 2002 wieder zu den kommerziell erfolgreichsten Künstlerinnen weltweit.

Dione, Aura Dänische Musikerin, die einige Zeit lang zu den größten Exportschlagern Dänemarks gehörte. Mit Songs wie „I Will Love You Monday“ 2009, „Geronimo“ 2011 und „Friends“ 2012 offenbart sie ein recht solides Repertoire an Standard-Pop-Erzeugnissen, die allerdings mehr durch Diones klirrenden Gesang, ihren Hang zu modischen Eigentümlichkeiten und einem auffälligen Portraitfoto auf ihrem zweiten Album getragen werden als durch die über-melodiösen Staffagen ihrer Hits.

Dire Straits 1977 um Sänger und Songwriter Mark Knopfler in London gegründet. Entspannt swingender, eigenständiger Soft-Rock mit rauchiger Stimme und warmer, modulationsreicher Gitarre; neben Hits der Band „Money for Nothing“ oder „Brothers in Arms“ (zum ersten Mal vollkommen digital von der Aufnahme an auf das aufkommende Medium der Compact Disc zugeschnitten) war Knopfler auch mit ruhiger Filmmusik (u.a. „Cal“ 1984) erfolgreich; 1995 aufgelöst.

Dirty Dancing war 1987 ein, trotz geringen Budgets überraschend erfolgreicher Musik- und Tanzfilm mit Handlung und vielen Hits aus den 60ern. Irgendetwas stimmte genau an diesem Märchen: das jugendliche Publikum fühlte „The Time of My Life“ (Titelsong mit Jennifer Warnes).

Discjockey (DJ) war anfangs in Radio, Fernsehen und später Discotheken der Mensch, der Platten auflegte (und manchmal mit Ansagen zwischen den Titeln verband). Damit hatte er oft entscheidenden Anteil an der Verbreitung und dem kommerziellen Erfolg eines Musikstücks. Über die jamaikanischen MCs wurde mit virtuosem Musikmix von zwei Plattentellern der DJ im Hip-Hop selbst zum Musikschaffenden, der vorhandenes Material eigenwillig zu neuen Werken umformt - ähnlich wie später in House und Techno.

Disco In den frühen 70er-Jahren aus funkigen Tanznummern in New Yorker Clubs und der kommerziellen Soul-Fortentwicklung Phillysound entstandene Tanzmusik mit kulturellen Zentren in New York und später München (Giorgio Moroder). Ein monotoner einpeitschender Baßsound im 4/4 -Takt, der den ganzen Körper erschüttert, einfache Melodik und häufig bombastische Arrangements (Orchestersound vom Band) waren in oft langen Stücken (Maxi-Single) die Grundlage für Stars wie Donna Summer, Boney M., die Village People oder die Bee Gees, die mit dem Disco-Film „Saturday Night Fever“ 1977 ein Comeback hatten. Dem Trend der Zeit gaben auch Bands wie die Rolling Stones („Emotional Rescue“) oder Kiss („I Was Made for Loving You“) nach. In den 80ern wurde Disco von Dancefloor, House und Techno abgelöst, lebte im Untergrund als HI-NRG jedoch weiter.

Disco(thek) Vor allem in den 70ern geläufige Bezeichnung für Tanzlokale, in denen (von einer meist imposanten Lightshow begleitet) von einem Discjockey Schallplatten aufgelegt werden (s.a. Rave-Halle). Ursprünglich bezeichnete Discothek (analog zu Bibliothek) eine Plattensammlung.

Dissection Schwedische Band von 1989 bis 2006 zwischen Black- und Death-Metal.

Dissidenten In den 80ern als Ableger von Embryo gestartet, entwickelte sich die multikulturelle Band bis in die 90er in Richtung World Music.

Disturbed US-amerikanische Metal-Band, die in den 2000er Jahren zu den zuverlässigsten sowie erfolgreichsten Vertretern des klassischen Heavy Metals zu zählen ist. Songs wie „Down With the Sickness“ 2000, „Prayer“ 2002 und „Indestructible“ 2008 boten zielsicheren Power-Rock, der sich elegant zwischen den Pathosorgien von Judas Priest und den späteren Bombastgeschossen von Papa Roach bewegte, überaus bodenständig und authentisch wie mit Ausnahme der mehr („Land Of Confusion“ 2006) oder weniger („The Sound Of Silence“ 2015, Simon & Garfunkel) faden Coverversionsversuche experimentierfeindlich. Bis heute bleiben Disturbed die letzten Koryphäen eines in die kommerzielle Krise geratenen Genres.

Divine Hits im HI-NRG der 80er.

Dixie Dregs Gitarrenlastiger, rein instrumentaler Hardrock mit Country-Touch aus Amerika in den 80ern.

Dixieland (Kurzform Dixie) gilt heute - ähnlich dem Hot Jazz als Sammelbezeichnung für New Orleans Jazz, Chicago Jazz sowie allen Spielformen des Revival (Chris Barber). Ursprünglich bezeichnete es nur die Musik weißer Gruppen. Dixieland Jazz wurde als weiße Nachahmung schwarzer Musik gesehen, was allerdings angesichts der eigenständigen Leistungen von Bands wie der „Original Dixieland Jazz Band“, die den Begriff verbreitete oder der „New Orleans Rhythm Kings“ zu kurz greift. Früher wurde streng zwischen dem schwarzen New Orleans Jazz und dem weißen Dixieland Jazz unterschieden, was sich durch die Rassentrennung in den frühen Jahren des Jazz anbot, wobei erwähnt werden sollte, dass die weiße Original Dixieland Jazzband 1917 die ersten Jazzplatten vorlegte und diese Spielart sich eher verbreitete als der New Orleans Jazz, der erst in den 20er Jahren dokumentiert wurde.

Dixon, Willie (*1915, Vicksburg, † 1992, Burbank). Der Blues-Bassist (mit tiefer, rauher Stimme) wurde schon in den 50er Jahren zu einer der wichtigsten Figuren in der Bluesszene Chicagos. Er machte Karriere als Plattenproduzent, Studiomusiker und Songschreiber. Seine größten Erfolge als Autor waren die drei größten Muddy Waters-Hits „I'm Ready“, „Just Make Love to You“ und „Hoochie Coochie Man“, das von Little Walter gesungene „My Babe“ und das von fast jeder Blues- und Rockband gecoverte „Little Red Rooster“.

DJ Kurzform für Discjockey.

DJ Antoine Schweizer DJ, dem 2011 dank des mit unüberhörbarer 90er-Rave-Huldigung versehenen Dance-Gassenhauers „Welcome to St. Tropez“ nach acht Alben seit 2008(!) endlich der Durchbruch in Deutschland gelingen sollte. Insgesamt typischer Mallorca-Ibiza-Sound für House-Anhänger.

DJ Bobo (*1968, Kölliken) Schweizer Dancefloor der 90er mit großangelegter Tanzshow und Rap.

DJ Jazzy Jeff Amerikanischer DJ und Musikproduzent, der zunächst als Scratch-Talent auf sich aufmerksam machte, bevor er sich für die folgenden Jahre als Produzent und Schauspielkollege („Prinz von Bel Air“) an die Seite des Rap-Azubis Will Smith („Fresh Prince“) stellte. Ihre gemeinsamen Werke „Summertime“ 1991 und „Boom! Shake The Room“ 1993 sind Hip-Hop-Geschichte.

DJ Khaled Amerikanischer DJ, Rapper und Musikproduzent, der einem beachtlichen Netzwerk von Hip-Hop- und R&B-Größen in den 2010ern zu Erfolgen verhalf und verhilft. Lil Wayne, Drake, Akon, Chris Brown, Justin Bieber, Jay-Z sind nur ein kleiner Ausschnitt seines Kunden-Portfolios, zugleich jedoch auch Beleg eines von narzißtischem Geschäftssinn getriebenen Kommerzausverkaufs des amerikanischen Raps, der Produktionsroutiniers wie ihm neue Horizonte eröffnete.

DJ Krush Recht synthetischer Acid Jazz aus Japan in den 90ern.

DJ Ötzi Österreichischer Sänger, dessen unnachahmliche Erfolgsformel klobige Dancebeats + Zipfer-Premium-verrauchter Gesang mit Skihütten-tauglichen Texten = menschenrechtsverletzende Ohrwurmfolter seit dem Jahr 2000 die Partyzelte in Deutschland und Österreich erzittern lässt. Wahlweise waden- („Anton aus Tirol“, „Hey Baby“, beide 2000, „7 Sünden“ 2006, „Ein Stern (der deinen Namen trägt)“ 2007) bis „knietief (Do Wah Diddy Diddy“ 2001, „Burger Dance“ 2003, „Tanz den Rehakles“ 2004) im lyrischen Morast versinkend, hat es sich der Tiroler Pfundskerl zur Aufgabe gemacht, eine Vielzahl bereits im Original nur schwer erträglicher Kompositionen zu Bierkönig- und Mega-Arena-fähigen Stampfgrausamkeiten herunterzucovern. Übrigens: „Ein Stern“ verblieb 107 Wochen in den deutschen Top 100. Ist so.

DJ Quicksilver Deutsches DJ-Duo, das 1997 und 1998 seine größten kommerziellen Erfolge während der Hochphase des vor allem in Deutschland angesagten Pizzicato-Electro-Sounds (besonders geprägt durch Faithless' „Insomnia“) feierte. Nach Hits wie „I Have a Dream“, „Free“ und „Escape to Paradise“ war jedoch die kommerzielle Erfolgsstory auserzählt.

DJ The Wave Österreichischer DJ der 2000er; siehe Buddy.

DJ Tomcraft Auf der Schwelle zwischen Dance und Techno sich bewegender DJ aus München, dessen Love-Parade-tauglichen wie kraftvoll-düsteren Synthetik-Produktionen („Overdose“, „Loneliness“, beide 2002) zweifellos die Tanzflächen zum Beben brachten.

DJ Tomekk Einst umstrittener polnischer Hip-Hop-DJ, der zunächst in den USA (u.a. mit Run-DMC und Grandmaster Flash), später auch in Deutschland („1, 2, 3... Rhymes Galore“ 1999) Erfolge feierte, bevor ihm aufgrund eines Hitlergruß-Skandals der Weg aus dem RTL-Dschungel in die Bedeutungslosigkeit geebnet wurde.

DJane Housekat Die Ingolstädterin fabriziert David Guetta-Techno mit gewohntem Coverfetisch. Durchbruch mit 2012 „My Party“, im Original von der Michael Zager Band („Let´s All Chant“).

Doc Holiday Ziemlich harte Rockband aus dem Süden der USA (80er).

Dodds, Gebrüder: Baby (*24.12.1898, N.O., † 14.2.1959, Chicago) Der neben Singleton zentrale Drummer des New Orleans Jazz spielte unter anderem mit King Oliver, Armstrong sowie seinem Bruder und trug ab den 40ern wesentlich zum Revival bei. Johnny (*12.4.1892, N.O., † 8.8.1940, Chicago) gehört neben Bechet und Noone zum Dreigestirn der N.O.-Klarinette. Er schuf sich bei Kid Ory und King Oliver seinen Ruf und wirkte 1925-27 an Armstrongs legendären Hot Five/Hot Seven-Aufnahmen mit. In den 30ern mußte er als Taxifahrer sein Brot verdienen, 1938 hatte er ein kleines Comeback. Seine hervorragendsten Fähigkeiten entwickelte er im Blues („Wild Man Blues“). In jedem Register, vor allem aber in den Tiefen, hatte er einen berückenden Sound.

DÖF (Deutsch-Österreichisches Feingefühl) - 1983 „Codo... Ich düse, düse im Sauseschritt“ - ein Projekt von Tauchen/Prokopetz und den Humpe-Sisters.

Dog eat Dog Melodischer, gemäßigter Hardcore-Punk aus den USA ab den 90ern; weniger politisch, eher spaßig in den Texten und mit Saxophon.

Doherty, Pete Sänger der Libertines und Babyshambles.

Dokken Mainstream-Hardrock-Band aus Los Angeles, erste LP 1981, geprägt vom hohen, etwas weiblich klingenden Gesang von Don Dokken. Ende der 80er zwischenzeitlicher Soloversuch des Gitarristen George Lynch mit Lynch Mob.

Dolby, Thomas Britischer Synthesizer-Experimentator und Sänger vor allem im New Wave der 80er („Blinded by Science“ 1983).

Doldinger, Klaus (*12.5.1936, Berlin) wurde zunächst in den 50er Jahren als Dixieland-Klarinettist der Feetwarmers bekannt, dann in den 60er Jahren als vitaler Tenorsaxophonist mit eigenem Quartett für seinen richtig schwarzem Sound bewundert. International startete er in den 70er Jahren durch mit seiner Fusion-Band Passport durch, die sich im Laufe der Jahrzehnte mit Musikern wie Udo Lindenberg, Wolfgang Schmid, Curt Cress, Peter OMara, Wolfgang Haffner als Sammelbecken der Talente erwies. Mit Musik zu Filmen und Serien („Tatort“, „Das Boot“, „Die unendliche Geschichte“) gehört er zu den erfolgreichsten deutschen Komponisten.

Dolphy, Eric (*20.6.1928, L.A., † 29.6.1964 Berlin) war einer der atemberaubendsten Improvisatoren der frühen 60er, dessen zwischen Bop und Avantgarde angesiedeltes Werk bis heute nachwirkt. Aus dem Quintett C. Hamilton hervorgegangen, wurde er vor allem bei Charles Mingus, aber auch bei Coltrane und als Leader eigener Gruppen zu einer radikal expressiven Stimme auf Altsaxophon, Flöte Klarinette und Baßklarinette. Mit seiner einmaligen Kombination aus glühender Intensität und vogelflugartiger Leichtigkeit hat Eric Dolphy dem Altsaxophon neue Ausdrucksbereiche erschlossen und die Bassklarinette zu einem beweglichen und ausdrucksvollen Soloinstrument gemacht.

Domingues, Dario Vielseitiger südamerikanischer Querflöten-Indianer ab den späten 70ern.

Domino, Fats Sänger und Boogie-beeinflußter Pianist mit einfach gestricktem Rhythm & Blues ab 1949 erfolg- und einflußreich („I'm Walking“ 1957); † 2017.

Donalds, Andru Jamaikanischer Popmusiker, der sich ab 1998 vornehmlich als Sänger für etwaige Michael Cretu-Produktionen zur Verfügung stellte. Sein größter Hit „All Out Of Love“ 1999 klingt wie der übliche klebrig-kitschige Brei aus der Enigma-Manufaktur.

Donaldson, Lou (*1.11.1926, Badin), einst bei Monk und Blakey, heute einer der letzten Überlebenden der Bebop-Ära, ist ein funkiger Bop-Sax-Altist von Rang. Er legte zahlreiche mitreissende Alben auf dem Kultlabel Blue Note vor, wie z.B. „Blues Walk“.

Donegan, Lonnie Blues und Folk-interessierter britischer Skiffle-Musiker (v, g, banjo, d). Mit zahlreichen Hits Mitte der 50er bis Anfang der 60er ein wichtiger Einfluß auf den nachfolgenden Beat; ab den 70ern mit stark abnehmenden Plattenveröffentlichungen auch im Dixieland aktiv.

Donnelly, Philip (*1948, Dublin, † 2019, Waterford) In den 70ern mit u.a. Johnny Cash, Townes Van Zandt, aber vor allem mit Lee Clayton (1979 „Naked Child“!) als bluesig-rockiger Gitarrist (auch v) unterwegs. Ab den 80ern wieder in Irland bei u.a. Clannad oder De Dannan.

Donovan (*1946, Glasgow) Der schottische Folk-Sänger startete seine Plattenkarriere 1965 mit Lagerfeuer-Romantik leicht rockig/ psychedelisch. Gitarrenbetont, mit sanfter Stimme zwischen Protest („Universal Soldier“) und Mystik („Atlantis“) ein Kind der friedfertigen Hippies der Flower Power-Zeit bis in die 70er.

Donovan, Jason Stock/Aitken/Waterman-produzierter Dance-Pop-Barde aus Australien, der Ende der 80er einige Hits in Europa hatte.

Doobie Brothers 1970 gegründet; besonders in Amerika bis zur Auflösung 1982 mit leichtgewichtigem Rock erfolgreich; Hits mit rhythmischen Soul-Anleihen („Long Train Running“ 1973) bis zu Schmalz-Balladen („What a Fool Believes“ 1978). Mainstream-Musterbeispiel.

Doofen, Die Musikcomedyhafter RTL-Samstag Nacht-Ableger featuring Olli Dittrich und Wigald Boning, der mit Nonsens-„Liedern die die Welt nicht braucht“ (Albumtitel 1994) und dem ultimativen Statement gegen Waschzwang und Reinlichkeitsfetischismus „Mief!“ Platz 1 in Deutschland eroberte.

Doo Wop Vor allem in den 50ern und 60ern meist mehrstimmiger Gesang des R&B oder Rock'n'Roll in sinnfreien Silben („Duhwee-Dop“, „Diddle-Dum“ oder eben „Doo-Wop“).

Doom Metal Langsamer, düsterer Heavy-Metal mit endzeitgestimmten Texten; Black Sabbath ebenso wie Cathedral oder My Dying Bride.

Doors, The entstanden 1965 um den exzentrischen Sänger Jim Morrison (*8.12.1943, Melbourne, Florida, † 3.7.1971, Paris) an der amerikanischen Westküste. Mit kräftiger Musik zwischen Blues und schnörkellosem, orgelbetontem psychedelischen Rock (Ray Manzarek, k, b / Robby Krieger, g / abwechslungsreiche Schlagzeugarbeit: John Densmore), getragen von der starken, düsteren Stimme Morrisons und seinen auffallenden kryptischen Texten, wurden sie schnell zu einer der erfolgreichsten Rockbands schlechthin („Light My Fire“, „Break on Through“, „The End“ u.v.m.). Ihr phantasievolles Material und besonders das skandalträchtige Auftreten Morrisons hielten sie auch nach dem Tod des Sängers, der schnell zum Mythos wurde, in den Schlagzeilen, wobei die verbleibenden Musiker mit neuem Sound („The Mosquito“) bei weitem nicht an alte Erfolge anknüpfen konnten und 1973 die Türen schlossen (1978 vertonten sie ungewohnt sphärisch auf Band gesprochene Morrison-Gedichte; „An American Prayer“).

Dorau, Andreas und die Marinas Schräge Liedchen („Fred vom Jupiter“) der Neuen Deutsche Welle Anfang der 80er.

Dorham, Kenny (*30.8.1924, Fairfield, † 5.12.1972, N.Y.) ließ sein solides, warmes, jeder Show abholdes Bop-Trompeten-Spiel („Quiet Kenny“) bei Parker, Blakey und Roach erklingen, komponierte das unverwüstliche „Blue Bossa“ und legte einige hervorragende Alben auf Blue Note vor.

Doro Nicht gerade als Stimmwunder zu bezeichnende Ex-Sängerin von Warlock zwischen Mainstream, Heavy-Metal und Pop-Balladen mit deutschen Schmalz-Texten.

Dorsey, Gebrüder hatten Wurzeln im Chicago Jazz und wurden wichtige Bandleader der Swing-Ära. Jimmy (*29.2.1904, Shenandoah, † 12.6.1957, N.Y.), Multiinstrumentalist (cl, as, tp), hatte als hervorragender Techniker eine gewisse Vorbildfunktion und verfaßte eine Saxophonschule. Tommy (*19.11.1905, Shenandoah, † 26.11.1956 Greenwich, Connecticut), Posaunist, wurde als Sentimental Gentleman Of Swing bekannt. Das Dorsey Brothers Orchestra bestand 1928-35. Von den beiden Nachfolgeorganisationen war Tommys Orchester das mit seinen profilierten Solisten (Berigan, Rich) und Arrangeur (Sy Oliver) musikalisch interessantere, war die Startrampe für Frank Sinatra und lieferte große Hits („Song Of Ondia“, „Sunny Side Of The Street“, „Yes Indeed“). Als Dixie-Formation war seine Clambake Seven erwähnenswert. Ab 1953 wirkten die Brüder wieder zusammen.

Dorsey, Lee (*1924, Portland, † 1986, New Orleans) Sein amerikanischer Rhythm & Blues-Oldie „Working in a Coalmine“ verkaufte sich in den 90ern noch einmal, weil er in einer Autoradio-Werbung verbraten wurde.

Dostal, Frank (*1945, Flensburg, † 2017) war 1966-68 Sänger der Rattles und auch weiterhin Texter und Mitmusiker von Achim Reichel. Ab Mitte der 70er Produzent und Texter für deutsche Schlager und besonders erfolgreich mit dem Disco-Projekt Baccara.

Double Schweizer Duo, das in den 80er Jahren dank seiner verwegenen Klanggemälde, ausstaffiert mit Saxophon und Keyboard, zu den poppigeren Äquivalenten von Yello zu zählen war. Das meisterhaft arrangierte „The Captain of Her Heart“ blieb jedoch 1985 der einzige nennenswerte Hit von Kurt Maloo und Felix Haug.

Double Trouble Ein Projekt von Norman Cook (Fatboy Slim etc.); Ende der 80er in Richtung Funk und Rap.

Double You Italienisches Eurodance-Projekt, dessen fantasieloses Cover des K. C. & the Sunshine Band-Hits „Please Dont Go“ 1992 kurzzeitig Aufmerksamkeit auf sich zog. Das Dance-Projekt K.W.S. brachte zeitgleich eine eigene Version des Songs, der verdächtig ähnlich klang, auf den Markt und in die Charts.

Douglas, Carl (*1942, Kingston) Jamaikanischer Sänger, dem die in den 70ern aufflammende Begeisterung für chinesische Kampfsportarten (siehe vor allem David Carradines TV-Serie „Kung Fu“) das Werkzeug für leichtgewichtige Diskotheken-Reißer wie „Kung Fu Fighting“ und „Dance The Kung Fu“ (beide 1974) in die Hände spielte. Zahllose Remixes und Neuauflagen der beiden Hits offenbarten das beengte Spektrum von Douglas musikalischem Wirken.

Douglas, Dave (*24.3.1963, Montclair) ist ein ausgesprochen kreativer, moderner Jazztrompeter mit einem breiten stilistischen Spektrum.

Down Ab 1991 Sludge Metal aus New Orleans.

Down Low Deutsches Rapper-Duo, das Mitte der 90er Jahre mit Songs wie „Vision Of Life“, „Johnny B“ und „Once Upon a Time“ der textlich allerdings unverfänglichen Amerikanisierung des europäischen Hip-Hop Vorschub leistete. Das Haltbarkeitsdatum ihres Midtempo-Kuschel-Raps war jedoch mit dem Aufkommen von echten Rap-Größen wie 50 Cent und Eminem abgelaufen.

Dr. Alban Afrikanischer Zahnarzt, der Anfang der 90er von Schweden aus seine europaweite Pop-Karriere startete. Seine Musik ist eine Mischung aus Dancefloor-Beats, Ragga-Muffin-ähnlichem Sprechgesang und spärlichen Melodien in den Refrains, teilweise mit Anti-Drogen-Image („It's My Life“).

Dr. Dre Amerikanischer Hip-Hop-Artist (Ex N.W.A.); in den 90ern mit melodischem swingenden Sound erfolgreich: Entspannter Rap mit Texten über Haschisch und Gangstas. Mit Keyboardgewaber unterlegt und als G-Funk an den 70er-Funk (George Clinton) angelehnt. Produziert in ähnlichem Stil u.a. Warren G. oder Snoop Doggy Dog.

Dr. Feelgood, 1972 in England gegründet, bot Rock'n'Roll und Blues mit Erfolg in den USA und England vor allem in den 70ern. Sänger und Hauptakteur Lee Brilleaux starb 1994.

Dr. Hook (& the Medicine Show) Zwischen Country & Pop landeten Dr. Hook aus New Jersey in den 70ern und frühen 80ern einige große Hits. Ihre Gute-Laune-Songs waren äußerst mitsingtauglich; so auch ihre nicht ganz ernst gemeinte Schmalz-Ballade „Silvias Mother“ 1972.

Dr. John (Malcom Mac John Rebennack - *1941, New Orleans, † 2019) stand ab 1968 für eine schrille Mischung aus afrikanischen Rhythmen und Rhythm & Blues. Musikalische und persönliche Eskapaden ließen es still werden um Mac Rebennack, bis er Anfang der 90er mit soliden, kreolisch angehauchten Alben aus dem kommerziellen Nirvana wieder auftauchte, auch hier auf Bläsersätze, Funk und gewohnt gekonntes Pianospiel zurückgreifend.

Dr. Motte Raver-Pionier, Techno-DJ, Love-Parade-Erfinder, feingeistiger Gutmensch aus Berlin. Berüchtigt: Seine mit WestBam produzierten Love Parade-Soundtracks (u.a. „Sunshine“ 1997) und wirren Ansprachen auf diversen Abschlußkundgebungen zu Liebe und Frieden im Allgemeinen.

Drahdiwaberl Österreichische bunte Show- und Satire-Band der 70er (Falco spielte mit).

Drake Kanadischer Rapper, der sich zu einem der Streaming-Phänomene der Neuzeit hochgearbeitet hat. Mit einfühlsamem Südstaaten-Hip-Hop („One Dance“, „Gods Plan“), der sich mit seiner schnurrenden Trägheit häufig mal ins R&B-ige oder Trappige verirrt, sammelt er millionenfach Spotify-Klicks und aufgrund seines beeindruckenden Repertoires den Respekt der Musikkritik.

Drake, Nick Folk-Sänger aus Großbritannien (erste LP 1969) mit leisen, gefühlvollen Liedern.

Dread, Mikey veröffentlichte bis Mitte der 80er unumstrittene Dub-Alben und bis heute durchschnittliche Reggae-Produktionen. Der in England lebende Jamaikaner startete Anfang der 80er eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Punkband The Clash, deren Sound er damals stark beeinflußte.

Dream Pop beinhaltet ab Mitte der 80er eher schwebende Stimmungen, als harte Riffs und sphärischen, oft verhaltenen Gesang in durchaus modernem Pop (Cocteau Twins, Lush), ähnlich Ethereal Wave.

Dream Theater Amerikanischer Progressive-Metal ab Ende der 80er mit auffallendem Einsatz von Keyboards. Ab Mitte der 90er großer Erfolg in Amerika und Deutschland.

Dresden Dolls, The Eine Sängerin/Pianistin und ein Schlagzeuger aus Amerika machten 2000 bis 2008 zwischen heftig-eckig („Girl Anachronism“) und balladesk-schräg nicht nur im Outfit der 20er Jahre (Brechtsches Punk-Cabaret) Furore („Coin-Operated Boy“).

Drews, Jürgen Deutscher Sänger, der 1976 mit „Ein Bett in Kornfeld“ seinen Durchbruch als Solosänger und späterer Schlageronkel feierte. Zuvor bereits als Mitglied der spröden Gospelkompost-Kapelle Les Humphries Singers Bühnenerfahrung sammelnd, wurde der einstige Medizinstudent mit eher betulich-fadem Schlagerpop („Barfuß durch den Sommer“ 1977, „Du schaffst mich“ 1978) in den 70er Jahren zur ZDF-Hitparaden-Institution, bevor ihn erst die 90er Jahre sowie der Beistand von anarchistischen Kulturschaffenden wie Stefan Raab (Cover von „Ein Bett im Kornfeld“) aus der Vergessenheit herausspülten. Als selbsternannter König von Mallorca bespaßt er gleichermaßen die Baleareninsel wie die Boulevardmagazine diverser Privatsender, den Segnungen zelebritärer Hofberichterstattung dankbar wenngleich mit impertinenter Lebensfreude und zuweilen erstaunlicher Selbstironie zugewandt. Seine jüngeren, radikal gaudi-gröligeren Werke wie „Ich bau dir ein Schloss“ 2009, „Kornblumen“ 2013 oder „Das ist der Moment“ 2016 sind dabei nur noch von geringerer Bedeutung für Drews Dauerpräsentation seiner inzwischen über 50 Jahre währenden Yellow-Press-Existenz.

Drifters, The hatten, 1953 gegründet, als Vokalquartett mit schmalzigen Rhythm & Blues Erfolg. Nach dem Ausstieg von Clyde McPhatter Ende der 50er übernahm eine völlig andere Truppe den Namen (anfangs mit Ben E. King) und konnte den Erfolg sogar steigern (1964 z.B. „Under the Boardwalk“); mit ständig erneuerten Musikern gibt's die Gruppe bis heute.

Driscoll, Julie (*1947, London) (Ab den 70ern Julie Tippets) Schrille Soulstimme in Brian Augers Band Trinity ab Mitte der 60er; spätere Free-Jazz-Eskapaden blieben weitestgehend ungehört. Später dann u.a. a capella oder wieder im Rockjazz tätig.

D'Rivera, Paquito (*4.6.1948 Havanna), virtuoser Latin-Bläser (sax, fl), gründete 1972 mit Chucho Valdez Irakere und wurde durch Gillespie im amerikanischen Asyl bekannt.

Drogen waren immer ein wesentlicher Teil des Umfelds, in dem sich die hier behandelte Musik abspielte (auch und gerade im Blues und Jazz) - also in Bars, Clubs und neuerdings bei Rave-Events. Die Musiker selbst kamen so mit Drogen mehr oder weniger zwangsläufig in Berührung. Der Einfluß sogenannter bewußtseinserweiternder Drogen (Cannabis, LSD) auf manche Künstler ist unbestritten (Beatles Mitte der 60er, Grateful Dead), der drastische Verfall oder Tod anderer durch Heroin allerdings auch: Aus dieser schier endlosen Liste seien nur Charlie Parker, Lou Reed und Janis Joplin genannt.

Drone / Drone Metal Äußerst langsame Variante des Doom Metal, starke Verzerrung und große Lautstärke auf Konzerten. Wichtigste Band: Sunn O))).

Dru Hill Amerikanische Gruppe, die vor allem in den 90ern den Fokus auf ziemlich konventionelle R&B-Produktionen („In My Bed“, „How Deep Is Your Love)“ legte. Heute vorwiegend als Revival-Truppe unterwegs.

Drum'n'Bass ist eigentlich Ambient-Jungle seit 1995.

Drummond, Don Der jamaikanische Posaunist war einer der ganz großen Instrumentalisten der Ska-Ära: Er glänzte kontinuierlich mit ausgezeichneter Bläserarbeit und erfreute sich zurecht großer Beliebtheit in seiner Heimat Ende der 50er bis Mitte der 60er.

Drunkenmunky Eines der unzähligen Pseudonyme, die sich das niederländische Produzententeam Klubbheads zugelegt hat. Der größte kommerzielle Erfolg gelang mit einer blutarmen Technoinstrumentalversion von Eminems „Without Me“ - der vielsagende Songtitel: „E“ 2002.

Dschinghis Khan International besetzte Popgruppe, die mit einer hemmungslosen Kostümierungsorgie und retortenhaften Mitklatschmunitionen aus der Feder des einstigen Starproduzenten Ralph Siegel den 4. Platz beim Eurovision Song Contest 1979 erreichte. Nach ihrem ersten Erfolg „Dschinghis Khan“ lieferte sie mit „Moskau“, später „Hadschi Halef Omar“ und „Loreley“ weiteren Orientpop für Bierkrugselige. Weitere Grand Prix-Versuche scheiterten, nach zwischenzeitlicher Auflösung in verkleinerter Besetzung wieder on tour.

Dub Durch Neuabmischung und Verfremdung bestehender Reggae-Stücke produzierte Versionen. Pionier: King Tubby, Ende der 60er Jahre. Weiterentwicklung (Sly & Robbie) später hauptsächlich mit Hall und Echo. Dub ist aus der heutigen Dancefloor-Szene nicht mehr wegzudenken (The Disciples, Dub Syndicate, Andy Fowler, Revolutionary Dub Warriors, Zion Train oder unzählige von Adrian Sherwood produzierte Acts).

Dub Poetry Ableger des Dubs, im Vordergrund die Dichtkunst mit sozialkritischen, politischen und religiösen Inhalten. Linton Kwesi Johnson, Mutabaruka, Jean Binta Breeze, Onuora, Oko, Michael Smith.

Dub-Plate Rhythmus-Schallplatte als Fundament für Toasting-Sprechgesang.

Dubliners Seit den 60ern die bekannteste traditionelle irische Folk-Band.

Duck Sauce Gemeinsames Projekt der beiden DJs Armand van Helden und A-Trak. Deren Konzept: Boney M.-Sample („Gotta Go Home“) plus Namedropping („Barbra Streisand“) plus folgt keiner Formel und wahnsinnig komisch (Zitate von A-Trek) gleich Riesenhit. So geschah es 2011. So geschah es nie wieder.

Dudek, Les (*1952, Rhode Island) Der Gitarrist und Sänger aus Florida war vor allem als Studiomusiker (z.B. für die Allman Brothers) erfolgreich und veröffentlichte ab 1976 Soloplatten, geprägt von seiner rauhen Stimme, virtuosem Gitarrenspiel und belanglosem Songmaterial.

Duke, George (*1946, San Rafael, † 2013, L.A.) Ständiges Talent als Fusion-Keyboarder ab Mitte der 60er und in den 70ern zeitweise bei Zappa aber auch bei Cannonball Adderley; Soloplatten bis 2013, hauptsächlich jedoch in den 70ern.

Dulfer, Candy (*1969, Amsterdam) Niederländische Saxophonistin, die sich, ab Mitte der 80er, technisch begabt, leblos-statisch ausgerechnet am Funk versuchte und heute deutlich geerdeter klingt.

Dullijöh Ziemlich bayerische Gruppe nach Art des Sparifankal-Rock und Ende der 70er mit diesen fusioniert.

Dunbar, Sly Schlagzeuger und Produzent der Reggae-Szene, Sly & Robbie.

Dundas, David Britischer Musiker und Schauspieler, der mit der Komposition einer Werbesingle für die britische Jeansmarke Brutus zu kurzfristigem Weltruhm gelangte. Nach „Jeans On“ 1976 und dem kleineren Nachfolgehit „Another Funny Honeymoon“ arbeitete der Struwwelkopf abseits des medialen Schlaglichts weiter.

Dune Deutsches Danceprojekt, das sich in den 90er Jahren mit BPM-verliebten wie melodischen Happy Hardcore/Techno-Produktionen der deutschen Tanzflächen ermächtigte. „Hardcore Vibes“, „Can't Stop Raving“ (beide 1995) und „Million Miles From Home“ 1996 wurden zu gestandenen Hits, bevor die Produzenten Froning, Burhoff und Oettrich die dünnstimmliche Leadsängerin Verena von Strenge den Streichern des London Session Orchestras aussetzte und legendäre Pophits in charismabefreite Klassikveröffentlichungen übersetzte (größter Hit: „Who Wants to Live Forever“ 1997). Comebackversuche und Wiedervereinigungen brachten nicht mehr den Erfolg der einstigen Eurodance-Helden zurück.

Dunn, Willie Indianerpolitik auf traditioneller Country-Basis Anfang der 80er.

Dupree, Champion Jack (*1909, New Orleans, † 1992, Hannover) Virtuoser Blues- und Boogie-Pianist im Stile des großen Memphis Slim.

Duran Duran 1978 gegründete Teenie-Band aus Birmingham der New-Romantic-Bewegung (New Wave). Kennzeichnend sind der etwas weinerliche und nasale Gesang von Le Bon und die griffigen Melodien der Songs („Wild Boys“). Sie gelten auch als Pioniere des karrierefördernden Musik-Videos. Nebenprodukte einzelner Musiker waren zeitweise Arcadia und Powerstation (mit Robert Palmer). Hinwendung zum Funk („Notorious“ 1986) oder traditionellen Rock in den 90ern sprachen auch ein erwachsenes Publikum an.

Durham, Eddie (*1908, † 1987), am ehesten durch seine Zusammenarbeit mit Count Basie in Erinnerung, war als Arrangeur eine prägende Gestalt des Kansas City Jazz, als Gitarrist Stammvater aller, die ihr Instrument elektrisch verstärken und Posaunist obendrein.

Dury, Ian (and the Blockheads) Der Londoner Sänger machte ab 1977 Karriere mit wildem Rock-Mix, rauh-rauchiger Stimme und bizarrem Bühnengebaren (hervorgerufen nicht zuletzt durch körperlichen Mißwuchs). Textlich sozialkritisch oder unsittlich („Sex and Drugs and Rock'n'Roll“, „Hit me with your Rhythm-Stick“); März 2000 gestorben.

Dylan, Bob, 1941 als Robert Zimmermann in Minnesota geboren, ist eine der wandlungsfähigsten und einflußreichsten Persönlichkeiten der Rock- und Pop-Geschichte, in seiner Bedeutung vielleicht nur mit den Beatles vergleichbar. Mit anspruchsvollen genial-einfachen Kompositionen, die jederzeit auch zu reiner Gitarrenbegleitung funktionierten, in der Folk-Bewegung zuhause, löste er 1965 mit der Verwendung einer elektrischen Gitarre die Massenbewegung des Folk-Rock aus (er selbst ließ sich zeitweilig von der Rock-Combo The Band begleiten). Seine oft brillanten Texte, die er mit markant-näselnder Stimme in der Nachfolge Woody Guthries unverwechselbar vorträgt, sind voll lyrischer Andeutungen, versteckter Drogen-Metaphern, verklärter Protest-Poetik und später auch autobiographischer Statements. Ob er sich Mitte der 70er erneut reinem Folk zuwandte, ein eher Rock-orientiertes „Live at Budokan“-Album herausgab, religiös-christlichem Fundamentalismus verfiel (1978), politisch wieder schärfer wurde, mit Tom Petty, den Traveling Wilburys und Grateful Dead (1989) zusammenarbeitete oder Mitte der 90er karge, urtümliche Blues- und Country-Alben vorlegte, letztendlich war er seinen häufigen Kritikern immer eine Nasenlänge voraus. Unzählige Hits, unzählige Coverversionen unzähliger Musiker und Bands (Joan Baez, Byrds, Manfred Mann, Jimi Hendrix, Neville Brothers u.v.m.) aller Stilrichtungen haben Dylan (obwohl oft umstritten) dennoch nicht zum Mythos verkommen lassen, er ist bis heute unverkennbar lebendig. 2016 erhielt er den Nobelpreis für Literatur („The Times They Are a-Changing“, „Hard Rain's a-Gonna Fall“, „Blowing in the Wind“, „With God on Our Side“, „I Want You“, „It's Allright Ma“, „Mr. Tambourine Man“, „All Along the Watchtower“, „Like a Rolling Stone“, „Queen Jane Approximately“, „Highway 61 Revisted“, „It's All Over Now Baby Blue“, „Mighty Quinn“, „I Shall Be Released“, „Knockin' on Heaven's Door“ u.v.m.).

X

XIT Indianische Rockgruppe, die in den 70ern mit simplem Rock oder anklagenden Balladen vergeblich auf die Unterdrückung der nordamerikanischen Ureinwohner aufmerksam machen wollte.

XTC Trickreiche, freche New Wave-Engländer, die ihren genialen, eckigen Gitarren-Pop ab Ende der 70er in immer verschachteltere und weniger griffige Produktionen hineinexperimentierten. Besonders erwähnenswert ist das genial knackige Album „Go 2“ mit „This Is a RECORD COVER“-Plattenhülle, die jede Diplomarbeit zum Thema Marketing ersetzt.

Y

Y & T (Yesterday & Today) Ende der 70er mit brachialem Heavy-Metal gestartet, Anfang der 80er bereits zu Hardrock abgeschliffen.

Yamashta, Stomu Vor allem in den 70ern konnte der Keyboarder und Percussionist aufgeschlossene Rockmusiker (Winwood, Manzanera) um sich scharen, für die klanglich sphärische Experimente oder kruder Jazz noch avantgardistisch neu waren.

Yanai, Kate Amerikanische Sängerin, die sich dank eines Werbespots für Bacardi Rum zum One Hit Wonder sowie zur Sommerhit-Lieferantin des Jahres 1991 küren durfte. Die Palmen-Kokosfrüchte-Strand-Bikini-Schönheiten-Nummer „Summer Dreaming“, die wahrlich Sonnencreme-schmelziges Südsee-Sommer-Feeling bis zum letzten Takt versprüht, blieb somit der einzige Erfolg von Kate Markowitz (so ihr etwas kühler klingender, bürgerlicher Name), als Backgroundsängerin und später eher unauffällig agierende Soulpop-Interpretin scheute sie die große Bühnenlaufbahn.

Yancey, Jimmy Siehe Boogie.

Yankovic, Weird Al Ab Mitte der 80er Parodien auf jeweils aktuelle Musik der Amerikaner von Madonna, Michael Jackson bis Nirvana.

Yardbirds Typischer, früher englischer Blues (vornehmlich mit Cover-Versionen amerikanischer Klassiker) Anfang der 60er zuerst mit dem Gitarristen Eric Clapton, dann Jeff Beck, der wiederum von Jimmy Page (vormals am Baß; später bei Led Zeppelin) abgelöst wurde. Nachdem die Gruppe nicht zuletzt mit den Rolling Stones nicht mithalten konnte, startete der Sänger Keith Relf 1968 Renaissance. Mitte der 80er versuchten „Box of Frogs“ eine sehr gekonnte, allerdings nicht besonders zeitgemäße Neuauflage der Yardbirds mit Jeff Beck als Gast und ohne den inzwischen verstorbenen Sänger Keith Relf.

Yazoo Die leicht soulige Stimme von Alison Moyet und der abgefahrene Synthesizer-Sound von Vince Clark (Ex-Depeche Mode; später Erasure) ergaben von 1981-83 ein erfolgreiches englisches Pop-Gemisch („Don't Go“). Moyet machte nicht ohne Niveau, doch etwas konventioneller solo weiter.

Yazz Britische Sängerin, die sich vor allem erfolgreich an der Otis Clay-Nummer „The Only Way Is Up“ 1988 versuchte. Mit ihrem betont fröhlichen House-Pop-Gemisch (u.a. „Stand Up For Your Love Rights“) überdauerte die Kurzhaarblondine die 90er in England nur mit bescheidenen Erfolgen.

Yeah Yeah Yeahs Ab 2001 New Yorker Trio zwischen rohem Punk und heftig hysterischem Schock (vor allem in der weiblichen Gesangsstimme).

Yello Schweizer Projekt (Boris Blank, Dieter Meier und Carlos Peron, 1982 ausgeschieden), das ab 1980 in Collagen-Technik tanzbare Elektronik-Musik mit Sprechgesang kombinierte. Einfallsreich und mit Versatzstücken aus allen möglichen Klangbereichen entstanden Discotheken-Knaller der 80er und sie wurden Vorreiter für House oder Techno („Oh Yeah“, „The Race“, 1987 „The Rhythm Divine“ mit Shirley Bassey).

Yellow Magic Orchestra 1978 in Japan gegründetes Elektronik-Trio mit bizarrer Collage aus Synthesizer-Klängen, Disco und Fernost-Folklore. Nach Erfolgen vor allem in Japan und England, 1983 aufgelöst. Ryuichi Sakamoto wurde daraufhin durch symphonisch-fernöstliche Filmkompositionen („Der letzte Kaiser“ 1987) bekannt und versucht bis heute einzelne Aspekte der oben genannten Klangwelten weiterzuspinnen.

Yellowman Der Albino verdient in der Sparte Deejay-Toasting besondere Beachtung aufgrund seiner in Jamaika ungeschlagenen Plattenumsätze (mit Slackness-Lyrics (sexistische Texte) vor allem in den 80ern); danach durch Kokainmißbrauch erheblich verminderte Kondition.

Yes 1968 in London entstandenes Quintett um den Bassisten Chris Squire (*1948, Kingsbury, † 2015, Phoenix) und den Sänger in extrem hoher Lage Jon Anderson. Die Schlagzeuger Bill Bruford, Alan White, die Gitarristen Peter Banks, Steve Howe, die Keyboarder Tony Kaye, Patrick Moraz und vor allem der auffallend progressive, von den Strawbs abgewanderte Rick Wakeman sorgten für immensen Erfolg im Art Rock der 70er, für den sie stilbestimmend sind (1973 „Yessongs“). Bis zum Septett erweitert, konnten Yes mit verschachteltem Rock, komplexen Groß-Kompositionen und virtuosem Können jederzeit bis in den Pop der 80er ihre Fans überzeugen. „Tormato“ war 1978 allerdings ein einfallsloser Tiefpunkt, woraufhin sich die Band 1980 mit „Drama“ völlig neu erfand, was aber in New Wave-Zeiten trotz frischer Ideen und Musiker, z.B. dem Produzenten Trevor Horn als Sänger, überhaupt nicht ankam. 1983 wurde es auf „90125“ mit Keyboard-Rock um das neue Mastermind Trevor Rabin (g, aus Südafrika) nochmal richtig erfolgreich („Owner of a Lonely Heart“). Spätere Abspaltungen wie „Anderson Bruford Wakeman Howe“ klingen allerdings stark nach Altherren-Club. Seit 2014 (mit neuem Sänger in inzwischen dreißigster(!) Umbesetzung) weiterhin auf Tour.

Yolanda Be Cool Australische Band, die gemeinsam mit dem Produzenten DCup einen Swingtitel aus dem Jahr 1956 („Tu vuò fà lamericano“ von Renato Carosone) in einen schmissigen Dancetrack („We No Speak Americano“ 2010) überführt hat. Trotz des Bemühens, mit wiederaufgetauter 90er-Begleitung (Crystal Waters: „Le Bump“ 2011) bzw. Hitverwertung („All That She Wants“ 2014) sowie einigen weniger einfallsreichen Clubproduktionen ein paar Lorbeeren zu sammeln, verschwanden die Australier Martinez und Peterson wieder aus der öffentlichen Wahrnehmung.

York, Pete (*15.8.1942, Middlesbrough) Virtuoser, mit der Spencer Davis Group bekannt gewordener Schlagzeuger,

Yothu Yindy In den 90ern weltweit mäßig bekannte einfache Folk-Pop-Truppe mit geringen heimatlichen (australischen) Ethno-Einflüssen.

YouTube Internet.

Youlden, Chris (*1943, Dagenham) Starker Bluesrock-Sänger bei den frühen Savoy Brown und mit Solo-LPs ab Anfang der 70er bis heute!

Young Deenay Deutsche Rapperin, die 1997 kurzzeitig mit den beiden Eurorap-Nummern „Walk On By“ und „Wannabe Your Lover“ auf sich aufmerksam machte und damit zugleich dem Backgroundsänger Sasha zu dessen Popkarriere verhalf. Heute arbeitet sie als Diplom-Psychologin in einer Berliner Praxis.

Young, John Paul Australischer Sänger und Songwriter mit zwei Disco-Hits in den 70ern: „Love Is in the Air“ und „Standing in the Rain“.

Young, Lester (27.8.1909, Woodville, † 15.3.1959, N.Y.), der Prototyp des coolen Musikers, hat lange vor dem Cool Jazz mit verhaltener, vibratoarmer Tonbildung und relaxtem Swing musiziert. Sein trockener Sound und weiches Spiel war in den 30ern, als sein Antipode Coleman Hawkins aller Tenorsaxophonisten übermächtiges Vorbild war, unerhört. Ansatzpunkte dazu lagen allenfalls im Chicago Jazz (Trumbauer, Freeman). Als Young 1934 Hawkins Nachfolge bei Henderson antreten sollte, quälte ihn Mrs Henderson mit Vorspielen von Hawkins-Platten. Doch während seiner Zeit bei Basie (1936-40, 1943-44, später als Gast), der Youngs Stil kontrastierend zu dem des Hawkins-Schülers Herschel Evans einsetzte, errang er als selbständige Stimme Gehör. Seine oft pentatonische Melodik, sein Hupen auf einer Note, seine empfindsamen Balladen, deren Text er gleichsam mitinterpretierte, glichen nichts Dagewesenem. Der Militärdienst versetzte 1944-46 dem sensiblen Künstler ein schweres Trauma; die melancholische Komponente in seinem Spätwerk wurde akzentuiert und der Sound fragiler. Young, der auch ein hervorragender Klarinettist war, erhielt von seiner Freundin Billie Holiday den Beinamen Pres, um seine Stellung als Präsident der Saxophonisten zu unterstreichen. Sein Einfluß war enorm: Die Bopper (Parker kam auch aus Kansas City und konnte alle Young-Soli auswendig) erkannten, wem sie bestimmte klangliche und rhythmische Neuerungen zu verdanken hatten und pflegten auf dem Tenor ein Parker-Young-Idiom (Gray, Eager). Besonders vorbildlich wurde Youngs Stil der sanften, leisen Töne im Cool Jazz bei Getz oder Giuffre. Zur gleichen Zeit gab es aber auch Stimmen, die von Young zwar die melodische Ökonomie und Merkmale der Phrasierung übernahmen, im Übrigen aber eine Young-Variante in laut pflegten (G. Ammons). Der Mensch hinter der Musik, der Kollegen mit Lady anredete und sich oft eines kaum verständlichen Kauderwelsches bediente, galt als introvertierter Exzentriker. Der gesundheitlich, vor allem vom Alkohol stark Geschwächte starb nach einem vorzeitig abgebrochenen Paris-Gastspiel. Zuletzt spielte der Versunkene nur noch tonlos, indem er die Klappen des Instruments bewegte. Unverzichtbar sind aus den 30er Jahren Aufnahmen mit Count Basie, Billie Holiday und den Kansas City Six, aus den 40er Jahren die Aufnahmen für das Label Aladdin, aus den 50er Jahren die Aufnahmen mit Oscar Peterson bzw. Teddy Wilson.

Young, Neil 1945 in Toronto geborener Sänger, Gitarrist und Songwriter. Vom Folk-Rock kommend (Buffallo Springfield oder Crosby, Stills...), versuchte sich Young ab 1969 solo (mit oder ohne Begleitband Crazy Horse) in verschiedensten Stilen wie z.B. Rockabilly („Everybody's Rockhin'“) oder elektronischem Rock („Trans“). Sein Hauptschaffen lag aber immer im Folk: Country mit eingängigem, starkem Songwriting (z.B. „Like a Hurricane“ oder „Heart of Gold“) mit nasal weinerlicher Stimme gesungen. Da er seine Musik gerne mit schrägem Gitarren-Lärm garnierte („Freedom“), wurde er auch zu einer Art geistigen Vaters der 90er-Grunge-Szene (1995 zusammen mit Pearl Jam „Mirrorball“ 1996 mit den Black Crowes).

Young, Paul Im New Wave der späten 70er debutierte der kraftvolle Sänger mit melodiöser, etwas rauher Stimme bei den Q-Tips, um sich ab 1983 solistisch in der ganz großen Pop-Gesangskunst zu üben („Love of the Common People“). Den Sprung in die Extraklasse verhinderte aber eine Stimmband-Erkrankung, die ihn seit den 90ern zwingt, schlapper zu intonieren.

Young Paul (II) , verstorbener Sänger von Sad Cafe und Mike and the Mechanics - nicht zu verwechseln mit obigem!

Young Rascals, The siehe The Rascals.

Young, Trummy (*12.1.1912, Savannah, † 10.9.1984, San José) musizierte als innovativer Posaunist und witziger Sänger 1937-43 bei Lunceford und 1952-64 bei Armstrong.

Youngblood, Sydney (*1960, San Antonio) Der farbige Soul-/Dance-Sänger mit etwas begrenztem Bariton wartet nach seinem Erfolg „If Only I Could“ und „Sit and Wait“ Ende der 80er bisher vergeblich auf einen weiteren.

Youngbloods, The In den 60ern hatte die Bostoner Band einige Hits zwischen Country und Beat in Sachen Hippie-Romantik („Grizzly Bear“, „Get Together“); 1973 war ihre Zeit vorbei.

Z

Zander, Frank Deutscher Musiker, Moderator, Berliner, Eisbär-Maskottchen, Hertha-Fan und Wohltäter, dessen Leidenschaft für skurrile Figuren, schmissige Auftritte und grelle Persiflagen deutschen Liedguts prägend für seinen Werdegang wurde. Sein Repertoire umfasste die gebrochene („Ich trink auf dein Wohl, Marie“ 1975, „Jeannie“ 1986) wie überzeichnete („Hier kommt Kurt“ 1990) Machokarikatur, den überforderten Familienvater („Da da da“ 1982) sowie den schrulligen Schlageronkel unter dem Pseudonym Fred Sonnenschein („Ja, wenn wir alle Englein wären“ 1981). Zwischen primitivem Ulk und spitzzüngiger Betrachtung menschlicher Eigenarten changierend, blieb der stets unterschätzte Showmaster Zander bodenständig und angenehm bescheiden. Sein jährliches Weihnachtsessen für Berliner Obdachlose wurde mehrfach ausgezeichnet.

Zappa Frank (*1940, Baltimore, † 1993, Laurel Canyon) (g, v, k) reihte mit seinen Mothers of Invention (1964-70) in oft schrillster Collagen-Technik Rock- und Jazz-Versatzstücke in atemberaubendem Tempo und wildesten Brüchen aneinander. Parodistische Harmoniegesänge zogen mit wilder Schock-Gebärde und aberwitzigen Solo-Einlagen gegen den American Way of Life zu Felde. Mit wechselnden, jedoch stets virtuosen Musikern näherte er sich in den 70ern konventionelleren Rock-Gefilden, ohne seine abrupten Wechsel und humoristischen Einlagen wesentlich zu vernachlässigen (drei Hits auf dem ausnahmsweise kommerziell perfekt produzierten Meisterwerk „Sheik Yerbouti“ 1979). Nach seinen karrierelangen Streitigkeiten mit Managern und Plattenfirmen schüttete Zappa in den 80ern eine derart ungeheuerliche Menge seiner früheren Konzerte und neueren Versuche mit dem elektronischen Synclavier (genial gegen den Strich gebürstet „Jazz from Hell“ 1986) auf den Markt, daß zwischen endlosen Wiederholungen, verschrobenen Belanglosigkeiten und raffinierten Meisterwerken in höchst komplexer Spielweise eine Frage nicht mehr zu beantworten war: Genie oder Scharlatan? Genie! fand 1993 das Frankfurter Ensemble Modern und setzte zusammen mit Zappa einen symphonischen „Yellow Shark“ um, bevor der Meister an Krebs verstarb.

Zawinul, Joe (*7.7.1932, Wien; † 11.9.2007, ebenda) war mit Abstand der erfolgreichste europäische Keyboarder. Er hatte schon bei Ferguson und D. Washington gewirkt, als er von 1961 bis 1970 bei C. Adderley unter anderem mit dem Hit „Mercy, Mercy, Mercy“ für Furore sorgte. Weather Report, 1971-85 mit Shorter geleitet, war auch dank seiner Hits („Birdland“ auf dem Album „Heavy Weather“) eeine der markantesten Formationen des Jazzrock. Sehr ergreifend ist seine CD „Mauthausen“ 2000. Niemand hat als Pionier und Vollender so viel für die Etablierung elektroakustischer und elektronischer Tasteninstrumente im Jazz getan wie Joe Zawinul. Vom simplen E-Piano, das er als beliebtester europäischer Jazz-Import schon bei Cannonball Adderley einsetzte bis zur neuesten Synthesizer-Technik - der Wiener mit der bunten Kappe hatte schon alles ausprobiert und perfektioniert, bevor sich das Gerät herumsprach.

Zed Yago Deutscher Heavy-Metal um Jutta Weinhold Ende der 80er.

Zeltinger Kölschsprachiger teils heftiger Rock seit Mitte der 70er („Asi mit Niwoh“).

Zephaniah, Benjamin Einer der jüngeren Vertreter in der Gilde der Dub-Poeten und Gastmusiker bei Bomb The Bass Anfang der 90er.

Zephyr Band um den Gitarristen Tommy Bolin (1970-72).

Zevon, Warren aus Chicago; hatte mit Folk- und Blues-beeinflußtem Rock in den 70ern einige Hits (z.B. „Werewolfes of London“) und war auch als Musiker für die Everly Brothers und als Songautor für Linda Ronstadt tätig; † 2003.

Zimmer, Joana Deutsche Sängerin, die 2005 mit „I Believe“ ihren Durchbruch feierte. Von Geburt an blind sowie mit einer elegischen Stimme ausgestattet, bewies die gebürtige Freiburgerin neben ihren Model- und Tanz- („Let's Dance“-Teilnahme 2012) sowie Schauspielfähigkeiten („Rote Rosen“, „Verrückt nach Meer“) auch ein gutes Gespür für panierten Celine Dion-Pop, der allerdings heute nur noch selten im Radio aufzuspüren ist.

Zion Train Eigentümliche Mischung aus schwergewichtigem Dub und Techno mit Marihuana-Texten seit Mitte der 90er.

Zlatko Deutscher Hauptdarsteller der ersten „Big Brother“-Staffel 2000 und begnadeter Nicht-Sänger, der in Folge einer rigorosen medialen Ausschlachtung seines begrenzten Allgemeinwissens sowie ungelenken öffentlichen Auftretens zum Kult inklusive Musik-Niederungen wie „Ich vermiss dich“ und (mit Containerbruder Jürgen) „Großer Bruder“ (beide 2000) erhoben wurde.

Zoller, Attila (*1927, Visegrad, † 1998, Townshend) war ein ungarischer Jazz-Gitarrist der Spitzenklasse. „The Horizon Beyond“ wird stets als Paradebeispiel für Free-Jazz-Gitarristik zitiert, dabei swingt es, trotz abrupter Tempowechsel und frei-atonaler Passagen in einer Weise, die verrät, daß da kein Gitarren-Berserker am Werke ist. Im Grunde seiner Seele war der ursprünglich vom Cool Jazz geprägte Ungar trotz seines martialischen Vornamens, ein großer Lyriker der Gitarre mit einem wunderbar warmen, glänzend herausschwingenden Sound, dessen Spiel in jedem Umfeld Klarheit, Luftigkeit und Durchsichtigkeit bewahrte. Zeitlebens war Zoller ein immenser Meister der Klein- und Kleinstbesetzungen. Gerade im Duo mit Größen wie Jimmy Raney oder Albert Mangelsdorff schien Zoller die Gedanken seiner Kollegen zu lesen.

Zombies, The Engländer mit sanftem, verzwicktem Beat in den frühen 60ern um Rod Argent (k).

John Zorn (*2.9.1953, New York) hat als Saxophonist ebenso Bop-Standards neu gesichtet („News for Lulu“), wie er als avantgardistischer Komponist, z.B. nach Handzeichen improvisierter Klangcollagen („Cobra“), mit Hang zum extrem Schrägen und zum Krach (mit der Band „Painkiller“ Death-Metal-Jazz?) immer wieder in ungeahntes Neuland vordringt.

Zydeco mit Elementen schwarzer Musik (Blues, Gospel) versehene Cajun Musik.

ZZ Top, 1970 in Texas gegründet, verbinden Blues und Country-Einflüsse zusammen mit harten Rock-Gitarren und treibendem Schlagzeug zu einer publikumswirksamen Mischung. 1974 hatte das Trio mit „La Grange“ seinen ersten großen Hit in Amerika, den größten Erfolg mit der LP „Eleminator“ 1983. Die Band, deren optisches Erkennungszeichen die langen Bärte des Gitarristen und des Bassisten sind (wobei ausgerechnet der Schlagzeuger mit Namen Beard keinen trägt), setzte immer stärker Synthesizer, Samples und Drumcomputer ein, bevor sie sich 1994 wieder ihrer Blues-Wurzeln erinnerte: Bis heute typischer, sehr erfolgreicher Southern-Rock (2012 „La Futura“).

1, 2, 3...

18 Summers Die späten Silke Bischoff.

1910 Fruitgum Co. Mit dem Bubblegum-Hit „Simon Says“ gelang den Amerikanern ein One-Hit-Wonder in Deutschland. Die Band existierte lediglich zwischen 1966 und 1970.

2 Chainz Das ehemalige Playaz Circle-Mitglied aus den USA berappt seit 2007 die klassischen Hip-Hop-Themen mit gewöhnlicher Aufreißer-Geste: Autos, Geld, Frauen. Schwere, gemächliche Rap-Beats irgendwo zwischen Ludacris und 2 Pac.

2 Live Crew & Luke Amerikanische Rap-Formation der 80er; vor allem bekannt geworden durch billige Macho-Texte („We Want some Pussy“). Genauso macht Luke jetzt solo weiter.

2raumwohnung ab 2001 einfacher melodiöser NDW-Pop von Tommi Eckart mit dem sanften Gesang von Inga Humpe („Nimm mich mit“).

2Step (weil sozusagen im 2/4 Takt) House-Variante, auch Garage genannt, ab 2000 aus London.

2 Unlimited Sehr erfolgreiches Pop-Duo in den 90er-Jahren im Dancefloor-Schema.

2-Pac (Tupac Shakur) Ex-Mitglied der Digital Underground stets zwischen Gefängnis und Gangsta-Rap; „California Love“ zusammen mit Dr. Dre 1996 - das Jahr, in dem er schließlich erschossen wurde.

20 Fingers Das US-Dancefloor-Trio mit der gesangstechnisch limitierten Frontfrau Sandra Gillette lieferte Mitte der 90er Jahre simpel gestrickte Club- und Discokracher mit Hang zu männlicher Bloßstellung („Short Dick Man“) und Beischlaf-Koketterie („Lick It“).

2-4 Family Multikulti-Hip-Hop-Truppe (USA, Korea, England), die vor allem in Deutschland kurzzeitig (1998/99) mit zwei Hits („Stay“, „Lean on Me“) und danach nie wieder erfolgreich war.

257ers Deutsches Duo, das seit 2006 mit bemerkenswertem Erfolg dem Klamauk-Hip-Hop huldigt. Konsequent zwischen ordinärer Streetrap-Persiflage, nihilistischem Jugendsprech und Nonsenslyrik changierend, positionieren sich Schneider und Rohleder als Dauerzotenspender der jugendorientierteren Musikkultur, deutlich weniger pointiert-tiefsinnig als K.I.Z., aber stets entlang des Niveaus von Büttenreden zur Mainzer Fastnacht. Songs wie „Baby du riechst“ 2014, „Holland“ oder „Holz“ (beide 2016) werden dennoch in einigen Jugendzentren gefeiert. Warum auch nicht.

3. Generation, Die Deutsche Boyband, die aus einem Casting hervorgegangen klobigen Schülerzeitungsrap mit melodischem Pop verband. Nach persönlichen Anklagen („Vater, wo bist du?“ 1998, „Halts Maul“ und „Bitte nicht“ beide 1999) folgte 2000 mit dem keineswegs mißratenen „Big Brother“-Soundtrack „Leb!“ der erste Nummer 1-Hit. Die Erfolgskurve des Trios nahm in den darauffolgenden Jahren stetig ab. Angesichts des später einsetzenden Deutschrap-Booms lassen sich Tolga, Julian und Darko rückblickend als gemütlicher Streichelzoo der frühen deutschen Hip-Hop-Kultur klassifizieren.

3rd Wish Die US-Boygroup machte 2004 lediglich durch eine verpoppte Variante des Bachata-Schlagers „Obsesión“ (im Original von der Band Aventura) auf sich aufmerksam.

4 Non Blondes hatten Anfang der 90er mit „What's Up“ durch dreist im Studio zusammengeschnipselte Tonhöhensprünge im Gesang (Linda Perry) einen, einzigen Mega-Erfolg mit Pop zu zeittypisch harten Gitarren. Perry ist ab 1996 mit pianobetontem Pop solo zu hören.

4 The Cause Coverversionen von Ben E. King („Stand by Me“) und Bill Withers („Ain´t no Sunshine“) mit leichtem Gospeleinschlag waren das Patentrezept des minderjährigen Pop-Quartetts, bestehend aus zwei Geschwistern und zwei Cousinen. Der Erfolg kam und ging im Jahr 1998.

10cc Perfekt produzierter und arrangierter Pop-Rock („Rubber Bullets“) ab 1972 aus England. Eingängig und oft unterschwellig vielfältig sowie parodistisch auch mit Soft-Rock („I'm not in Love“) oder Reggae („Dreadlock Holiday“). Nach diversen Hits verließen 1976 die Songschreiber Godley & Creme die Band; danach ging's mit der live etwas blutleeren Band bergab.

38 Special Um Donnie van Zandt, den Bruder des Lynyrd Skynyrd-Sängers, stark an deren Rock-Sound orientiert, etwas härter, jedoch nicht so vielschichtig; konnten in den 70ern und 80ern einige Hits landen (Southern Rock).

49ers Nicht gemeint ist das gleichnamige Football-Team aus San Francisco, sondern ein italienisches Eurodance-Projekt, das mit dem Acid House-angehauchten „Touch Me“ inklusive Aretha Franklin-Sample 1990 die Tanzflächen in Europa eroberte.

50 Cent Der Gangsta-Rapper schaffte dank seiner Mentoren Eminem und Dr. Dre 2003 den kommerziellen Durchbruch mit „In da Club“. Es folgten Hits wie „P.I.M.P.“ und „Candy Shop“. Besondere Markenzeichen des US-Amerikaners: Nuschelige Raps, fette Arrangements und unzählige Fäkalausdrücke.

5000 Volts Britische One Hit-Wonder-Band mit Sängerin Tina Charles („I Love to Love“). Der einzige Hit von 1975: „I´m on Fire“ mit hektischen Synthetikstreichern und 2-Akkord-Hookline, das reichte zu Platz 1 in Deutschland.

10.000 Maniacs Folkbetonter Gitarrenrock seit Mitte der 80er aus Amerika mit einem Unplugged-Highlight 1993 und prompter Auflösung der Band. Die ausdrucksstarke Sängerin Natalie Merchant macht solo weiter („Carneval“ 1996).









Ein lückenvolles

Lexikon der Pop- & Rock- & Jazz-Literatur

Basis-Informationen in 32 Schubladen von Peter Wulff

 


George T. Simon, „Die Goldene Ära der Big Bands“, Hannibal, 2004 (Original 1981). DAS Standardwerk.

Dorothy Baker, „Verklungene Trompete“, Sanssouci, Zürich, 1961
Ein ergreifender, wunderbarer Roman über Bix Beiderbecke - volle Breitseite Jazz-Feeling - ein Klassiker.

Chuck Berry „Hail! Hail! Rock'n´Roll - Die Autobiographie“, Arthur Moewig, Rastatt, 1987
Wirklich von ihm selbst geschriebene Bio, die sein schwieriges, manchmal gar fragwürdiges Leben mit zahlreichen Frauen, Freunden und Knastaufenthalten schildert. Vielleicht kommt die Musik etwas zu kurz, aber er schreibt mal mutig, mal verzagt, traurig und froh, politisch, privat über seine vielen Aufs und Abs, daß einem eigentlich nie langweilig wird. Er hat es zumindest verdient, gelesen zu werden.

Steven Rosen, „Black Sabbath“, Sanctuary, London 2001
Englische Band-Bio. Überarbeitete Version der 96er-Ausgabe - o.k. stimmt alles soweit und leidlich unterhaltsam.

Endlich auch in Deutschland wieder erhätlich: Die aktuelle James Brown-(Auto)Biographie „Godfather of Soul“ unter der wohltuend objektivierenden Mithilfe von Bruce Tucker. Ambivalent wie der Musiker - darf also als gelungen gelten; Heyne, München, 2008.

Franz Dobler, „Johnny Cash ...und die seltsame und schöne Welt der Countrymusik - The Beast In Me“, Heyne, München, 2. überarbeitete Auflage, 2004
Unterhaltsam-lockere freundliche Informationen zu Johnny Cash, der Country-Szene und -Industrie in Amerika und Deutschland von damals bis heute. Nicht wirklich eine Biografie, aber ein Lesevergnügen.

Die ultimative „Miles Davis, Eine kritische Biographie“ stammt von Ian Carr. Da er selbst Trompete spielt und aus dem fernen Großbritannien stammt, hält er kritische Distanz und läßt dennoch liebevolle Nähe walten - das Ergebnis ist (typographisch eine Katastrophe) inhaltlich kaum zu übertreffen; LT Verlag 1982/1985.

Ray Manzarek regt sich in „Die Doors, Jim Morrison und ich“ fürchterlich über Oliver Stone auf, bringt aber dennoch eine liebenswürdige Biographie zustande, die auch das Lebensgefühl der End-60er-Jahre rüberbringt; Hannibal, 1999.

Geoff Emerick (mit Howard Massey), „Du machst die Beatles“. Was der dämliche Titel nicht vermuten läßt: Beim Tontechniker der Beatles, Emerick hat man tatsächlich das Gefühl, dabei gewesen zu sein. Eine so intime und nur teils warmherzige Darstellung war womöglich nur aus dieser zeitlichen Distanz zu bewerkstelligen. Die erstaunlich plausible Geschichte (nicht nur) der Beatles in manchmal erschreckend klaustrophobischer Weise setzt nicht nur das Verhältnis zum Produzenten Martin in ein neues Licht. Außerdem interessant für Tontechniker. Bin immer noch ganz erstaunt. Blanvalet, 2007.

„Flamenco“ von Kersten Knipp. Das Lebensgefühl hier in detaillierter und äußerst fundierter Historie. 2006 bei Suhrkamp erschienen und schon das Standardwerk, sage ich mal, etwas vorgriffig.

„Grateful Dead, The Illustrated Trip“ - auf 480 großformatigen Seiten wird jede in Beziehung zur Band stehende Person, jeder wichtige Tag in der Geschichte der Band (und etwas vorher und nachher), jede Platte, jedes wichtige Lied und und und uff - mehr geht nun wirklich nicht - gewürdigt; Dorling Kindersley, 2003. Na ja, ich hab´ schon noch etliche Bücher mehr über die Dead;-)

Michael Rudolf, „Shut up and Play Your Guitar“, Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin, 2003
Nur in den dringendsten Fällen darf Hr. Rudolf bestimmen, was an seinen 444 Gitarristen lustig sein soll! Alles andere weiß ich sowieso besser, er hätte ja mal fragen können! Hust. Außerdem fehlt ein ehemaliger Cream-Gitarrist!

„For the Love of Vinyl - The Album Art of Hipgnosis“, Picturebox, New York, 2008
Von den Gründern der 1968 entstandenen Agentur Storm Thorgerson und Aubrey Powell selbst liebevoll verfasster Bildband mit unzähligen Plattencovern von 10cc über Led Zeppelin, Wishbone Ash und natürlich Pink Floyd. Hintergründe, Kommentare (z.B. von Nick Mason), eine schöne Aufmachung, guter Druck der (vor allem) Fotos machen das Werk zum Lesevergnügen und Augenschmaus über die maßgeblichsten Ideengeber im Business der 70er.

„Nicky Hopkins“ von Julian Dawson. Der kränkliche Pianist hat mit so vielen Musikern und Bands gespielt (u.a. Stones, Beatles, Who, Jerry Garcia, Jeff Beck, Fats Domono, Martha Reeves...), daß der Protagonist dem Leser in unzähligen traurigen, lustigen, spannenden, aber immer informativen Episoden stetig symphatischer wird - eine Fundgrube und fast ein Roman, wohl auch, weil Dawson als Musiker sehr einfühlsam schreibt. Edition Elke Heidenreich bei C. Bertelsmann 2010, 400 S.

„JAZZ“ Für den Einsteiger eine authentisch illustrierte Chronik, eine informative Instrumenten-Übersicht, eine etwas zu kanonisierte Vorstellung der Größen des Jazz und eine ebenso fragwürdig knappe Darstellung der Techniken. Dann aber auch für Kenner eine wunderbar engagiert warmherzige Kritik fundamentaler Aufnahmen wobei allein die vielen Coverabbbildungen Gold wert sind!
Von John Fordham im Christian Verlag, München, 1994 und in unzähligen günstigen Nachdrucken.

„Das kleine Jazz-Lexikon“ (von Marcus A. Woelfle)
ist mit 5, 5, x 6 cm tatsächlich klein, geradezu winzig. Trotzdem gelingt das Kunststück, alles Wesentliche auch noch pointiert unterzubringen. Vorbildlich! Absolut gelungen!
Compact Verlag 1995, München, 256 S.

„Der Mann mit dem Fagott“ Udo Jürgens & Michaela Moritz
ist eine packende Autobigraphie des Künstlers und durch die brilliante Schreibkunst von Frau Moritz ein noch weit mehr fesselnder Gesellschaftsroman, der über die erzählten über 100 Jahre mühellos hinwegträgt und Musikenthusiasten wie, ich möchte schon sagen: Dickens-Fans mitreißen sollte. Biographisch wie literarisch eine echte Überraschung!
Blanvalet 2006, München, 763(!) S.

„Ozzy - Die Autobiographie“: Ozzys Leidensgeschichte - sehr detailreich und dennoch nicht unbedingt erhellend - um so länger um so quälender. Heyne 2009, 480 S.

Wesentlich unterhaltsamer: „Ozzy Osbourne Talking“: Kurzweilige Bio mit zahlreichen Abbildungen - zusammengesetzt aus teils provokanten, teils witzigen Zitaten Ozzies und etlicher Kollegen. Schwarzkopf & Schwarzkopf 2003, 160 S.

Fritz Rau, „50 Jahre Backstage“, Palmyra, Heidelberg, 2005
Der oft des Kommerzialismus gescholtene Konzertveranstalter mit seiner Autobiographie. Symphatisch und spannend, wäre da nicht die breit ausufernde Affinität zu ausgerechnet Peter Maffay...
Profunde Kenntnisse in Sachen Jazz, Blues, Weltmusik und die wirklich unbestreitbaren Leistungen des Impresarios haben mich aber wieder versöhnt - ein echter Blick hinter die Kulissen.

Achim Reichel „Ich hab das Paradies gesehen“, Rowohlt, Hamburg, 2020
Der vielseitige Hamburger Musiker hat viel erlebt, kennt interessanteste Menschen und schreibt doch wie im Schulaufsatz Was ich in den Ferien erlebt habe - schade!

Terry Hounsome, „Rock Record 7“, Record Researcher Publications, 1997
15.000 Einträge (Musiker/Bands)! 115.000 Alben!! 250.000 Musiker!!! Seit der 3. Auflage (1981) kämpfen wir uns durch dieses akribische Standardwerk. Für Freaks und Fans. Neu und auf CD-ROM 738.000 Alben, 2.400.000 Titel, 1.180.000 Musiker/Bands!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! Unglaublich!

Inga Rumpf, „Darf ich was vorsingen?“, Ellert & Richter, 2021, 352 S.
Auch als noch so volltönende Pionierin international anerkannter Rockmusik blieb ihr der ganz große Erfolg versagt, wohl auch weil den Plattenfirmen deutsche(!), weibliche(!) Protagonistinnen kaum einen Pfifferling wert waren. Inga Rumpf hat sich das Heft aber nie aus der Hand nehmen lassen und berichtet in ihrer Autobiographie über ihre zahlreichen weiteren Pop-, Schlager- oder Jazzprojekte, die sie mit prominenten Kollegen bis heute am Laufen hält.

Ich weiß nicht in welcher Auflage und mit welchen Autoren (war da Carl-Ludwig nicht auch dabei?) das „Sachlexikon Rockmusik“ von Tibor Kneif erschienen ist. Die Hälfte unserer Inspiration (Sachlexikon eben) verdanken wir jedenfalls diesem epochalem Standardwerk; Rowohlt 1978 (überarbeitet 1980...).

Julius Schittenhelm, „Ich bin kein Volk“, Biografie, Books on Demand, 2012, 288 S.
Jazz, Nazis, München in den 50ern, 60ern, 70ern, Studentenunruhen, Frauen, Sex, Kino, Theatron; frühe Tonstudios, Drogen, Andy Warhol, Embryo, Guru Guru, Christof Stählin, Joe Haider, Joe Kienemann, weise Texte zu Politik, Kultur, Chemie und Physik...

Ingeborg Schober, „Rock Dreams, 20 Jahre Popmusik von A bis Z“, mit zahlr. Farbabb. von Guy Peellaert, Schünemann, 1973
Atmet den Zeitgeist der frühen Jahre und ist auch deswegen bis heute gültig. Ein großer Wurf der Münchner Journalistin, die offensichtlich dabeigewesen ist. Das Buch ist längst vergriffen, Ingeborg Schober ist leider seit 2010 nicht mehr on the Road.

Ingeborg Schober, „Die Zukunft war gestern“, Andreas Reiffer Vlg., Meine, 2021
Und hier noch einmal phantastische Essays der eigenwilligen und einzigartigen Journalistin, deren persönlicher Stil und Musikgeschmack wegweisend waren. Hier werden vor allem die 60er bis 80er wieder lebendig. Ein schönes Buch, das dieser großartigen Frau gerecht wird.

Patti Smith, „Just Kids - Die Geschichte einer Freundschaft“, Kiepenheuer & Witsch, Köln, 2010
Ihr Leben vor allem in New York hauptsächlich Mitte der 60er bis Mitte der 70er beschreibt die, von anderen oft als rücksichtslos beschriebene Patti Smith aus ihrer Sicht persönlich, liebevoll detailgenau. Die Freundschaft zu dem schwulen Fotografen Robert Mapplethorpe im Besonderen erweitert die Sicht auf das (Underground-)Kunstschaffen der Stadt: Wilde Zeiten! Und ein Denkmal für Robert. Schreiben kann sie, das steht fest - auch wenn das jetzt kein Roman geworden ist.

Beckmann, Martens, „Star-Club“, Rowohlt, 1980
Der legendäre Schuppen in Hamburg. Bilder (s/w), Anekdoten und Informationen ohne Ende. Sehr spannend, da von Bill Haley bis Yes, Beatles natürlich, Cream, Hendrix, Rattles, Manfred Mann, Klaus Doldinger, Black Sabbath, Pretty Things, Fats Domino, Richie Blackmore, Ray Charles, Liverbirds und äh - eine wirklich unglaubliche Mischung!!! Das Buch ist längst vergriffen, zum letztjährigen Jubiläum in ähnlicher Form aber wieder aufgelegt - zugreifen, bevor diese Schatzkiste wieder geschlossen wird!

Kai Sichtermann, Jens Johler, und Christian Stahl, „Keine Macht für Niemand“, Die Geschichte der Ton Steine Scherben, Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin, 2000
Die Bio der Band vom Anfang, 1970 bis zum Ende, 1985. Sichtermann, der Bassist kennt die Band, kennt die Musik der Zeit und kennt das (vor allem) politische Drumrum. Er ist dabeigewesen und das merkt man deutlich: Eine gelungene Zeitreise, satt unterfüttert von etlichen Zeitzeugen und erweiterndem Material. So war das!

Uwe Reuters, „Easy Livin´, The Story of Uriah Heep“, Eigenverlag, Aachen, 1997

Barney Hoskyns, „Tom Waits, Ein Leben am Straßenrand“, Heyne, München 2009
Auf sage und schreibe 701 Seiten arbeitet sich der Autor ohne Waits´ Mithilfe an diesem ab und bringt gerade mal eine wirklich lustige Anekdote zustande! Es steht natürlich was drin, in diesem Buch, aber der Erkenntniswert...


Jan-M. Schultze (*1978, Berlin), Redakteur, Ghostwriter, Werbetexter, Marketer, Musiker. Begab sich noch während seines Germanistik-Studiums in die Niederungen der hauptstädtischen Künstlerszene und war über fast ein Jahrzehnt hinweg als sozialkritischer Aktionskünstler tätig. Zurück im bürgerlicheren wie privatwirtschaftlichen Milieu vornehmlich als Redakteur und Marketer in Internet- und Software-Unternehmen angestellt. Begeisterter Vinyl-Sammler, Hitparaden-Analyst, Depeche Mode-Fan und Pop-Chronist (songbrief.de), ambitionierter Songwriter, arg mittelmäßig wie unterdurchschnittlich begabter Gitarrist und Keyboarder mit einem enormen Repertoire unveröffentlichter Sommerhits. Werkelt derzeit an seiner ersten Single-Veröffentlichung.

Marcus A. Woelfle (*1964, München), Musiker und Fachautor, schreibt seit 1986 über Jazz, vollendete aber erst 1991 sein Studium der Italianistik und Germanistik in München, bevor er sich ganz der Musik und dem Kulturjournalismus verschrieb. Seit 1991 ist er als Hörfunkautor und Rundfunkmoderator tätig, zunächst bei Privatsendern wie der Jazz Welle Plus und Lora München. Für den Bayerischen Rundfunk gestaltet er seit 1997 unter anderem All That Jazz und die radioJazznacht. Als Jazzviolinist und Komponist mit eigenen Gruppen, freier Mitarbeiter zahlreicher Fachzeitschriften und Plattenfirmen ist der Autor von Buchbeiträgen, Hörbüchern, Liner Notes, CD-Kompilationen und einem Jazzlexikon vor allem als Jazzexperte bekannt, doch er widmet sich auch intensiv klassischer und traditioneller ethnischer Musik. Woelfle ist Juror beim Preis der deutschen Schallplattenkritik und lebt mit seiner Familie in Niederbayern. Unterstützt wurde er bei der Arbeit an diesem Leixkon dankenswerterweise durch das Stipendium „Neustart Kultur“ der VG WORT. Woelfle schrieb 99 % des Jazzteils und macht keinen Hehl daraus, daß er auch einigen zu Unrecht fast übersehenen Persönlichkeiten in diesem Lexikon Platz eingeräumt hat, sei es, weil sie in ihrer Größe verkannt werden, sei es, weil sie beispielhaft für eine Gruppe, Generation, Spielweise, Region usw. sind. Der Schwerpunkt des Jazzteils liegt auf den 20er bis 60er Jahren, also jener Zeit als ein großer Teil des Jazz Bestandteil der damaligen Popkultur war. Um nicht den Rahmen zu sprengen wurden für die letzten Jahrzehnte nur wenige Künstlerpersönlichkeiten besipielhaft herausgegriffen. Wenn sich z.B. unter den amerikanischen Sängerinnen um die 30 zwar Cécile McLorin Salvant und Veronica Swift finden, nicht aber Jazzmeia Horn und 50 andere, die es ebeno verdienten, dann stellt das keine Bewertung der Ungenannten dar. Es ließ sich eben nicht anders machen.

Peter Wulff (*1962, München), Grafiker, gab 1996 den Vorläufer dieses Lexikons in einer experimentell-frühen Computer-to-Plate-Version als gedrucktes Buch heraus - damals noch mit etwas über 2.000 ausschließlich sehr kurzen Einträgen. Er arbeitete und arbeitet für Musiker, Plattenfirmen, Zeitungen, Zeitschriften und Konzertveranstalter sowie als Schallplattenhändler und Eventmanager. Spielt Baß und Maultrommel, mag Black Sabbath und Grateful Dead, Jazz und Flamenco, lebt vom Internet (www.wintonet.de) und in Niederbayern in einer Keramikwerkstatt.


© 2022 · Peter Wulff · Grafik & Typographie
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